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Schädling

Hausmaus

Mus musculus
MUSXMU

Die Hausmaus (Mus musculus, EPPO-Code: MUSXMU) ist ein weltweit verbreiteter Kleinsäuger aus der Ordnung der Nagetiere (Rodentia), der in der Landwirtschaft sowohl als Feld- als auch als Vorratsschädling erhebliche ökonomische Schäden verursacht. Während sie im Freiland vor allem in wärmeren Regionen oder während der Sommermonate in verschiedenen Kulturen anzutreffen ist, zieht sie sich bei sinkenden Temperaturen bevorzugt in landwirtschaftliche Gebäude, Lagerhäuser und Silos zurück.

Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers ergibt sich nicht nur aus dem direkten Fraßschaden an Saatgut, stehenden Kulturen (insbesondere Getreide und Mais) und gelagerten Erntegütern. Weitaus gravierender sind oft die indirekten Schäden durch die Verschmutzung von Erzeugnissen mit Kot, Urin und Haaren sowie die Übertragung von Krankheitserregern (Zoonosen) auf Mensch und Nutztier. Zudem beschädigen die Tiere durch ihre ständige Nagetätigkeit Verpackungsmaterialien, Isolierungen und elektrische Anlagen in landwirtschaftlichen Betrieben.

Typ
Schädling
EPPO-Code
MUSXMU
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen pro Jahr (ganzjährige Vermehrung möglich)
Verbreitung
Die Hausmaus ist als Kosmopolit weltweit verbreitet und tritt in allen landwirtschaftlich genutzten Regionen Mitteleuropas auf, wobei die Hauptschäden in der Lagerhaltung, Tierhaltung sowie im intensiven Pflanzenbau entstehen.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Unter günstigen Bedingungen, insbesondere in beheizten oder futterreichen Innenräumen, pflanzt sich die Hausmaus ganzjährig fort, während im Freiland die Reproduktion meist vom Frühjahr bis zum Herbst stattfindet. Ein einziges Weibchen kann pro Jahr 4 bis 8 Würfe mit jeweils 4 bis 8 Jungen aufziehen, die bereits nach etwa fünf bis sechs Wochen selbst geschlechtsreif werden. Diese extrem kurze Generationsdauer führt bei optimalem Nahrungsangebot und mangelnder Kontrolle zu einer explosionsartigen Populationsentwicklung innerhalb weniger Monate. Die Nester werden gut versteckt in Bodenlöchern, Strohmieten oder geschützten Gebäudebereichen angelegt, von wo aus die Tiere auf Nahrungssuche gehen.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte ganzjährig erfolgen, wobei im Freiland besonders die sensiblen BBCH-Stadien der Kulturen (z. B. von der Aussaat BBCH 00 bis zum Auflaufen BBCH 10 sowie zur Reife ab BBCH 80) im Fokus stehen. Zur Befallsermittlung im Lager und in Gebäuden werden Fraßlackspuren, Kotpillen, Laufspuren in staubigen Bereichen sowie systematisch aufgestellte, giftfreie Monitoring-Köderboxen ausgewertet. Schadschwellen im klassischen Sinne existieren für den Innenbereich nicht, da hier aufgrund von Hygienevorschriften eine Nulltoleranz gilt; im Freiland ist eine Behandlung einzuleiten, sobald frische Erdhaufen, offene Schlupflöcher oder erste Fraßschäden an den Kulturen sichtbar werden.

Symptome

Typische Symptome im Feld sind kreisrunde Kahlstellen durch abgefressene Keimlinge oder Halme, freigelegte und angefressene Saatkörner sowie charakteristische, schräg abgebissene Getreidehalme. Im Lagerbereich deuten zernagte Säcke, unregelmäßige Fraßspuren an gelagerten Früchten oder Getreidekörnern sowie spindelförmige, etwa 3–8 mm lange Kotpillen auf einen Befall hin. Zudem ist oft ein typischer, intensiver Ammoniakgeruch (Mausgeruch) wahrnehmbar, der durch die Reviermarkierung mit Urin entsteht.

Integriertes Management

Die integrierte Bekämpfung basiert auf vorbeugenden baulichen Maßnahmen (Rodent-proofing), um das Eindringen in Lager und Ställe zu verhindern, sowie auf strenger Betriebshygiene zur Reduzierung von Nahrungsquellen. Biologische Maßnahmen umfassen die Förderung natürlicher Feinde wie Greifvögel und Mauswiesel im Außenbereich durch das Aufstellen von Sitzstangen und das Anlegen von Steinhaufen. Für die chemische Bekämpfung stehen im Rahmen einer gezielten Anwendung rodentizide Pflanzenschutzmittel (z. B. auf Basis von Antikoagulanzien oder Fertigköder mit anderen Wirkstoffen) zur Verfügung, die ausschließlich in manipulationssicheren Köderstationen ausgebracht werden dürfen. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein Wirkstoffwechsel zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen zwingend erforderlich, und die strengen rechtlichen Vorgaben zur Risikominderungsmaßnahme (RMM) müssen strikt eingehalten werden.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich das Schadbild der Hausmaus im Feld von dem der Feldmaus?

Während die Feldmaus (Microtus arvalis) ausgedehnte Gangsysteme mit oberirdischen Laufpfaden (Wechseln) im Gras anlegt und hauptsächlich grüne Pflanzenteile frisst, bevorzugt die Hausmaus (Mus musculus) geschütztere Bereiche, konzentriert sich stark auf Samen sowie Getreidekörner und hinterlässt meist verstreute, spindelförmige Kotpillen anstelle von konzentrierten Kotplätzen.

Welche gesetzlichen Auflagen müssen bei der Anwendung von Rodentiziden mit Antikoagulanzien beachtet werden?

Die Anwendung von Antikoagulanzien der 2. Generation ist streng reglementiert und in der Regel sachkundepflichtigen Personen vorbehalten. Die Köder dürfen nur in manipulationssicheren Köderstationen ausgelegt werden, um Primär- und Sekundärvergiftungen von Nichtzielorganismen zu verhindern, und es müssen regelmäßige Kontroll- und Dokumentationspflichten erfüllt werden.

Wie kann ich im agronomy.farmable.tech Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Nagetiere suchen?

Nutzen Sie die Filtersuche im Hub und wählen Sie unter der Kategorie Schaderreger "Nagetiere" oder direkt "Hausmaus" aus. Filtern Sie anschließend nach der gewünschten Kultur (z. B. "Lagergut" oder "Ackerbau") und dem Anwendungsbereich, um die aktuell in Ihrem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten anzuzeigen.

Warum ist die Resistenzvermeidung bei der chemischen Bekämpfung von Hausmäusen so wichtig?

In vielen Regionen Mitteleuropas haben Hausmäuse bereits Resistenzen gegen Antikoagulanzien der 1. Generation (z. B. Warfarin) und teilweise auch gegen Wirkstoffe der 2. Generation entwickelt. Ein strategischer Wechsel zu Non-Antikoagulanzien (wie z. B. Cholecalciferol oder Alpha-Chloralose) in Absprache mit der Fachberatung ist entscheidend, um die Wirksamkeit der Behandlungen langfristig zu sichern.

Welche Rolle spielen BBCH-Stadien bei der Terminierung von Bekämpfungsmaßnahmen im Freiland?

Besonders kritisch sind die BBCH-Stadien 00 bis 10 (Aussaat bis Auflaufen), da Hausmäuse frisch abgelegtes Saatgut ausgraben. Eine Behandlung im Freiland sollte daher präventiv vor der Aussaat oder unmittelbar bei Feststellung erster Aktivität in diesen frühen Stadien erfolgen, um einen lückenhaften Feldaufgang zu verhindern.

Welche baulichen Maßnahmen (Rodent-proofing) sind für Getreidelager am effektivsten?

Alle Öffnungen, Lüftungsschlitze und Kabeldurchführungen mit einem Durchmesser von mehr als 6 mm müssen mit engmaschigem Metallgitter (Edelstahl) verschlossen werden. Zudem sollten Türen und Tore bodenbündig schließen (Spaltmaß unter 5 mm) und mit elastischen oder metallischen Bürstendichtungen versehen werden, um den Nagern jeglichen Zutritt zu verwehren.