Schwarze Sauerkirschenblattlaus
Die Schwarze Kirschenblattlaus (Myzus cerasi, EPPO-Code: MYZUCE) ist der bedeutendste tierische Schaderreger im Steinobstbau, insbesondere an Süßkirsche (Prunus avium) und Sauerkirsche (Prunus cerasus). Dieser saugende Schädling verursacht durch seine enorme Vermehrungsrate erhebliche wirtschaftliche Schäden im Erwerbsobstbau. Neben dem direkten Saugschaden an Blättern und Trieben führt die starke Ausscheidung von Honigtau zu Sekundärinfektionen durch Rußtaupilze, was die Qualität der Früchte drastisch mindert und die Photosyntheseleistung der Kulturen einschränkt.
Der Schaderreger ist in allen europäischen Kirschanbaugebieten weit verbreitet. Ein starker Befall im Frühjahr kann zu verkrüppelten Trieben, vorzeitigem Blattfall und im Extremfall zum Absterben von Jungbäumen führen. Da die Blattläuse auch als Vektoren für verschiedene Pflanzenviren fungieren, ist eine rechtzeitige Befallsregulierung für den wirtschaftlichen Erfolg im Obstbau essenziell.
Biologie / Lebenszyklus
Myzus cerasi überwintert als glänzend schwarzes Winterei an den Knospenschuppen und in Rindenritzen der Kirschbäume (Primärwirt). Im Frühjahr, meist zeitgleich mit dem Knospenaufbruch (ab BBCH 07 bis 10), schlüpfen die Stammmütter (Fundatrices), die sich parthenogenetisch vermehren und rasch dichte Kolonien an den Triebspitzen bilden. Nach mehreren ungeflügelten Generationen entstehen im Frühsommer (Juni/Juli) geflügelte Morphen (Migrantes), die auf Sekundärwirte wie Labkraut (Galium spp.) oder Ehrenpreis (Veronica spp.) abwandern. Im Herbst kehren geflügelte Rückwanderer auf die Kirschbäume zurück, wo nach der Paarung mit den Männchen die Eiablage der Sexuales für die Überwinterung erfolgt.
Bonitur
Die Befallskontrolle beginnt bereits im späten Winter durch die Astprobenuntersuchung zur Erfassung der Wintereier. Im Frühjahr, ab dem Stadium des Ballonstadiums (BBCH 59) bis zum Ende der Blüte (BBCH 69), ist eine regelmäßige visuelle Kontrolle von mindestens 100 Triebspitzen pro Parzelle ratsam. Die wirtschaftliche Schadensschwelle im Erwerbsanbau liegt vor der Blüte bei etwa 3–5 % befallenen Trieben bei Süßkirschen; nach der Blüte (ab BBCH 71) sollte bei ersten sichtbaren Kolonienbildung an jungen Trieben eingegriffen werden, da sich die Populationen bei warmer Witterung explosionsartig entwickeln.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind stark eingerollte, deformierte und oft nestartig zusammengeballte Blätter an den Triebspitzen der Kulturen. Die befallenen Triebenden weisen ein gestauchtes Wachstum auf und können komplett absterben. Die Blattoberflächen und die sich entwickelnden Früchte sind stark mit klebrigem Honigtau bedeckt, auf dem sich schnell schwarze Rußtaupilze ansiedeln. Bei starkem Befall kommt es zu vorzeitigem Fruchtfall und einer unzureichenden Ausfärbung der verbleibenden Kirschen.
Integriertes Management
Die integrierte Bekämpfung basiert auf der Förderung natürlicher Gegenspieler wie Marienkäfer, Schwebfliegenlarven, Florfliegen und Schlupfwespen, was durch das Einsäen von Blühstreifen im Fahrgassenbereich unterstützt wird. Eine mechanische Maßnahme im Jungpflanzenbereich ist das rechtzeitige Herausschneiden stark befallener Triebspitzen. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten bevorzugt vor der Blüte (bis BBCH 59) oder unmittelbar nach der Blüte (ab BBCH 69) eingesetzt werden, um Bestäuber zu schonen. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein Wirkstoffwechsel gemäß den IRAC-Richtlinien (z. B. Wechsel zwischen systemischen Neonicotinoiden/Butenoliden und nützlingsschonenden Fraß- und Kontaktgiften) zwingend einzuhalten.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie finde ich im Agronomy-Hub die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen die Schwarze Kirschenblattlaus?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion im Hub, indem Sie nach dem Schaderreger "Myzus cerasi" oder dem EPPO-Code "MYZUCE" filtern. Wählen Sie anschließend Ihre spezifische Kultur (z. B. Süßkirsche oder Sauerkirsche) aus, um eine tagesaktuelle Liste der vom BVL zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen zu erhalten.
Warum ist eine Bekämpfung nach dem BBCH-Stadium 69 (Ende der Blüte) oft schwieriger als eine Vorblütebehandlung?
Nach der Blüte rollen sich die Blätter durch die Saugtätigkeit der Läuse extrem stark ein. Dies schützt die Kolonien mechanisch vor Kontakt-Pflanzenschutzmitteln. Eine späte Behandlung erfordert daher meist den Einsatz systemischer oder translaminarer Wirkstoffe, während vor der Blüte (bis BBCH 59) auch kontaktwirkende Präparate eine gute Wirkung erzielen.
Welche Rolle spielen Ameisen bei der Befallsentwicklung von Myzus cerasi und wie greift man hier ein?
Ameisen pflegen eine Symbiose mit den Blattläusen: Sie melken den Honigtau und schützen die Kolonien aktiv vor natürlichen Fressfeinden wie Marienkäferlarven. Das Anbringen von Leimringen am Baumstamm im frühen Frühjahr verhindert den Aufstieg der Ameisen und stärkt die biologische Selbstregulierung durch Nützlinge erheblich.
Wie lässt sich das Resistenzrisiko bei der chemischen Regulierung der Kirschenblattlaus minimieren?
Um eine Resistenzbildung zu verhindern, müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen IRAC-Klassifikationen im Spritzprogramm abgewechselt werden. Vermeiden Sie aufeinanderfolgende Anwendungen derselben Wirkstoffklasse (z. B. Flonicamid und Acetamiprid) und nutzen Sie, wo immer möglich, nützlingsschonende Selektivpräparate in Kombination mit mechanischen und biologischen Maßnahmen.
Hat der Wirtswechsel von Myzus cerasi im Sommer Einfluss auf die Bekämpfungsstrategie im Herbst?
Nein, eine Bekämpfung auf den krautigen Sekundärwirten (wie Labkraut) ist weder praktikabel noch wirtschaftlich sinnvoll. Die Strategie konzentriert sich ausschließlich auf den Primärwirt Kirsche im Frühjahr, um den Aufbau der Gründerpopulationen zu unterbinden, bevor die geflügelten Generationen entstehen.
Welchen Einfluss hat eine stickstoffbetonte Düngung auf das Befallsrisiko durch diesen Schaderreger?
Eine übermäßige oder zu späte Stickstoffdüngung fördert ein starkes, weiches Triebwachstum der Kulturen. Dies bietet den saugenden Schaderregern optimale Ernährungsbedingungen, was zu einer beschleunigten Vermehrungsrate und einer verlängerten Attraktivität der Triebspitzen im Frühsommer führt. Eine ausgewogene, bedarfsgerechte Düngung ist daher eine wichtige vorbeugende Maßnahme.