Alle Schaderreger
Schädling

Schermaus

Arvicola terrestris
ARVCTE

Die Schermaus (Arvicola terrestris, EPPO-Code: ARVCTE), auch bekannt als Große Wühlmaus oder Mollmaus, ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im europäischen Obst-, Wein- und Gemüsebau sowie in der Forstwirtschaft. Dieser zu den Wühlmäusen gehörende Nager lebt überwiegend unterirdisch und richtet durch seine intensive Grabtätigkeit und den Fraß an Wurzeln erhebliche Schäden an.

Besonders im Erwerbsobstbau (z. B. bei Kernobst auf schwachwüchsigen Unterlagen) führt der Befall oft zum Totalausfall ganzer Anlagen, da die betroffenen Kulturen jeglichen Bodenkontakt verlieren und absterben. Auch im Grünland kann eine hohe Populationsdichte durch Hügelbildung und Grasnarbenzerstörung zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten beim Futter führen.

Die Art ist in weiten Teilen der paläarktischen Region verbreitet und besiedelt bevorzugt mittelschwere bis schwere, feuchte Böden mit dichtem Bewuchs. Ihre Anpassungsfähigkeit und das hohe Vermehrungspotenzial machen sie zu einem permanenten Risikofaktor für landwirtschaftliche Betriebe.

Typ
Schädling
EPPO-Code
ARVCTE
Wirte
0 Kulturen
Generationen
3–5 Würfe pro Saison mit starkem Populationswachstum im Spätsommer
Verbreitung
Arvicola terrestris ist in ganz Europa und Nordasien weit verbreitet und verursacht insbesondere in den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas erhebliche wirtschaftliche Schäden im Obst- und Gemüsebau.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Die Fortpflanzungsperiode von Arvicola terrestris erstreckt sich meist von März bis Oktober, wobei ein einzelnes Weibchen in dieser Zeit 3 bis 5 Würfe mit jeweils 4 bis 8 Jungen aufziehen kann. Die Jungtiere werden bereits nach etwa zwei Monaten geschlechtsreif, was bei günstigen Witterungs- und Nahrungsbedingungen zu einer explosionsartigen Populationsentwicklung im Spätsommer führt. Im Winter ziehen sich die Tiere in tiefere Gangsysteme zurück und ernähren sich primär von eingelagerten Vorräten sowie den unterirdischen Teilen der Kulturen. Die Ausbreitung erfolgt sowohl unterirdisch durch das Erschließen neuer Reviere als auch oberirdisch durch abwandernde Jungtiere.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring ist ganzjährig erforderlich, besonders aber im zeitigen Frühjahr (vor dem Austrieb der Kulturen, BBCH 00–09) und im Herbst nach der Ernte. Die bewährteste Methode zur Befallsermittlung ist die sogenannte „Verwühlprobe“: Dabei werden auf einer repräsentativen Fläche mehrere Gangsysteme auf einer Länge von ca. 30–40 cm freigelegt. Werden diese geöffneten Gänge innerhalb von 2 bis 6 Stunden (spätestens nach 24 Stunden) von den Tieren wieder zugeworfen, ist das Gangsystem aktiv bewohnt. Als wirtschaftliche Schadensschwelle im Erwerbsobstbau gilt bereits ein einziges aktives Gangsystem pro Hektar, da die Schäden an den Baumwurzeln irreversibel sind.

Symptome

Typische oberirdische Symptome sind unregelmäßig geformte, flache Erdhaufen, die im Gegensatz zu Maulwurfshügeln oft mit Pflanzenresten oder Wurzelteilen durchsetzt sind und deren Auswurfloch meist seitlich versetzt liegt. An den betroffenen Kulturen zeigt sich ein plötzlicher Vitalitätsverlust, Kümmerwuchs, Welkeerscheinungen oder eine vorzeitige Herbstfärbung. Befallene Gehölze lassen sich oft mühelos wie ein „Wanderstock“ aus der Erde ziehen, wobei die Wurzeln charakteristische, scharfkantige Nagespuren (Zahnrillen von ca. 2–3 mm Breite) aufweisen und oft völlig abgenagt sind („Karottenform“).

Integriertes Management

Die Regulierung erfordert ein integriertes Konzept aus mechanischen, biologischen und chemischen Maßnahmen. Kulturtechnisch ist das Kurzhalten der Fahrgassenvegetation essenziell, um den Nagern den Sichtschutz vor natürlichen Feinden zu nehmen; zudem fördert das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel und das Schaffen von Steinhaufen für Mauswiesel die biologische Kontrolle. Mechanisch können in kleineren Anlagen oder bei Neupflanzungen Drahtkörbe (Wühlmausschutzgitter) um den Wurzelballen gelegt werden, während im Erwerbsanbau die gezielte Fallenjagd (z. B. mit Topcat- oder SuperCat-Fallen) im Herbst und Frühjahr sehr effektiv ist. Chemische Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. rodentizide Köder auf Basis von Zinkphosphid oder Begasungsmittel wie Calciumcarbid) dürfen nur verdeckt in den Gangsystemen ausgebracht werden, um Vögel und andere Nichtzielorganismen zu schützen.

Häufige Fragen

Wie unterscheidet man die Erdhaufen der Schermaus von denen eines Maulwurfs?

Die Hügel der Schermaus sind flacher, unregelmäßiger geformt und das Auswurfloch liegt schräg an der Seite, während der Maulwurf kreisrunde, hohe Hügel mit einem zentralen, senkrechten Loch aufwirft. Zudem sind Schermaushügel oft mit Wurzel- und Pflanzenresten durchsetzt, und die Gänge der Schermaus sind hochoval, während Maulwurfgänge queroval sind.

Warum ist das Kurzhalten des Unterwuchses in Obstplantagen eine so wirksame Vorbeugemaßnahme?

Schermäuse meiden offene Flächen ohne Deckung, da sie dort extrem anfällig für Beutegreifer wie Greifvögel, Eulen, Füchse und Mauswiesel sind. Ein konsequentes Mulchen der Fahrgassen und das Offenhalten des Baumstreifens (Herbizidstreifen oder mechanische Bodenbearbeitung) stören zudem die oberflächennahen Gangsysteme und erschweren die Ansiedlung.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Bekämpfung mit Fallen oder Ködern?

Die effektivsten Bekämpfungszeiträume liegen im Spätherbst (Oktober/November) und im zeitigen Frühjahr (Februar/März). In diesen Phasen ist das natürliche Nahrungsangebot im Boden gering, wodurch die Tiere Köder wesentlich besser annehmen und die Fallenjagd aufgrund der hohen Aktivität bei der Nahrungssuche besonders erfolgreich ist.

Welche gesetzlichen Vorgaben müssen bei der Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln (Rodentiziden) beachtet werden?

Rodentizide Köder dürfen im Freiland niemals offen ausgelegt werden, um Vergiftungen von Vögeln, Haustieren und Wild zu verhindern. Die Anwendung muss zwingend verdeckt direkt in den aktiven Gangsystemen erfolgen, beispielsweise mit speziellen Legeflinten oder Köderstationen, und ist streng an die Zulassungsbestimmungen des BVL gebunden.

Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schermäuse im agronomy.farmable.tech Hub?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach dem Schaderreger „Arvicola terrestris“ oder „Schermaus“. Sie erhalten eine Übersicht aller in Ihrer Region zugelassenen Pflanzenschutzmittel (z. B. Präparate auf Basis von Zinkphosphid), inklusive der spezifischen Anwendungsbestimmungen, Aufwandmengen und Wartezeiten.

Können Schermäuse auch durch den Einsatz von Gasen bekämpft werden und was ist dabei zu beachten?

Ja, die Begasung mit Mitteln, die im Boden Phosphorwasserstoff freisetzen (z. B. Aluminiumphosphid), oder mit Kohlenmonoxid/Kohlendioxid über spezielle Begasungsgeräte ist möglich. Diese Methode erfordert jedoch eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit, damit sich das Gas optimal verteilt, und dichte Böden, damit es nicht zu schnell entweicht; zudem sind strenge Sicherheitsauflagen zum Anwenderschutz zu beachten.