Borretsch
Borago officinalis (EPPO-Code: BOROF), im deutschsprachigen Raum meist als Boretsch oder Gurkenkraut bezeichnet, ist eine einjährige, krautige Kultur aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Die Kultur wird in Mitteleuropa sowohl als Gewürz- und Arzneipflanze für den Frischmarkt als auch im Vertragsanbau zur Gewinnung von samenreichem Ölboretsch (reich an Gamma-Linolensäure) kultiviert. Durch ihre ausgeprägte Pfahlwurzel und die intensive Behaarung ist sie gut an wechselnde Witterungsbedingungen angepasst.
Der Anbau erfordert aufgrund des ungleichmäßigen Samenreifeverlaufs und der Neigung zum Samenausfall ein präzises Erntemanagement. Für den Frischmarkt erfolgt die Ernte der Blätter meist vor Einsetzen der Blüte, während für die Ölgewinnung der optimale Druschzeitpunkt sorgfältig bestimmt werden muss. Als hervorragende Bienenweide leistet die Kultur zudem einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität im landwirtschaftlichen Ökosystem.
Bodenmanagement
Boretsch bevorzugt tiefgründige, mittelschwere Lehmböden mit guter Wasserführung und hohem Humusgehalt. Ein gut rückverfestigtes Saatbett ist für den gleichmäßigen Feldaufgang der relativ großen Samen essenziell. Die Stickstoffdüngung sollte moderat erfolgen (ca. 80–100 kg N/ha inklusive Nmin), da ein Überangebot an Stickstoff zu mastigem Wachstum, erhöhter Lagerneigung und einer verminderten Standfestigkeit führt. Eine ausreichende Versorgung mit Kalium und Phosphor unterstützt die Standfestigkeit und die Samenqualität. Staunässe ist in allen Entwicklungsstadien strikt zu vermeiden, da sie die Wurzelfäule begünstigt.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz stellt die Unkrautregulierung in der frühen Jugendphase die größte Herausforderung dar, da die Kultur anfangs langsam wächst; mechanisches Hacken ist hier das Mittel der Wahl. Zu den relevanten Schaderregern gehören Echter Mehltau und Grauschimmel (Botrytis cinerea), insbesondere bei feucht-warmer Witterung und dichten Beständen. Als tierische Schädlinge treten gelegentlich Blattläuse und Erdflohkäfer auf. Da Boretsch als Sonderkultur gilt, sind nur wenige chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen. Der Fokus liegt daher auf vorbeugenden Maßnahmen wie weiten Fruchtfolgen, optimalen Reihenabständen zur schnellen Abtrocknung des Bestandes und der Förderung von Nützlingen.
Sorten
Gemeiner Boretsch
mittelfrühSehr hoher Frischmasseertrag bei gestaffelter Ernte.
Anfällig für: Echter Mehltau, Blattläuse
Der blaublühende Standardtyp für den Erwerbsanbau zur Krautgewinnung. Zeichnet sich durch rasches Jugendwachstum und ein intensives Gurkenaroma aus.
Weißblühender Boretsch
mittelfrühMäßiger bis guter Krautertrag, hoher Blütenertrag.
Anfällig für: Echter Mehltau, Spätfröste
Eine weißblühende Selektion, die vor allem für den Frischmarkt und die Direktvermarktung von Speiseblüten genutzt wird. Etwas feiner im Wuchs als der blaue Typ.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wird der optimale Erntezeitpunkt für die Samengewinnung bei Boretsch bestimmt?
Da Boretsch über einen langen Zeitraum ungleichmäßig abblüht und reife Samen sofort ausfallen, ist der Erntezeitpunkt kritisch. Der Drusch erfolgt meist im Direktdrusch, wenn etwa 60–70 % der Samen eine dunkelbraune bis schwarze Färbung aufweisen. Alternativ kann im Zweiphasenverfahren erst gemäht, im Schwad getrocknet und anschließend mit dem Pickup-Vorsatz gedroschen werden, um Ernteverluste zu minimieren.
Welche Rolle spielt Boretsch in der Fruchtfolge und gibt es Unverträglichkeiten?
Boretsch ist weitgehend selbstunverträglich und erfordert eine Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren auf derselben Fläche. Er gilt als hervorragende Gesundungskultur und hinterlässt durch seine tiefe Pfahlwurzel eine sehr gute Bodengare. Er sollte jedoch nicht nach oder vor anderen Kulturen mit hoher Anfälligkeit für Sclerotinia angebaut werden, da er selbst als Wirt für diesen Pilz dienen kann.
Wie geht man bei der Unkrautbekämpfung vor, wenn kaum Herbizide zugelassen sind?
Die Unkrautregulierung basiert primär auf mechanischen Maßnahmen. Vor der Saat kann das Verfahren des Falschen Saatbetts angewendet werden, um den ersten Unkrautauflauf zu eliminieren. Nach dem Auflaufen der Kultur im BBCH-Stadium 12 bis 14 wird zwischen den Reihen maschinell gehackt. Sobald die Kultur das BBCH-Stadium 30 erreicht, schließt sich der Bestand schnell und unterdrückt auflaufende Unkräuter durch Beschattung von selbst.
Welche BBCH-Stadien sind für die Applikation von Pflanzenschutzmitteln besonders relevant?
Behandlungen gegen Pilzkrankheiten wie Echten Mehltau müssen meist präventiv vor dem Reihenschluss (BBCH 31–35) erfolgen, da spätere Applikationen die dichten Blattbestände nicht mehr ausreichend durchdringen. Während der Blüte (BBCH 60–69) verbietet sich der Einsatz bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel von selbst, da Boretsch extrem stark von Bestäubern angeflogen wird.
Wie finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Boretsch im Portal?
Da Boretsch als Sonderkultur eingestuft ist, gelten oft Sonderregelungen oder Genehmigungen nach Art. 51 VO (EG) 1107/2009 (Lückenindikation). Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie gezielt nach 'Boretsch' oder der EPPO-ID 'BOROF' sowie dem gewünschten Schaderreger, um die tagesaktuellen BVL-Zulassungen und Wartezeiten einzusehen.