Penicillium
Die Gattung Penicillium (EPPO-Code: 1PENIG), insbesondere der Erreger Penicillium expansum (Grünschimmel oder Blauäule), stellt eine der wirtschaftlich bedeutendsten nachentntezeitlichen Pilzkrankheiten im Kernobstbau dar. Der Schaderreger betrifft weltweit wichtige Kulturen wie Apfel (Malus domestica) und Birne (Pyrus communis). Besonders während der Lagerung, des Transports und der Vermarktung führt der Pilz zu massiven Qualitätsverlusten und fäulnisbedingten Totalausfällen.
Neben dem direkten Ertragsverlust ist die Produktion von Mykotoxinen, insbesondere Patulin, ein kritisches Problem für die verarbeitende Industrie. Da kontaminiertes Obst nicht mehr für die Saft- oder Babynahrungsherstellung verwendet werden darf, sind die wirtschaftlichen Schäden für Obstbaubetriebe und Genossenschaften immens. Der Schaderreger ist ubiquitär verbreitet und tritt in allen gemäßigten Anbauregionen weltweit auf, wo Kernobst gelagert wird.
Biologie / Lebenszyklus
Der Pilz überdauert als Konidie oder Myzel auf organischem Material im Obstgarten, an Kisten, Sortieranlagen und in den Lagerhäusern. Die Infektion erfolgt primär während oder nach der Ernte über mechanische Verletzungen der Fruchtschale, wie sie durch Erntehelfer, Äste oder Sortiermaschinen entstehen, sowie über natürliche Öffnungen wie Lentizellen oder den Stielansatz. Unter feuchtkühlen Bedingungen im Kühllager keimen die Sporen aus, dringen in das Fruchtgewebe ein und breiten sich rasch aus. Durch die Produktion von Enzymen wird das Gewebe zersetzt, und es bilden sich neue Konidiophore, die unzählige bläulich-grüne Sporen freisetzen. Diese Sporen verbreiten sich über die Luft oder das Waschwasser im Lagerhaus und können gesunde Nachbarfrüchte (sogenannte Nestfäule) infizieren.
Bonitur
Da *Penicillium* primär ein Lagerschaderreger ist, beginnt das Monitoring bereits vor der Ernte ab dem BBCH-Stadium 81 (Beginn der Fruchtreife) bis BBCH 89 (Pflückreife). Eine direkte Schadschwelle im Feld existiert nicht, weshalb die Überwachung auf der Erfassung von Fruchtverletzungen, dem Falllaubaufkommen und der allgemeinen Hygiene im Obstgarten basiert. Nach der Ernte ist eine kontinuierliche Kontrolle der Lagerpartien unerlässlich, um erste Fäulnisnester frühzeitig zu erkennen und betroffene Chargen vor der Ausbreitung des Erregers auszusortieren. Zudem empfiehlt sich eine regelmäßige Keimzahlbestimmung der Luft und des Umlaufwassers in den Sortieranlagen, um das Infektionsrisiko im Packhaus zu bewerten.
Symptome
Die Symptome zeigen sich meist erst im Lager als weiche, kreisrunde, wässrige Fäulnisstellen auf der Frucht, die hellbraun bis gelblich gefärbt sind. Das betroffene Fruchtfleisch lässt sich leicht kreisförmig aus der gesunden Frucht herauslösen und verströmt einen charakteristischen, muffig-schimmeligen Geruch. Bei fortschreitender Infektion bricht das Myzel durch die Schale und bildet dichte, zunächst weiße, später typisch blau-grüne Sporenlager (Konidienrasen) aus. Unter feuchten Lagerbedingungen kann die gesamte Frucht innerhalb kurzer Zeit vollständig zersetzt werden und schrumpfen.
Integriertes Management
Die Bekämpfung von *Penicillium* erfordert ein konsequentes, integriertes Management, da chemische Pflanzenschutzmittel allein oft nicht ausreichen und das Risiko von Resistenzen hoch ist. Kulturmaßnahmen stehen im Vordergrund: Vermeide jegliche mechanische Beschädigung der Früchte bei der Ernte und dem Transport, reinige und desinfiziere Erntekisten, Sortieranlagen und Lagerräume regelmäßig. Biologische Ansätze umfassen den Einsatz von antagonistischen Hefen oder Bakterien direkt nach der Ernte, um die Wunden zu besiedeln. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) können im Freiland kurz vor der Ernte (Wartezeit beachten!) oder als Nacherntebehandlung appliziert werden. Um Resistenzen zu vermeiden, musst du unbedingt die FRAC-Richtlinien einhalten und Wirkstoffe aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. Fludioxonil, Pyrimethanil) im Wechsel anwenden.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie kannst du das Risiko einer Penicillium-Infektion bereits bei der Ernte minimieren?
Achte penibel darauf, dass deine Erntehelfer Handschuhe tragen und die Früchte vorsichtig pflücken, um Fingernagelrisse und Druckstellen zu vermeiden. Erntekisten sollten flach befüllt und holprige Transporte vermieden werden, da jede Mikroverletzung der Schale als Eintrittspforte für den Schaderreger dient.
Welche Rolle spielt die Temperatursteuerung im Lager bei der Bekämpfung dieses Schaderregers?
Eine schnelle Abkühlung des Kernobstes direkt nach der Ernte auf Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt (je nach Kultur und Sorte 0,5 bis 2 °C) verlangsamt das Myzelwachstum des Pilzes erheblich. Allerdings stoppt Kälte den Erreger nicht vollständig; er kann auch bei niedrigen Temperaturen langsam weiterwachsen, weshalb eine Kombination mit kontrollierter Atmosphäre (CA-Lager) ratsam ist.
Wie findest du im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Penicillium für deine Kultur?
Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach deiner spezifischen Kultur (z. B. Apfel oder Birne) und dem Schaderreger "Penicillium". Achte bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die angegebenen BBCH-Anwendungsfenster und die einzuhaltenden Wartezeiten vor der Ernte.
Warum ist die Wasserhygiene bei der Nasssortierung so entscheidend?
Im Umlaufwasser von Sortieranlagen reichern sich Konidien des Pilzes extrem schnell an. Ohne eine kontinuierliche Desinfektion oder den regelmäßigen Austausch des Wassers fungiert die Anlage als Infektionsschleuder, die Sporen direkt in die frischen Ernte- und Sortierwunden aller durchlaufenden Früchte spült.
Wie gehst du vor, um einer schnellen Resistenzbildung des Pilzes gegen Fungizide vorzubeugen?
Halte dich strikt an das Antiresistenzmanagement nach FRAC. Verwende für Behandlungen im Feld kurz vor der Ernte keine Wirkstoffe aus derselben chemischen Gruppe wie für eventuelle Nacherntebehandlungen, und wechsle die Wirkmechanismen systematisch ab, um selektiven Druck auf den Schaderreger zu minimieren.
Kannst du infiziertes Obst noch für die Saftproduktion verwenden?
Davon ist dringend abzuraten. Der Pilz produziert das hitzestabile Mykotoxin Patulin, das beim Pressen in den Saft gelangt. Da für Patulin strenge gesetzliche Grenzwerte (insbesondere für Säuglings- und Kindernahrung) gelten, können kontaminierte Chargen die gesamte Produktion unverkäuflich machen.