Rhizopus sp.
Die Gattung Rhizopus sp. (EPPO-Code: RIZPSP) umfasst weit verbreitete, opportunistische Fadenpilze aus der Ordnung der Mucorales, die als Erreger der sogenannten Weichfäule oder des Kopfschimmels bekannt sind. Diese Schaderreger betreffen ein breites Spektrum an Kulturen, insbesondere reife Früchte von Steinobst (wie Pfirsiche und Zwetschgen), Beerenobst (vor allem Erdbeeren) sowie Fruchtgemüse und Sonderkulturen wie Sonnenblumen. Die wirtschaftliche Relevanz ist erheblich, da der Pilz vor allem reife Erntegüter kurz vor der Ernte oder während der Lagerung und des Transports befällt und innerhalb kürzester Zeit zum Totalverlust führen kann.
Der Pilz dringt vorwiegend über Wunden ein, die durch Insekten, Hagel, mechanische Beschädigungen oder physiologische Risse entstehen. Unter warmen und feuchten Bedingungen entwickelt sich das Myzel rasant und überzieht das infizierte Gewebe mit einem charakteristischen, grauen, watteartigen Belag. Da es sich um einen ubiquitären Schwächeparasiten handelt, ist das Infektionsrisiko in allen gemäßigten und subtropischen Anbauregionen weltweit hoch, sobald die klimatischen Bedingungen die Sporenkeimung begünstigen.
Biologie / Lebenszyklus
Der Lebenszyklus von Rhizopus sp. ist durch eine extrem schnelle ungeschlechtliche Vermehrung gekennzeichnet. Der Pilz überdauert als widerstandsfähiges Myzel oder in Form von Zygosporen (geschlechtliche Dauersporen) auf Pflanzenresten im Boden oder in infizierten Lagerkisten. Im Frühjahr und Sommer werden bei warmen Temperaturen (optimal 20–30 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit unzählige ungeschlechtliche Sporangiosporen über den Wind, Regen oder Insekten verbreitet. Sobald diese Sporen auf verletztes oder überreifes Gewebe einer geeigneten Kultur treffen, keimen sie innerhalb weniger Stunden aus und dringen in das Gewebe ein. Dort scheidet der Pilz pektolytische Enzyme aus, die die Zellwände auflösen und zu einer schnellen Gewebezersetzung führen, gefolgt von der Ausbildung neuer Sporangienträger, die den Zyklus schließen.
Bonitur
Das Monitoring konzentriert sich primär auf die sensiblen BBCH-Stadien der Fruchtreife und Ernte (ab BBCH 81 bis BBCH 89). Eine direkte Schadensschwelle existiert aufgrund des opportunistischen Charakters des Schaderregers nicht; die Toleranzgrenze bei der Ernte liegt praktisch bei null Prozent. Feldbegehungen sollten insbesondere nach Wetterereignissen wie Starkregen, Hagel oder nach starkem Schädlingsbefall (z. B. durch Wespen oder Fruchtfliegen), die Wunden an den Kulturen verursachen, intensiviert werden. Zudem ist die Überwachung der klimatischen Bedingungen (Temperatur über 20 °C bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit oder Blattnässe) ein wichtiges Instrument zur Abschätzung des akuten Infektionsdrucks im Bestand.
Symptome
Das primäre Symptom ist eine rapide fortschreitende, wässrige Weichfäule des infizierten Gewebes, bei der die betroffenen Früchte oder Pflanzenteile ihre Struktur verlieren und kollabieren. Typisch ist die schnelle Entstehung eines dichten, zunächst weißen, später durch die reifenden Sporangien grauschwarz punktierten, watteartigen Luftmyzels auf der Oberfläche. Häufig verströmt das verrottende Gewebe einen leicht sauren oder gärenden Geruch. Im fortgeschrittenen Stadium fließt Zellsaft aus den infizierten Pflanzenteilen aus, was zu einer schnellen Übertragung des Schaderregers auf benachbarte, gesunde Früchte durch direkten Kontakt führt ("Nestfäule").
Integriertes Management
Die Bekämpfung von Rhizopus sp. erfordert eine konsequente integrierte Strategie, da rein chemische Maßnahmen oft unzureichend sind. Kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: Dazu gehören die Vermeidung jeglicher mechanischer Beschädigungen während der Ernte, die schnelle Kühlung des Ernteguts direkt nach dem Pflücken (Unterbrechung des Pilzwachstums bei Temperaturen unter 4 °C) sowie eine strenge Feld- und Lagerhygiene durch das Entfernen infizierter Pflanzenreste. Ein ausgewogenes Stickstoffmanagement verhindert zudem zu weiches Gewebe der Kulturen. Chemische Pflanzenschutzmittel (Fungizide) sollten gezielt in den sensiblen BBCH-Stadien vor der Ernte unter Beachtung der Wartezeit eingesetzt werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein strikter Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei insbesondere Wirkstoffe aus den Gruppen der SDHI (FRAC 7), Fludioxonil (FRAC 12) oder Fenhexamid (FRAC 17) im Wechsel mit multisite-aktiven Substanzen zu nutzen sind.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich eine Infektion durch Rhizopus sp. optisch von einer Botrytis-Infektion (Grauschimmel)?
Während Botrytis cinerea ein eher gleichmäßiges, mausgraues und samtiges Pilzrasen-Bild zeigt, bildet Rhizopus sp. ein deutlich lockereres, langes, watteartiges Myzel aus. Dieses ist anfangs rein weiß und wird erst später durch die winzigen, kugeligen, schwarzen Sporenköpfe (Sporangien) wie mit Ruß bestreut oder pfefferstreuerartig gesprenkelt. Zudem verläuft die Gewebezersetzung bei Rhizopus wesentlich schneller und wässriger.
Welche Rolle spielen Vektoren wie Insekten bei der Verbreitung dieses Schaderregers?
Insekten wie Wespen, Essigfliegen (z. B. Drosophila suzukii) oder Käfer spielen eine Doppelrolle: Sie verursachen einerseits die für den Pilz notwendigen Eintrittspforten (Wunden) an den Kulturen und transportieren andererseits die klebrigen Sporen direkt von infizierten auf gesunde Früchte. Eine effektive Schadinsektenbekämpfung ist daher indirekter Pflanzenschutz gegen Weichfäule.
Warum ist die Temperaturführung nach der Ernte die wichtigste Maßnahme gegen Rhizopus-Fäule?
Rhizopus sp. ist ein wärmeliebender Pilz, dessen Wachstum bei Temperaturen unter 4 bis 5 °C fast vollständig zum Erliegen kommt. Eine unverzügliche Kühlung des Ernteguts (sogenanntes Pre-Cooling) direkt nach der Ernte unterbricht die Keimung und das Myzelwachstum effektiv und verhindert so die gefürchtete Nestfäule während des Transports.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Indikation "Rhizopus" oder "Weichfäule" in Kombination mit Ihrer spezifischen Kultur. Achten Sie bei der Auswahl der Pflanzenschutzmittel besonders auf die ausgewiesene Wartezeit (PHI), da Anwendungen oft sehr nah am Erntetermin (BBCH 85–89) stattfinden müssen.
Gibt es biologische Pflanzenschutzmittel oder Antagonisten, die im integrierten Anbau eingesetzt werden können?
Ja, im biologischen und integrierten Anbau werden zunehmend Präparate auf Basis von antagonistischen Hefen (z. B. Aureobasidium pullulans) oder Bacillus-Arten (z. B. Bacillus subtilis) eingesetzt. Diese besiedeln potenzielle Eintrittspforten und konkurrieren mit dem Schaderreger um Nährstoffe und Platz, müssen jedoch präventiv vor einer Infektion appliziert werden.
Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium der Kultur für das Infektionsrisiko?
Das Risiko steigt ab BBCH 81 (Beginn der Reife / Umfärbung) drastisch an, da sich der Zuckergehalt im Gewebe erhöht und die Festigkeit der Zellwände abnimmt. Unreife Früchte (BBCH 71–79) weisen meist eine natürliche Resistenz auf, weshalb Fungizid-Anwendungen oder biologische Maßnahmen gezielt auf die späten Reifephasen ausgerichtet werden müssen.