Schattenwickler
Der Schattenwickler (Cnephasia asseclana, EPPO-Code: CNEPVI), auch bekannt unter dem synonymen Namen Cnephasia virgaureana, ist ein in Europa weit verbreiteter Kleinschmetterling aus der Familie der Wickler (Tortricidae). Als polyphager Schaderreger befällt er eine Vielzahl von landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Kulturen. Besonders im Hopfenbau (Humulus lupulus) sowie im Erwerbsobst- und Gemüsebau kann der Fraß der Raupen zu spürbaren wirtschaftlichen Schäden führen, da er sowohl die Triebspitzen als auch die Ernteorgane direkt schädigt.
Die wirtschaftliche Relevanz des Schattenwicklers variiert je nach Witterung und Region. Während er in vielen Ackerkulturen eher als Nebenschädling auftritt, kann er in Sonderkulturen wie Hopfen durch den Fraß an den jungen Trieben (Hopfenreben) im Frühjahr erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen. Die Raupen spinnen die Blätter und Triebspitzen zusammen, was das normale Wachstum der Kultur massiv stört und zu Verkrüppelungen führt.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schattenwickler bringt in der Regel eine Generation pro Jahr hervor (univoltin). Die Überwinterung erfolgt als junge Eiraupe (L1) in einem dichten Gespinst in Rindenritzen oder anderen geschützten Bereichen. Im Frühjahr, meist ab April (BBCH 10–19 der Wirtskulturen), werden die Raupen aktiv und minieren zunächst in den Blättern, bevor sie zu einem oberflächlichen Fraß an Triebspitzen und Knospen übergehen, die sie typischerweise schutzsuchend zusammenspinnen. Nach Abschluss der Larvalentwicklung im Juni verpuppen sich die Raupen im Fraßgespinst oder am Boden. Die adulten Falter fliegen von Juni bis August, verpaaren sich und legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen an den Wirtspflanzen ab, woraus bald die Larven schlüpfen, die sich ohne weitere Nahrungsaufnahme direkt in ihr Winterquartier zurückziehen.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte im zeitigen Frühjahr mit dem Austrieb der Kulturen beginnen, insbesondere ab BBCH 12 bis BBCH 31. Zur Überwachung des Falterflugs im Sommer können Pheromonfallen eingesetzt werden, um den optimalen Zeitpunkt für eine spätere Eiablagekontrolle zu bestimmen. Im Frühjahr steht jedoch die visuelle Kontrolle der Triebspitzen auf erste feine Gespinste und minierte Blätter im Vordergrund. Eine Schadensschwelle im Hopfenbau liegt beispielsweise vor, wenn bei wöchentlichen Kontrollen mehr als 5 bis 10 % der Triebe Befallssymptome oder lebende Raupen aufweisen.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind zusammengesponnene Triebspitzen und Blätter, in denen die grünlich-grauen bis dunkelbraunen Raupen fressen. Im Anfangsstadium zeigen sich feine, geschlängelte Miniergänge in den Blättern. Später kommt es zu Loch- und Skelettierfraß an den Blättern sowie zum Absterben der Herzblätter und Triebspitzen, was zu einer verstärkten Seitentriebbildung (Verbuschung) führt. Bei starkem Befall im Hopfen werden auch die jungen Doldenanlagen befressen und versponnen, was zu Verfärbungen und vorzeitigem Abfall führt.
Integriertes Management
Die Bekämpfung des Schattenwicklers erfordert eine integrierte Strategie. Kulturtechnische Maßnahmen wie die Förderung von Nützlingen (Schlupfwespen, räuberische Wanzen und Vögel) durch Blühstreifen und eine ausgewogene Stickstoffdüngung, die ein zu mastiges Triebwachstum verhindert, mindern den Befallsdruck. Biologische Pflanzenschutzmittel auf Basis von *Bacillus thuringiensis* (Bt) sind hochwirksam, sofern sie frühzeitig gegen die jungen, freifressenden Larvenstadien eingesetzt werden. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur bei Überschreiten der Schadensschwellen und unter strenger Berücksichtigung des IRAC-Resistenzmanagements (Wechsel der Wirkstoffklassen, z. B. Pyrethroide und Häutungsbeschleuniger) appliziert werden, um die Selektion resistenter Populationen zu verhindern.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheide ich den Schattenwickler von anderen Wicklerarten im Feld?
Die Raupen des Schattenwicklers zeichnen sich durch eine charakteristische schmutzig-grünliche bis graubraune Färbung mit dunklen Warzen aus, während andere Wickler oft hellgrün sind. Zudem ist das Schadbild im Frühjahr durch die Kombination aus anfänglichen Blattminen und anschließenden Triebgespinsten sehr typisch für Cnephasia asseclana.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine biologische Behandlung mit Bacillus thuringiensis?
Der optimale Behandlungszeitraum liegt im Frühjahr (BBCH 15 bis 31 der Kultur), sobald die Raupen ihre Blattminen verlassen und mit dem Fraß an den Triebspitzen beginnen. Zu diesem Zeitpunkt sind sie direkt für den Fraßgift-Erreger erreichbar. Achte auf warme Temperaturen über 15 °C am Anwendungstag, um eine hohe Fraßaktivität zu gewährleisten.
Wie kann ich im Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?
Nutze die Suchfunktion im Hub und filtere nach der Kultur (z. B. Hopfen) und dem Schaderreger "Schattenwickler" oder dem wissenschaftlichen Namen Cnephasia asseclana. Achte darauf, die aktuelle Zulassungssituation und die spezifischen Anwendungsbestimmungen (wie maximale Anzahl der Anwendungen und Wartezeiten) für dein Bundesland bzw. deine Region zu prüfen.
Welche Rolle spielen Pheromonfallen bei der Bekämpfung des Schattenwicklers?
Pheromonfallen dienen beim Schattenwickler nicht der direkten Bekämpfung (kein Massenfang), sondern ausschließlich dem Monitoring des Falterflugs im Sommer (Juni bis August). Die Fangzahlen helfen dir zu prognostizieren, wie hoch das Potenzial für die Eiablage und somit der Befallsdruck im darauffolgenden Frühjahr sein wird.
Warum ist die Bekämpfung im späten Larvenstadium oft erfolglos?
Ältere Larven haben sich bereits tief in die zusammengesponnenen Triebspitzen oder Blätter zurückgezogen. Dort sind sie vor Kontaktinsektiziden hervorragend geschützt. Zudem nehmen sie kurz vor der Verpuppung kaum noch Nahrung auf, was die Wirkung von Fraßgiften wie Bacillus thuringiensis drastisch reduziert. Behandle daher immer so früh wie möglich.
Welche vorbeugenden Maßnahmen mindern das Risiko eines starken Befalls im Folgejahr?
Da die Eiraupen in Rindenritzen und Pflanzenresten überwintern, hilft eine gründliche Feldhygiene. Im Hopfenbau mindert das sorgfältige Entfernen und Häckseln von Altlaub sowie das rechtzeitige Freilegen und Schneiden der Stöcke im Frühjahr das Überleben der überwinternden Larven.