Schermaus
Die Schermaus (Arvicola terrestris, EPPO-Code: ARVCTE), im deutschsprachigen Raum auch als Große Wühlmaus bekannt, gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schaderregern im europäischen Obst-, Wein- und Gemüsebau sowie auf Grünlandflächen. Dieser Nagetier-Schädling verursacht durch seine unterirdische Wühltätigkeit und den intensiven Fraß an Wurzeln gravierende Ertragsausfälle. Besonders gefährdet sind Dauerkulturen wie Kernobst auf schwachwüchsigen Unterlagen, bei denen ein Befall oft zum Absterben ganzer Bäume führt.
Neben dem direkten Wurzelfraß beeinträchtigt die Schermaus die Bewirtschaftung durch ihre typischen Erdhaufen, die Mähwerke beschädigen und das Erntegut verschmutzen können. Ihre Populationsdynamik ist durch mehrjährige Gradationszyklen gekennzeichnet, bei denen es in Abständen von 3 bis 5 Jahren zu massenhaftem Auftreten kommt. Dies macht eine kontinuierliche Überwachung und ein vorausschauendes Management für Erwerbsbetriebe unerlässlich.
Biologie / Lebenszyklus
Die Fortpflanzungsperiode der Schermaus erstreckt sich meist von März bis Oktober, wobei ein einziges Weibchen pro Jahr 3 bis 4 Würfe mit jeweils 4 bis 6 Jungen großziehen kann. Die Jungtiere erreichen bereits nach etwa zwei Monaten die Geschlechtsreife, was bei günstigen Witterungs- und Nahrungsbedingungen zu einer explosionsartigen Vermehrung führt. Im Spätherbst stellen die Tiere ihre Fortpflanzungsaktivität weitgehend ein und konzentrieren sich auf das Anlegen von Wintervorräten, wofür sie verstärkt Wurzeln und Knollen tief im Boden schädigen. Die Überwinterung erfolgt im unterirdischen Gangsystem, das sich über mehrere hundert Quadratmeter erstrecken kann.
Bonitur
Eine systematische Überwachung ist ganzjährig wichtig, besonders aber im zeitigen Frühjahr (vor dem Austrieb der Kulturen, BBCH 00–09) und im Herbst nach der Ernte. Die bewährteste Methode zur Befallsermittlung ist die sogenannte „Verkippprobe“ (auch Verwühlprobe genannt): Dabei öffnest du an mehreren Stellen im Quartier bewohnte Gänge auf einer Länge von etwa 30 cm. Werden diese Öffnungen von den Tieren innerhalb von 2 bis 6 Stunden wieder mit Erde verschlossen, ist der Gang aktiv bewohnt. Als wirtschaftliche Schadensschwelle im Erwerbsobstbau gilt bereits ein Besatz von mehr als 10 % aktiven Begängen oder das Auftreten erster frischer Erdhaufen im Bereich der Baumstreifen.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind unregelmäßig verteilte, flache Erdhaufen, die im Gegensatz zu Maulwurfshügeln oft mit Pflanzenresten durchsetzt sind und deren Auswurfloch meist seitlich versetzt liegt. Befallene Kulturen zeigen Kümmerwuchs, plötzliche Welkeerscheinungen mitten in der Vegetationsperiode oder eine vorzeitige Herbstfärbung. Betroffene Bäume oder Sträucher lassen sich oft mühelos wie ein Pfahl aus der Erde ziehen, da die Haupt- und Feinwurzeln knapp unter dem Wurzelhals völlig abgenagt wurden (sogenannter „Bleistiftfraß“).
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management basiert auf einer integrierten Strategie, die mechanische, biologische und chemische Maßnahmen kombiniert. Zur mechanischen Abwehr eignen sich im Erwerbsobstbau engmaschige Drahtkörbe (Wühlmausschutzgitter) bei der Neupflanzung sowie der Einsatz von speziellen Fallen (z. B. Topcat- oder Schermausfallen) in den Hauptaktivitätszeiten im Frühjahr und Herbst. Biologisch förderst du natürliche Feinde wie Greifvögel, Eulen und Mauswiesel durch das Aufstellen von Sitzkrücken und das Anlegen von Steinhaufen. Chemische Pflanzenschutzmittel (Rodentizide auf Basis von Zinkphosphid oder Calciumcarbid) dürfen nur sachgerecht in die Gänge eingebracht werden, um Nichtzielorganismen zu schützen; beachte dabei stets die aktuellen BVL-Zulassungen und die strengen Anwendungsbestimmungen zur Vermeidung von Sekundärvergiftungen.
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich die Erdhaufen der Schermaus von denen eines Maulwurfs?
Achte auf die Form und die Lage des Lochs: Maulwurfshügel sind hoch, kreisrund und das Loch liegt genau in der Mitte unter dem Haufen. Die Haufen der Schermaus sind flacher, länglicher, oft mit Wurzel- oder Grasresten vermischt, und das Gangloch mündet schräg an der Seite des Haufens.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Bekämpfung mit Pflanzenschutzmitteln?
Die effektivste Zeit für eine chemische oder mechanische Regulierung liegt im späten Herbst (nach der Ernte) sowie im zeitigen Frühjahr vor Beginn der Fortpflanzungsphase. In diesen Phasen ist das natürliche Nahrungsangebot knapp, wodurch Köder deutlich besser angenommen werden und die Fallenjagd erfolgreicher ist.
Warum ist die mechanische Bodenbearbeitung eine so wirksame Vorbeugemaßnahme?
Durch regelmäßiges Tiefpflügen oder Fräsen der Fahrgassen und Baumstreifen zerstörst du das flach verlaufende Gangsystem der Schermäuse nachhaltig. Dies stört ihre Revierbildung, legt Nester frei und macht die Tiere extrem anfällig für natürliche Fressfeinde wie Greifvögel.
Wie finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schermäuse in meiner Region?
Nutze die Suchfunktion in unserem Hub und filtere nach dem Schaderreger „Arvicola terrestris“ oder dem deutschen Namen „Schermaus“. Achte darauf, nur Pflanzenschutzmittel auszuwählen, die eine aktuelle BVL-Zulassung für deine spezifische Kultur und die jeweilige Anwendung besitzen.
Welche Rolle spielen Begleitpflanzen oder die Untersaat bei der Befallsregulierung?
Eine dichte, verunkrautete Bodenbedeckung bietet Schermäusen idealen Schutz vor Feinden und reichlich Nahrung. Durch das Kurzhalten der Fahrgassenvegetation (Mulchen) und das Offenhalten des Baumstreifens nimmst du den Tieren die Deckung, was den Befallsdruck nachweislich senkt.
Kann die Schermaus Resistenzen gegen chemische Köder entwickeln?
Bei akut wirkenden Wirkstoffen wie Zinkphosphid entwickeln Schermäuse keine klassische physiologische Resistenz, sondern eine sogenannte „Köderscheu“, wenn sie eine subletale Dosis aufnehmen. Um dies zu verhindern, musst du die Köder verdeckt und tief in den Gängen ausbringen und die Anwendungshäufigkeit streng nach Vorgabe begrenzen.