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Kultur

Begonia-Arten

Begonia sp.
BEGSS

Die Gattung der Begonien (Begonia sp., EPPO-Code: BEGSS) umfasst eine Vielzahl von wirtschaftlich bedeutenden Zierpflanzen, die im mitteleuropäischen Erwerbsgartenbau sowohl als Beet- und Balkonpflanzen als auch als Zimmerpflanzen eine zentrale Rolle einnehmen. Zu den wichtigsten gärtnerischen Gruppen gehören die Elatior-Begonien (Begonia × hiemalis), die Knollenbegonien (Begonia × tuberhybrida) sowie die Eisbegonien (Begonia × semperflorens-cultorum). Diese Kulturen zeichnen sich durch eine langanhaltende Blütezeit und eine hohe Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Lichtverhältnisse aus, stellen jedoch im professionellen Anbau hohe Anforderungen an das Klimamanagement im Gewächshaus.

Der Anbau dieser Kultur erfordert präzise gesteuerte Umweltbedingungen, da Begonien sehr empfindlich auf Staunässe, niedrige Temperaturen und extreme Sonneneinstrahlung reagieren. Die generative Vermehrung über feinstes Saatgut (Lichtkeimer) oder die vegetative Vermehrung über Kopf- oder Blattstecklinge verlangt sterile Bedingungen und ein exakt abgestimmtes Temperatur- und Feuchtigkeitsregime. Für den wirtschaftlichen Erfolg im Erwerbsgartenbau sind eine gleichmäßige Kulturführung, die gezielte Steuerung der Blüte über die Tageslänge (Photoperiodismus) und ein integrierter Pflanzenschutz entscheidend.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Januar bis März (Aussaat unter Glas) / Mai (Auspflanzung)
Erntefenster
Mai bis Oktober (Verkauf/Blüte)
Reihenabstand
15–25 cm (im Beet) / 10–12 cm Topfabstand
Typischer Ertrag
40–60 Töpfe/m²
Wärmesumme (GDD)
1800
Boden-pH
5,5–6,0

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Kulturführung ist ein strukturstabiles, gut durchlüftetes Substrat mit einem hohen Porenvolumen unerlässlich, da Begonien äußerst empfindlich auf Sauerstoffmangel im Wurzelraum reagieren. Typischerweise werden schwach bis mäßig aufgedüngte Torf-Ton-Mischungen oder torfreduzierte Substrate mit Holzfasern und Perlite verwendet, die einen stabilen pH-Wert zwischen 5,5 und 6,0 gewährleisten. Eine exakt gesteuerte Bewässerung, idealerweise über Ebbe-Flut-Systeme oder Tröpfchenbewässerung, verhindert Staunässe und minimiert das Risiko von Wurzelfäule. Die Nährstoffversorgung sollte primär flüssig über das Gießwasser erfolgen, wobei auf ein ausgewogenes Stickstoff-Kalium-Verhältnis zu achten ist, um ein weiches, krankheitsanfälliges Gewebe zu vermeiden. Regelmäßige Salzgehaltsmessungen im Substrat sind ratsam, da Begonien empfindlich auf hohe Salzkonzentrationen reagieren.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei Begonien erfordert eine konsequente Überwachung, da die Kultur für verschiedene pilzliche und bakterielle Schaderreger anfällig ist. Zu den bedeutendsten Pilzkrankheiten gehören der Grauschimmel (Botrytis cinerea) und der Echte Mehltau, welche durch ein optimiertes Gewächshausklima mit niedriger Luftfeuchtigkeit und ausreichender Luftbewegung präventiv eingedämmt werden können. Bakteriosen wie die Begonienwelke (Xanthomonas axonopodis pv. begoniae) lassen sich nicht direkt bekämpfen, weshalb die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Ausgangsmaterial und strenge Hygienemaßnahmen im Betrieb oberste Priorität haben. Gegen tierische Schädlinge wie Thripse, Spinnmilben und Weichhautmilben müssen rechtzeitig biologische Nützlinge oder zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Ein Wirkstoffwechsel ist dabei zwingend erforderlich, um Resistenzbildungen bei den Schaderregern effektiv vorzubeugen.

Sorten

Dragon Wing

Mittelfrüh

Sehr hoher Zierwert und exzellente Verzweigung

Resistent gegen: Echter Mehltau

Anfällig für: Staunässe, Spätfrost

Sehr wüchsige, hitzetolerante Sorte mit hängendem Wuchs, ideal für Ampeln und Rabatten.

Nonstop

Früh

Hohe Knospenanzahl pro Pflanze

Anfällig für: Echter Mehltau, Botrytis

Großblumige Knollenbegonienserie für schattige bis halbschattige Lagen, sehr gleichmäßiger Wuchs.

Super Olympia

Sehr früh

Extrem hoher Knospenbesatz und schnelle Kulturfolge

Resistent gegen: Hitzestress

Anfällig für: Xanthomonas-Welke

Klassische Eisbegonie mit hervorragender Wetterbeständigkeit und reicher Blüte bis zum Frost.

Barkos

Mittel

Hervorragende Transportstabilität und Verkaufsqualität

Resistent gegen: Botrytis

Anfällig für: Echter Mehltau, Weichhautmilben

Dunkelrote, gefüllte Blüten mit hervorragender Haltbarkeit im Innenbereich, sehr starker Wuchs.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kannst du die Blütenbildung bei Elatior-Begonien gezielt steuern?

Elatior-Begonien reagieren photoperiodisch. Um eine gleichmäßige Blüteninduktion zu erreichen, musst du die Kultur im Kurztag (ca. 9 Stunden Licht pro Tag) für etwa zwei bis drei Wochen halten. Anschließend fördert der Wechsel in den Langtag eine schnelle und synchrone Blütenentwicklung für den Verkauf.

Was solltest du tun, wenn Symptome der Xanthomonas-Welke in deinem Bestand auftreten?

Da bakterielle Schaderreger wie Xanthomonas nicht mit chemischen Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden können, musst du infizierte Pflanzen sofort isolieren und vernichten. Vermeide Überkopf-Bewässerung, um eine Tröpfchenübertragung zu verhindern, und desinfiziere alle Werkzeuge und Stellflächen gründlich.

Wie vermeidest du wirksam Pflanzenschäden durch Weichhautmilben?

Weichhautmilben verursachen verkrüppelte Triebspitzen und deformierte Blätter. Da sie extrem klein und mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind, solltest du präventiv Raubmilben (z. B. Amblyseius swirskii) ausbringen und auf eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit achten, um deren Vermehrung zu hemmen.

Welche Rolle spielt der Hemmstoffeinsatz bei der Kulturführung von Begonien?

Um kompakte, standfeste und gut verzweigte Topfpflanzen zu erzeugen, kann der Einsatz von Wachstumsregulatoren notwendig sein. Du solltest die Aufwandmenge jedoch exakt an das BBCH-Stadium und die jeweilige Sorte anpassen, da insbesondere Eisbegonien sehr empfindlich reagieren und bei Überdosierung im Wachstum stagnieren.

Wie findest du im Portal die passenden zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen Botrytis?

Nutze die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech und filtere gezielt nach der Kultur 'Zierpflanzen' oder 'Begonia' und dem Schaderreger 'Grauschimmel' (Botrytis cinerea). Achte dabei stets auf die aktuellen BVL-Zulassungen, die spezifischen Anwendungsbestimmungen und die einzuhaltenden Wartezeiten für den geschützten Anbau.

Warum ist das Temperaturmanagement in der Keimphase von Begoniensaatgut so kritisch?

Begonien sind extrem feine Lichtkeimer und benötigen für eine gleichmäßige Keimung konstante Temperaturen von 22 bis 24 °C sowie eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit unter einer transparenten Abdeckung. Schon kurzzeitige Temperaturschwankungen oder ein Austrocknen des Substrats in diesem frühen BBCH-Stadium führen zu einem Totalausfall der Keimlinge.