Alle Kulturen
Kultur

Anis

Pimpinella anisum
PIMAN

Anis (Pimpinella anisum, EPPO-Code: PIMAN) ist eine traditionsreiche, einjährige Gewürz- und Arzneipflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die Kultur stellt hohe Ansprüche an Wärme und Licht, weshalb sie in Mitteleuropa vor allem in klimatisch begünstigten Lagen erfolgreich angebaut wird. Die wertvollen ätherischen Öle, insbesondere das Anethol in den reifen Spaltfrüchten, machen sie zu einem gefragten Rohstoff für die Pharma-, Lebensmittel- und Spirituosenindustrie.

Der Anbau erfordert agronomisches Fingerspitzengefühl, da die Keimung relativ langsam verläuft und die Kultur in der Jugendentwicklung extrem konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern ist. Eine präzise Saatbettbereitung und ein optimales Feuchtigkeitsmanagement im Frühjahr sind entscheidend für einen gleichmäßigen Feldaufgang. Die Ernte erfolgt im Spätsommer, sobald sich die Dolden graubraun färben und die Früchte das typische Aroma entwickelt haben.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Ende März bis Mitte April
Erntefenster
Ende August bis September
Reihenabstand
25–37,5 cm
Typischer Ertrag
0,8–1,5 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1850 °C
Boden-pH
6,5–7,5

Bodenmanagement

Anis bevorzugt mittelschwere, gut durchlüftete und kalkhaltige Böden mit einer stabilen Struktur. Schwere, zur Verschlämmung neigende Böden sind ungeeignet, da sie den ohnehin langsamen Feldaufgang der Kultur stark behindern. Eine sorgfältige, feinkrümelige Saatbettbereitung im Frühjahr ist unerlässlich, um einen optimalen Bodenschluss für das feine Saatgut zu gewährleisten. Da die Kultur empfindlich auf Staunässe reagiert, musst du auf eine gute Drainage und die Vermeidung von Bodenverdichtungen achten. Eine ausgeglichene Nährstoffversorgung, insbesondere eine moderate Stickstoffdüngung von etwa 40 bis 60 kg N/ha, fördert das Wachstum, ohne die Standfestigkeit oder den Gehalt an ätherischen Ölen negativ zu beeinflussen.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz stehen bei Anis vor allem pilzliche Schaderreger wie die Doldenbräune (Alternaria spp.) und Echter Mehltau im Vordergrund. Vorbeugende Maßnahmen wie eine weite Fruchtfolge von mindestens 3 bis 4 Jahren zu anderen Doldenblütlern sind essenziell, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Gegen auflaufende Unkräuter ist die Kultur in den ersten Wochen extrem konkurrenzschwach, weshalb ein mechanisches Hacken im frühen BBCH-Stadium oder der gezielte Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel notwendig ist. Bei feuchter Witterung während der Blüte solltest du die Bestände engmaschig auf Befall kontrollieren, um rechtzeitig reagieren zu können. Schädlinge wie die Gierschblattlaus oder Wanzen können punktuell auftreten und erfordern eine regelmäßige Bonitur ab dem Schossen.

Sorten

Thüringer

mittelspät

0,9–1,3 t/ha

Anfällig für: Doldenbräune, Echter Mehltau

Eine bewährte, regional angepasste Landsorte mit sehr hoher Aromaqualität und intensivem Anetholduft.

Nectar

mittel

1,1–1,5 t/ha

Anfällig für: Doldenbräune

Moderne Selektion, die speziell für die Gewinnung von ätherischem Öl optimiert wurde.

Bauer

früh bis mittel

1,0–1,4 t/ha

Anfällig für: Echter Mehltau

Robuste Sorte mit gleichmäßigem Abreifeverhalten, gut geeignet für den Mähdrusch.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie kannst du die Keimverzögerung bei Anis im Frühjahr minimieren?

Da Anis relativ langsam keimt (oft 2 bis 3 Wochen), solltest du auf eine ausreichende Bodentemperatur von mindestens 8 °C bei der Aussaat achten. Ein flaches Säen (ca. 1,5 bis 2 cm Tiefe) in ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett sichert den nötigen Bodenschluss und verhindert das Austrocknen der empfindlichen Keimlinge.

Welche Fruchtfolgestrategie empfiehlt sich für den Anbau dieser Kultur?

Du solltest Anis keinesfalls nach anderen Doldenblütlern (wie Karotten, Sellerie, Fenchel oder Kümmel) anbauen, um die Übertragung von bodenbürtigen Schaderregern wie Sclerotinia oder Alternaria zu vermeiden. Als ideale Vorfrüchte eignen sich Getreide oder Hackfrüchte, die den Boden unkrautfrei und gut strukturiert hinterlassen.

Worauf musst du bei der mechanischen Unkrautregulierung besonders achten?

Da die Kultur in der Jugendphase extrem langsam wächst, ist das Blindstriegeln vor dem Auflaufen eine hochwirksame Methode. Sobald die Reihen sichtbar sind (ab BBCH-Stadium 12), kannst du flach zwischen den Reihen hacken, wobei du nah an der Pflanzenreihe sehr vorsichtig agieren musst, um die feinen Wurzeln nicht zu beschädigen.

Wie bestimmst du den optimalen Erntezeitpunkt für Anis?

Der richtige Zeitpunkt ist erreicht, wenn die Früchte der Hauptdolden graubraun gefärbt und die Stängel bereits trocken sind (meist im BBCH-Stadium 89). Warte nicht, bis alle Nebendolden vollreif sind, da sonst die Gefahr von Ausfallverlusten bei den wertvollen Hauptdolden durch Wind und Regen drastisch steigt.

Wie findest du im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Doldenbräune?

Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere nach der Kultur 'Anis' sowie dem Schaderreger 'Doldenbräune' oder 'Alternaria'. Achte darauf, die aktuellen Zulassungsbestimmungen und die vorgeschriebene Wartezeit vor der Anwendung genau zu prüfen.

Welche Trocknungsbedingungen sind nach der Ernte einzuhalten?

Um die Qualität der ätherischen Öle zu erhalten, musst du das Erntegut sofort nach dem Drusch auf eine Restfeuchte von unter 10 % heruntertrocknen. Die Trocknungstemperatur sollte dabei 40 °C nicht überschreiten, da sich sonst das wertvolle Anethol verflüchtigt.