Alle Kulturen
Kultur

Borretsch

Borago officinalis
BOROF

Der Echte Boretsch (Borago officinalis, EPPO-Code: BOROF) ist eine einjährige, krautige Kultur, die in Mitteleuropa sowohl als Gewürzkraut für den Frischmarkt als auch zur Gewinnung von hochwertigem Samenöl angebaut wird. Die Kultur zeichnet sich durch ein rasches Jugendwachstum und eine ausgeprägte Pfahlwurzel aus, die den Boden tief lockert. Aufgrund ihrer attraktiven blauen Blüten ist sie zudem eine hervorragende Bienenweide und wird im integrierten Anbau gerne zur Förderung von Nützlingen eingesetzt. Für den Erwerbsanbau ist eine präzise Steuerung der Erntezeitpunkte entscheidend, da die Samen ungleichmäßig reifen und leicht ausfallen, während bei der Frischkräuternutzung der optimale Erntezeitpunkt vor dem Einsetzen der vollen Blüte liegt.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
April bis Juni
Erntefenster
Juni bis Oktober
Reihenabstand
30–45 cm
Typischer Ertrag
15–25 t/ha Frischmasse oder 0,5–1,2 t/ha Samen
Wärmesumme (GDD)
1800 °C
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Boretsch bevorzugt mittelschwere, tiefgründige und humusreiche Böden mit einer gleichmäßigen Wasserversorgung, da die Kultur empfindlich auf Staunässe und extreme Trockenheit reagiert. Vor der Aussaat solltest du ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett herstellen, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu sichern. Der Stickstoffbedarf ist moderat; eine übermäßige N-Düngung führt zu mastigem Wachstum, erhöht die Anfälligkeit für Schaderreger und mindert die Standfestigkeit. Eine ausgewogene Grunddüngung mit Phosphor und Kalium unterstützt die Standfestigkeit und die Samenbildung im späteren Verlauf. Da die Kultur in der Jugendphase konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern ist, sind mechanische Pflegemaßnahmen wie Hacken im frühen BBCH-Stadium 12 bis 15 unerlässlich.

Schaderreger-Management

Im Bereich des Pflanzenschutzes stellen vor allem pilzliche Schaderreger wie der Echte Mehltau und die Ramularia-Blattfleckenkrankheit eine Bedrohung für den Blattapparat dar. Zur Vorbeugung solltest du auf eine weite Fruchtfolge und eine moderate Bestandsdichte achten, um ein schnelles Abtrocknen der Blätter zu gewährleisten. Gegen tierische Schaderreger wie Blattläuse oder Erdflohkäfer im Keimlingsstadium sind nur wenige Pflanzenschutzmittel speziell für diese Kultur zugelassen, weshalb der Fokus auf biologischen und kulturtechnischen Maßnahmen liegen muss. Bei der Saatguterzeugung ist zudem auf den Befall durch Blüten- und Samenschädlinge zu achten, wobei Behandlungen streng auf die Bienenattraktivität der blühenden Kultur abgestimmt werden müssen.

Sorten

Einfacher Grüner

mittelfrüh

Sehr hoher Frischmasseertrag von bis zu 25 t/ha bei mehrschnittiger Nutzung.

Anfällig für: Echter Mehltau, Ramularia-Blattflecken

Der bewährte Standard im Erwerbsanbau für den Frischmarkt. Zeichnet sich durch schnelles Wachstum und kräftiges Aroma aus.

Karsia

mittelspät

Stabile Samenerträge von 0,8 bis 1,2 t/ha unter guten Bedingungen.

Resistent gegen: Lagerung

Anfällig für: Spätfröste

Spezialzüchtung für die Ölgewinnung mit optimiertem Ölgehalt und hohem Anteil an Gamma-Linolensäure.

Gringo

früh

Gleichmäßiger, gut portionierbarer Ertrag für die Direktvermarktung.

Anfällig für: Trockenstress

Kompakt wachsende Sorte, die sich besonders für den satzweisen Anbau und die Topfkultur eignet.

Blaues Wunder

mittelfrüh

Hoher Ertrag an Blattmasse und sehr gute Regenerationsfähigkeit nach dem ersten Schnitt.

Resistent gegen: Ramularia-Blattflecken

Anfällig für: Echter Mehltau

Wüchsige Selektion mit intensiver blauer Blüte, die sowohl für den Blattschnitt als auch als Bienenweide genutzt wird.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie steuerst du den optimalen Erntezeitpunkt bei der Samengewinnung von Boretsch?

Da die Samen von Boretsch extrem ungleichmäßig reifen und bei Vollreife sofort ausfallen, solltest du den Drusch einleiten, wenn etwa 60 bis 70 % der Samen eine dunkelbraune bis schwarze Färbung aufweisen. Ein zu langes Warten erhöht das Risiko von Ernteverlusten durch Wind und Regen drastisch.

Welche Herbizide sind für den Einsatz in Boretsch zugelassen und worauf musst du achten?

Die chemische Unkrautregulierung in Boretsch ist aufgrund sehr begrenzter Zulassungen schwierig. Du musst dich vorab in der offiziellen Pflanzenschutzmittel-Datenbank über aktuell genehmigte Anwendungen nach § 22 Abs. 2 PflSchG informieren und primär auf mechanische Hacktechnik im frühen BBCH-Stadium setzen.

Wie beeinflusst die Fruchtfolge das Risiko von Schaderregern bei dieser Kultur?

Boretsch ist selbstunverträglich und sollte maximal alle 3 bis 4 Jahre auf derselben Fläche angebaut werden. Vermeide den Anbau nach anderen Boraginaceen oder Kulturen mit hoher Anfälligkeit für Sclerotinia, da der Erreger Sclerotinia sclerotiorum auch Boretsch befallen und zu Totalausfällen führen kann.

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Blattschnitt bei der Frischkräuterproduktion?

Für die Frischmarktnutzung solltest du die Kultur ernten, bevor die Blütenknospen voll entwickelt sind (BBCH-Stadium 39 bis 51). Zu diesem Zeitpunkt sind die Blätter noch zart, weniger behaart und weisen das typische Gurkenaroma auf; mit einsetzender Blüte werden die Blätter derb und verlieren an Qualität.

Wie reagiert Boretsch auf Spätfröste und wie kannst du das Risiko minimieren?

Boretsch ist extrem frostempfindlich; bereits leichte Minusgrade im Frühjahr können die jungen Keimlinge schädigen. Du solltest die Aussaat daher erst ab Mitte April planen, wenn die Bodentemperaturen stabil über 8 °C liegen, oder bei sehr frühen Sätzen Vliesabdeckungen nutzen.