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Schädling

Tipula

Tipula
1TIPUG

Die Wiesenschnaken (Gattung Tipula, EPPO-Code: 1TIPUG) sind zweiflügelige Insekten, deren Larven als bedeutende Schädlinge im Grünland, auf Rasenflächen sowie in verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen auftreten. Während die adulten Schnaken völlig harmlos sind und keine Nahrung aufnehmen, verursachen die im Boden lebenden Larven (umgangssprachlich oft als „Erdraupen“ oder „Leatherjackets“ bezeichnet) erhebliche wirtschaftliche Schäden. In Mitteleuropa sind vor allem die Arten Tipula paludosa und Tipula oleracea von agronomischer Bedeutung.

Die Larven fressen an den Wurzeln und bodennahen Stängelteilen der Kulturen. Dies führt insbesondere bei feuchter Witterung im Herbst und Frühjahr zu nesterweisem Absterben der Grasnarbe oder der Kulturpflanzen. Neben dem direkten Fraßschaden führt auch der Sekundärschaden durch Vögel und Wildschweine, die den Boden auf der Suche nach den proteinreichen Larven aufwühlen, zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten.

Typ
Schädling
EPPO-Code
1TIPUG
Wirte
0 Kulturen
Generationen
1 bis 2 Generationen pro Jahr (artabhängig)
Verbreitung
Weit verbreitet in ganz Mittel- und Westeuropa, insbesondere in Regionen mit maritimem oder feucht-gemäßigtem Klima, wo sie regelmäßig hohe wirtschaftliche Schäden im Grünland und auf Sportrasenflächen verursachen.
Erstbeschreibung
Linnaeus, 1758

Biologie / Lebenszyklus

Die Eiablage erfolgt im Spätsommer (August bis September) direkt in feuchte Böden. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Larven und beginnen sofort mit dem Fraß an organischem Material und feinen Wurzeln. Sie durchlaufen vier Larvenstadien (L1 bis L4) und überwintern meist im L3- oder L4-Stadium im Boden. Im darauffolgenden Frühjahr (März bis Mai) setzt eine intensive Fraßphase ein, die die schwersten Schäden verursacht. Nach der Verpuppung im Boden ab Juni schlüpfen im Spätsommer die adulten Schnaken, womit der Zyklus geschlossen ist. Tipula oleracea kann im Gegensatz zu Tipula paludosa eine zweite, schwächere Generation im Frühsommer ausbilden.

Bonitur

Die Befallsüberwachung erfolgt im Herbst (September/Oktober) oder im zeitigen Frühjahr (März). Zur Ermittlung der Larvendichte wird die Austreibemethode mit einer gesättigten Kochsalzlösung (ca. 150–200 g Salz pro Liter Wasser) auf repräsentativen Testflächen angewendet. Im Grünland liegt die Schadschwelle bei etwa 100–150 Larven/m² im Herbst bzw. 80 Larven/m² im Frühjahr. In empfindlichen Ackerkulturen wie Wintergetreide im BBCH-Stadium 10–19 liegt die kritische Schwelle bereits bei 10–20 Larven/m².

Symptome

Typisch sind nesterweise auftretende, kahle Stellen im Grünland oder lückige Bestände im Getreide, die sich ab dem Herbst zeigen und im Frühjahr rasch vergrößern. Die betroffenen Pflanzen vergilben, welken und lassen sich aufgrund der abgefressenen Wurzeln leicht aus dem Boden ziehen. Ein starkes Indiz für einen Befall ist zudem eine erhöhte Aktivität von Vögeln (insbesondere Krähen und Staren), die die Grasnarbe aufhacken, um an die Larven zu gelangen.

Integriertes Management

Eine integrierte Bekämpfungsstrategie setzt auf mechanische, biologische und gezielte chemische Maßnahmen. Kulturtechnisch sind eine gute Entwässerung (Vermeidung von Staunässe) und eine dichte, konkurrenzstarke Grasnarbe entscheidend. Das Walzen der Flächen im Frühjahr reduziert die Larvenaktivität mechanisch. Biologisch ist der Einsatz von entomopathogenen Nematoden der Gattung Steinernema im Herbst hochwirksam. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten nur bei Überschreitung der Schadschwellen und bevorzugt gegen die empfindlichen jungen Larvenstadien im Herbst eingesetzt werden, um Wirkstoffresistenzen vorzubeugen und die Umweltauflagen einzuhalten.

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich das Schadbild von Tipula-Larven von dem der Engerlinge?

Tipula-Larven sind beinlos, graubraun gefärbt und besitzen keine ausgeprägte Kopfkapsel (sogenannte „Teilkopf-Larven“), während Engerlinge (z. B. von Maikäfern) drei deutliche Brustbeinpaare, eine braune Kopfkapsel und einen typisch gekrümmten Körper aufweisen. Zudem fressen Tipula-Larven in feuchten Nächten auch oberirdisch an den Blättern, während Engerlinge ausschließlich unterirdischen Wurzelfraß betreiben.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den biologischen Einsatz von Nematoden?

Der beste Behandlungszeitraum für entomopathogene Nematoden (z. B. Steinernema carpocapsae) liegt im Frühherbst (September bis Oktober). In dieser Phase dominieren die empfindlichen L1- und L2-Larvenstadien im Boden, und die Bodentemperaturen sind mit über 12 °C optimal für die Aktivität der Nematoden bei gleichzeitig hoher Bodenfeuchtigkeit.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium der Kultur bei der Schadwirkung im Getreide?

Besonders kritisch ist der Befall im Wintergetreide während der frühen BBCH-Stadien 10 (Auflaufen) bis 21 (Beginn der Bestockung) im Herbst. Da die jungen Keimlinge noch kein regenerationsfähiges Wurzelsystem besitzen, führt der Fraß an der Bestockungszone sehr schnell zum Totalausfall der betroffenen Pflanzen.

Wie kann ich im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach zugelassenen Produkten suchen?

Nutzen Sie die Filterfunktion im Hub und wählen Sie als Schaderreger „Wiesenschnaken“ (Tipula spp.) oder geben Sie den EPPO-Code „1TIPUG“ ein. Filtern Sie anschließend nach Ihrer spezifischen Kultur (z. B. Grünland oder Zierrasen), um die aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten einzusehen.

Warum ist das Walzen der Flächen im Frühjahr eine wirksame mechanische Maßnahme?

Das Walzen mit einer schweren Walze am frühen Morgen (bei Frostfreiheit) verdichtet den Boden und stört die vertikale Wanderung der Larven. Zudem werden die Larven in ihren Gängen mechanisch zerquetscht oder blockiert, was ihre Aktivität und Schadwirkung im empfindlichen Frühjahr deutlich reduziert.