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Schädling

Schwarze Sauerkirschenblattlaus

Myzus cerasi
MYZUCE

Die Schwarze Kirschenblattlaus (Myzus cerasi, EPPO-Code: MYZUCE) ist einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im Steinobstbau, insbesondere in den Kulturen Süßkirsche (Prunus avium) und Sauerkirsche (Prunus cerasus). Der Schädling gehört zur Familie der Röhrenblattläuse (Aphididae) und fällt durch seine glänzend tiefschwarze Färbung auf. Ein starker Befall führt zu erheblichen Ertragseinbußen und mindert die Vitalität der Bäume nachhaltig.

Die wirtschaftliche Relevanz ergibt sich vor allem aus der intensiven Saugtätigkeit an den Triebspitzen und Blättern im Frühjahr. Dies verursacht extreme Blattkräuselungen und Triebstauchungen. Zudem scheiden die Läuse große Mengen Honigtau aus, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln. Dies verschmutzt die Früchte, macht sie für den Frischmarkt unverkäuflich und beeinträchtigt die Photosynthese der Kulturen massiv.

Typ
Schädling
EPPO-Code
MYZUCE
Wirte
2 Kulturen
Generationen
Mehrere Generationen im Frühjahr (Primärwirt) und Sommer (Sekundärwirt)
Verbreitung
Myzus cerasi ist in ganz Europa, Asien und Nordamerika weit verbreitet und tritt in fast allen bedeutenden Kirschanbaugebieten regelmäßig als Hauptschädling mit hohem Schadpotenzial auf.
Erstbeschreibung
Fabricius, 1775

Biologie / Lebenszyklus

Myzus cerasi ist eine wirtswechselnde (heterözische) Blattlausart. Sie überwintert als schwarzes, glänzendes Ei an den Knospenbasen und in Rindenritzen der Kirschbäume (Primärwirt). Im Frühjahr, meist zeitgleich mit dem Knospenaufbruch (ab BBCH 07 bis 10), schlüpfen die Stammmütter (Fundatrices), die sich parthenogenetisch vermehren und rasch dichte Kolonien an den jungen Trieben bilden. Im Frühsommer (Juni/Juli) entwickeln sich geflügelte Tiere (Migrantes), die auf die Sekundärwirte – vor allem Labkraut-Arten (Galium spp.) und Ehrenpreis (Veronica spp.) – abwandern. Im Herbst kehren geflügelte Rückwanderer auf die Kirschbäume zurück, wo nach der Paarung die Eiablage für die Überwinterung erfolgt.

Bonitur

Ein systematisches Monitoring sollte frühzeitig im Frühjahr beginnen, idealerweise ab dem Knospenaufbruch (BBCH 51 bis 53) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69). Du solltest stichprobenartig mindestens 100 Knospen bzw. Triebspitzen in deiner Anlage auf schlüpfende Fundatrices und erste Koloniebildungen kontrollieren. Als wirtschaftliche Schadschwelle im Erwerbsobstbau gilt im Vorblütenbereich ein Befall von 3 bis 5 % der kontrollierten Blütenbüschel bzw. Triebe. Nach der Blüte liegt die Toleranzgrenze bei Süßkirschen extrem niedrig (oft reicht bereits die Feststellung erster Kolonien an jungen Trieben), da sich die Populationen bei warmer Witterung explosionsartig vermehren.

Symptome

Typisch für einen Befall ist das starke, nestartige Einrollen der Blätter an den Triebspitzen, die sich oft zu dichten, deformierten Klumpen verformen. Die betroffenen Triebspitzen bleiben im Wachstum stark zurück und können komplett absterben. Auf den Blättern, Trieben und Früchten bildet sich ein klebriger, glänzender Belag aus Honigtau, der rasch durch schwarze Rußtaupilze besiedelt wird. Bei starkem Befall verkrüppeln auch die Fruchtstiele und die Früchte bleiben klein, reifen ungleichmäßig aus oder fallen vorzeitig ab.

Integriertes Management

Die integrierte Regulierung setzt auf eine Kombination aus vorbeugenden Maßnahmen, Nützlingsförderung und gezieltem chemischen Pflanzenschutz. Durch eine ausgewogene Stickstoffdüngung und fachgerechten Sommerschnitt verringerst du das Angebot an weichen, attraktiven Triebspitzen. Die Schonung und gezielte Förderung natürlicher Gegenspieler wie Marienkäfer, Schwebfliegenlarven, Florfliegen und Schlupfwespen kann den Befallsdruck im Frühsommer deutlich begrenzen. Ist die Schadschwelle überschritten, ist eine gezielte Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel erforderlich. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, musst du die Wirkstoffe gemäß dem IRAC-Code konsequent abwechseln und die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison strikt einhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine chemische Behandlung gegen die Schwarze Kirschenblattlaus?

Der beste Bekämpfungstermin liegt vor der Blüte (BBCH 57 bis 59), sobald die ersten Larven aus den Wintereiern geschlüpft sind, aber bevor sich die Blätter einrollen. Sobald die Blätter stark deformiert sind, sind die Läuse im Inneren der Gallen vor Kontakt-Pflanzenschutzmitteln geschützt. In diesem späten Stadium erzielen meist nur noch systemisch wirkende Pflanzenschutzmittel eine ausreichende Wirkung.

Wie kann ich im Hub gezielt nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?

Nutze die Such- und Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub. Filtere dort nach deiner Kultur (z. B. Süßkirsche oder Sauerkirsche) und wähle als Schaderreger "Myzus cerasi" oder "Schwarze Kirschenblattlaus" aus. Achte bei den angezeigten Produkten besonders auf die zugelassenen BBCH-Stadien, die spezifischen Aufwandmengen und die vorgeschriebene Wartezeit.

Warum ist die Bekämpfung bei Sauerkirschen oft weniger kritisch als bei Süßkirschen?

Sauerkirschen besitzen eine höhere Toleranz gegenüber dem Speichelsekret der Läuse. Während bei Süßkirschen bereits geringer Befall zu extremen Triebstauchungen und Blattkräuselungen führt, reagieren Sauerkirschen meist weniger empfindlich. Dennoch musst du auch hier den Befall überwachen, da starker Rußtaubefall die Fruchtqualität mindert.

Welche Rolle spielen Ameisen bei einem Befall mit Myzus cerasi und wie greife ich ein?

Ameisen pflegen eine Symbiose mit den Blattläusen: Sie melken den Honigtau und verteidigen die Läuse aktiv gegen wichtige Nützlinge wie Marienkäferlarven oder Florfliegen. Wenn du den Ameisenaufstieg am Stamm durch das Anbringen von Leimringen im frühen Frühjahr verhinderst, können natürliche Gegenspieler die Blattlauskolonien wesentlich effektiver dezimieren.

Wie vermeide ich eine Resistenzbildung bei der chemischen Regulierung?

Halte dich strikt an die Richtlinien des IRAC (Insecticide Resistance Action Committee). Vermeide aufeinanderfolgende Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln aus derselben Wirkstoffklasse (z. B. Pyrethroide oder Neonicotinoide). Wechsle stattdessen zwischen Wirkstoffen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen und nutze nützlingsschonende, selektive Präparate, um die biologische Selbstregulation in deiner Anlage zu unterstützen.

Kann ein starker Befall im Vorjahr den Austrieb im Folgejahr beeinflussen?

Ja, absolut. Ein massiver Befall im Sommer schwächt die Holzreife und reduziert die Einlagerung von Reservestoffen in den Knospen. Dies führt im darauffolgenden Frühjahr oft zu einem ungleichmäßigen Austrieb, verringerter Blütenqualität und einer erhöhten Frostempfindlichkeit der betroffenen Triebe.