Phoma betae
Neocamarosporium betae (EPPO-Code: PLEOBJ), in der Praxis oft noch unter dem synonymen Namen Phoma betae bekannt, ist ein wirtschaftlich bedeutender pilzlicher Schaderreger, der vor allem Rübenkulturen (wie Zuckerrübe und Futterrübe) sowie Spinat befällt. Der Pilz ist für verschiedene Schadbilder verantwortlich, die von Keimlingskrankheiten bis hin zu Fäulniserscheinungen an der reifen Rübe reichen.
Die wirtschaftliche Relevanz dieses Schaderregers ist hoch, da ein früher Befall im Keimlingsstadium zu erheblichen Lücken im Pflanzenbestand und damit zu direkten Ertragsverlusten führt. Späterer Befall mindert nicht nur das Rübengewicht, sondern beeinträchtigt durch Fäulnisprozesse auch die Zuckerqualität und die Lagerfähigkeit der geernteten Kulturen in den Mieten drastisch.
Der Erreger tritt weltweit in fast allen gemäßigten Anbauregionen auf. Besonders unter feucht-kühlen Bedingungen im Frühjahr kann sich die Krankheit rasch ausbreiten, weshalb eine integrierte Bekämpfungsstrategie für den Rübenanbau unerlässlich ist.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überdauert primär als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern (Pyknidien und Pseudothezien) auf infizierten Pflanzenresten im Boden oder direkt auf dem Saatgut. Im Frühjahr infizieren die freigesetzten Konidien unter feuchten Bedingungen die auflaufenden Keimlinge, was zum klassischen Wurzelbrand führt. Im weiteren Vegetationsverlauf breitet sich der Pilz durch Wind- und Regenspritzer auf den Blättern aus, wo er konzentrische Blattflecken bildet. Im Herbst wandert das Myzel vom Blattapparat in den Rübenkopf und verursacht dort die Herz- und Trockenfäule, bevor der Pilz schließlich auf den Ernterückständen überwintert.
Bonitur
Die kritischste Phase für das Monitoring liegt zwischen dem Auflaufen und dem 4-Blatt-Stadium (BBCH 09 bis 14). Du solltest deine Bestände in dieser Zeit regelmäßig auf verfärbte, eingeschnürte Keimstängel kontrollieren, um das Ausmaß des Wurzelbrandes abzuschätzen. Ein systematisches Auszählen von Fehlstellen hilft dir, die Notwendigkeit von Nachsaaten zu bewerten. Später im Jahr, ab BBCH 39 (Reihenschluss), empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Herzblätter auf Vergilbungen und Welkeerscheinungen, um eine beginnende Herz- und Trockenfäule frühzeitig zu erkennen.
Symptome
An Keimlingen zeigt sich der Befall durch eine typische Schwarzfärbung und fadenförmige Einschnürung des Keimstängels (Hypokotyl), was zum Umfallen und Absterben der Jungpflanzen führt. Auf den Blättern älterer Kulturen entstehen runde, hellbraune Flecken mit charakteristischen konzentrischen Ringen, in denen winzige, schwarze Punkte (die Pyknidien) sichtbar sind. Bei der Herz- und Trockenfäule sterben die jüngsten Herzblätter im Zentrum der Rosette ab und verfärben sich schwarz, während der Rübenkopf eine trockene, braunschwarze Fäulnis aufweist, die tief in das Gewebe eindringen kann.
Integriertes Management
Eine erfolgreiche Bekämpfung basiert auf einer konsequenten Fruchtfolgegestaltung mit mindestens dreijährigen Anbaupausen zu anderen Wirtskulturen. Die wichtigste direkte Maßnahme ist die Verwendung von zertifiziertem, mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gebeiztem Saatgut, um den samenbürtigen Befall zu unterdrücken. Eine harmonische Stickstoffdüngung und die Vermeidung von Bodenverdichtungen fördern ein zügiges Jugendwachstum der Kulturen, wodurch das Zeitfenster für den Wurzelbrand verkürzt wird. Beim Einsatz von Blattfungiziden zur Bekämpfung von Sekundärinfektionen ist auf einen Wirkstoffwechsel (z. B. zwischen Triazolen und Strobilurinen gemäß FRAC-Richtlinien) zu achten, um Resistenzbildungen vorzubeugen.
Häufige Fragen
Wie unterscheidest du den Wurzelbrand durch Neocamarosporium betae von Schäden durch andere Erreger wie Aphanomyces?
Während Neocamarosporium betae oft schon sehr früh bei kühleren Temperaturen am Keimling auftritt und eine tiefschwarze, trockene Einschnürung verursacht, führt Aphanomyces cochlioides meist zu einer eher glasigen, graubraunen Fäulnis bei wärmeren Bodentemperaturen. Achte auf die winzigen schwarzen Pyknidien auf dem abgestorbenen Gewebe, die typisch für Neocamarosporium betae sind.
Welche Rolle spielt der Boden-pH-Wert bei der Ausprägung der Herz- und Trockenfäule?
Ein hoher pH-Wert (insbesondere auf kalkreichen Böden) oder akuter Bormangel begünstigen die Herz- und Trockenfäule massiv. Da Bor für die Zellwandstabilität essenziell ist, entstehen bei Mangel Mikrorisse im Rübenkopf, die dem Schaderreger als ideale Eintrittspforte dienen. Achte daher stets auf eine ausgewogene Borversorgung deiner Kulturen.
Kannst du infizierte Rüben bedenkenlos einlagern?
Nein, das solltest du unbedingt vermeiden. Rüben mit Symptomen der Herz- und Trockenfäule neigen in der Miete zu starker Nesterfäule. Der Pilz breitet sich während der Lagerung weiter aus, was zu hohen Masseverlusten führt und den Zuckergehalt sowie die Verarbeitbarkeit in der Fabrik drastisch verschlechtert.
Wie findest du im Agronomy-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach der Kultur 'Zuckerrübe' oder 'Spinat' und dem Schaderreger 'Neocamarosporium betae' (oder dem Synonym 'Phoma betae'). Dir werden dann alle aktuell registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, Wartezeit und den zugelassenen BBCH-Stadien angezeigt.
Warum ist die Saatgutbeizung bei diesem Schaderreger so entscheidend?
Da der Pilz tief in die Samenschale eindringen kann, ist eine rein mechanische Reinigung wirkungslos. Die Beizung stellt sicher, dass der Wirkstoff direkt am Keimling wirkt, sobald dieser zu wachsen beginnt. Dies schützt die empfindliche Wurzel in den ersten kritischen Wochen (BBCH 00 bis 12) vor boden- und samenbürtigen Infektionen.
Welche Fruchtfolgen solltest du meiden, um das Risiko im Boden zu minimieren?
Vermeide enge Rotationen von Zuckerrüben mit anderen Wirtskulturen wie Spinat, Rote Bete oder Mangold. Da der Schaderreger auf den Ernterückständen dieser Kulturen mehrere Jahre im Boden überleben kann, solltest du eine Anbaupause von mindestens drei, besser vier Jahren einhalten.