Tipula
Die Gattung Tipula (EPPO-Code: 1TIPUG), im Volksmund als Wiesenschnaken bekannt, umfasst mehrere wirtschaftlich bedeutende Schaderreger im Grünland, in Rasenanlagen sowie in verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen wie Getreide und Raps. Während die adulten Schnaken völlig harmlos sind und sich meist nur von Nektar ernähren, verursachen die im Boden lebenden Larven (oft als "Lederjacken" bezeichnet) durch ihren intensiven Wurzelfraß erhebliche Schäden.
Besonders in feuchten Jahren oder auf staunassen Standorten können die Populationen explosionsartig ansteigen. Der wirtschaftliche Schaden resultiert nicht nur aus dem direkten Absterben der Gräser und Kulturpflanzen, sondern auch aus Sekundärschäden: Vögel und Wildschweine pflügen auf der Suche nach den proteinreichen Larven oft ganze Bestände um, was zu massiven Lücken und einer Verunkrautung führt.
Biologie / Lebenszyklus
Die Entwicklung der Wiesenschnake verläuft je nach Art ein- bis zweijährig; bei der häufigen Tipula paludosa gibt es eine Generation pro Jahr. Die adulten Tiere schlüpfen im Spätsommer (August bis September) und legen ihre Eier bevorzugt in feuchtes, dicht bewachsenes Grasland ab. Nach wenigen Wochen schlüpfen die jungen Larven, die zunächst oberflächlich an den Blättern fressen, bevor sie sich mit sinkenden Temperaturen tiefer in den Boden zurückziehen, um dort zu überwintern. Im darauffolgenden Frühjahr (ab BBCH 20–29 der Gräser) erwachen sie aus der Winterruhe und verursachen durch ihren enormen Fraßbedarf an Wurzeln und Vegetationspunkten die Hauptschäden, bevor sie sich im Frühsommer im Boden verpuppen.
Bonitur
Ein effektives Monitoring beginnt bereits im Spätherbst oder zeitigen Frühjahr (BBCH 13 bis 29 der betroffenen Kulturen). Zur Befallsermittlung stichst du Bodenproben (z. B. 10 x 10 cm bis in 10 cm Tiefe) aus oder nutzt die Salzmethode: Durch das Gießen einer gesättigten Kochsalzlösung auf eine definierte Fläche werden die Larven zum Aufsteigen an die Oberfläche gezwungen. Als wirtschaftliche Schadensschwelle im Grünland gelten im Frühjahr etwa 100 bis 150 Larven pro Quadratmeter, während bei empfindlichen Kulturen oder im Zierrasen bereits deutlich geringere Dichten (ab 20–40 Larven/m²) eine gezielte Maßnahme rechtfertigen.
Symptome
Typisch für einen Befall sind nesterweise auftretende, gelbliche bis braune Kahlstellen im Bestand, die sich im Frühjahr rasch vergrößern. Die betroffenen Pflanzen lassen sich aufgrund der abgefressenen Wurzeln leicht und ohne Widerstand aus dem Boden ziehen. Bei feuchtem Wetter oder in den Morgenstunden sind zudem oberflächliche Fraßspuren an den bodennahen Blättern sichtbar. Ein starkes Indiz für einen massiven Larvenbefall ist zudem eine auffällig hohe Aktivität von Krähen, Staren oder anderen insektenfressenden Vögeln, die den Boden intensiv aufhacken.
Integriertes Management
Das integrierte Management setzt stark auf vorbeugende, kulturtechnische Maßnahmen. Eine tiefe Bodenbearbeitung im Spätsommer stört die Eiablage und dezimiert junge Larven mechanisch. Zudem solltest du für eine gute Entwässerung sorgen, da feuchte Böden die Ei- und Larvenentwicklung begünstigen. Biologisch lassen sich die Larven hervorragend im Herbst (September/Oktober) mit nützlichen Nematoden der Gattung Steinernema carpocapsae bekämpfen, sofern der Boden ausreichend feucht und warm (über 12 °C) ist. Chemische Pflanzenschutzmittel sind aufgrund strenger Zulassungsauflagen stark limitiert; falls eine Anwendung im Rahmen der Indikationszulassung notwendig wird, ist auf eine zeitnahe, bodennahe Ausbringung bei hoher Bodenfeuchtigkeit zu achten, um die Wirkstoffe an den Schaderreger zu bringen.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wann ist für dich der beste Zeitpunkt, um Nematoden gegen Tipula-Larven einzusetzen?
Der optimale Anwendungszeitraum liegt im Frühherbst (September bis Oktober), wenn sich die Larven noch in den empfindlichen ersten Stadien (L1/L2) nahe der Bodenoberfläche befinden. Achte darauf, dass der Boden zum Zeitpunkt der Anwendung und in den darauffolgenden Tagen durchgehend feucht ist und die Bodentemperatur nicht unter 12 °C fällt, damit die Nematoden aktiv nach den Larven suchen können.
Wie unterscheidest du Tipula-Schäden von Engerlingsschäden im Feld?
Tipula-Larven haben im Gegensatz zu Engerlingen (z. B. vom Maikäfer) keine Beine, keinen ausgeprägten Kopfpanzer und besitzen eine graubraune, lederartige Haut. Zudem fressen Tipula-Larven nachts auch an oberirdischen Pflanzenteilen, während Engerlinge sich ausschließlich von unterirdischen Wurzeln ernähren und meist tiefer im Boden sitzen.
Warum ist die Walzenführung im Frühjahr eine effektive Maßnahme gegen diesen Schaderreger?
Das Walzen des Bodens mit einer schweren Walze am frühen Morgen (wenn die Larven noch nahe der Oberfläche aktiv sind) verdichtet den Boden mechanisch. Dies stört die Fortbewegung der Larven im Porensystem erheblich und kann insbesondere auf leichteren Böden einen Teil der Population direkt zerdrücken oder deren Aktivität stark einschränken.
Welche Rolle spielt die Schnakenbekämpfung im integrierten Pflanzenschutz bei Getreide?
Wenn du Getreide nach umgebrochenem Dauergrünland oder mehrjährigem Kleegras anbaust, ist das Risiko für Tipula-Schäden extrem hoch. Hier solltest du vor der Saat eine intensive Bodenbearbeitung durchführen, um die Larven freizulegen und auszutrocknen, da im Getreidebau kaum noch chemische Pflanzenschutzmittel für eine direkte Behandlung zugelassen sind.
Wie findest du aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Tipula auf agronomy.farmable.tech?
Nutze hierzu die Suchfunktion im Hub und filtere nach dem Schaderreger "Tipula" oder dem EPPO-Code "1TIPUG". Du erhältst eine tagesaktuelle Liste aller in deinem Land registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Kulturen, Aufwandmengen, BBCH-Stadien und einzuhaltenden Wartezeiten.
Kann ein hoher Besatz an Tipula-Larven im Winter von selbst absterben?
Nur bedingt. Die Larven sind extrem kältetolerant und überstehen selbst strenge Frostperioden im Boden meist unbeschadet. Ein natürlicher Rückgang der Population im Winter erfolgt eher durch langanhaltende Staunässe (Sauerstoffmangel) oder durch natürlichen Fraßdruck von Vögeln und räuberischen Laufkäfern.