Hausmaus
Die Hausmaus (Mus musculus, EPPO-Code: MUSXMU) ist ein weltweit verbreitetes Nagetier, das in der Landwirtschaft als bedeutender Schaderreger auftritt. Obwohl sie primär als Vorratsschädling in Gebäuden, Silos und Lagern bekannt ist, kann sie insbesondere in trocken-warmen Jahren auch im Freiland erhebliche Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen verursachen. Sie besiedelt Getreidefelder, Rübenflächen und Obstplantagen, wo sie durch Fraß und Grabaktivitäten direkt ertragsmindernd wirkt.
Neben den direkten Fraßschäden an Saatgut, Keimlingen und reifenden Ernteprodukten stellt die Hausmaus ein massives hygienisches Risiko dar. Sie verunreinigt gelagertes Erntegut mit Kot, Urin und Haaren, was zum Totalverlust der Vermarktungsfähigkeit führen kann. Zudem ist dieser Schaderreger ein Vektor für zahlreiche Krankheitserreger (z. B. Salmonellen, Leptospiren), die sowohl für Nutztiere als auch für den Menschen gefährlich sind.
Biologie / Lebenszyklus
Unter günstigen Bedingungen, insbesondere in geschützten landwirtschaftlichen Gebäuden oder bei milder Witterung im Freiland, pflanzt sich die Hausmaus das ganze Jahr über fort. Ein einziges Weibchen kann pro Jahr 4 bis 8 Würfe mit jeweils 4 bis 8 Jungen großziehen, wobei die Tragzeit nur etwa 19 bis 21 Tage beträgt. Die Jungtiere erreichen bereits nach 5 bis 6 Wochen die Geschlechtsreife, was bei reichhaltigem Nahrungsangebot zu einer explosionsartigen Populationsentwicklung führt. Im Freiland wandern die Tiere im Frühjahr aus ihren Winterquartieren in die aufwachsenden Kulturen ein und kehren im Herbst, nach der Ernte, wieder in Gebäude und Strohmieten zurück.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits vor der Aussaat beginnen und sich über die kritischen BBCH-Stadien der Kulturen erstrecken, insbesondere während der Keimung (BBCH 09–19) und der Kornfüllung bis zur Reife (BBCH 71–89). Im Freiland kontrollierst du die Flächen auf frische Erdhaufen, offene Schlupflöcher, Laufwege (Wechsel) und Fraßspuren an den Pflanzen. Zur Befallsermittlung im Lagerbereich eignen sich ungiftige Indikatorköder (z. B. Haferflocken) oder Spurenplatten, um die Aktivität der Nagetiere frühzeitig zu erfassen, bevor sichtbare Schäden auftreten. Schadschwellen sind im Lagerbereich extrem niedrig anzusetzen (Toleranzgrenze nahe Null), während im Freiland bei sichtbarem Befall auf Freiflächen sofortige Maßnahmen eingeleitet werden sollten.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind kreisrunde Kahlstellen durch gefressenes Saatgut oder abgebissene Keimlinge kurz nach dem Auflaufen. An reifenden Getreideähren zeigen sich charakteristische Fraßspuren, bei denen die Halme oft schräg abgebissen werden, um an die Körner zu gelangen. Im Lager und in Silos erkennst du den Befall an spindelförmigen Kotpillen (ca. 3–8 mm lang), angenagten Säcken, Isolierungen und Kabeln sowie einem typischen, unangenehmen Ammoniakgeruch (Mäusestallgeruch).
Integriertes Management
Das integrierte Management der Hausmaus basiert auf vorbeugenden, mechanischen und chemischen Maßnahmen. Kulturelle Maßnahmen umfassen die konsequente Beseitigung von Nahrungsquellen und Unterschlupfmöglichkeiten durch gründliche Feldhygiene, tiefe Bodenbearbeitung zur Zerstörung von Gangsystemen und die Nagetiersicherung von Lagergebäuden (Verfugung, engmaschige Gitter). Zur biologischen Regulierung solltest du die Ansiedlung von Greifvögeln und Mauswieseln durch das Aufstellen von Sitzkrücken und Steinhaufen fördern. Wenn der Schwellenwert überschritten ist, kommen rodentizide Pflanzenschutzmittel (Köder) zum Einsatz. Hierbei ist das Resistenzmanagement (RRAC-Richtlinien) strikt zu beachten: Um Resistenzen gegen Antikoagulanzien zu vermeiden, müssen Wirkstoffe gezielt gewechselt und Köderstationen sachgerecht und verdeckt ausgelegt werden, um Nichtzielorganismen zu schützen.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich im Feld die Schadbilder der Hausmaus von denen der Feldmaus?
Während die Feldmaus (*Microtus arvalis*) weitverzweigte, oberirdische Laufpfade (Wechsel) zwischen ihren Erdlöchern anlegt und Pflanzenmaterial direkt am Loch anhäuft, ist die Hausmaus im Freiland meist weniger auffällig und nutzt vorhandene Deckung wie Hecken oder Gräben. Die Kotpillen der Hausmaus sind spindelförmig und spitz zulaufend (ca. 3–8 mm), während der Kot der Feldmaus eher walzenförmig und an den Enden abgerundet ist.
Welche gesetzlichen Vorgaben musst du bei der Anwendung von Rodentiziden im Freiland beachten?
Die Anwendung von rodentiziden Pflanzenschutzmitteln im Freiland unterliegt strengen Anwendungsbestimmungen des BVL zum Schutz von Nichtzielorganismen. Du darfst Köder niemals offen auslegen, sondern ausschließlich in zugriffsgeschützten Köderstationen oder verdeckt direkt in den Nagetiergängen (z. B. mittels Legeflinte), sodass sie für Vögel und andere Wildtiere unzugänglich sind.
Wie verhinderst du Resistenzen gegen Antikoagulanzien bei der Hausmaus?
Um Resistenzen vorzubeugen, solltest du nicht dauerhaft denselben Wirkstoff einsetzen. Wenn ein Wirkstoff der ersten Generation (z. B. Coumatetralyl) keine ausreichende Wirkung mehr zeigt, musst du auf Wirkstoffe der zweiten Generation (z. B. Brodifacoum, Flocoumafen) ausweichen, sofern diese für die jeweilige Anwendung zugelassen sind. Zudem ist eine lückenlose Köderkontrolle und die Beseitigung alternativer Nahrungsquellen zwingend erforderlich.
Wie findest du im Agronomy-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Hausmaus?
Nutze die Such- und Filterfunktion im Hub, indem du nach dem Schaderreger "Hausmaus" oder dem EPPO-Code "MUSXMU" suchst. Filtere die Ergebnisse anschließend nach deiner spezifischen Kultur (z. B. "Lagergut" oder "Ackerbau") und dem gewünschten Anwendungsbereich, um die aktuell in deinem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel und deren spezifische Auflagen einzusehen.
Warum ist die Bekämpfung der Hausmaus im BBCH-Stadium 00 bis 10 besonders kritisch?
In diesen frühen BBCH-Stadien (trockenes Saatgut bis zum Auflaufen) ist das Schadpotenzial im Freiland extrem hoch, da die Mäuse die frisch abgelegte Saat ausgraben und fressen. Ein starker Befall in dieser Phase führt zu lückigen Beständen, die sich im späteren Verlauf nicht mehr ausgleichen lassen, weshalb ein Monitoring und ggf. eine Behandlung direkt zur Aussaat stattfinden sollten.