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Pilz

Penicillium

Penicillium
1PENIG

Die Pilzgattung Penicillium (EPPO-Code: 1PENIG), insbesondere der Erreger Penicillium expansum, ist weltweit einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im Kernobstanbau. Als klassischer Schwäche- und Wundparasit verursacht der Pilz die sogenannte Grünfäule (auch Blauäule genannt) an Äpfeln (Malus domestica) und Birnen (Pyrus communis). Die Infektion erfolgt meist über Mikroverletzungen, die bei der Ernte, dem Transport oder der Sortierung entstehen.

Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers ist enorm, da die Symptome oft erst während der langfristigen Lagerung im CA-Lager (Controlled Atmosphere) sichtbar werden. Neben dem direkten Ertragsverlust durch verfaulte Früchte stellt die Kontamination mit dem Mykotoxin Patulin ein erhebliches Qualitätsrisiko dar, besonders bei der Verarbeitung zu Babynahrung oder Fruchtsäften. Befallene Partien können dadurch vollständig unverkäuflich werden.

Typ
Pilz
EPPO-Code
1PENIG
Wirte
2 Kulturen
Generationen
Mehrere, sich überlagernde Generationen im Lager
Verbreitung
Weltweit in allen gemäßigten Anbaugebieten von Kernobst verbreitet, mit massiven wirtschaftlichen Verlusten insbesondere in modernen Langzeitlagern Europas und Nordamerikas.
Erstbeschreibung
Link, 1809

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Penicillium ist eng an die Lagerphase der Früchte gekoppelt. Die Überdauerung des Schaderregers erfolgt als Konidien oder Myzel auf organischem Material im Obstgarten, an Erntekisten, Sortieranlagen und in den Wänden von Kühlhäusern. Während der Ernte gelangen die ubiquitär vorhandenen Sporen auf die Fruchtoberfläche und dringen durch Wunden (z. B. Stielstiche, Risse, Frostschäden) oder über die Lentizellen in das Fruchtfleisch ein. Unter kühlen Lagerbedingungen keimen die Sporen langsam aus, besiedeln das Gewebe und bilden bei fortschreitender Fäulnis ein charakteristisches blau-grünes Sporenbett aus, das wiederum gesunde Nachbarfrüchte durch Kontaktinfektion ("Nesterbildung") anstecken kann.

Bonitur

Ein direktes Monitoring im Freiland vor der Ernte ist kaum aussagekräftig, da der Schaderreger latent vorhanden ist. Die kritische Phase für die Befallsüberwachung beginnt ab dem BBCH-Stadium 87 (Pflückreife) bis BBCH 89 (Konsumreife) sowie während der gesamten Lagerdauer. Agronomen und Betriebsleiter sollten regelmäßige Bonituren der eingelagerten Kisten durchführen, um erste Fäulnisnester frühzeitig zu erkennen. Da es keine etablierten Schadschwellen im klassischen Sinne gibt, gilt im Lager eine Nulltoleranz; die Überwachung konzentriert sich daher auf die Hygiene der Erntekisten und die Keimbelastung des Waschwassers in den Sortieranlagen.

Symptome

Die Symptome beginnen als weiche, wässrige, hellbraune bis kreisrunde Faulstellen auf der Fruchthaut, die sich schnell in die Tiefe des Fruchtfleisches ausbreiten. Das befallene Gewebe lässt sich leicht vom gesunden Gewebe abgrenzen und verströmt einen charakteristischen, muffig-schimmeligen Geruch. Bei hoher Luftfeuchtigkeit im Lager bildet sich auf den betroffenen Stellen rasch ein dichter, zunächst weißer, später durch die Sporenbildung typisch blau-grüner Schimmelrasen aus. Im fortgeschrittenen Stadium bricht die Fruchtschale auf, und die Fäulnis erfasst die gesamte Kultur.

Integriertes Management

Die Bekämpfung von Penicillium erfordert eine konsequente integrierte Strategie, die vor allem auf vorbeugenden Kulturmaßnahmen basiert. Im Freiland steht die Vermeidung von Fruchtbeschädigungen bei der Ernte im Vordergrund. Eine gründliche Desinfektion von Erntekisten, Sortieranlagen und Lagerräumen minimiert das Inokulum drastisch. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) können im Vorerntebereich (ca. BBCH 81 bis BBCH 89) oder als Nacherntebehandlung (sofern national zugelassen) eingesetzt werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, indem Wirkstoffe aus unterschiedlichen chemischen Klassen (z. B. Fludioxonil, Pyrimethanil) im Wechsel angewendet werden. Auch der Einsatz biologischer Antagonisten (z. B. Hefen) im Nacherntebereich gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen Penicillium suchen?

Nutzen Sie die zentrale Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur (z. B. Apfel oder Birne) und dem Schaderreger "Penicillium" oder dem EPPO-Code "1PENIG". Das System listet Ihnen alle aktuell in Ihrer Region registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der spezifischen Indikationen, Aufwandmengen und Wartezeiten auf.

Welche Rolle spielt die Lagertemperatur und die CO2-Konzentration bei der Unterdrückung von Penicillium?

Eine rasche Abkühlung der Früchte direkt nach der Ernte auf Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt (0 bis 4 °C) verlangsamt das Myzelwachstum erheblich. In CA-Lagern (Controlled Atmosphere) mit erhöhtem CO2-Gehalt (über 3 %) und reduziertem O2-Gehalt wird die Sporenkeimung zusätzlich gehemmt, wenngleich der Pilz bei Sauerstoffmangel nicht vollständig abgetötet wird.

Warum ist die Vermeidung von Stickstoffüberdüngung im Sommer eine wichtige Vorbeugemaßnahme?

Eine übermäßige Stickstoffversorgung führt zu einem weicheren Fruchtfleisch und einer dünneren Cuticula der Früchte. Solche Kulturen sind während der Ernte und des Transports wesentlich anfälliger für Mikrorisse und mechanische Verletzungen, die dem Schaderreger als Eintrittspforten dienen.

Wie unterscheidet sich die Grünfäule (Penicillium) optisch von der Bitterfäule (Gloeosporium)?

Während Penicillium-Infektionen ein sehr weiches, wässriges Gewebe mit einem typisch blau-grünen Sporenbelag und muffigem Geruch erzeugen, ist das Gewebe bei einer Gloeosporium-Fäule (Bitterfäule) meist fester, trocken-eingesunken und bildet konzentrische Kreise mit lachsfarbenen Sporenlagern ohne den intensiven Schimmelgeruch.

Welche FRAC-Vorgaben müssen bei der chemischen Bekämpfung im Vorerntebereich beachtet werden?

Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, dürfen Fungizide aus den Wirkstoffklassen der SDHI (FRAC-Gruppe 7) oder Anilinopyrimidine (FRAC-Gruppe 9) nicht wiederholt solo angewendet werden. Ein Wechsel mit Wirkstoffen anderer Wirkmechanismen (z. B. Fludioxonil, FRAC-Gruppe 12) ist zwingend erforderlich, um die Sensitivität der Penicillium-Populationen im Lager aufrechtzuerhalten.

Kann warmes Wasser bei der Nacherntebehandlung (Drenching) das Infektionsrisiko erhöhen?

Ja, wenn das Umlaufwasser beim Drenchen oder in den Sortierkanälen nicht kontinuierlich desinfiziert oder filtriert wird, reichern sich Penicillium-Konidien extrem schnell an. Das warme Wasser öffnet zudem die Lentizellen der Früchte, wodurch der Schaderreger massenhaft in das Fruchtgewebe eingeschwemmt wird.