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Schädling

Hopfenblattlaus

Phorodon humuli
PHODHU

Die Hopfenblattlaus (Phorodon humuli, EPPO-Code: PHODHU) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im Hopfenanbau weltweit und insbesondere in den mitteleuropäischen Hauptanbaugebieten wie der Hallertau. Als wirtswechselnde Blattlausart besiedelt sie im Frühjahr zunächst Primärwirte der Gattung Prunus (insbesondere Schlehe und Zwetschge), bevor sie im Frühsommer auf den Hopfen (Humulus lupulus) als Sekundärwirt überwandert.

Ein ungehinderter Befall führt durch die Saugtätigkeit der Läuse zu massiven Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten. Neben der direkten Schädigung durch Saftentzug und Honigtauausscheidung, die Rußtaupilze anzieht, ist Phorodon humuli ein gefürchteter Vektor für Pflanzenviren wie das Hopfenmosaikvirus (HpMV). Dies macht eine konsequente Überwachung und gezielte Regulierung im professionellen Hopfenbau unerlässlich.

Typ
Schädling
EPPO-Code
PHODHU
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Mehrere überlappende Generationen (wirtswechselnd)
Verbreitung
Phorodon humuli ist in allen gemäßigten Hopfenanbaugebieten der Nordhalbkugel, insbesondere in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens, weit verbreitet und verursacht dort jährlich erhebliche ökonomische Schäden.
Erstbeschreibung
Schrank, 1801 (Deutschland)

Biologie / Lebenszyklus

Die Überwinterung erfolgt als Ei an den Knospen der Primärwirte (Prunus spp.). Im Frühjahr schlüpfen die Stammmütter (Fundatricen), die sich parthenogenetisch vermehren, bis ab Mai geflügelte Alaten entstehen, die auf die Hopfenbestände überfliegen. Auf der Kultur Hopfen entwickeln sich über den Sommer hinweg mehrere Generationen ungeflügelter Weibchen in rasanter Folge, begünstigt durch warme, trockene Witterung. Im Spätsommer (ab Ende August, BBCH 75–89) werden wieder geflügelte Formen gebildet, die zur Paarung und Eiablage auf die Primärwirte zurückkehren.

Bonitur

Das Monitoring beginnt unmittelbar mit dem Erstflug der geflügelten Läuse in die Hopfenbestände, meist ab Mitte Mai (BBCH 15–19). Die Befallskontrolle erfolgt wöchentlich durch das Abklopfen von Blättern im mittleren und oberen Pflanzenbereich sowie die visuelle Bonitur von mindestens 50 Blättern pro Schlag. Als wirtschaftliche Schadschwelle gilt in der Praxis ein Besatz von durchschnittlich 50 bis 100 Blattläusen pro Blatt vor der Blüte (BBCH 51–55) oder das Auftreten der ersten Läuse direkt an den jungen Dolden (BBCH 71–75), da hier die Toleranzgrenze gegen Null sinkt.

Symptome

Typische Symptome im Feld sind eingerollte, deformierte Blätter im Kopfbereich der Hopfenreben, die oft eine gelbliche Verfärbung aufweisen. Bei starkem Befall sind die Blattunterseiten dicht mit Kolonien besiedelt, und die Pflanzen sind von klebrigem Honigtau überzogen, auf dem sich sekundär schwarze Rußtaupilze ansiedeln. Nach dem Ausbilden der Dolden dringen die Läuse in diese ein, was zu einer braunen Verfärbung, Verkrüppelung und schließlich zum Absterben der Dolden führt, wodurch die Hopfenqualität für die Brauindustrie unbrauchbar wird.

Integriertes Management

Die integrierte Bekämpfung setzt auf eine Kombination aus Kulturmaßnahmen, Förderung von Nützlingen und gezieltem chemischen Pflanzenschutz. Kulturmaßnahmen wie das rechtzeitige Entblättern der Rebenbasis reduzieren das feuchte Mikroklima und erschweren den Aufstieg der Läuse. Natürliche Gegenspieler wie Marienkäfer, Schwebfliegenlarven und Florfliegen können frühe Befallswellen effektiv eindämmen. Wenn chemische Pflanzenschutzmittel unumgänglich sind, müssen diese streng nach den Richtlinien des IRAC-Resistenzmanagements eingesetzt werden; Wirkstoffgruppen (z. B. Flonicamid, Spirotetramat) sollten jährlich alterniert werden, um der bekannten, raschen Resistenzbildung von Phorodon humuli entgegenzuwirken.

Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Witterung im Frühjahr den Überflug der Hopfenblattlaus in die Kultur?

Ein warmer und trockener Mai beschleunigt die Entwicklung auf den Primärwirten (Prunus) und führt zu einem frühen, massiven Überflug in die Hopfenbestände. Kühle, regnerische Witterung hingegen verzögert den Flug und dezimiert die empfindlichen geflügelten Läuse während der Migrationsphase.

Warum ist die Bekämpfung der Hopfenblattlaus nach der Blüte besonders kritisch?

Sobald sich die Dolden bilden (ab BBCH 61), wandern die Blattläuse in das Innere der Dolden ein. Dort sind sie vor Kontaktinsektiziden geschützt und verursachen direkte Schäden an den Lupulindrüsen, was zu herben Qualitätsverlusten führt. Behandlungen müssen daher zwingend vor dem Schließen der Dolden abgeschlossen sein.

Welche Rolle spielen systemische Pflanzenschutzmittel bei der Regulierung von Phorodon humuli?

Systemische und translaminare Pflanzenschutzmittel sind essenziell, da sich die Blattläuse bevorzugt auf den Blattunterseiten und im dichten Laubdach aufhalten. Diese Wirkstoffe verteilen sich in der Kultur und erfassen auch versteckt sitzende Schaderreger, erfordern jedoch eine aktive Saftströmung der Pflanze für eine optimale Wirkung.

Wie kann ich im Feld eine beginnende Resistenz gegen Pflanzenschutzmittel erkennen?

Wenn trotz fachgerechter Anwendung (korrekte Aufwandmenge, optimale Wasseraufwandmenge und Applikationstechnik) innerhalb von 3 bis 5 Tagen keine ausreichende Wirkung feststellbar ist und lebende Kolonien fortbestehen, liegt der Verdacht einer Resistenz nahe. In diesem Fall muss sofort die Wirkstoffklasse (IRAC-Gruppe) gewechselt werden.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Hopfenblattlaus auf agronomy.farmable.tech?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Hopfen' und dem Schaderreger 'Hopfenblattlaus' (Phorodon humuli). Dort werden Ihnen alle aktuell für diese Anwendung registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen der nationalen Zulassungsbehörden angezeigt.