Rhizopus sp.
Rhizopus sp. (EPPO-Code: RIZPSP) bezeichnet eine Gruppe von weit verbreiteten, opportunistischen Fäulnispilzen aus der Ordnung der Mucorales. Diese Schaderreger sind vor allem als Erreger der Rhizopus-Weichfäule an reifendem Obst (insbesondere Erdbeeren und Steinobst) sowie als Verursacher der Kopffäule bei Sonnenblumen von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Da der Pilz geerntete Kulturen innerhalb kürzester Zeit unbrauchbar machen kann, führt er regelmäßig zu erheblichen Verlusten in der gesamten Wertschöpfungskette vom Feld bis zum Handel.
Das Auftreten ist stark an feucht-warme Witterungsbedingungen und mechanische Beschädigungen der Kulturen gebunden. Da der Schaderreger ubiquitär im Boden und auf organischem Material vorkommt, stellt er ein permanentes Risiko dar, sobald die physiologische Reife der Kulturen einsetzt und die Gewebestruktur weicher wird.
Biologie / Lebenszyklus
Der Lebenszyklus von Rhizopus sp. ist auf eine extrem schnelle ungeschlechtliche Vermehrung ausgelegt. Der Pilz überdauert als widerstandsfähige Zygospore im Boden oder auf Pflanzenresten sowie als ruhendes Myzel. Sobald im Sommer warme Temperaturen (optimal 25–30 °C) und hohe Luftfeuchtigkeit herrschen, keimen die Sporen aus und verbreiten sich passiv über Wind, Regenwasser oder Vektoren wie Insekten (z. B. Essigfliegen). Die Infektion erfolgt fast ausschließlich über Wunden, Sonnenbrandstellen oder physiologische Risse im Gewebe der Kulturen. Innerhalb von nur 24 bis 48 Stunden bildet der Schaderreger ein dichtes, graues Luftmyzel mit dunklen Sporangien aus, die Millionen neuer Sporen freisetzen und eine rasante Sekundärinfektion im Lager oder auf dem Feld auslösen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte ab Beginn der Fruchtreife (BBCH-Stadium 81) bis zur Ernte (BBCH-Stadium 89) durchgeführt werden. Da es für diesen opportunistischen Schaderreger keine festen wirtschaftlichen Schadschwellen gibt, liegt der Fokus auf der visuellen Bonitur von mechanischen Beschädigungen, Sonnenbrand und Insektenfraß, welche die primären Eintrittspforten darstellen. Achte besonders auf feucht-warme Wetterperioden kurz vor der Ernte und kontrolliere dichte Bestände, in denen sich Feuchtigkeit länger hält. Auch das Auftreten von Vektoren wie Wespen oder Essigfliegen im Bestand dient als wichtiger Indikator für ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Symptome
Das typischste Symptom ist eine extrem rasch fortschreitende, wässrige Weichfäule, bei der das betroffene Gewebe der Kultur vollständig kollabiert und Saft austritt. Auf der Oberfläche bildet sich ein charakteristisches, grobes, watteartiges Luftmyzel (oft als „Kopffäule“ oder „Schnimmel“ bezeichnet), das anfangs rein weiß ist und sich durch die Bildung unzähliger Sporangien schnell grauschwarz verfärbt. Bei Sonnenblumen führt der Befall zu einer schwammigen, braunen Fäulnis des Korbbodens, der schließlich zerfällt. Befallenes Erntegut verströmt oft einen säuerlichen oder gärenden Geruch.
Integriertes Management
Die Bekämpfung basiert auf einer konsequenten integrierten Strategie, da rein chemische Maßnahmen oft unzureichend sind. Kulturtechnisch stehen die Vermeidung von mechanischen Beschädigungen bei der Ernte und eine sofortige Kühlung des Ernteguts (unter 5 °C stoppt das Wachstum fast vollständig) im Vordergrund. Sorge durch angepassten Schnitt und Unkrautregulierung für eine gute Durchlüftung der Bestände, um die Abtrocknung zu beschleunigen. Chemische Pflanzenschutzmittel (z. B. Fungizide gegen Botrytis mit Nebenwirkung auf Mucorales) sollten gezielt vor Regenperioden in der sensiblen Reifephase appliziert werden. Achte beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unbedingt auf den Wirkstoffwechsel gemäß den FRAC-Richtlinien, um Resistenzbildungen vorzubeugen, und halte die vorgeschriebenen Wartezeiten strikt ein.
Häufige Fragen
Wie kannst du die Ausbreitung von Rhizopus nach der Ernte ohne Chemie stoppen?
Der wichtigste Hebel ist die Temperaturführung. Rhizopus sp. stellt sein Wachstum und die Sporenkeimung bei Temperaturen unter 4 bis 5 °C fast vollständig ein. Wenn du das Erntegut direkt nach dem Feld kühlst (sogenanntes „Rapid Cooling“), verhinderst du die gefürchtete Nestfäule im Lager effektiv.
Welche Rolle spielt die Pflanzenernährung bei der Vorbeugung gegen diesen Pilz?
Eine ausgewogene Calcium-Versorgung ist entscheidend. Calcium wird in die Zellwände eingebaut und stärkt die Mittellamelle. Dadurch wird das Gewebe widerstandsfähiger gegen die pectinolytischen Enzyme, die Rhizopus sp. zur Gewebezersetzung ausscheidet. Vermeide gleichzeitig eine späte, übermäßige Stickstoffdüngung, die das Gewebe schwammig und anfällig macht.
Wie findest du im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Rhizopus-Arten?
Nutze die Filterfunktion in unserer Produktdatenbank und suche nach deiner spezifischen Kultur sowie dem Schaderreger. Da viele Pflanzenschutzmittel primär gegen Botrytis cinerea zugelassen sind, aber eine hervorragende Nebenwirkung auf Mucorales-Pilze haben, solltest du in den Anwendungshinweisen gezielt nach dieser Indikation oder entsprechenden Wirkstoffgruppen (z. B. Fludioxonil) suchen.
Warum wirken rein protektive Fungizide oft nur unzureichend gegen diesen Schaderreger?
Da Rhizopus sp. ein klassischer Wundparasit ist, infiziert er die Kultur meist über frische Risse oder Verletzungen, die nach der Spritzung entstehen (z. B. durch Hagel, Erntehelfer oder Vogelfraß). Ein protektiver Spritzbelag schützt diese neu entstandenen Wundflächen nicht. Hier helfen nur systemische Wirkstoffe oder eine sofortige Wundheilung der Kultur.
Besteht bei einem Befall mit Rhizopus die Gefahr von Mykotoxinen im Erntegut?
Im Gegensatz zu anderen Schimmelpilzen wie Aspergillus oder Penicillium produzieren die meisten landwirtschaftlich relevanten Rhizopus-Arten keine klassischen Mykotoxine, die für den Menschen hochgradig giftig sind. Allerdings führt der Befall zu einer starken enzymatischen Zersetzung und zur Bildung von unerwünschten Gärungsnebenprodukten, was die Ware für die Weiterverarbeitung (z. B. Fruchtsäfte oder Konserven) unbrauchbar macht.
Welchen Einfluss hat die Blütezeit bei Sonnenblumen auf das spätere Infektionsrisiko?
Während der Blüte (BBCH 61–69) können abgefallene Pollen und absterbende Blütenblätter auf dem Korbboden als Nährboden für Sporen dienen. Wenn in dieser Phase feuchte Witterung herrscht, etabliert sich der Pilz unbemerkt im Gewebe und bricht später bei der Abreife (ab BBCH 80) als aggressive Kopffäule aus. Eine vorbeugende Behandlung in die Vollblüte ist daher bei feuchter Prognose ratsam.