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Schädling

Kohlrübenblattwespe

Athalia rosae
ATALCO

Die Rapsblattwespe (Athalia rosae, EPPO-Code: `ATALCO`), auch als Kohlrübenblattwespe bekannt, ist ein bedeutender Schaderreger im europäischen Rapsanbau. Der Hautflügler gehört zur Familie der Blattwespen (Tenthredinidae) und befällt vor allem Kreuzblütler (Brassicaceae). Während die adulten Wespen durch ihre leuchtend orange-schwarze Färbung auffallen, geht der eigentliche wirtschaftliche Schaden von den gefräßigen Larven aus.

Besonders im Herbst kann ein starker Befall an Winterraps zu erheblichen Ertragsverlusten führen. Die Larven fressen an den Blättern der jungen Kulturen, was bei hoher Populationsdichte bis zum Kahlfraß führen kann. Dies schwächt die Pflanzen vor dem Wintereinbruch massiv und erhöht das Risiko von Auswinterungsschäden drastisch.

Neben Winterraps werden auch andere landwirtschaftliche Kulturen wie Senf, Rübsen und verschiedene Gemüsekohlarten befallen. Durch den Klimawandel und die damit verbundenen milden, trockenen Spätsommer gewinnt dieser Schaderreger in Mitteleuropa zunehmend an Bedeutung, da sich die Entwicklungsbedingungen für die späten Generationen verbessern.

Typ
Schädling
EPPO-Code
ATALCO
Wirte
1 Kultur
Generationen
Meist 2 bis 3 Generationen pro Jahr
Verbreitung
Athalia rosae ist in ganz Europa, Nordafrika und weiten Teilen Asiens verbreitet. Besonders in den intensiven Rapsanbauregionen Mitteleuropas verursacht der Schaderreger regelmäßig lokal begrenzte, aber ökonomisch gravierende Schäden durch Kahlfraß im Herbst.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Die Rapsblattwespe überwintert als vollentwickelte Larve (Eonymphe) in einem Kokon im Boden. Im Frühjahr erfolgt die Verpuppung, woraufhin ab Mai die adulten Wespen der ersten Generation schlüpfen. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier einzeln in die Blattränder der Wirtspflanzen ab. Die daraus schlüpfenden, zunächst graugrünen, später samtig schwarzgrauen Larven durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien und fressen intensiv an den Blättern. Je nach Witterung folgen im Sommer und Spätsommer eine zweite und oft eine unvollständige dritte Generation, wobei letztere im September und Oktober den größten Schaden im auflaufenden Winterraps verursacht.

Bonitur

Die Überwachung der Kulturen sollte unmittelbar nach dem Auflaufen des Winterrapses ab dem Keimblattstadium (BBCH 10) bis zum Rosettenstadium (BBCH 30) erfolgen. Zur Befallsermittlung werden Gelbschalen aufgestellt, um den Zuflug der adulten Wespen zu erfassen, gefolgt von regelmäßigen visuellen Kontrollen der Blattunterseiten auf Eiablagen und Junglarven. Die wirtschaftliche Schadensschwelle ist im frühen Herbst rasch erreicht: Als Richtwert gilt ein Befall von durchschnittlich ein bis zwei Larven pro Pflanze im Stadium BBCH 12 bis 14, oder wenn deutlicher Lochfraß an mehr als 10 % der Blattfläche sichtbar wird.

Symptome

Typisch für den Befall sind zunächst kleine, unregelmäßige Lochfraßstellen an den Blättern, die von den jungen Larven verursacht werden. Mit zunehmendem Alter der Larven weitet sich der Schaden zu einem intensiven Skelettierfraß aus, bei dem nur noch die dickeren Blattnerven stehen bleiben. Im Extremfall kommt es zum vollständigen Kahlfraß der jungen Kulturen, sodass nur noch die nackten Stängel übrig sind. Die Larven selbst sind gut an ihrer samtigen, dunkelgrauen bis schwarzen Färbung, der helleren Bauchseite und ihrer typischen Reaktion bei Störung – dem Zusammenrollen zu einer Spirale – zu erkennen.

Integriertes Management

Ein integriertes Management setzt auf eine Kombination aus pflanzenbaulichen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung nach der Ernte zerstört die im Boden ruhenden Kokons und reduziert den Ausgangsbestand für das Folgejahr. Die Förderung von natürlichen Gegenspielern wie Schlupfwespen und räuberischen Laufkäfern unterstützt die biologische Regulation. Wenn die Schadensschwelle im Herbst überschritten wird, ist der gezielte Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (meist Pyrethroide) erforderlich. Um der Entstehung von Resistenzen vorzubeugen, müssen Wirkstoffe im Rahmen des IRAC-Konzepts konsequent rotiert und die vorgegebenen Aufwandmengen sowie Wartezeiten strikt eingehalten werden.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet man die Larven der Rapsblattwespe von den Raupen des Kohlweißlings?

Obwohl beide an Kreuzblütlern fressen, gehören sie unterschiedlichen Insektenordnungen an. Die Larven der Rapsblattwespe (Afterraupen) besitzen neben den drei echten Brustbeinpaaren sieben Paare von Bauchfüßen (insgesamt 22 Beine) und haben eine glatte, samtig dunkelgraue bis schwarze Haut. Schmetterlingsraupen wie die des Kohlweißlings haben maximal fünf Paare von Bauchfüßen und sind oft behaart oder weisen eine andere Musterung auf.

Welchen Einfluss hat die Witterung auf das Schadpotenzial von Athalia rosae?

Warme und trockene Spätsommer begünstigen die Entwicklung der Rapsblattwespe massiv. Unter diesen Bedingungen verkürzt sich die Entwicklungszeit der Eier und Larven drastisch, was zu einer explosionsartigen Vermehrung der dritten Generation im September führt. Feucht-kalte Witterung hingegen hemmt die Aktivität der adulten Wespen und erhöht die Mortalität der Junglarven im Feld.

Warum ist die Bekämpfung im frühen BBCH-Stadium des Rapses so kritisch?

Im Keimblatt- bis frühen Laubblattstadium (BBCH 10 bis 14) besitzen die Rapspflanzen nur sehr wenig Blattmasse. Ein moderater Larvenfraß kann in dieser Phase innerhalb weniger Tage zum vollständigen Absterben der Keimlinge führen. Ältere, gut etablierte Pflanzen im Rosettenstadium tolerieren Blattverlust deutlich besser, weshalb die Wachsamkeit direkt nach dem Auflaufen am höchsten sein muss.

Wie finde ich im Agronomie-Hub aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub. Filtern Sie nach der Kultur "Winterraps" und wählen Sie als Zielorganismus "Rapsblattwespe" oder den EPPO-Code "ATALCO" aus. Das System listet Ihnen alle aktuell beim BVL registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und spezifischen Wartezeiten auf.

Welche Rolle spielen Ausfallraps und Zwischenfrüchte im Lebenszyklus der Rapsblattwespe?

Ausfallraps und kreuzblütige Zwischenfrüchte (wie Gelbsenf oder Ölrettich) dienen der zweiten und dritten Generation als wichtige "Grüne Brücke". Wenn diese Flächen im Spätsommer nicht rechtzeitig mechanisch bearbeitet oder umgebrochen werden, bieten sie ideale Vermehrungsbedingungen. Von dort wandern die adulten Wespen direkt in die neu auflaufenden Winterrapsbestände ein.

Gibt es Einschränkungen beim Einsatz von Pyrethroiden bezüglich des Resistenzmanagements?

Ja, da in vielen Regionen bereits Resistenzen bei anderen Rapsschädlingen (wie dem Erdfloh) gegen Pyrethroide (IRAC-Gruppe 3A) vorliegen, muss der Einsatz streng limitiert werden. Vermeiden Sie unnötige Behandlungen unterhalb der Schadensschwelle. Wenn eine Behandlung unumgänglich ist, applizieren Sie stets die volle zugelassene Aufwandmenge, um das Überleben teilresistenter Individuen zu verhindern, und wechseln Sie, sofern verfügbar, die Wirkstoffklasse.