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Schädling

Scarabaeidae

Scarabaeidae
1SCARF

Die Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae, EPPO-Code: 1SCARF) umfasst zahlreiche wirtschaftlich bedeutende Schaderreger, deren Larven – allgemein als Engerlinge bekannt – schwere Schäden im Wurzelraum verschiedener Kulturen verursachen. Zu den bekanntesten Vertretern in Mitteleuropa gehören der Maikäfer (Melolontha melolontha), der Junikäfer (Amphimallon solstitiale) und der Gartenlaubkäfer (Phyllopertha horticola). Während die adulten Käfer oft Fraßschäden an Laubgehölzen verursachen, liegt das Hauptschadpotenzial im Boden, wo die Engerlinge die Wurzeln von Grünland, Rasenflächen und Sonderkulturen zerstören.

Die ökonomische Relevanz dieser Schaderreger ist erheblich. Durch den intensiven Wurzelfraß wird die Wasser- und Nährstoffaufnahme der betroffenen Kulturen massiv gestört, was insbesondere in Trockenperioden zu großflächigem Absterben führt. Sekundärschäden entstehen häufig durch Vögel, Wildschweine oder Nagetiere, die auf der Suche nach den proteinreichen Larven die Grasnarbe oder den Boden großflächig aufwühlen. Dies führt im professionellen Garten- und Landschaftsbau sowie in der Grünlandwirtschaft zu hohen Sanierungskosten.

Typ
Schädling
EPPO-Code
1SCARF
Wirte
0 Kulturen
Generationen
Je nach Art 1 Generation pro Jahr oder mehrjähriger Zyklus (2–4 Jahre)
Verbreitung
Die Familie der Scarabaeidae ist weltweit verbreitet, wobei schadrelevante Arten insbesondere in den gemäßigten Klimazonen Europas und Nordamerikas erhebliche wirtschaftliche Schäden im Grünland und in Sonderkulturen verursachen.
Erstbeschreibung
Latreille, 1802

Biologie / Lebenszyklus

Der Lebenszyklus der Scarabaeidae erstreckt sich je nach Art und klimatischen Bedingungen über ein bis vier Jahre. Nach dem Hauptflug und der Paarung im späten Frühjahr legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt in lockere, mäßig feuchte Böden ab. Die daraus schlüpfenden Larven (Engerlinge) durchlaufen drei Entwicklungsstadien (L1 bis L3), wobei das dritte Stadium das gefräßigste und schädlichste ist. Zur Überwinterung wandern die Larven in tiefere Bodenschichten unterhalb der Frostgrenze ab, um im darauffolgenden Frühjahr wieder in die oberen Schichten aufzusteigen und den Fraß fortzusetzen. Nach Abschluss der Larvalentwicklung erfolgt die Verpuppung im Boden, aus der schließlich die neue Käfergeneration schlüpft.

Bonitur

Ein effektives Monitoring basiert auf der repräsentativen Bodenprobenahme (Spatenproben) im Spätsommer (August bis September), wenn sich die jungen L1- und L2-Larven in den obersten 10–15 cm des Bodens aufhalten. Für Rasenflächen und Grünland liegt die wirtschaftliche Schadensschwelle je nach Käferart bei etwa 10 bis 30 Engerlingen pro Quadratmeter. Bei der Etablierung von Neuansaaten (entsprechend BBCH-Stadium 00 bis 10 der Gräser) sollte die Befallskontrolle bereits vor der Saat durchgeführt werden, da junge Keimlinge besonders empfindlich auf Wurzelfraß reagieren. Zusätzlich kann der Flug der adulten Käfer im Frühjahr mithilfe von Pheromon- oder Lichtfallen überwacht werden, um den optimalen Zeitpunkt für spätere Behandlungen abzuschätzen.

Symptome

Typische Symptome eines Befalls im Feld sind nesterweise auftretende, gelb-braune Verfärbungen der Grasnarbe oder der Kultur, die sich bei fortschreitendem Fraß rasch vergrößern. Da die Wurzeln knapp unter der Bodenoberfläche komplett durchtrennt werden, lässt sich die Grasnarbe oft wie ein Teppich mühelos vom Unterboden abheben. Bei trockenem Wetter welken die betroffenen Kulturen trotz ausreichender Beregnung extrem schnell. Ein weiteres, indirektes Symptom ist das verstärkte Auftreten von Vögeln (insbesondere Krähen) und Schwarzwild, die den Boden auf der Suche nach Engerlingen großflächig aufhacken oder umwühlen.

Integriertes Management

Die Bekämpfung der Scarabaeidae erfordert eine integrierte Strategie, da chemische Pflanzenschutzmittel im Boden nur eine begrenzte Wirkung zeigen und strengen Zulassungsbeschränkungen unterliegen. Biologische Maßnahmen stehen im Vordergrund: Der Einsatz entomopathogener Nematoden (wie *Heterorhabditis bacteriophora* oder *Steinernema scarabaei*) gegen die jungen L1- und L2-Larven im Spätsommer ist hochwirksam, sofern der Boden ausreichend feucht und warm (mindestens 12 °C) ist. Kulturtechnische Maßnahmen wie eine intensive Bodenbearbeitung während der Eiablage oder im frühen Larvenstadium reduzieren die Population mechanisch. Falls eine chemische Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. aus der IRAC-Klasse 4 oder anderen bodenwirksamen Wirkstoffen) in Erwägung gezogen wird, muss diese präzise auf das empfindlichste Larvenstadium abgestimmt werden, um Wirkstoffresistenzen vorzubeugen und die Umweltauflagen strikt einzuhalten.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Nematoden gegen Engerlinge?

Der beste Anwendungszeitraum liegt im Spätsommer (meist August bis September). Zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Larven im empfindlichen L1- oder L2-Stadium nahe der Bodenoberfläche. Zudem müssen die Bodentemperaturen für eine optimale Wirkung der Nematoden (z. B. Heterorhabditis bacteriophora) über 12 °C liegen und der Boden muss über mehrere Tage hinweg feucht gehalten werden.

Wie unterscheide ich die Engerlinge der verschiedenen Scarabaeidae-Arten im Feld?

Eine genaue Bestimmung ist anhand der Haaranordnung auf der Rasterplatte des letzten Hinterleibssegments (Analstern) unter einer Lupe möglich. Während der Maikäfer-Engerling eine Y-förmige Analspalte und zwei parallele Borstenreihen aufweist, zeigt der Gartenlaubkäfer eine unregelmäßige Behaarung mit einer quer verlaufenden Analspalte. Dies ist wichtig, da sich die Entwicklungszyklen und somit die Bekämpfungszeitpunkte stark unterscheiden.

Welche Rolle spielt die Bodenfeuchtigkeit bei der Schadwirkung und Bekämpfung?

Eine hohe Bodenfeuchtigkeit begünstigt das Überleben der Eier und jungen Larven. Gleichzeitig erleichtert feuchter Boden den Engerlingen die Bewegung im Wurzelraum. Für die biologische Bekämpfung mit Nematoden ist eine kontinuierliche Bodenfeuchte zwingend erforderlich, da die Nematoden im trockenen Boden innerhalb weniger Stunden absterben und sich nicht fortbewegen können.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger auf agronomy.farmable.tech?

Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Schadorreger-Gruppe "Scarabaeidae" oder "Engerlinge" sowie Ihrer spezifischen Kultur. Achten Sie darauf, die regionalen Zulassungsdaten (BVL in Deutschland) zu prüfen, da die Verfügbarkeit von Indikationen für Bodenanwendungen stark reglementiert ist und häufig Sondergenehmigungen nach § 53 PflSchG erfordert.

Warum zeigen chemische Pflanzenschutzmittel oft nur eine unzureichende Wirkung gegen ältere Engerlinge (L3-Stadium)?

Ältere L3-Larven besitzen eine dickere Kutikula, einen robusteren Stoffwechsel und halten sich oft tiefer im Boden auf, wodurch sie für Kontakt- und Fraßgifte schwer erreichbar sind. Zudem ist die Aufwandmenge, die für eine Abtötung der großen Larven nötig wäre, im Rahmen der gesetzlichen Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln meist nicht zulässig oder umweltschonend applizierbar. Die Behandlung muss sich daher immer gegen die jungen L1/L2-Stadien richten.

Welche kulturtechnischen Maßnahmen helfen, den Befallsdruck im Folgejahr zu senken?

Eine intensive mechanische Bodenbearbeitung (z. B. Fräsen oder Grubbern) während der Hauptpuppenzeit im Sommer oder während der Eiablage stört die Entwicklung empfindlich und dezimiert die Populationen durch mechanische Zerstörung sowie durch das Freilegen der Larven für natürliche Fressfeinde wie Vögel. Zudem sollte die Grasnarbe durch angepasste Düngung und Beregnung dicht gehalten werden, da Käfer zur Eiablage lückige Bestände bevorzugen.