Scarabaeidae
Die Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae, EPPO-Code: 1SCARF) umfasst eine Vielzahl wirtschaftlich bedeutender Schädlinge, deren Larven – allgemein als Engerlinge bekannt – schwere Schäden im Erwerbsgartenbau, in forstlichen Kulturen, im Grünland sowie in verschiedenen Sonderkulturen verursachen. Zu den bekanntesten Vertretern in Mitteleuropa gehören der Maikäfer (Melolontha melolontha), der Junikäfer (Amphimallon solstitiale) und der Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola). Während die adulten Käfer oft durch Reifungsfraß an Laubgehölzen auffallen, liegt das Hauptschadpotenzial unter der Erde.
Der unterirdische Fraß der Engerlinge an den Wurzeln der Kulturen führt zu massiven Störungen der Wasser- und Nährstoffaufnahme. Dies äußert sich zunächst in Welkeerscheinungen und Kümmerwuchs, kann jedoch bei starkem Befall zum vollständigen Absterben ganzer Bestände führen. Neben dem direkten Fraßschaden verursachen Sekundärschäden durch Vögel, Wildschweine oder Nagetiere, die den Boden auf der Suche nach den proteinreichen Larven aufwühlen, oft verheerende wirtschaftliche Verluste auf Grünland- und Rasenflächen.
Biologie / Lebenszyklus
Die Entwicklung der Scarabaeidae verläuft über mehrere Jahre und ist stark temperaturabhängig. Nach dem Hauptflug und der Paarung im Frühjahr oder Frühsommer legen die Weibchen ihre Eier in feuchte, humusreiche Böden ab. Die schlüpfenden Larven (Engerlinge) durchlaufen drei Larvenstadien (L1 bis L3), wobei sie sich im ersten Jahr vor allem von Humus und feinen Wurzeln ernähren. In den Folgejahren fressen die älteren, weitaus gefräßigeren L2- und L3-Stadien intensiv an stärkeren Wurzeln der Kulturen, bevor sie sich im tiefen Boden verpuppen und schließlich als adulte Käfer schlüpfen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits im Spätsommer (August bis September) erfolgen, wenn sich die Larven in den oberen Bodenschichten (0–20 cm Tiefe) aufhalten. Hierzu legst du repräsentative Probegrabungen (z. B. 30 x 30 cm große Spatenstiche) an, um die Anzahl der Engerlinge pro Quadratmeter zu ermitteln. Die Schadensschwelle im Grünland und bei Rasenflächen liegt je nach Käferart bei etwa 10 bis 20 Engerlingen pro Quadratmeter für den Gartenlaubkäfer und bereits bei 2 bis 5 Engerlingen pro Quadratmeter für den Maikäfer. Bei Sonderkulturen und in der Etablierungsphase junger Kulturen (z. B. BBCH-Stadium 00 bis 19) sollte die Toleranzgrenze noch deutlich niedriger angesetzt werden, da Wurzelschäden in diesem Stadium oft irreversible Ausfälle nach sich ziehen.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind nesterweise auftretende Welkeerscheinungen, Kümmerwuchs und Gelbverfärbungen der oberirdischen Pflanzenteile, die selbst bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit anhalten. Bei starkem Befall lässt sich die Grasnarbe oder die betroffene Kultur wie ein Teppich leicht vom Boden abheben, da die Wurzeln fast vollständig abgefressen wurden. Zudem sind großflächige mechanische Zerstörungen der Bodenoberfläche durch Sekundärschädlinge wie Krähen, Dachse oder Wildschweine, die nach den Engerlingen graben, ein sicheres Indiz für einen massiven Befall.
Integriertes Management
Die Bekämpfung der Scarabaeidae erfordert eine integrierte Strategie, da chemische Pflanzenschutzmittel im Boden nur eine sehr begrenzte Wirkung zeigen und strengen Zulassungsbeschränkungen unterliegen. Kulturtechnische Maßnahmen wie eine intensive Bodenbearbeitung während der empfindlichen Ei- und L1-Stadien im Sommer können die Larven mechanisch schädigen oder an die Oberfläche befördern, wo sie austrocknen oder von Vögeln gefressen werden. Biologisch hat sich der Einsatz von entomopathogenen Nematoden (z. B. Heterorhabditis bacteriophora gegen den Gartenlaubkäfer) oder des Pilzes Beauveria brongniartii (spezifisch gegen Maikäferengerlinge) hervorragend bewährt. Beim Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln – sofern für die jeweilige Kultur zugelassen – ist zur Vermeidung von Resistenzen auf einen Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien zu achten, wobei der Fokus primär auf der biologischen und mechanischen Regulierung liegen sollte.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie erkennst du den Unterschied zwischen verschiedenen Engerlingsarten bei der Probegrabung?
Die Unterscheidung erfolgt am besten anhand des Haarmusters auf der Rasterplatte des letzten Hinterleibssegments (Analstern) sowie der Form der Analspalte. Während der Maikäferengerling eine Y-förmige Analspalte und zwei parallele Borstenreihen aufweist, besitzt der Gartenlaubkäfer eine quer verlaufende Analspalte und eine unregelmäßigere Behaarung. Dies ist wichtig, da biologische Maßnahmen wie Nematoden oft artspezifisch wirken.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von entomopathogenen Nematoden?
Der beste Anwendungszeitraum liegt im Spätsommer (meist August bis September), wenn die Bodentemperatur mindestens 12 °C (besser über 14 °C) beträgt und die Engerlinge im empfindlichen L1- oder L2-Stadium sind. Der Boden muss während und nach der Anwendung für mindestens zwei Wochen feucht gehalten werden, damit sich die Nematoden aktiv zu den Larven bewegen können.
Welche Rolle spielt die Bodenfeuchtigkeit bei der Schadwirkung der Engerlinge?
In trockenen Sommern wandern die Engerlinge in tiefere, feuchtere Bodenschichten ab, wodurch der direkte Fraßschaden an den oberflächennahen Wurzeln kurzzeitig abnimmt. Sobald jedoch Regen einsetzt oder bewässert wird, steigen sie wieder auf. Zudem vertrocknen geschädigte Kulturen bei Wassermangel deutlich schneller, weshalb die Schadwirkung in trockenen Jahren besonders verheerend ausfällt.
Wie kannst du mechanische Bodenbearbeitung gezielt zur Reduzierung der Population nutzen?
Eine flache Bodenbearbeitung (z. B. mit Kreiselegge oder Fräse) ist besonders im Frühsommer (Juni/Juli) während der Eiablage und des Schlupfs der L1-Larven extrem effektiv. In diesem frühen Stadium sind die Schaderreger sehr empfindlich gegenüber mechanischer Beanspruchung und Austrocknung. Spätere Bearbeitungen im Herbst treffen auf widerstandsfähigere L3-Stadien, die zudem tiefer im Boden sitzen.
Warum wirken klassische chemische Pflanzenschutzmittel oft unzureichend gegen Engerlinge?
Da sich die Engerlinge im Boden aufhalten, erreichen flüssige Pflanzenschutzmittel die Zielorganismen nur schwer, da sie vom Bodenkomplex adsorbiert oder abgebaut werden. Zudem besitzen ältere Larvenstadien (L3) eine hohe Toleranz gegenüber vielen Wirkstoffen. Daher liegt der Fokus im modernen Pflanzenschutz fast ausschließlich auf biologischen Verfahren und kulturtechnischen Maßnahmen.
Wie finde ich im Agronomie-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Blatthornkäfer für meine Kultur?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem Schaderreger 'Scarabaeidae' oder 'Engerlinge' sowie deiner spezifischen Kultur. Achte darauf, die aktuellen Zulassungsbestimmungen des BVL zu prüfen, da Indikationen für Bodenanwendungen häufigen Änderungen und strengen Anwendungsauflagen unterliegen.