Xylosandrus
Die Gattung Xylosandrus (EPPO-Code: 1XYLSG) umfasst invasive Ambrosiakäfer aus der Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae), die im Obstbau, Weinbau sowie in Baumschulen und Forstkulturen erhebliche ökonomische Schäden verursachen. Besonders bekannt sind Arten wie der Schwarze Holzbohrer (Xylosandrus germanus) und der Asiatische Ambrosiakäfer (Xylosandrus crassiusculus). Diese Schaderreger bohren sich in das Holz gesunder oder geschwächter Gehölze ein und übertragen dabei symbiotische Ambrosiapilze, die den Larven als Nahrung dienen, jedoch die Leitungsbahnen der Wirtspflanzen verstopfen.
Die wirtschaftliche Relevanz ist extrem hoch, da der Befall oft zum Absterben junger Kulturen oder einzelner Äste führt. Betroffen sind sowohl Laubgehölze als auch Nadelgehölze. Da die Käfer tief im Holz leben, sind sie nach dem Einbohren kaum noch direkt zu bekämpfen, was präventive Maßnahmen und ein exaktes Monitoring unerlässlich macht.
Biologie / Lebenszyklus
Die Überwinterung erfolgt als begattetes Weibchen in den Fraßgängen im Holz der Wirtspflanzen. Sobald im Frühjahr die Temperaturen konstant über 18 °C bis 20 °C steigen (meist ab April/Mai), verlassen die Weibchen die Winterquartiere, um neue Kulturen zu besiedeln. Sie bohren neue Gänge in das Splintholz und impfen die Wände mit den Sporen ihres Ambrosiapilzes, woraufhin die Eiablage erfolgt. Die Larven ernähren sich ausschließlich von dem wachsenden Pilzrasen und verpuppen sich im Sommer im Gangsystem. Nach dem Schlupf verpaaren sich die Geschwistertiere noch in der Galerie, woraufhin die Männchen sterben und die begatteten Weibchen entweder eine zweite Generation anlegen oder im Holz überwintern.
Bonitur
Ein effektives Monitoring beginnt im zeitigen Frühjahr vor dem Knospenaufbruch (ab BBCH-Stadium 01 bis 09 der gefährdeten Kulturen), sobald die Tagestemperaturen die Aktivitätsschwelle von ca. 18 °C erreichen. Zur Überwachung des Flugverlaufs hängst du mit Ethanol (Alkohol) beköderte Schlitzfallen oder rote Klebefallen in einer Höhe von ca. 1,0 bis 1,5 Metern im Randbereich der Kulturen auf. Da es keine etablierten ökonomischen Schadschwellen gibt, gilt bereits der Erstfang einzelner Weibchen als Signal, umgehend vorbeugende Kulturmaßnahmen einzuleiten oder den Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel vorzubereiten, bevor sich die Käfer einbohren.
Symptome
Typische Symptome im Feld sind kreisrunde Einbohrlöcher mit einem Durchmesser von nur ca. 1 bis 2 mm an Stamm und Ästen. Charakteristisch für einen frischen Befall sind herausgedrückte, zylindrische Bohrmehl-Zylinder ("Zahnstocher-Effekt"), die bei Wind oder Regen jedoch leicht abfallen. Im weiteren Verlauf zeigen die betroffenen Kulturen Welkeerscheinungen, vorzeitigen Laubfall, das Absterben von Trieben oder ganzen Kronenteilen sowie dunkle Verfärbungen des Holzes rund um die Fraßgänge, verursacht durch den Ambrosiapilz.
Integriertes Management
Das Management basiert auf einem integrierten Ansatz, da chemische Pflanzenschutzmittel nach dem Einbohren der Käfer wirkungslos sind. Kulturmaßnahmen wie die Förderung der Pflanzenvitalität durch ausgewogene Düngung und Bewässerung sowie das konsequente Entfernen und Verbrennen befallener Gehölze vor dem Schlupf der neuen Generation sind essenziell. Chemische Behandlungen mit Pyrethroiden (IRAC-Klasse 3A) müssen exakt zum Zeitpunkt des Hauptfluges vor dem Einbohren erfolgen; hierbei ist auf eine gründliche Benetzung der Stamm- und Astbereiche zu achten. Zur Vermeidung von Resistenzen solltest du Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen abwechselnd einsetzen und die regionalen Zulassungsbestimmungen beachten.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie finde ich im Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen diesen Schaderreger?
Du kannst im Pflanzenschutzmittel-Hub gezielt nach deiner Kultur und dem Schaderreger "Xylosandrus" filtern. Achte darauf, die aktuelle Zulassungssituation und die spezifischen Anwendungsbestimmungen des BVL für dein Bundesland zu prüfen.
Warum wirken systemische Insektizide so schlecht gegen Ambrosiakäfer?
Da sich die Larven und Käfer im Holz nicht vom Pflanzensaft, sondern ausschließlich vom eingebrachten Ambrosiapilz ernähren, nehmen sie systemische Wirkstoffe kaum auf. Eine Behandlung muss daher rein kontaktwirksam beim Einbohrversuch der Weibchen auf der Rindenoberfläche erfolgen.
Welchen Einfluss hat feuchtes Wetter auf die Ausbreitung des Schaderregers?
Hohe Luftfeuchtigkeit und milde Temperaturen begünstigen das Wachstum des symbiotischen Ambrosiapilzes in den Bohrgängen. Trockenstress der Kultur hingegen lockt die Käfer durch die Abgabe von Ethanol (Stresssignal) verstärkt an, weshalb eine optimale Bewässerung vorbeugend wirkt.
Wie entsorge ich befallenes Holz richtig, um eine Weiterverbreitung zu verhindern?
Befallenes Holz solltest du umgehend aus der Kultur entfernen und entweder vor Ort häckseln und tief vergraben oder verbrennen (sofern lokal erlaubt). Ein einfaches Lagern als Brennholz am Parzellenrand führt dazu, dass die Käfer im Folgejahr schlüpfen und benachbarte Kulturen neu besiedeln.
Kann ich Alkohol-Fallen auch direkt zur Bekämpfung (Massenfang) einsetzen?
Nein, Ethanol-Fallen dienen im professionellen Anbau primär dem Monitoring, um den optimalen Behandlungszeitraum zu bestimmen. Für einen effektiven Massenfang ist die Lockwirkung im Vergleich zur Attraktivität geschwächter Wirtsbäume meist zu gering, weshalb sie die Population allein nicht ausreichend dezimieren können.
Ab welchem BBCH-Stadium ist die Gefahr eines Befalls im Obstbau am größten?
Die Hauptgefahr besteht ab dem Knospenaufbruch (BBCH 01 bis 10), da zu diesem Zeitpunkt die Frühjahrstemperaturen steigen und die Käfer ihren Hochzeitsflug starten. Du solltest deine Monitoring-Fallen spätestens bei BBCH 01 betriebsbereit im Feld installiert haben.