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Kultur

Brunnenkresse

Nasturtium sp.
NAASS

Die Brunnenkresse, wissenschaftlich als Nasturtium sp. (EPPO-Code: NAASS) klassifiziert, ist eine hochspezialisierte, mehrjährige Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie wächst bevorzugt in fließendem, klarem und nährstoffreichem Quellwasser. Im professionellen Erwerbsanbau wird sie entweder in klassischen, wassergefluteten Grabenanlagen (Kresseklingen) oder in modernen erdelosen Hydroponik-Systemen kultiviert. Ihr charakteristisch scharfer, senfölartiger Geschmack macht sie zu einer geschätzten Spezialität im Frischkräutersegment.

Aufgrund ihrer aquatischen Lebensweise stellt die Kultur extreme Anforderungen an die Wasserqualität und das Temperaturmanagement. Ein kontinuierlicher Wasserdurchfluss ist essenziell, um Sauerstoffmangel an den Wurzeln zu verhindern und das Einfrieren der Bestände im Winter zu vermeiden. Da die Kultur sehr schnellwüchsig ist, erfordert sie eine präzise Steuerung der Nährstoffzufuhr und eine lückenlose Überwachung auf Schaderreger, um die hohen Qualitätsstandards des Lebensmitteleinzelhandels zu erfüllen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis August (Freiland/Gräben), ganzjährig unter Glas
Erntefenster
März bis November (ganzjährig in geschützten Warmwasseranlagen)
Reihenabstand
10–15 cm (bei Direktsaat oder Pflanzung in Beeten/Rinnen)
Typischer Ertrag
2–4 kg/m² pro Schnitt
Wärmesumme (GDD)
750
Boden-pH
6,5–7,5 (bzw. Wasser-pH-Wert von 6,8–7,2)

Bodenmanagement

Bei der klassischen Kultur in Kresseklingen ist der Boden (meist ein humoser, sandiger Lehm) primär als Verankerungssubstrat für die Wurzeln zu sehen, während die Nährstoffversorgung maßgeblich über das durchströmende Wasser erfolgt. Du musst auf eine exakte Nivellierung der Grabensohle achten, damit das Wasser gleichmäßig und ohne Staunässezonen mit einer Fließgeschwindigkeit von etwa 1–2 cm/s strömen kann. In modernen hydroponischen Systemen (NFT oder Floating) entfällt der Boden komplett; hier steuerst du den EC-Wert (typischerweise zwischen 1,2 und 1,8 mS/cm) und den pH-Wert des Wassers kontinuierlich. Eine regelmäßige Reinigung der Gräben und der Entzug von organischen Ablagerungen nach jedem Umbruch sind zwingend erforderlich, um anaerobe Bedingungen und Fäulnisprozesse im Wurzelraum zu verhindern. Um die Stickstoffdynamik zu kontrollieren, solltest du den Nitratgehalt des Quellwassers laufend analysieren, da Kreuzblütler zur Nitratakkumulation neigen.

Schaderreger-Management

Aufgrund der extrem feuchten Anbauumgebung ist der Infektionsdruck durch Pilze hoch, wobei *Botrytis cinerea* (Grauschimmel) besonders bei dichten Beständen und unzureichender Luftzirkulation im geschützten Anbau erhebliche Schäden verursachen kann. Du solltest vorbeugend auf eine optimale Bestandsdichte und eine angepasste Wasserstandshöhe achten, um die Abtrocknung der Blätter zu fördern. Gegen tierische Schaderreger wie die Kohlmotte oder Erdfloh-Arten, die an den Blättern fressen, ist der Einsatz von Kulturschutznetzen im Freiland die effektivste mechanische Barriere. Da für diese Nischenkultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, musst du verstärkt auf biologische Maßnahmen wie den Einsatz von nützlichen Nematoden oder *Bacillus thuringiensis*-Präparaten setzen. Achte bei jeder Anwendung penibel auf die gesetzlichen Wartezeiten und die spezifischen Zulassungsbestimmungen für Wasserschutzgebiete, da der direkte Wasserkontakt der Kultur ein hohes Abdriftrisiko birgt.

Sorten

Echte Erfurter

Mittelfrüh

Sehr ertragssicher bei kontinuierlicher Wasserführung, ca. 3 kg/m² pro Schnitt.

Anfällig für: Falscher Mehltau, Botrytis cinerea

Traditionelle, sehr bewährte Selektion aus dem Erfurter Kresseanbau. Zeichnet sich durch feine, würzige Blätter und eine gute Winterhärte aus.

Großblättrige

Spät

Hoher Erstertrag, jedoch etwas regenerationsschwächer nach dem ersten Schnitt.

Anfällig für: Erdfloh, Stängelbrand

Wüchsige Sorte mit deutlich größeren Blättern, was die Ernte und Aufbereitung für den Frischmarkt erleichtert.

Linné

Früh

Hervorragend für die maschinelle Ernte geeignet, liefert sehr homogene Partien.

Anfällig für: Botrytis cinerea, Wurzelfäule

Moderne Selektion, die speziell für den ganzjährigen hydroponischen Anbau unter Glas optimiert wurde. Sehr gleichmäßiger Wuchs.

Thüringer

Mittelfrüh

Konstanter Ertrag über die gesamte Saison, sehr regenerationsfähig.

Anfällig für: Kohlmotte

Robuste Landsorte, die besonders gut an wechselnde Wassertemperaturen im Freiland angepasst ist.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie regulierst du die Wassertemperatur im Winter, um Ernteausfälle zu vermeiden?

Im Winter nutzt du idealerweise natürliches Quellwasser, das konstant mit einer Temperatur von 8 bis 12 °C aus dem Boden austritt. Durch das kontinuierliche Fluten der Kresseklingen verhinderst du das Einfrieren der Kultur, da das fließende Wasser als Wärmepuffer fungiert. Bei Frostgefahr solltest du den Wasserstand kurzzeitig so weit anheben, dass die Triebspitzen komplett unter Wasser liegen und so vor Frostschäden geschützt sind.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung der Ernte?

Die Ernte erfolgt idealerweise im BBCH-Stadium 41 bis 45, wenn die vegetativen Ernteorgane voll entwickelt sind, aber noch keine Blütenknospen (BBCH 51) sichtbar werden. Sobald die Kultur in die generative Phase übergeht, werden die Blätter bitter, zäh und verlieren ihren markttypischen Geschmack. Du solltest den Bestand daher genau beobachten und den Schnitt durchführen, bevor die ersten Blütenanlagen fühlbar sind.

Wie gehst du bei der Bekämpfung von Botrytis cinerea vor, wenn kaum chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind?

Da chemische Pflanzenschutzmittel in wassernahen Kulturen extrem restriktiv geregelt sind, musst du primär kulturtechnisch arbeiten. Senke nach der Ernte den Wasserstand kurzzeitig ab, um die Bestandsbasis zu lüften, und sorge im Gewächshaus für eine aktive Entfeuchtung. Biologische Präparate auf Basis von *Bacillus amyloliquefaciens* können im BBCH-Stadium 15 bis 39 präventiv eingesetzt werden, um die Blattoberfläche zu besiedeln.

Wie findest du im Online-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel für Brunnenkresse?

Da Brunnenkresse als Nischenkultur (Minor Use) gilt, sind viele Anwendungen über die Indikationszulassung nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 geregelt. Du kannst im BVL-Online-Portal gezielt nach der Kulturgruppe 'frische Kräuter' oder direkt nach 'Brunnenkresse' filtern, um die aktuell gültigen Notfallzulassungen und Genehmigungen für deinen Betrieb einzusehen.

Warum ist die Fließgeschwindigkeit des Wassers ein kritischer Erfolgsfaktor im Anbau?

Ist die Fließgeschwindigkeit zu gering (unter 1 cm/s), stagniert das Wasser, was zu akutem Sauerstoffmangel im Wurzelraum führt und das Auftreten von Wurzelfäule begünstigt. Fließt das Wasser hingegen zu schnell (über 5 cm/s), können die feinen Wurzeln der Kultur im weichen Substrat keinen Halt finden und werden weggeschwemmt. Du steuerst die Geschwindigkeit präzise über das Gefälle der Grabensohle und die Einlaufmenge am Wehr.

Wie verhinderst du eine übermäßige Nitratanreicherung in den geernteten Blättern?

Als Kreuzblütler neigt Brunnenkresse dazu, Nitrat in den Vakuolen zu speichern, besonders bei Lichtmangel im Winterhalbjahr. Du solltest die Stickstoffdüngung im Winter stark reduzieren und die Ernte vorzugsweise an sonnigen Nachmittagen durchführen, da die Kultur das Nitrat unter Lichteinfluss mithilfe der Nitratreduktase schneller in Aminosäuren umwandelt.