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Acucel

BVL Zul.-Nr. 034046-63

Acucel ist ein hochwirksames Pflanzenschutzmittel aus der Klasse der Wachstumsregler, das auf dem bewährten Wirkstoff Chlormequat (720 g/l) basiert. In der landwirtschaftlichen Praxis wird das Präparat vor allem in Getreidekulturen wie Winterweichweizen, Sommerweichweizen, Winterroggen, Hafer und Triticale eingesetzt. Hauptziel der Anwendung ist die gezielte Halmfestigung, um das Risiko von Lagerbildung (Lager) zu minimieren, was insbesondere bei intensiver Bestandsführung und ertragsstarken Sorten die Erntesicherheit und Kornqualität maßgeblich stabilisiert.

Neben dem Ackerbau besitzt Acucel eine wichtige Zulassung im professionellen Zierpflanzenbau. In Kulturen wie Begonien, Pelargonien, Weihnachtssternen und Rosen wird das Mittel als Stauchungsmittel eingesetzt. Es reguliert das Längenwachstum der Triebe, fördert einen kompakten, buschigen Habitus und verbessert so die Standfestigkeit sowie den optischen Verkaufswert der Pflanzen im Topf- und Containersegment.

Die flüssige Formulierung ermöglicht eine präzise Dosierung und eine schnelle Wirkstoffaufnahme über das Blattwerk sowie teilweise über die Wurzeln. Acucel ist damit ein unverzichtbarer Baustein im modernen Kulturmanagement, um die Bestandesarchitektur optimal an die jeweiligen Umwelt- und Produktionsbedingungen anzupassen.

Wirkstoffe

Chlormequat
720 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der in Acucel enthaltene Wirkstoff Chlormequat-chlorid greift direkt in den pflanzlichen Hormonhaushalt ein, indem er als Biosynthese-Inhibitor von Gibberellinen wirkt. Gibberelline sind die primären Phytohormone, die für die Zellstreckung und das Längenwachstum verantwortlich sind. Durch die Blockade dieses Stoffwechselwegs wird die Streckung der Internodien gehemmt, was zu kürzeren, aber gleichzeitig dickeren und stabileren Halmen bzw. Trieben führt. Zusätzlich bewirkt die Behandlung eine physiologische Stärkung der Zellwände im Halmbasisbereich. Dies erhöht die mechanische Belastbarkeit der Kultur gegenüber Wind und Starkregen. Gleichzeitig wird häufig das Wurzelwachstum gefördert, was die Verankerung im Boden verbessert und die Effizienz der Wasser- und Nährstoffaufnahme in Stressphasen steigert.

Resistenzmanagement

Da es sich bei Chlormequat um einen Wachstumsregler handelt, der physiologische Prozesse der Kultur steuert und nicht direkt gegen Schaderreger (wie Pilze oder Insekten) gerichtet ist, besteht kein klassisches Risiko einer Resistenzentwicklung im Sinne der HRAC-, FRAC- oder IRAC-Klassifizierungen. Um jedoch physiologische Anpassungen der Kulturen zu vermeiden und eine optimale Standfestigkeit zu garantieren, sollte die Anwendung stets streng an den empfohlenen BBCH-Stadien ausgerichtet werden. Ein strategischer Wechsel oder die Kombination mit Wachstumsreglern anderer Wirkstoffklassen (z. B. Trinexapac-Ethyl oder Prohexadion-Calcium) unterstützt eine flexible und witterungsunabhängige Halmverkürzung.

Mischbarkeit & Tankmischung

Acucel zeichnet sich durch eine gute Mischbarkeit mit einer Vielzahl von gängigen Fungiziden, Herbiziden und flüssigen Blattdüngern (wie AHL) aus. Bei Mischungen mit Wuchsstoff-Herbiziden (z. B. MCPA oder 2,4-D) ist jedoch Vorsicht geboten, da sich die physiologischen Effekte gegenseitig beeinflussen können; hierbei sollte die Aufwandmenge von Acucel gegebenenfalls angepasst werden. Vor dem Ansetzen größerer Spritzbrühen wird generell eine physikalische Mischprobe empfohlen. Die Anwendung sollte bei wüchsigem Wetter und ausreichender Bodenfeuchte erfolgen, während extreme Hitze, Frostgefahr oder gestresste Bestände als Spritzzeitpunkt auszuschließen sind.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Bei der Anwendung von Acucel sind die gesetzlichen Vorgaben zum Anwenderschutz strikt einzuhalten, einschließlich des Tragens von vorgeschriebener persönlicher Schutzausrüstung (PSA) beim Ansetzen der Spritzbrühe und während der Ausbringung. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen müssen die vorgegebenen Abdrifterminderungsklassen und länderspezifischen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern genau beachtet werden. Das Produkt ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich eingestuft, dennoch sollte direkter Kontakt mit blühenden Beständen oder Unkräutern zur Schonung von Bestäuberinsekten vermieden werden.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
WinterweichweizenHalmfestigung21–312.1 LITER_PER_HECTARE63T
Begonia-ArtenStauchen19–590.5 LITER_PER_HECTARE
WeihnachtssternStauchen19–590.5 LITER_PER_HECTARE
Rhododendron simsiiStauchen19–590.5 LITER_PER_HECTARE
WinterroggenHalmfestigung30–372 LITER_PER_HECTARE63T
Pelargonium-ArtenStauchen19–590.5 LITER_PER_HECTARE
HaferHalmfestigung32–392 LITER_PER_HECTARE42T
SommerweichweizenHalmfestigung21–291.3 LITER_PER_HECTARE63T
TriticaleHalmfestigung30–372 LITER_PER_HECTARE63T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Acucel zur Halmfestigung im Getreide?

Der Haupteinsatzbereich im Getreide liegt in der Schossphase, idealerweise zwischen den BBCH-Stadien 30 und 32. In diesem Zeitraum ist die Wirkung auf die Einkürzung der unteren Internodien am stärksten, was die mechanische Standfestigkeit der Kultur an der Halmbasis entscheidend verbessert.

Wie beeinflusst die Witterung die Wirkung von Acucel nach der Spritzung?

Acucel benötigt für eine optimale Aufnahme und Wirkung wüchsiges Wetter mit Temperaturen zwischen 8 °C und 20 °C sowie ausreichende Luftfeuchtigkeit. Bei starker Sonneneinstrahlung wird die Wirkung intensiviert. Vermeiden Sie Anwendungen bei praller Mittagssonne, Frostgefahr oder wenn die Kultur unter Trockenstress steht.

Kann Acucel im Zierpflanzenbau auch über das Gießverfahren angewendet werden?

Ja, in bestimmten Zierpflanzenkulturen wie Weihnachtssternen (Euphorbia pulcherrima) oder Pelargonien ist neben der Spritzanwendung auch eine Gießbehandlung zugelassen. Das Gießverfahren führt oft zu einer sehr gleichmäßigen, langanhaltenden Stauchungswirkung, da der Wirkstoff effizient über das Wurzelsystem aufgenommen wird.

Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung beim Einsatz dieses Wachstumsreglers?

Eine hohe Stickstoffversorgung fördert das vegetative Längenwachstum und führt zu weicherem Gewebe, was das Lagerrisiko drastisch erhöht. Acucel ist in intensiv gedüngten Beständen ein essenzielles Werkzeug, um die Halme mechanisch zu festigen und das hohe Ertragspotenzial abzusichern.

Gibt es sortenspezifische Unterschiede bei der Dosierung im Getreide?

Ja, die Neigung zu Lager und die Empfindlichkeit gegenüber Chlormequat variieren je nach Getreidesorte stark. Bei standfesten Sorten kann die Aufwandmenge im unteren Bereich gewählt werden, während lageranfällige Sorten oder sehr dichte Bestände die volle zugelassene Aufwandmenge erfordern. Beachten Sie stets die regionalen Sortenempfehlungen.

Wie verhält sich die Wartezeit (PHI) von Acucel bei Getreideanwendungen?

Die Wartezeit ist die gesetzlich vorgeschriebene Mindestzeit zwischen der letzten Anwendung und der Ernte. Bei Acucel liegt diese je nach Kultur und Anwendungszeitpunkt zwischen 42 und 63 Tagen, um sicherzustellen, dass keine unzulässigen Rückstände im Erntegut verbleiben.