Markeule
Die Markeule (Gortyna flavago, EPPO-Code: GORTFL), im deutschsprachigen Raum auch als Kartoffeltriebbohrer bekannt, ist ein nachtaktiver Schmetterling aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae). Als endophytischer Schaderreger besitzt diese Art eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung in verschiedenen landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen. Besonders betroffen ist der Hopfenbau (Humulus lupulus), aber auch im Kartoffel- und Gemüsebau kann der Schädling lokal nennenswerte Schäden verursachen.
Die Larven bohren sich in die Stängel und Triebe der Wirtspflanzen ein und fressen sich im Markkanal nach unten. Dies führt zu einer Unterbrechung des Saftstroms, was Welkeerscheinungen und das Absterben ganzer Triebe zur Folge hat. Aufgrund der versteckten Lebensweise der Larven im Inneren der Kultur ist eine direkte Regulierung nach dem Einbohren äußerst schwierig, weshalb der Schaderreger im integrierten Pflanzenschutz eine besondere Herausforderung darstellt.
Biologie / Lebenszyklus
Die Markeule bildet eine Generation pro Jahr aus. Die Überwinterung erfolgt im Eistadium an Pflanzenresten oder Wildkräutern im bodennahen Bereich. Im Frühjahr (meist ab April bis Mai) schlüpfen die jungen Larven und minieren zunächst in den Blättern von Wildkräutern, bevor sie auf die eigentlichen Kulturen wie Hopfen übergehen. Dort bohren sie sich in die jungen Triebe ein und fressen sich im Markkanal abwärts, wobei sie mehrere Larvenstadien bis zum Hochsommer durchlaufen. Die Verpuppung findet ab Juli oder August direkt im Fraßkanal im unteren Stängelbereich oder im Boden statt, woraufhin im Spätsommer (August bis Oktober) die adulten Falter schlüpfen, die nach der Paarung ihre Eier für die nächste Generation ablegen.
Bonitur
Das Monitoring beginnt im Frühjahr zur Zeit des Austriebs der Kulturen (beim Hopfen ab BBCH 09 bis BBCH 15). Da die Larven im Stängelinneren geschützt sind, müssen Kontrollen frühzeitig auf erste Welkesymptome der Triebspitzen und auf Bohrlöcher mit ausgeworfenem Kot (Frassmehl) an den Stängelbasen ausgerichtet werden. Gelb- oder Pheromonfallen können im Spätsommer (ab BBCH 81) zur Überwachung des Falterflugs eingesetzt werden, um das Eiablagepotenzial für das Folgejahr abzuschätzen. Wirtschaftliche Schadschwellen sind für diesen Schaderreger nicht exakt quantifiziert; im professionellen Anbau gilt jedoch bereits das vereinzelte Auftreten von welkenden Trieben im Frühjahr als Signal für verstärkte Hygienemaßnahmen und gezielte mechanische Eingriffe.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind plötzlich welkende und sich braun verfärbte Triebspitzen der betroffenen Kulturen im Frühjahr und Frühsommer. Bei genauerer Betrachtung der Stängel zeigt sich meist im unteren Drittel ein kleines, rundes Einbohrloch, aus dem feines, hellbraunes Kotmehl (Frasssubstrat) austritt. Schneidet man einen solchen Trieb längs auf, offenbart sich ein ausgehöhlter Markkanal, in dem sich die schmutzig-weiße bis gelbliche Larve mit dunklem Kopf und dunklen Warzen auf den Segmenten befindet. Im fortgeschrittenen Stadium knicken die betroffenen Triebe leicht um oder sterben vollständig ab.
Integriertes Management
Die Regulierung der Markeule basiert primär auf vorbeugenden, kulturtechnischen Maßnahmen. Eine konsequente Unkrautbekämpfung im und um den Bestand im Frühjahr entzieht den Junglarven die notwendigen Zwischenwirte (z. B. Kletten und Disteln). Befallene Triebe sollten bei den ersten Welkesymptomen im Frühjahr tief abgeschnitten und vernichtet werden, um die Larven vor der Verpuppung zu eliminieren. Eine biologische Regulierung kann durch den Einsatz von nützlichen Nematoden (z. B. Steinernema spp.) erfolgen, die gezielt an die Stängelbasis appliziert werden. Chemische Pflanzenschutzmittel (Insektizide aus der IRAC-Klasse 3A oder 28) sind nur im Ausnahmefall und ausschließlich vor dem Einbohren der Larven – also unmittelbar nach dem Schlupf im Frühjahr – wirksam; dabei ist streng auf ein Wirkstoffmanagement zur Vermeidung von Resistenzen zu achten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Warum ist die Bekämpfung der Markeule mit chemischen Pflanzenschutzmitteln so schwierig?
Sobald sich die Larve der Markeule in den Stängel der Kultur eingegraben hat, ist sie durch das Pflanzengewebe vor direktem Kontakt mit Kontaktinsektiziden geschützt. Systemische Pflanzenschutzmittel weisen im Markkanal oft keine ausreichende Wirkstoffkonzentration auf, weshalb chemische Anwendungen ausschließlich im kurzen Zeitfenster zwischen dem Larvenschlupf und dem Einbohren im Frühjahr erfolgen müssen.
Welche Rolle spielen Wildkräuter im Umfeld der Kultur für den Befallsdruck?
Wildkräuter wie die Große Klette (Arctium lappa), Disteln (Cirsium spp.) und Brennnesseln dienen den frisch geschlüpften Junglarven im zeitigen Frühjahr als lebenswichtige Zwischenwirte. Ein hoher Besatz mit diesen Pflanzen im Randbereich von Hopfenanlagen oder Äckern erhöht das Risiko einer Einwanderung der Schädlinge in die Hauptkultur drastisch.
Wie kann ich im Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger finden?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Hopfen) und dem Schaderreger "Markeule" oder "Kartoffeltriebbohrer". Achten Sie bei den gelisteten Anwendungen besonders auf die zugelassenen BBCH-Stadien und die spezifischen Anwendungsbestimmungen des BVL.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von nützlichen Nematoden?
Der Einsatz von entomopathogenen Nematoden (z. B. Steinernema-Arten) ist besonders im späten Frühjahr bis Frühsommer vielversprechend, wenn die Bodentemperaturen dauerhaft über 12 °C liegen. Die Applikation sollte bei feuchter Witterung oder in den Abendstunden direkt an die Stängelbasis erfolgen, damit die Nematoden aktiv in die Bohrlöcher einwandern können.
Wie unterscheidet sich der Schaden der Markeule von anderen Stängelbohrern?
Im Gegensatz zu anderen Bohrern hinterlässt die Markeule sehr markante, relativ große Auswurflöcher mit grobem, hellbraunem Kotmehl an der Stängelbasis. Zudem ist der Fraßkanal im Mark im Vergleich zu kleineren Schädlingen wie dem Maiszünsler meist deutlich breiter und führt schneller zum vollständigen Welken des gesamten Triebes oberhalb der Befallsstelle.
Hat die Bodenbearbeitung im Herbst einen Einfluss auf den Befall im Folgejahr?
Ja, eine flache Bodenbearbeitung oder das gründliche Mulchen von Pflanzenresten im Herbst stört die Eiablageplätze der Falter. Da die Eier oft an bodennahen Pflanzenteilen und trockenem Laub überwintern, reduziert das Einarbeiten oder Entfernen dieses Materials den Schlupferfolg der Larven im kommenden Frühjahr erheblich.