Alle Schaderreger
Schädling

Mehlige Apfelblattlaus (Dysaphis plantaginea)

Dysaphis plantaginea
DYSAPL

Die Mehlige Apfelblattlaus (Dysaphis plantaginea, EPPO-Code: DYSAPL) gilt als der wirtschaftlich bedeutendste Blattlausschädling im europäischen Erwerbsobstbau. Sie befällt primär Kulturapfelbäume und führt bereits bei geringer Befallsdichte zu massiven Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten. Der Schaderreger ist in allen gemäßigten Anbaugebieten weltweit verbreitet und stellt Obstbauern jährlich vor große Herausforderungen.

Die Saugtätigkeit der Läuse induziert starke Deformationen an Blättern und Trieben. Besonders kritisch ist jedoch die Schädigung der jungen Früchte: Bereits minimaler Befall im Bereich der Blütenknospen führt zu verkrüppelten, kleingebliebenen "Zwergäpfeln", die absolut unverkäuflich sind. Zudem scheiden die Kolonien große Mengen Honigtau aus, was zur Ansiedlung von Rußtaupilzen führt und die Photosyntheseleistung sowie die Fruchtqualität weiter herabsetzt.

Typ
Schädling
EPPO-Code
DYSAPL
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Wirtswechselnd, mehrere Generationen im Frühjahr auf Apfel
Verbreitung
Dysaphis plantaginea ist in ganz Europa, Nordamerika und weiten Teilen Asiens verbreitet und verursacht in fast allen Hauptanbaugebieten für Äpfel erhebliche ökonomische Schäden. Ohne gezielte Regulierungsmaßnahmen kann der Befall in Erwerbsanlagen zu einem Totalverlust der vermarktbaren Ernte führen.
Erstbeschreibung
Passerini, 1860 (Italien)

Biologie / Lebenszyklus

Der Schaderreger überwintert als Ei in Rindenritzen und an der Basis von Knospen am Apfelbaum (Primärwirt). Im Frühjahr, meist zum Knospenaufbruch (BBCH 07–09), schlüpfen die Stammmütter (Fundatricen), die sich parthenogenetisch vermehren und rasch dichte Kolonien an den Unterseiten der jungen Blätter bilden. Nach mehreren Generationen flügelloser Weibchen entstehen ab Juni (BBCH 69–71) geflügelte Morphen (Migrantes), die auf den Sekundärwirt – vor allem den Spitzwegerich (Plantago lanceolata) – abwandern. Dort entwickeln sich über den Sommer weitere Generationen, bevor im Herbst geflügelte Rückwanderer (Sexuparae) auf die Apfelbäume zurückkehren, um nach der Paarung mit den Männchen die Wintereier abzulegen.

Bonitur

Eine systematische Befallskontrolle ist im zeitigen Frühjahr unerlässlich, da die Schadensschwelle extrem niedrig liegt. Das Monitoring beginnt bereits im Winter durch die visuelle Astprobenkontrolle auf Wintereier, gefolgt von regelmäßigen Kontrollen ab dem Knospenaufbruch (BBCH 51–53) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69). Die kritische Schadensschwelle vor der Blüte liegt im integrierten Anbau bei lediglich 1 bis 2 kolonisierten Blütenbüscheln pro 100 kontrollierten Einheiten. Nach der Blüte sollte bei jeglichem Erstbefall sofort gehandelt werden, da sich die Kolonien rasant ausbreiten und die Früchte direkt schädigen.

Symptome

Typische Symptome im Feld sind stark eingerollte, oft rötlich oder gelblich verfärbte Blätter an den Triebspitzen, die meist von einer klebrigen Honigtauschicht überzogen sind. Die Triebe selbst zeigen ein gestauchtes, verkrümmtes Wachstum. Das markanteste Schadbild an den Früchten sind deformierte, höckerige und extrem kleinbleibende Äpfel ("Zwergobst"), die oft in dichten Clustern am Holz verbleiben. Bei starkem Befall sind die betroffenen Pflanzenteile zudem von Rußtaupilzen schwarz gefärbt, und es zeigt sich eine hohe Aktivität von Ameisen, die den Honigtau nutzen.

Integriertes Management

Das integrierte Management setzt auf eine Kombination aus biologischen, kulturtechnischen und chemischen Maßnahmen. Die Schonung und Förderung natürlicher Gegenspieler wie Marienkäfer, Schwebfliegenlarven, Florfliegen und Ohrenkneifer ist essenziell und kann durch das Einsäen von Blühstreifen im Fahrgassenbereich unterstützt werden. Eine stickstoffbetonte Überdüngung ist zu vermeiden, da weiches, mastiges Triebwachstum die Vermehrung des Schaderregers begünstigt. Wenn chemische Pflanzenschutzmittel erforderlich sind, müssen diese bevorzugt vor der Blüte (z. B. im BBCH-Stadium 53–59) appliziert werden, um die empfindlichen Nützlinge zu schonen und die Fundatricen vor dem Einrollen der Blätter zu erfassen. Beim Einsatz von Insektiziden ist ein striktes Resistenzmanagement gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen alternierend angewendet werden.

Häufige Fragen

Warum ist eine Behandlung nach der Blüte oft weniger erfolgreich?

Sobald sich die Blätter durch die Saugtätigkeit der Läuse stark eingerollt haben, sind die Kolonien mechanisch vor Kontaktinsektiziden geschützt. Zudem haben die Läuse zu diesem Zeitpunkt oft schon irreversible Schäden an den jungen Fruchtanlagen verursacht. Eine späte Behandlung kann zwar die Population reduzieren, rettet die verkrüppelten Früchte jedoch nicht mehr.

Wie kann ich nützlingsschonend gegen die Mehlige Apfelblattlaus vorgehen?

Nutze gezielt nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel vor der Blüte (z. B. Präparate auf Basis von Neem oder spezifischen systemischen Wirkstoffen) und fördere gezielt Räuber wie Florfliegen und Ohrwürmer durch das Aufhängen von Nisthilfen direkt in den Baumkronen. Vermeide breitbandige Pyrethroide, da diese die natürlichen Gegenspieler dezimieren und so Folgepopulationen begünstigen.

Welche Rolle spielen Ameisen bei einem Befall und wie gehe ich damit um?

Ameisen pflegen und schützen die Blattlauskolonien aktiv vor Fressfeinden, um den ausgeschiedenen Honigtau zu ernten. Ein starker Ameisenverkehr am Stamm ist ein sicheres Indiz für Blattlausbefall. Das Anbringen von Leimringen am Stamm im zeitigen Frühjahr kann den Ameisenaufstieg verhindern und so den natürlichen Gegenspielern den Zugang zu den Blattläusen erleichtern.

Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?

Navigiere im Hub zum Bereich "Pflanzenschutz" und filtere nach der Kultur "Apfel" sowie dem Schaderreger "Mehlige Apfelblattlaus" (oder suche direkt nach dem EPPO-Code DYSAPL). Dort erhältst du eine tagesaktuelle Liste aller in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und einzuhaltenden Wartezeiten.

Gibt es Sortenunterschiede bei der Anfälligkeit von Apfelbäumen?

Ja, Apfelsorten reagieren unterschiedlich empfindlich auf den Befall. Sorten wie 'Florina' oder 'Goldrush' zeigen eine gewisse Toleranz oder geringere Attraktivität für den Schaderreger, während gängige Erwerbsobstsorten wie 'Jonagold', 'Gala' und 'Braeburn' hochgradig anfällig sind und bei diesen Kulturen eine besonders lückenlose Überwachung stattfinden muss.

Welchen Einfluss hat das Wetter im Frühjahr auf die Populationsdynamik?

Ein warmes und trockenes Frühjahr beschleunigt die Entwicklung der Generationen und führt zu einer explosionsartigen Vermehrung. Kühles, regnerisches Wetter hingegen verlangsamt die Entwicklung der Läuse und fördert gleichzeitig die Aktivität von pilzlichen Krankheitserregern, die die Blattläuse natürlicherweise dezimieren können.