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Pilz

Phoma betae

Neocamarosporium betae
PLEOBJ

Neocamarosporium betae (EPPO-Code: PLEOBJ), in der landwirtschaftlichen Praxis oft noch unter dem weit verbreiteten Synonym Phoma betae bekannt, ist ein bedeutender pilzlicher Schaderreger, der vor allem im Rübenanbau (Zuckerrübe, Futterrübe, Rote Bete) sowie bei Spinat erhebliche Schäden verursachen kann. Der Pilz ist der Haupterreger des gefürchteten Wurzelbrandes bei Keimlingen und führt im späteren Vegetationsverlauf zur Herz- und Trockenfäule an älteren Rüben.

Die wirtschaftliche Relevanz des Schaderregers ist hoch, da er sowohl die Keimfähigkeit des Saatguts mindert als auch zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten durch Rübenfäule im Feld und während der Lagerung führt. Befallene Bestände weisen oft erhebliche Lücken auf, was den Unkrautdruck erhöht und den Gesamtertrag drastisch reduziert. Der Erreger ist weltweit in fast allen gemäßigten Anbaugebieten verbreitet, in denen Rüben kultiviert werden.

Neben der direkten Schädigung der Kultur im Feld stellt die Übertragung durch infiziertes Saatgut ein zentrales Problem dar. Da der Pilz tief in die Samenschale eindringen kann, ist eine effektive Saatgutbehandlung eine der wichtigsten Säulen zur Gesunderhaltung der Jungpflanzen in den frühen BBCH-Stadien.

Typ
Pilz
EPPO-Code
PLEOBJ
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Polyzyklisch (mehrere Konidiengenerationen pro Saison)
Verbreitung
Der Schaderreger ist weltweit in allen gemäßigten Klimazonen verbreitet, in denen Rüben angebaut werden, insbesondere in Europa und Nordamerika. Er verursacht regelmäßig erhebliche wirtschaftliche Schäden durch Ertragsminderungen und Qualitätsverluste bei der Zucker- und Saatgutproduktion.
Erstbeschreibung
Frank, 1892 (Deutschland)

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Neocamarosporium betae beginnt meist mit infiziertem Saatgut oder im Boden verbliebenen Ernterückständen, auf denen der Pilz als Myzel oder in Form von Pyknidien (Fruchtkörpern) überdauert. Unter feucht-kühlen Bedingungen im Frühjahr keimen die Sporen (Konidien) aus und infizieren die jungen Keimlinge, was zum klassischen Wurzelbrand führt. Im Sommer breitet sich der Schaderreger polyzyklisch über wind- und regengespülte Konidien auf den Blättern aus, wo er konzentrische Blattflecken verursacht. Gegen Ende der Vegetationsperiode dringt das Myzel in den Rübenkopf ein und löst die Herz- und Trockenfäule aus. Die Hauptfruchtform (Pleospora betae) bildet Pseudothezien auf abgestorbenem Gewebe, welche im folgenden Frühjahr Ascosporen für Primärinfektionen freisetzen können.

Bonitur

Die Überwachung des Schaderregers beginnt bereits unmittelbar nach dem Auflaufen der Kultur (BBCH 10–19) durch regelmäßige Bonituren auf Fehlstellen und typische Symptome des Wurzelbrandes (eingeschnürte, schwarz gefärbte Hypokotyle). Ein besonderes Augenmerk ist auf feuchte Senken und verschlämmte Böden zu richten, da diese Bedingungen die Infektion begünstigen. Für die spätere Phase der Herz- und Trockenfäule liegt der Fokus der Befallskontrolle ab BBCH 39 (Reihenschluss) bis BBCH 49 auf dem Welken der Herzblätter. Da es für Neocamarosporium betae keine starren wissenschaftlichen Schadschwellen gibt, dient das Monitoring primär der Entscheidung über eine optimierte Fruchtfolgegestaltung, die Auswahl resistenterer Sorten für das Folgejahr und die Notwendigkeit einer gezielten Fungizidbehandlung bei feucht-warmer Witterung im Sommer.

Symptome

Im Keimlingsstadium zeigt sich der Befall durch eine typische Schwarzfärbung und fadenförmige Einschnürung des Hypokotyls (Wurzelbrand), was zum Umfallen und Absterben der jungen Keimlinge führt. Auf den Blättern älterer Kulturen entstehen hellbraune, runde bis ovale Flecken mit charakteristischen, konzentrischen Ringen, in deren Zentrum dunkle, punktförmige Pyknidien als schwarze Punkte sichtbar sind. Bei fortschreitendem Befall im Spätsommer verfärben sich die jüngsten Herzblätter im Rübenkopf schwarz, sterben ab und vertrocknen (Herzfäule). Der Rübenkopf selbst zeigt im Querschnitt eine trockene, braunschwarze Fäulnis, die sich keilförmig in den Rübenkörper hineinzieht (Trockenfäule).

Integriertes Management

Die Bekämpfung von Neocamarosporium betae erfordert ein integriertes Pflanzenschutzkonzept. Ackerbaulich stehen eine weite Fruchtfolge (mindestens 3–4 Jahre Anbaupause für Rüben und Spinat), die sorgfältige Einarbeitung von Ernterückständen zur Förderung des Rotteprozesses und die Vermeidung von Bodenverdichtungen im Vordergrund. Da Bormangel die Herz- und Trockenfäule massiv fördert, ist eine bedarfsgerechte Bor-Düngung eine essenzielle vorbeugende Maßnahme. Chemisch-technisch ist die Verwendung von zertifiziertem, mit wirksamen Pflanzenschutzmitteln (Fungiziden) gebeiztem Saatgut der wichtigste Schutz gegen den frühen Wurzelbrand. Bei akutem Befallsdruck im Sommer können Blattbehandlungen mit zugelassenen Fungiziden durchgeführt werden, wobei zur Vermeidung von Resistenzen ein konsequentes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien (Wechsel von Wirkstoffklassen wie Triazolen und Strobilurinen) zwingend einzuhalten ist.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich die durch Bormangel induzierte Herzfäule von der pilzlichen Infektion durch Neocamarosporium betae?

Bormangel verursacht physiologische Gewebeschäden am Rübenkopf, die als Eintrittspforte für den Pilz dienen. Während reiner Bormangel zu rissigen, abgestorbenen Herzblättern führt, zeichnet sich die pilzliche Infektion durch das zusätzliche Auftreten von konzentrischen Blattflecken mit schwarzen Pyknidien (Fruchtkörpern) auf den älteren Blättern und eine fortschreitende, trockene Fäulnis im Rübeninneren aus. Eine Blattanalyse und die Suche nach Pyknidien sichern die Diagnose.

Welche Rolle spielt die Bodentemperatur beim Auftreten des Wurzelbrandes im Frühjahr?

Neocamarosporium betae bevorzugt kühle und feuchte Bedingungen. Bodentemperaturen unter 10 °C verlangsamen das Auflaufen der Rübenkeimlinge erheblich, wodurch das empfindliche Hypokotylgewebe über einen längeren Zeitraum dem bodenbürtigen Pilz ausgesetzt ist. Ein zügiges Auflaufen in wärmeren Böden verringert das Zeitfenster für eine erfolgreiche Infektion drastisch.

Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Nutzen Sie die Suchfunktion in unserer Produktdatenbank und filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Zuckerrübe) und dem Schaderreger Neocamarosporium betae (oder dem Synonym Phoma betae). Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die zugelassenen BBCH-Stadien und die einzuhaltenden Wartezeiten für Ihre Region.

Warum ist die Einhaltung der FRAC-Richtlinien bei der Bekämpfung von Blattflecken im Sommer so wichtig?

Da der Pilz während der Sommermonate mehrere Konidiengenerationen bildet (polyzyklischer Zyklus), besteht bei wiederholter Anwendung derselben Wirkstoffklasse ein hohes Risiko für die Selektion resistenter Pilzstämme. Ein konsequenter Wechsel zwischen verschiedenen Wirkmechanismen (z. B. SDHI, Strobilurine und Triazole) sichert die langfristige Wirksamkeit der verfügbaren Pflanzenschutzmittel.

Kann der Erreger auch auf Gründüngungskulturen überdauern?

Ja, bestimmte Wirtspflanzen aus der Familie der Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae), zu denen auch einige Unkräuter und Gründüngungspflanzen gehören, können als Zwischenwirte dienen. Bei der Planung der Fruchtfolge sollte daher darauf geachtet werden, in rübenbetonten Fruchtfolgen keine verwandtschaftsnahen Zwischenfrüchte anzubauen, um das Inokulum im Boden nicht künstlich zu erhöhen.

Welche Auswirkungen hat ein später Befall mit Trockenfäule auf die Lagerfähigkeit der Rüben?

Infizierte Rüben weisen im Mietenlager eine deutlich reduzierte Haltbarkeit auf. Die Trockenfäule breitet sich während der Lagerung weiter aus und dient zudem als Eintrittspforte für sekundäre Fäulniserreger (wie Fusarium oder Rhizopus). Dies führt zu massiven Zuckerverlusten und erschwert die Verarbeitung in der Zuckerfabrik durch erhöhte Schmutzanteile und schlechtere Filtrierbarkeit des Rübensaftes.