Chrysanthemum
Die Gattung Chrysanthemum (EPPO-Code: 1CHYG), im deutschen Erwerbsgartenbau meist schlicht als Chrysanthemen bezeichnet, gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Kulturen im Zierpflanzenbau weltweit. Als klassische Kurztagspflanzen steuern diese Asteraceen ihre Blütenbildung primär über die tägliche Lichtperiode, was im professionellen Anbau eine präzise Terminsteuerung der Kulturzeiten durch Verdunkelung oder gezielte Zusatzbelichtung ermöglicht. Sie werden sowohl als hochwertige Schnittblumen im Gewächshaus als auch als Topfpflanzen (z. B. herbstliche Multiflora-Kulturen) im Freiland kultiviert.
Für einen erfolgreichen Anbau sind eine exakte Temperaturführung und ein ausgewogenes Feuchtigkeitsmanagement entscheidend. Da die Kultur sehr anfällig für bodenbürtige Schaderreger sowie spezifische Blattkrankheiten ist, stellt die Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen im Betrieb die Grundvoraussetzung für gesunde Bestände dar. Moderne Kultursysteme nutzen geschlossene Bewässerungskreisläufe und präzise Fertigationsanlagen, um den Nährstoffeinsatz zu optimieren und die Kulturzeit zu minimieren.
Bodenmanagement
Chrysanthemen bevorzugen strukturstabile, gut durchlässige und humusreiche Substrate mit einer hohen Kationenaustauschkapazität, um Nährstoffschwankungen abzupuffern. Im Freilandanbau ist eine tiefe Bodenlockerung zwingend erforderlich, da Staunässe unweigerlich zu Wurzelfäule durch Pythium- oder Phytophthora-Arten führt. Eine präzise gesteuerte Fertigation ist im modernen Anbau Standard, wobei der EC-Wert des Gießwassers je nach BBCH-Stadium zwischen 1,2 und 1,8 mS/cm eingestellt werden sollte. Vor dem Aufpflanzen empfiehlt sich eine Bodenanalyse, um die Grunddüngung exakt auf den hohen Kalium- und Stickstoffbedarf der Kultur abzustimmen. Während der Hauptwachstumsphase sichert eine regelmäßige Zufuhr von Spurenelementen, insbesondere Eisen und Mangan, ein sattes Blattgrün und verhindert physiologische Chlorosen.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei dieser Kultur erfordert eine lückenlose Überwachung, da Schaderreger wie der Kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) und Minierfliegen erhebliche optische Schäden verursachen können. Gegen tierische Schädlinge wird im geschützten Anbau standardmäßig auf den biologischen Pflanzenschutz mit Nützlingen wie Raubmilben (Amblyseius swirskii) und Nematoden gesetzt. Zu den kritischsten Pilzkrankheiten gehört der Weiße Rost (Puccinia horiana), welcher durch konsequentes Klimamanagement und den gezielten, präventiven Einsatz zugelassener Fungizide verhindert werden muss. Beim Auftreten von Viruserkrankungen oder Viroiden müssen betroffene Pflanzen sofort selektiert und vernichtet werden, da hierfür keine kurativen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen. Eine konsequente Betriebshygiene, einschließlich der Desinfektion von Werkzeugen und Stellflächen, minimiert das Übertragungsrisiko im Bestand.
Sorten
Anastasia
Mittelspät (Reaktionszeit ca. 7,5 bis 8 Wochen)Hoher Ertrag an erstklassigen Einzelstielen bei gleichmäßiger Standweite.
Anfällig für: Weißer Rost, Thripse
Hervorragende Eignung als edle Schnittblume mit großen, spinnenartigen Blütenköpfen. Sehr transportstabil und beliebt im Premium-Segment.
Reagan
Mittelfrüh (Reaktionszeit ca. 7 Wochen)Sehr hoher und homogener Ertrag im geschützten Anbau.
Anfällig für: Minierfliegen, Echter Mehltau
Sehr bewährte und wüchsige Sorte mit einfacher Blüte, extrem beliebt im Standard-Sortiment für den Ganzjahresanbau.
Branfountain
Früh (Blüte ab September im Freiland)Hervorragende Knospenanzahl und dichte Verzweigung je Topf.
Resistent gegen: Weißer Rost
Anfällig für: Staunässe, Grauschimmel
Hervorragende, kugelrunde Multiflora-Topfchrysantheme für den Außenbereich. Sehr wetterbeständig gegen Wind und Regen.
Yoko Ono
Mittel (Reaktionszeit ca. 8 Wochen)Gute Stielqualität und sehr gleichmäßige Knospenentwicklung.
Anfällig für: Spinnmilben, Weißer Rost
Kultige, leuchtend grüne Pompon-Schnitt-Chrysantheme, die in der modernen Floristik extrem gefragt ist.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wird die Blüteninduktion bei Chrysanthemen im professionellen Anbau gesteuert?
Da Chrysanthemen Kurztagspflanzen sind, benötigen sie zur Blütenbildung eine ununterbrochene Dunkelphase von mindestens 12 bis 13 Stunden. Im Erwerbsanbau wird dies durch automatische Verdunkelungsanlagen im Gewächshaus gesteuert. Um die vegetative Phase zu verlängern, wird der Tag künstlich durch Störlicht in der Nacht verlängert, während zur Einleitung der Blühphase die tägliche Lichtperiode gezielt verkürzt wird.
Welche Bedeutung hat die sogenannte Reaktionszeit bei der Sortenwahl?
Die Reaktionszeit beschreibt die Anzahl der Wochen, die eine Sorte vom Beginn des Kurztags (Verdunkelungsbeginn) bis zur Erntereife der Blüte benötigt. Sie liegt bei den meisten kommerziellen Kultivaren zwischen 7 und 10 Wochen. Agronomen nutzen diesen Wert für eine präzise Terminsteuerung, um Liefertermine im Handel (z. B. zu Allerheiligen oder Valentinstag) exakt einzuhalten.
Wie lässt sich der Befallsdruck durch den Weißen Rost (Puccinia horiana) kulturtechnisch minimieren?
Der Weiße Rost benötigt flüssiges Wasser auf den Blättern zur Keimung der Sporen. Das wichtigste Werkzeug ist daher ein aktives Klimamanagement im Gewächshaus: Heizen und Lüften am Morgen vertreiben die Feuchtigkeit schnell. Zudem sollte die Bewässerung ausschließlich über Tropfschläuche oder Ebbe-Flut-Systeme erfolgen, um das Laub absolut trocken zu halten.
Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Einsatz von Wachstumsregulatoren?
Wachstumsregulatoren (Stauchungsmittel) werden meist ab dem BBCH-Stadium 15 bis 31 eingesetzt, sobald die Seitentriebe nach dem Stutzen zu strecken beginnen. Die Anwendung muss bei hoher Luftfeuchtigkeit und bedecktem Himmel erfolgen, um eine langsame Wirkstoffaufnahme über das Blatt zu gewährleisten und Verbrennungen zu vermeiden.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Thripse bei Chrysanthemen?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Zierpflanzen' und dem Schaderreger 'Thripse'. Achten Sie bei der Auswahl auf die angegebenen IRAC-Klassifizierungen, um die Wirkstoffklassen konsequent zu rotieren und so einer schnellen Resistenzbildung der Schädlinge vorzubeugen.
Warum ist das Stutzen (Entspitzen) der Jungpflanzen pflanzenbaulich so wichtig?
Das Stutzen bricht die apikale Dominanz des Haupttriebes und regt die schlafenden Knospen in den Blattachseln zum Austrieb an. Dies ist essenziell, um bei Topfchrysanthemen einen buschigen, reich verzweigten Wuchs und bei Schnitt-Chrysanthemen im Mehrtrieb-Anbau eine gleichmäßige Anzahl an produktiven Blütenstielen pro Kulturfläche zu erzielen.