Hopfenblattlaus
Die Hopfenblattlaus (Phorodon humuli, EPPO-Code: PHODHU) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im Hopfenanbau weltweit. Dieser wirtswechselnde Schädling saugt an den Blättern und Dolden der Hopfenpflanzen, was zu erheblichen Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten führt. Neben dem direkten Saugschaden ist die Laus als Vektor für verschiedene Pflanzenviren gefürchtet und scheidet klebrigen Honigtau aus, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln.
In den Hauptanbaugebieten Mitteleuropas ist ein konsequentes Management dieses Schaderregers unerlässlich. Ohne gezielte Regulierungsmaßnahmen kann der Befall im Extremfall zum Totalausfall der Ernte führen, da befallene Dolden verbräunen, vertrocknen und für die Brauindustrie unbrauchbar werden.
Biologie / Lebenszyklus
Die Hopfenblattlaus vollzieht einen obligatorischen Wirtswechsel (Holozyklus). Sie überwintert als Ei an Gehölzen der Gattung Prunus (insbesondere Pflaume, Schlehe, Zwetschge). Im Frühjahr schlüpfen die Stammmütter (Fundatrices), die sich zunächst parthenogenetisch auf dem Winterwirt vermehren. Ab Mai (etwa ab BBCH-Stadium 31 des Hopfens) entstehen geflügelte Morphen (Migrantes), die auf den Hopfen als Sommerwirt abwandern. Dort entwickeln sich über den Sommer hinweg mehrere Generationen ungeflügelter Weibchen (Virgines) in rasanter Folge, bevor im Spätsommer (ab BBCH 80) geflügelte Rückwanderer gebildet werden, die zur Eiablage auf die Winterwirte zurückkehren.
Bonitur
Das Monitoring beginnt im Frühjahr mit der Kontrolle der Winterwirte und setzt sich ab dem Austrieb des Hopfens (BBCH 11–19) intensiv fort. Ab dem Erscheinen der ersten geflügelten Läuse im Hopfenbestand (meist Ende Mai, BBCH 31–35) ist eine wöchentliche Bonitur von mindestens 50 Blättern (vorzugsweise aus dem mittleren und oberen Bereich der Kultur) durchzuführen. Die wirtschaftliche Schadensschwelle liegt in der sensiblen Phase vor der Blüte (bis BBCH 55) meist bei etwa 50 bis 100 Blattläusen pro Blatt, während nach der Blüte (ab BBCH 61) bereits ein geringer Befall der Dolden (Schadensschwelle oft bei 1–5 % befallener Dolden) sofortige Behandlungen erfordert.
Symptome
Ein Befall äußert sich zunächst durch das Einrollen und Verkräuseln der jungen Blätter an den Triebspitzen, oft begleitet von glänzendem, klebrigem Honigtau auf den Blattoberflächen. Bei starkem Befall siedeln sich auf diesem Honigtau schwarze Rußtaupilze an, die die Photosyntheseaktivität der Kultur stark einschränken. Später wandern die Läuse in die sich entwickelnden Dolden ein; diese verfärben sich rötlich-braun, verkrüppeln, bleiben im Wachstum zurück und können schließlich komplett vertrocknen (sogenannter Kupferhopfen).
Integriertes Management
Ein integriertes Management setzt auf die Schonung und Förderung natürlicher Gegenspieler wie Marienkäfer, Schwebfliegenlarven und Raubwanzen, die den Befallsdruck im Frühsommer biologisch regulieren können. Kulturmaßnahmen wie das Entfernen von bodennahem Laub und eine mechanische Unkrautregulierung reduzieren feuchte Mikroklimata, die den Schaderreger begünstigen. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten streng nach Schadensschwellen und unter Berücksichtigung des IRAC-Resistenzmanagements eingesetzt werden; um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein konsequenter Wirkstoffklassenwechsel (z. B. zwischen Neonicotinoiden, Ketoenolen und Flonicamid) zwingend einzuhalten.
Häufige Fragen
Wie erkennst du den optimalen Zeitpunkt für die erste Behandlung gegen die Hopfenblattlaus?
Der optimale Behandlungszeitpunkt liegt meist kurz nach dem Ende des Hauptflugs der geflügelten Läuse vom Winterwirt auf den Hopfen, typischerweise zwischen den BBCH-Stadien 31 und 39. Warte nicht, bis sich riesige Kolonien gebildet haben, sondern richte dich nach den regionalen Warndienstaufrufen und deinen eigenen wöchentlichen Auszählungen im Bestand.
Welche Rolle spielen Nützlinge bei der Regulierung von Phorodon humuli im integrierten Anbau?
Nützlinge wie Florfliegenlarven, Marienkäfer und räuberische Gallmücken können kleinere Blattlauspopulationen im Frühsommer effektiv unter der Schadensschwelle halten. Achte bei der Auswahl deiner Pflanzenschutzmittel darauf, nützlingsschonende Präparate zu bevorzugen, um diese kostenlose biologische Regulation in deiner Kultur nicht zu gefährden.
Wie kannst du im Pflanzenschutz-Hub gezielt nach zugelassenen Mitteln gegen diesen Schaderreger suchen?
Nutze im Hub die Filterfunktion für Kulturen und wähle „Hopfen“ aus. Filtere anschließend nach dem Schaderreger „Hopfenblattlaus“ oder gib direkt den EPPO-Code „PHODHU“ ein, um alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der zulässigen Aufwandmengen und Wartezeiten übersichtlich anzuzeigen.
Warum ist die Bekämpfung nach der Blüte (ab BBCH 61) besonders kritisch?
Sobald sich die Dolden schließen, sind die Blattläuse im Inneren vor Kontaktinsektiziden geschützt. Zudem führt bereits ein minimaler Befall in den Dolden zu Verfärbungen und Qualitätsverlusten, weshalb du systemische oder translaminare Pflanzenschutzmittel unbedingt vor dem Schließen der Dolden applizieren solltest, um die Kultur sauber zu halten.
Wie verhinderst du eine Resistenzbildung der Hopfenblattlaus gegen gängige Insektizide?
Die Hopfenblattlaus neigt aufgrund ihrer schnellen Generationenfolge stark zu Resistenzen. Wechsle bei aufeinanderfolgenden Anwendungen konsequent zwischen verschiedenen IRAC-Wirkstoffklassen (z. B. Gruppe 4D, 9B oder 23) und halte dich exakt an die auf dem Etikett angegebenen Aufwandmengen, um Unterdosierungen zu vermeiden.
Welchen Einfluss hat die Stickstoffdüngung auf den Befall mit der Hopfenblattlaus?
Eine überhöhte oder zu späte Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, weichen vegetativen Wachstum der Kultur. Dies zieht die geflügelten Läuse verstärkt an und begünstigt eine extrem schnelle Vermehrung der Population, weshalb du deine Düngung stets bedarfsgerecht und splittend gestalten solltest.