Alle Kulturen
Kultur

Brunnenkresse

Nasturtium sp.
NAASS

Die Brunnenkresse, wissenschaftlich als Nasturtium sp. (EPPO-Code: NAASS) klassifiziert, ist eine mehrjährige, krautige Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie wächst bevorzugt in fließendem, klarem und nährstoffreichem Wasser. Im professionellen Erwerbsanbau in Mitteleuropa wird diese Kultur vor allem in speziellen Kresseklingen oder flachen, kontinuierlich durchströmten Gräben kultiviert, um die hohen Ansprüche an die Wasserqualität und den Sauerstoffgehalt zu erfüllen.

Die Ernte der würzigen, senfölhaltigen Triebe erfolgt meist von Hand oder mit spezialisierten Erntemaschinen. Da die Kultur extrem empfindlich auf stehendes Wasser und organische Belastungen reagiert, stellt die präzise Steuerung des Wasserzulaufs den kritischen Erfolgsfaktor dar. Neben dem traditionellen Nass-Anbau existiert auch ein erdeloser Anbau in geschlossenen Hydroponik-Systemen, der eine ganzjährige Produktion unter kontrollierten Bedingungen ermöglicht.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis September
Erntefenster
März bis November (ganzjährig im geschützten Anbau)
Reihenabstand
Breitsaat oder 10–15 cm Reihenabstand
Typischer Ertrag
1,5–3,0 kg/m² pro Schnitt
Wärmesumme (GDD)
650–750 °Cd
Boden-pH
6,0–7,5

Bodenmanagement

Der traditionelle Anbau der Kultur erfordert keine klassische Bodenbearbeitung, sondern die sorgfältige Vorbereitung und Nivellierung der Kresseklingen. Ein gleichmäßiges Gefälle von etwa 1 % ist essenziell, um einen kontinuierlichen, flachen Wasserfilm zu gewährleisten. Als Substrat dient in den Gräben meist eine dünne Schicht aus humosem Sand oder feinem Kies, die frei von organischen Verunreinigungen sein muss. Im modernen hydroponischen Anbau wird gänzlich auf Erde verzichtet; hier kommen inerte Substrate wie Steinwolle oder Kokosfasern zum Einsatz. Die Nährstoffversorgung erfolgt direkt über das fließende Quellwasser oder eine präzise gesteuerte Nährlösung, wobei ein hoher Nitratgehalt im Wasser vermieden werden muss, um die Nitratakkumulation in den Blättern zu begrenzen.

Schaderreger-Management

Aufgrund des feuchten Mikroklimas ist die Kultur besonders anfällig für Pilzkrankheiten wie den Grauschimmel (Botrytis cinerea). Vorbeugende Maßnahmen wie eine optimierte Bestandsdichte und die Regulierung der Luftfeuchtigkeit im geschützten Anbau stehen im Vordergrund. Da im nassen Milieu nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, müssen biologische Präparate und physikalische Methoden bevorzugt werden. Schaderreger wie die Kressefliege oder Erdfloh-Arten können durch engmaschige Kulturschutznetze effektiv abgehalten werden. Ein regelmäßiger Wasserwechsel und das Absaugen von Schwimmblattunkräutern verhindern zudem die Etablierung von Algen und konkurrierenden Moosen in den Kulturrinnen.

Sorten

Erfurter

mittelfrüh

Sehr ertragreich bei kontinuierlicher Beerntung.

Anfällig für: Botrytis cinerea, Falscher Mehltau

Traditionelle, bewährte Selektion aus dem Erfurter Raum mit hervorragendem Aroma und robuster Wüchsigkeit.

Großblättrige

früh

Hoher Erstertrag, regeneriert sich schnell nach dem Schnitt.

Anfällig für: Botrytis cinerea

Schnellwüchsige Selektion mit großen, fleischigen Blättern, die sich besonders gut für den maschinellen Schnitt eignet.

Kleinblättrige

spät

Mäßiger, aber qualitativ hochwertiger Ertrag.

Anfällig für: Botrytis cinerea

Feines Aroma, sehr gut verzweigt. Zeigt eine gute Kältetoleranz im späten Herbst.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie wirkt sich die Wassertemperatur auf das Risiko von Schaderregern aus?

Eine konstante Wassertemperatur von 10 bis 12 °C ist ideal für das Wachstum der Kultur. Steigt die Temperatur im Sommer über 15 °C, erhöht sich das Risiko für Pilzinfektionen wie Pythium-Wurzelfäule und Grauschimmel drastisch, während gleichzeitig der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen?

Behandlungen gegen Schaderreger müssen streng auf die BBCH-Stadien abgestimmt sein. Nach dem Erreichen von BBCH 41 (Entwicklung der vegetativen Ernteteile) dürfen aufgrund der kurzen Wartezeit und des direkten Verzehrs der Blätter meist keine chemischen Pflanzenschutzmittel mehr angewendet werden; der Fokus liegt dann auf biologischen Maßnahmen.

Wie kann eine Kontamination mit E. coli oder anderen Erregern im Erwerbsanbau verhindert werden?

Da Brunnenkresse im Wasser wächst, ist die mikrobiologische Qualität des Zulaufwassers entscheidend. Es darf ausschließlich zertifiziertes Quell- oder Brunnenwasser verwendet werden; Oberflächenwasser aus Flüssen ist wegen des Risikos von Fäkalbakterien und dem Eintrag von Pflanzenschutzmittel-Rückständen ungeeignet.

Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel für Brunnenkresse?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Brunnenkresse' (oder der Obergruppe 'Frische Kräuter') sowie dem spezifischen Schaderreger. Achten Sie besonders auf die ausgewiesenen Anwendungsbestimmungen und die einzuhaltende Wartezeit vor der Ernte.

Welche mechanischen Maßnahmen helfen gegen den Befall mit Erdflohen?

Neben dem Einsatz von engmaschigen Kulturschutznetzen (Maschenweite unter 0,8 mm) direkt nach der Pflanzung hilft ein kurzzeitiges, kontrolliertes Überstauen der Kresseklingen für wenige Stunden, um die Schädlinge von den Blättern zu spülen, ohne die Kultur zu schädigen.

Warum ist die Regulierung der Fließgeschwindigkeit des Wassers eine wichtige Kulturmaßnahme?

Eine zu geringe Fließgeschwindigkeit begünstigt Algenwachstum und führt zu Sauerstoffmangel an den Wurzeln, was die Ausbreitung von Wurzelfäulen fördert. Eine zu hohe Geschwindigkeit hingegen kann die feinen Wurzeln aus dem Substrat reißen und die Etablierung der Jungpflanzen behindern.