Schwarze Pflaumensägewespe
Die Schwarze Pflaumensägewespe (Hoplocampa minuta, EPPO-Code: HOPLMI) ist ein wirtschaftlich bedeutender Schaderreger im Steinobstbau, der insbesondere Pflaumen und Zwetschgen (Prunus domestica) befällt. Zusammen mit der Gelben Pflaumensägewespe gehört sie zu den kritischsten Schädlingen im Erwerbsobstbau, da die Larven direkt die jungen Früchte schädigen und massiven vorzeitigen Fruchtfall verursachen können. Ein starker Befall ohne regulierende Maßnahmen führt im mitteleuropäischen Raum regelmäßig zu erheblichen Ertragseinbußen.
Die adulten Wespen schlüpfen im Frühjahr pünktlich zur Blüte der Wirtskulturen. Die Eiablage erfolgt direkt in den Blütenkelch, und die schlüpfenden Larven fressen sich in das Innere der jungen Früchte. Da eine einzige Larve während ihrer Entwicklung bis zu fünf Früchte nacheinander beschädigen kann, ist das Schadpotenzial selbst bei mäßiger Populationsdichte extrem hoch.
Biologie / Lebenszyklus
Die Art bringt nur eine Generation pro Jahr hervor. Die Überwinterung erfolgt als Larve in einem Kokon im Boden, wo im zeitigen Frühjahr die Verpuppung stattfindet. Der Schlupf der adulten Sägewespen fällt exakt mit der Ballonphase (BBCH 59) bis zum Beginn der Blüte (BBCH 61) der Pflaumen zusammen. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier einzeln in die Kelchblätter der offenen Blüten ab. Die Larven schlüpfen nach etwa 8 bis 14 Tagen, bohren sich in die jungen Früchte ein und fressen das Fruchtfleisch sowie den noch weichen Kern. Nach dem Durchlaufen von fünf Larvenstadien lassen sich die ausgewachsenen Larven im Mai oder Juni mit den geschädigten Früchten zu Boden fallen, um sich im Erdreich für die Überwinterung einzuspinnen.
Bonitur
Die Überwachung des Zuflugs erfolgt im Frühjahr ab dem Knospenaufbruch (BBCH 51 bis 55) mithilfe von weißen Leimtafeln, die in Augenhöhe auf der Südseite der Baumkronen platziert werden. Die Schadensschwelle liegt im Erwerbsanbau bei etwa 30 bis 40 adulten Sägewespen pro Falle bis zum Ende der Blüte (BBCH 69) oder bei einem Befall von 2 bis 3 % der Blüten mit Eiablagespuren. Zur präzisen Bestimmung des Behandlungszeitraums sollten ab Vollblüte (BBCH 65) regelmäßig Stichproben von mindestens 100 Blütenkelchen auf die charakteristischen, bräunlichen Einstichstellen untersucht werden.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind kleine, kreisrunde Einbohrlöcher an den jungen Früchten, aus denen häufig feuchter, dunkler Kot austritt, der intensiv nach Wanzen riecht. Befallene Früchte stellen ihr Wachstum vorzeitig ein, färben sich bläulich-violett und fallen im Mai/Juni massenhaft ab (sogenannter Sägewespen-Fruchtfall). Im Inneren der aufgeschnittenen Früchte zeigt sich das zerstörte Kerngehäuse mit der darin fressenden, weißlich-gelben Larve mit brauner Kopfkapsel. An den Blütenkelchen sind nach der Eiablage winzige, braun vernarbte Einstichschlitze erkennbar.
Integriertes Management
Die Regulierung basiert auf einer integrierten Strategie, die kulturtechnische, biologische und chemische Maßnahmen kombiniert. Kulturtechnisch kann eine Bodenbearbeitung unter den Bäumen im Herbst die im Boden ruhenden Kokons an die Oberfläche befördern, wo sie Frost und Prädatoren ausgesetzt sind. Im biologischen Anbau hat sich der Einsatz von nützlichen Nematoden zur Bekämpfung der Larven im Boden bewährt. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten streng nach dem Warndienstaufruf appliziert werden. Die Behandlung erfolgt meist am Ende der Blüte (BBCH 67 bis 69), wenn die Larven schlüpfen, aber noch nicht tief in die Frucht eingedrungen sind. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei bienenungefährliche Präparate (B4) während des späten Blütenflugs zwingend zu bevorzugen sind.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich der Schaden der Pflaumensägewespe von dem des Pflaumenwicklers?
Der Befall durch die Pflaumensägewespe tritt sehr früh im Jahr (Mai/Juni) auf und führt zum Abfall unreifer, winziger Früchte, die intensiv nach Wanzen riechen. Der Pflaumenwickler (Grapholita funebrana) hingegen schädigt die bereits größeren, reifenden Früchte im Hoch- und Spätsommer, wobei die Fraßgänge mit rötlichem Kot gefüllt sind und kein typischer Wanzengeruch auftritt.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für das Aufhängen der weißen Leimtafeln zur Überwachung?
Die weißen Leimtafeln müssen unbedingt vor Blühbeginn, idealerweise im BBCH-Stadium 55 (Knospen schwellen an), im äußeren Drittel der Baumkrone aufgehängt werden. Sobald die Kultur in voller Blüte steht, lässt die Lockwirkung der Tafeln stark nach, da die echten Blüten eine übermächtige visuelle Konkurrenz darstellen.
Welche Rolle spielen Nematoden bei der biologischen Regulierung dieses Schaderregers?
Entmopathogene Nematoden der Gattung Steinernema können im Spätsommer oder Herbst auf den feuchten Boden unter den Baumkronen ausgebracht werden. Sie dringen aktiv in die im Boden überwinternden Kokons der Sägewespenlarven ein und parasitieren diese, was den Populationsdruck und den Zuflug im folgenden Frühjahr signifikant senken kann.
Wie finde ich im Agronomy-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Pflaumensägewespe?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Pflaume' und dem Schaderreger 'Schwarze Pflaumensägewespe' oder dem EPPO-Code 'HOPLMI'. Achten Sie bei der Auswahl der gelisteten Pflanzenschutzmittel besonders auf die aktuellen BVL-Zulassungsauflagen, die Bienen-Einstufung (bevorzugt B4-Präparate während des späten Blütenflugs) und die vorgeschriebenen Wartezeiten.
Warum ist das Zeitfenster für eine chemische Behandlung direkt nach der Blüte so kritisch?
Sobald sich die Larve tief in die junge Frucht eingebohrt hat, ist sie vor Kontakt- und den meisten systemischen Pflanzenschutzmitteln geschützt. Das Zeitfenster für eine erfolgreiche Behandlung ist extrem kurz und liegt exakt zwischen dem Schlupf der Larve aus dem Ei und dem Einbohren in die erste Frucht, was meist mit dem Abfallen der Kelchblätter (BBCH 67 bis 69) zusammenfällt.
Kann eine mechanische Bodenbearbeitung im Winter den Befall im nächsten Frühjahr reduzieren?
Ja, eine flache Bodenbearbeitung (Fräsen oder Scheiben) unter den Baumkronen im Spätherbst stört die Winterruhe der Larven. Die Kokons werden an die Bodenoberfläche transportiert, wo sie durch Frost absterben oder von natürlichen Feinden wie Vögeln und Laufkäfern gefressen werden.