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Schädling

Salatwurzellaus

Pemphigus bursarius
PEMPBU

Die Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius, EPPO-Code: PEMPBU) ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger im professionellen Gemüsebau, insbesondere beim Anbau von Salat-Kulturen (Asteraceae wie Lactuca sativa). Als wirtswechselnde Blattlausart nutzt sie Pappeln (Populus spp.) als Primärwirt und wechselt im Frühsommer auf die Wurzeln verschiedener Salat-Kulturen sowie einiger Wildkräuter als Sekundärwirte.

Ein Befall führt durch die Saugtätigkeit an den Wurzeln zu erheblichen Ertragseinbußen, Welkeerscheinungen und im schlimmsten Fall zum Totalausfall der betroffenen Bestände. Da der Schädling unterirdisch agiert, wird er oft erst spät erkannt, was die Bekämpfung im Freiland extrem erschwert und diesen Schaderreger zu einer ständigen Herausforderung im integrierten Pflanzenschutz macht.

Typ
Schädling
EPPO-Code
PEMPBU
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Holozyklisch mit Wirtswechsel (mehrere Generationen auf Salat)
Verbreitung
Pemphigus bursarius ist in ganz Europa, Nordamerika und Teilen Asiens weit verbreitet. Besonders in den intensiven Gemüsebauregionen Mitteleuropas verursacht der Schaderreger regelmäßig schwere ökonomische Schäden im Freilandsalatbau.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus von Pemphigus bursarius verläuft holozyklisch mit einem obligatorischen Wirtswechsel. Im Frühjahr schlüpfen die Fundatrices aus den auf Pappeln überwinterten Eiern und induzieren charakteristische, beutelförmige Gallen an den Blattstielen. In diesen Gallen wächst eine geflügelte Generation (Migrantes) heran, die zwischen Juni und Juli die Gallen verlässt und auf die Sekundärwirte (Salat-Kulturen) abwandert. An den Salatwurzeln etablieren sich daraufhin mehrere Generationen ungeflügelter, von weißer Wachswolle umgebener Gallenläuse (Exules), die sich parthenogenetisch vermehren. Im Herbst entstehen geflügelte Sexuparae, die zurück zu den Pappeln fliegen, wo die geschlechtliche Generation (Sexuales) die Wintereier ablegt.

Bonitur

Ein effektives Monitoring muss frühzeitig ansetzen, idealerweise ab dem Auspflanzen der Salat-Kulturen (BBCH-Stadium 12 bis 19). Da die Läuse im Boden leben, ist eine direkte visuelle Kontrolle der Wurzeln stichprobenartig an schwächelnden oder leicht angewelkten Pflanzen im Feld durchzuführen. Zudem kann der Zuflug der geflügelten Migrantes im Juni mittels Gelbschalen oder Saugfallen überwacht werden, um den optimalen Zeitpunkt für vorbeugende Anwendungen zu bestimmen. Eine feste Schadschwelle existiert aufgrund der versteckten Lebensweise kaum; bereits das erste Auftreten von Kolonien an den Wurzeln im empfindlichen BBCH-Stadium 31 bis 39 (Rosettenbildung bis Kopfbildung) erfordert sofortiges Handeln.

Symptome

Oberirdisch äußert sich ein Befall zunächst durch Wachstumsverzögerungen, Kümmerwuchs und eine untypische Welke der Salat-Kulturen, selbst bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit. Die Blätter können sich rötlich oder gelblich verfärben. Zieht man befallene Pflanzen aus dem Boden, zeigt sich an den Wurzeln das typische Schadbild: dichte, weiße, watteartige Wachsausscheidungen, in denen sich die gelblich-grauen bis grünlichen Läuse befinden. Das Wurzelsystem ist oft stark reduziert, bräunlich verfärbt und in seiner Funktion, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, massiv beeinträchtigt.

Integriertes Management

Die Bekämpfung erfordert eine konsequente integrierte Strategie. Kulturtechnisch sind eine weite Fruchtfolge, die Beseitigung von Wildkräutern im Umfeld und die Vermeidung von Pappel-Anpflanzungen in direkter Nähe zu Salatfeldern ratsam. Der Einsatz von resistenten oder toleranten Salatsorten (z. B. mit dem Nr-Resistenzgen) stellt die effektivste vorbeugende Maßnahme dar. Biologisch können Nützlinge wie Schwebfliegenlarven, Florfliegen und räuberische Gallmücken gefördert werden. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur bei nachgewiesenem Zuflug und vor dem Eindringen der Läuse in den Boden appliziert werden, da systemische Wirkstoffe im Boden oft nur unzureichend wirken. Beim Einsatz von Insektiziden ist das IRAC-Wirkstoffklassen-Management strikt einzuhalten, um Resistenzbildungen vorzubeugen.

Häufige Fragen

Wie kann ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Salatwurzellaus finden?

Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub. Filtere dort nach der Kultur "Salat" und wähle als Schaderreger "Salatwurzellaus" oder suche direkt nach dem EPPO-Code "PEMPBU". Achte darauf, die aktuellen Zulassungsbestimmungen und die spezifische Aufwandmenge für dein jeweiliges BBCH-Stadium zu prüfen.

Warum wirken chemische Behandlungen oft unzureichend, wenn die Läuse bereits an den Wurzeln sitzen?

Sobald sich die Salatwurzellaus im Boden etabliert hat, schützt sie sich durch ihre wasserabweisende Wachswolle. Zudem erreichen Kontaktinsektizide den Wurzelbereich nicht, und systemische Pflanzenschutzmittel werden in den Salat-Kulturen primär akropetal (nach oben in die Blätter) transportiert, wodurch an den Wurzeln keine ausreichend toxische Wirkstoffkonzentration erzielt wird. Die Behandlung muss daher zwingend vor oder während des Zuflugs erfolgen.

Welche Rolle spielt das Nr-Resistenzgen bei der Sortenwahl und gibt es hierbei Risiken?

Sorten mit der Nr-Resistenz (insbesondere Nr:0) bieten einen hervorragenden Schutz, da sie den Befall durch die Salatwurzellaus nahezu vollständig verhindern. Allerdings gibt es Berichte über neue Biotypen des Schaderregers, welche diese Resistenz durchbrechen können. Du solltest daher deine Bestände trotz resistenter Sorten regelmäßig kontrollieren und auf eine weite Fruchtfolge achten.

Wie beeinflusst die Witterung den Abflug der Läuse von der Pappel auf den Salat?

Der Hauptflug der geflügelten Migrantes findet meist bei trockener, warmer Witterung im Juni und Juli statt. Temperaturen über 20 °C begünstigen den Flug aktiv. Bei kühlem, regnerischem Wetter verzögert sich der Wirtswechsel, was dir ein größeres Zeitfenster für vorbeugende Maßnahmen oder die Bodenbearbeitung verschafft.

Kann eine intensive Bewässerung helfen, den Befall an den Salatwurzeln einzudämmen?

Ja, eine gleichmäßige und ausreichende Bodenfeuchtigkeit kann den Schaden mindern. Trockener Boden begünstigt die Rissbildung, was den Läusen das Eindringen in den Wurzelraum erleichtert. Zudem vertragen gut mit Wasser versorgte Salat-Kulturen den Saugschaden besser. Eine gezielte Beregnung während der Einwanderungsphase stört zudem die Ansiedlung der Läuse.

Welche Unkräuter im und um das Feld begünstigen das Überdauern des Schaderregers?

Verschiedene Korbblütler (Asteraceae) wie die Gemüse-Gänsedistel (Sonchus oleraceus) oder der Gemeine Löwenzahn (Taraxacum officinale) dienen der Salatwurzellaus ebenfalls als Sekundärwirte. Wenn du diese Unkräuter auf deinen Flächen und an den Feldrändern konsequent bekämpfst, entziehst du dem Schaderreger wichtige Zwischenwirte und senkst den Befallsdruck für deine Kulturen.