Septoria
Die Pilzgattung Septoria (EPPO-Code: 1SEPTG) umfasst einige der wirtschaftlich bedeutendsten Schaderreger im globalen und mitteleuropäischen Ackerbau. Insbesondere im Getreideanbau, allen voran bei Weizen, verursachen Arten wie Zymoseptoria tritici (früher Septoria tritici, Erreger der Septoria-Blattdürre) und Parastagonospora nodorum (früher Septoria nodorum, Erreger der Septoria-Spelzenbräune) alljährlich massive Ertrags- und Qualitätsverluste. Die Erreger sind weltweit verbreitet und treten besonders in Regionen mit feucht-gemäßigtem Klima während der Hauptvegetationsperiode stark in Erscheinung.
Neben Getreide können auch andere Kulturen wie Tomaten (Septoria lycopersici) oder Sellerie (Septoria apiicola) von spezifischen Vertretern dieser Gattung befallen werden. Die wirtschaftliche Relevanz im Getreidebau ist jedoch herausragend: Unbehandelt kann ein starker Befall der oberen drei Blätter, insbesondere des Fahnenblattes (F-Blatt), zu Ertragseinbußen von bis zu 30 % oder mehr führen. Dies macht eine gezielte Überwachung und integrierte Bekämpfungsstrategie für landwirtschaftliche Betriebe unerlässlich.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert hauptsächlich als Myzel oder in Form von Fruchtkörpern (Pseudothezien und Pyknidien) auf infizierten Ernterückständen, Ausfallgetreide oder Gräsern. Im Frühjahr werden bei feucht-warmer Witterung durch Regenspritzer (Splasheffekte) Konidien aus den Pyknidien freigesetzt und vertikal in den Pflanzenbestand transportiert (Primärinfektion). Unter optimalen Bedingungen (Temperaturen um 15–25 °C und anhaltende Blattnässe) keimen die Sporen und dringen über Spaltöffnungen in das Blattgewebe ein. Nach einer relativ langen Latenzzeit von 14 bis 28 Tagen bilden sich neue Pyknidien (schwarze Punkte) im nekrotischen Gewebe, die für die sekundäre Ausbreitung im Bestand sorgen. Dieser ungeschlechtliche Zyklus wiederholt sich bei feuchter Witterung mehrfach während der gesamten Vegetationsperiode.
Bonitur
Die regelmäßige Bestandesüberwachung beginnt im zeitigen Frühjahr ab dem Schossen der Kulturen (BBCH-Stadium 30 bis 32). Besondere Aufmerksamkeit gilt den unteren Blattetagen, um das Infektionspotenzial frühzeitig abzuschätzen. Als kritischer Bekämpfungsrichtwert im Weizen gilt häufig ein Befall von mehr als 10–20 % der untersuchten Blätter (auf den jeweils relevanten oberen Blattetagen F-2 bis F) im Zeitraum zwischen BBCH 37 (Erscheinen des Fahnenblattes) und BBCH 59 (Ende des Ährenschiebens). Moderne Entscheidungshilfesysteme (DSS) beziehen zusätzlich meteorologische Daten wie Blattnässedauer und Niederschlagsmengen ein, um das Infektionsrisiko präzise zu prognostizieren und den optimalen Behandlungszeitpunkt zu bestimmen.
Symptome
Das typische Symptom eines Befalls im Feld sind unregelmäßige, längliche, graugrüne bis gelbbraune Flecken auf den Blättern, die sich später nekrotisch verfärben und oft von einem gelblichen Hof umgeben sind. Das sicherste diagnostische Merkmal im Feld ist das Auftreten zahlreicher winziger, stecknadelkopfgroßer, schwarzer Punkte (Pyknidien) innerhalb dieser nekrotischen Gewebebereiche. Bei feuchtem Wetter quellen aus diesen Fruchtkörpern weißliche bis rosafarbene Schleimranken (Sporenmassen) hervor. Bei der Spelzenbräune (*S. nodorum*) zeigen sich zudem linsenförmige, braune Flecken an den Spelzen der Ähren sowie Verbräunungen an den Halmknoten.
Integriertes Management
Eine erfolgreiche Regulierung basiert auf einem integrierten Ansatz, der pflanzenbauliche, toleranzorientierte und chemische Maßnahmen kombiniert. Kulturmaßnahmen wie eine weite Fruchtfolge, das sorgfältige Unterpflügen von Ernterückständen zur Reduzierung des Inokulums und die Wahl weniger anfälliger Sorten bilden das Fundament. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sollte streng nach Schadschwellen und Prognosemodellen erfolgen. Um einer Resistenzbildung vorzubeugen, ist ein konsequentes Wirkstoffdesign im Sinne des FRAC (Fungicide Resistance Action Committee) zwingend erforderlich; dies umfasst den Wechsel und die Kombination von Wirkstoffen aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. Triazole, SDHI und Multisite-Inhibitoren wie Folpet) sowie die Einhaltung der empfohlenen Aufwandmengen.
Häufige Fragen
Wie unterscheidet sich das Infektionsverhalten von Septoria tritici und Septoria nodorum im Feld?
Während *Septoria tritici* primär die Blätter besiedelt und für seine Verbreitung zwingend auf Regenspritzer (Splash-Dispersal) angewiesen ist, kann *Septoria nodorum* auch über das Saatgut übertragen werden und infiziert neben den Blättern häufig auch die Ähren (Spelzenbräune). Zudem bevorzugt *S. nodorum* etwas höhere Temperaturen (20–25 °C) als *S. tritici* (15–20 °C).
Warum ist die Latenzzeit von Septoria bei der Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen so tückisch?
Die Latenzzeit – die Phase zwischen der Infektion und dem Sichtbarwerden der ersten Symptome (Pyknidien) – kann je nach Temperatur 2 bis 4 Wochen dauern. Das bedeutet, dass ein Bestand optisch vollkommen gesund erscheinen kann, obwohl der Pilz sich bereits im Blattgewebe ausbreitet. Behandlungen müssen daher oft präventiv oder kurativ in der symptomfreien Phase auf Basis von Wetterdaten und Infektionsereignissen erfolgen.
Welche Rolle spielen Multisite-Inhibitoren im Resistenzmanagement gegen Septoria?
Da *Septoria*-Stämme zunehmend Resistenzen oder verminderte Sensitivitäten gegenüber Solo-Azolen (DMIs) und SDHIs aufweisen, sind Kontaktwirkstoffe mit Multisite-Wirkungsmechanismus (wie Folpet) ein wichtiger Baustein. Sie greifen an mehreren Stellen im Stoffwechsel des Pilzes an, weisen ein extrem geringes Resistenzrisiko auf und schützen als Mischungspartner die systemischen Wirkstoffe vor einem Wirkungsverlust.
Wie kann ich auf agronomy.farmable.tech nach zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gegen diesen Schaderreger suchen?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Zielkultur (z. B. Winterweizen) und dem Schaderreger "Septoria-Arten" oder dem spezifischen EPPO-Code "1SEPTG". Sie erhalten eine aktuelle Liste der in Ihrem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Angaben zu Aufwandmengen, maximalen Anwendungen und Wartezeiten.
Welchen Einfluss hat die Stickstoffdüngung auf das Befallsrisiko mit Septoria?
Eine überhöhte oder zu späte Stickstoffdüngung führt zu einem üppigen, dichten Pflanzenbestand mit einem feuchteren Mikroklima in den unteren Blattetagen. Dies begünstigt die Keimung der Sporen und verkürzt die Infektionswege durch Regenspritzer von Blatt zu Blatt nach oben, was die Epidemie beschleunigt.
Ab welchem BBCH-Stadium verliert eine Bekämpfung von Septoria im Getreide in der Regel ihre wirtschaftliche Vorzüglichkeit?
Nach dem Ende der Blüte (BBCH 69) und zu Beginn der Teigreife (ab BBCH 71) ist eine gezielte Fungizidbehandlung gegen Blattseptoria meist nicht mehr wirtschaftlich. Zu diesem Zeitpunkt ist die Ertragsbildung weitgehend abgeschlossen, und die gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeiten der Pflanzenschutzmittel lassen eine späte Anwendung oft nicht mehr zu.