Anis
Anis (Pimpinella anisum, EPPO-Code: PIMAN) ist eine traditionsreiche einjährige Gewürz- und Arzneipflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die Kultur stellt hohe Ansprüche an Wärme und Bodenfeuchte während der Keimphase, weshalb ein sorgfältig vorbereitetes Saatbett im Frühjahr entscheidend für einen gleichmäßigen Feldaufgang ist. Hauptsächlich werden die ätherisch-ölreichen Spaltfrüchte geerntet, die in der Pharma-, Likör- und Backwarenindustrie breite Verwendung finden.
In Mitteleuropa erfordert der Anbau von Anis ein hohes pflanzenbauliches Geschick, da die langsame Jugendentwicklung die Kultur anfällig für Verunkrautung macht. Zudem verlangen die ungleichmäßige Abreife der Dolden und die Neigung zum Ausfall der reifen Früchte ein präzises Timing bei der Ernte. Eine erfolgreiche Etablierung gelingt meist auf gut strukturierten, warmen Böden in windgeschützten Lagen.
Bodenmanagement
Anis bevorzugt mittelschwere, tiefgründige und kalkhaltige Böden mit guter Wasserführung, da Staunässe unbedingt vermieden werden muss. Die Kultur reagiert empfindlich auf Bodenverdichtungen, weshalb eine sorgfältige Herbstfurche und eine feinkrümelige Saatbettbereitung im Frühjahr unerlässlich sind. Eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 40 bis 60 kg N/ha ist in der Regel ausreichend, um das vegetative Wachstum zu fördern, ohne die Standfestigkeit zu gefährden. Zu hohe Stickstoffgaben verzögern die Abreife und erhöhen das Risiko für Lagerbildung sowie Pilzinfektionen. Zudem sollte auf eine ausgeglichene Versorgung mit Kalium und Phosphor geachtet werden, um die Standfestigkeit und die Ausbildung der ätherischen Öle zu unterstützen.
Schaderreger-Management
Der Schutz der Kultur vor Schaderregern konzentriert sich primär auf die Vorbeugung von Pilzkrankheiten wie der Doldenbräune (Alternaria spp.) und dem Echten Mehltau, die bei feucht-warmer Witterung ertragsentscheidende Schäden verursachen können. Da die chemische Zulassungssituation für Pflanzenschutzmittel in Sonderkulturen wie Anis stark eingeschränkt ist, spielen weite Fruchtfolgen von mindestens 4 Jahren zu anderen Apiaceen eine zentrale Rolle. Gegen auflaufende Unkräuter ist aufgrund der extrem langsamen Jugendentwicklung der Kultur ein frühzeitiger Einsatz von Striegel- oder Hacktechnik im Vor- und frühen Nachauflauf entscheidend. Schädlinge wie die Gierschblattlaus oder Wanzen müssen ab dem Knospenstadium regelmäßig überwacht werden, um Saugschäden an den Blütenanlagen rechtzeitig zu verhindern.
Sorten
Thüringer
mittelfrühKonstant mittlere Erträge von ca. 1,0–1,2 t/ha.
Anfällig für: Doldenbraeune, Echter Mehltau
Traditionelle, bewährte Landsorte mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen (Anethol). Zeigt eine gute Anpassung an mitteleuropäische Klimabedingungen.
Duro
mittelspätErtragreich unter optimalen Bedingungen, bis zu 1,4 t/ha.
Anfällig für: Staunaesse
Robuste Selektion mit verbesserter Standfestigkeit und gleichmäßigerer Abreife der Haupt- und Nebendolden.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie lässt sich der optimale Erntezeitpunkt bei ungleichmäßiger Abreife der Dolden bestimmen?
Die Ernte sollte eingeleitet werden, wenn die Früchte der Hauptdolden graubraun gefärbt und die Stängel bereits trocken sind (BBCH 85–89). Da die Nebendolden oft noch grün sind, wird im Erwerbsanbau häufig im Zweiphasenverfahren gearbeitet: Das Mähen und Schwaden erfolgt bei beginnender Reife, gefolgt vom Drusch nach einigen Tagen der Nachreife auf dem Feld.
Welche Fruchtfolgebeschränkungen müssen beim Anbau von Anis beachtet werden?
Anis darf aufgrund der Übertragung von bodenbürtigen Schaderregern (wie Fusarium oder Sclerotinia) und zur Vermeidung von Durchwuchs nicht nach sich selbst oder anderen Doldenblütlern (z. B. Karotten, Sellerie, Fenchel, Kümmel) angebaut werden. Eine Anbaupause von mindestens 4 bis 5 Jahren ist zwingend einzuhalten. Gute Vorfrüchte sind Getreide oder Hackfrüchte, die ein unkrautfreies Feld hinterlassen.
Wie empfindlich reagiert Anis auf Spätfröste im Frühjahr?
Nach dem Auflaufen (BBCH 10–12) verträgt die Kultur leichte Frostgrade von bis zu -4 °C meist schadlos. Dennoch verzögern niedrige Temperaturen die ohnehin langsame Jugendentwicklung erheblich, was das Risiko für Spätverunkrautung und bodenbürtige Pilzinfektionen erhöht. Ein zu früher Saattermin in kalte Böden sollte daher vermieden werden.
Welche mechanischen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen sind in der Jugendentwicklung sicher anwendbar?
Aufgrund des langsamen Auflaufens ist das Blindstriegeln ca. 8 bis 10 Tage nach der Saat eine hochwirksame Methode. Nach dem Auflaufen darf erst ab dem 2- bis 3-Blattstadium (BBCH 12–13) vorsichtig mit geringem Zinkendruck gestriegelt werden. Zwischen den Reihen (Reihenabstand 25–30 cm) ist das Hacken ab der Reihenmarkierung sicher möglich, wobei Verschütten der kleinen Kulturpflanzen unbedingt vermieden werden muss.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Anis in Deutschland?
Da Anis als Sonderkultur gilt, sind viele Pflanzenschutzmittel nur über Lückenindikationen nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 zugelassen. Aktuelle Zulassungen und deren spezifische Auflagen (z. B. Wartezeiten, maximale Anwendungen) können tagesaktuell über die Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) unter dem Kulturcode 'Anis' abgerufen werden.