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Begonia-Arten

Begonia sp.
BEGSS

Begonien (wissenschaftlicher Name: Begonia sp., EPPO-Code: `BEGSS`) gehören zu den wirtschaftlich bedeutendsten Kulturen im deutschen und mitteleuropäischen Zierpflanzenbau. Die Gattung aus der Familie der Schiefblattgewächse (Begoniaceae) zeichnet sich durch eine enorme Vielfalt aus und wird im Erwerbsgartenbau primär in drei Hauptgruppen unterteilt: Elatior-Begonien als ganzjährige Topfpflanzen, Semperflorens-Begonien (Eisbegonien) für die Frühjahrs- und Sommerbepflanzung sowie Knollenbegonien (Tuberhybrida) für den Außenbereich.

Die Produktion erfolgt überwiegend unter Glas, um die anspruchsvollen klimatischen Bedingungen präzise steuern zu können. Begonien reagieren empfindlich auf niedrige Temperaturen und Staunässe, weshalb ein hohes gärtnerisches Fingerspitzengefühl bei der Bewässerung und Temperaturführung erforderlich ist. Durch moderne Kulturverfahren und gezielte photoperiodische Steuerung lässt sich die Blütezeit exakt auf absatzstarke Termine wie den Muttertag hinsteuern.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Januar bis März (Aussaat unter Glas) / Mai (Auspflanzung Freiland)
Erntefenster
Mai bis Oktober (Verkauf/Blüte)
Reihenabstand
15–25 cm (je nach Sorte und Kulturtyp)
Typischer Ertrag
80–95 % verkaufsfähige Ware
Wärmesumme (GDD)
1800
Boden-pH
5,5–6,0

Bodenmanagement

Für die Kultur von Begonien im Erwerbsgartenbau ist ein strukturstabiles, gut drainiertes Substrat mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,0 essenziell. Häufig werden schwach bis mäßig aufgedüngte Torf-Ton-Mischungen oder torfreduzierte Substrate mit Holzfasern und Kokosgrieß verwendet. Eine gleichmäßige Feuchtigkeit ist wichtig, wobei Staunässe unbedingt vermieden werden muss, da die fleischigen Wurzeln und Stängel extrem fäulnisempfindlich sind. Die Nährstoffversorgung erfolgt meist flüssig über das Gießwasser mit einem ausgeglichenen Mehrnährstoffdünger, wobei der Salzgehalt im Substrat engmaschig überwacht werden sollte. Eine moderate Kalium-Betonung zur Festigung des Gewebes ist besonders in der späteren Kulturphase ratsam.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei Begonien erfordert aufgrund der dichten Bestände im Gewächshaus ein hohes Maß an Hygiene und präventiven Maßnahmen. Zu den bedeutendsten Schaderregern gehören Pilze wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) und Echter Mehltau, die durch gezieltes Klimamanagement und den Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel kontrolliert werden. Bakteriosen wie die Begonienbakteriose können nur präventiv durch gesundes Ausgangsmaterial und strenge Desinfektion bekämpft werden, da keine direkten Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen. Tierische Schädlinge wie Thripse, Spinnmilben und Weichhautmilben müssen durch regelmäßige Befallskontrollen mittels Gelb- und Blautafeln frühzeitig erkannt und gegebenenfalls mit Nützlingen oder spezifischen Akariziden und Insektiziden reguliert werden.

Sorten

Super Olympia

Früh

Sehr hoher Anteil an verkaufsfähiger Rohware im 9-cm-Topf.

Resistent gegen: Regen, Wind

Anfällig für: Echter Mehltau, Grauschimmel

Sehr beliebte, reichblühende Beet- und Balkonbegonie (Semperflorens-Gruppe) mit hoher Wettertoleranz.

Charisma

Mittelspät

Homogener Wuchs, sehr gute Transportstabilität.

Anfällig für: Echter Mehltau, Bakteriose, Thripse

Kompakt wachsende Elatior-Sorte mit gefüllten Blüten, ideal für den Innenbereich.

Barkos

Mittel

Sehr ertragreich im Unterglas-Anbau, exzellente Verzweigung.

Resistent gegen: Grauschimmel

Anfällig für: Echter Mehltau, Weichhautmilben

Eine der marktführenden roten Elatior-Sorten mit hervorragender Haltbarkeit beim Endverbraucher.

Nonstop

Früh bis mittel

Hohe Keimfähigkeit und gleichmäßiger Wuchs aus Sämlingskultur.

Resistent gegen: Halbschatten

Anfällig für: Echter Mehltau, Stängelfäule

Klassische Knollenbegonien-Serie mit großen, gefüllten Blüten in leuchtenden Farben.

Solenia

Mittel

Sehr gute Verzweigung, reduziert den Stutzaufwand im Betrieb.

Resistent gegen: Mehltau, Direkte Sonne

Anfällig für: Staunässe

Robuste Knollenbegonien-Serie mit hoher Sonnenverträglichkeit und halbhängendem Wuchs.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko einer Infektion mit der Begonienbakteriose im Betrieb minimieren?

Da gegen den Erreger Xanthomonas axonopodis pv. begoniae keine chemischen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen, basiert die Bekämpfung rein auf strenger Betriebshygiene. Verwenden Sie ausschließlich zertifiziertes, gesundes Ausgangsmaterial und trennen Sie Import-Chargen strikt von Beständen aus eigener Vermehrung. Vermeiden Sie Überkopf-Bewässerung, um eine Tröpfchenübertragung zu verhindern, und desinfizieren Sie Messer sowie Stellflächen regelmäßig mit für den Gartenbau zugelassenen Desinfektionsmitteln.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Anwendung von Wachstumsregulatoren?

Wachstumsregulatoren (Stauchemittel) werden bei Begonien vor allem in den BBCH-Stadien 15 bis 31 (Blattentwicklung bis Beginn des Längenwachstums) eingesetzt, um einen kompakten, gut verzweigten Wuchs zu fördern. Spätere Anwendungen ab BBCH 51 (Sichtbarwerden der Blütenknospen) sollten vermieden werden, da sie zu einer deutlichen Verzögerung der Blüte oder zu verkleinerten Blütenblättern führen können.

Wie wird der Echte Mehltau bei Begonien im Gewächshaus biologisch reguliert?

Neben dem Einsatz klassischer Fungizide kann Echter Mehltau (Oidium begoniae) durch den gezielten Einsatz von nützlichen Mikroorganismen wie Bacillus amyloliquefaciens oder Präparaten auf Basis von Kaliumhydrogencarbonat im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes eingedämmt werden. Wichtig ist eine vorbeugende Ausbringung bei hoher Luftfeuchtigkeit, bevor erste sichtbare Symptome auf den Blättern auftreten.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Thripse bei Begonien?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutzmittel-Hub und filtern Sie nach der Kulturkategorie „Zierpflanzen“ (da Begonien im Zulassungsrecht dieser Gruppe zugeordnet sind) sowie dem Schaderreger „Thripse“. Achten Sie bei der Auswahl auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen, die zugelassene Aufwandmenge und eventuelle Wartezeiten für den geschützten Anbau unter Glas.

Warum ist die Steuerung der relativen Luftfeuchtigkeit im Begonienanbau so kritisch?

Begonien besitzen sehr fleischige, wasserreiche Gewebe, die bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von dauerhaft über 85 % extrem anfällig für Grauschimmel (Botrytis cinerea) werden. Durch gezieltes Heizen und Lüften (Aktivierung der Lüftungsklappen bei steigender Feuchtigkeit) muss der Taupunkt im Pflanzenbestand unterschritten werden, um Kondenswasserbildung auf den Blättern konsequent zu verhindern.