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Kultur

Ginkgo

Ginkgo biloba
GIKBI

Der Fächerbaum (Ginkgo biloba, EPPO-Code: `GIKBI`) ist ein lebendes Fossil und nimmt in der modernen Sonderkultur- und Baumschulproduktion eine besondere Stellung ein. Die Kultur wird in Mitteleuropa sowohl als hochwertiges Ziergehölz für den urbanen Raum als auch zur pharmazeutischen Nutzung (Blatternte zur Extraktion von Ginkgoliden und Bilobaliden) angebaut. Ginkgo zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Luftschadstoffen, Frost und klassischen Schaderregern aus, was ihn zu einer ökonomisch attraktiven, wenn auch langfristigen Investition macht.

In der landwirtschaftlichen Produktion zur Blattgewinnung wird die Kultur meist im Kurzumtrieb oder in dichten Plantagensystemen bewirtschaftet. Hierbei sind ein regelmäßiger Rückschnitt zur Förderung der Blattschmuckbildung und eine optimierte Nährstoffversorgung entscheidend, um hohe Wirkstoffgehalte und Biomasseerträge pro Hektar zu erzielen. Die Etablierung erfordert aufgrund des langsamen Jugendwachstums in den ersten Jahren eine sorgfältige mechanische Unkrautregulierung.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Vorkultur) oder Oktober bis November (Pflanzung von Containerware)
Erntefenster
September bis Oktober
Reihenabstand
1,5–3,0 m (Reihenabstand bei Plantagenkultur)
Typischer Ertrag
2,5–4,0 t/ha Trockenblattmasse
Wärmesumme (GDD)
2400–2800 °C (Basis 0°C)
Boden-pH
5,5–7,5

Bodenmanagement

Die Kultur stellt moderate Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch tiefgründige, gut durchlässige und nährstoffreiche Lehm- oder Sandlehmböden. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden, da sie zu Wurzelfäule führt und die Vitalität der Kultur nachhaltig schädigt. Eine Humusversorgung durch organische Düngung vor der Pflanzung fördert das Anwachsen und die frühe Wurzelentwicklung. In den ersten Standjahren ist eine mechanische oder thermische Beikrautregulierung im Unterstockbereich essenziell, um die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zu minimieren. Eine gezielte Stickstoffdüngung im Frühjahr unterstützt den für die Blatternte wichtigen Austrieb, sollte jedoch im Spätsommer eingestellt werden, um die Holzreife nicht zu gefährden.

Schaderreger-Management

Ginkgo biloba gilt als extrem widerstandsfähig gegenüber den meisten klassischen Schaderregern, weshalb der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel in der Praxis kaum erforderlich ist. Gelegentlich können phytophthora-induzierte Wurzelfäulen bei unzureichender Bodenentwässerung auftreten, denen primär durch kulturtechnische Maßnahmen begegnet werden muss. In Baumschulen und Junganlagen ist auf saugende Schädlinge wie Spinnmilben oder Blattläuse zu achten, die bei starkem Befall mechanisch oder mit nützlingsschonenden Pflanzenschutzmitteln reguliert werden können. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Überwachung von forstlichen Schaderregern wie forstschädlichen Käferlarven (z. B. Engerlinge) im Wurzelraum während der Etablierungsphase. Insgesamt ist die Kultur aufgrund ihrer natürlichen Abwehrstoffe (u. a. Ginkgolsäuren) im Vergleich zu anderen Sonderkulturen extrem pflegeleicht im Pflanzenschutz.

Sorten

Princeton Sentry

Spät

Sehr hoher Zierwert, keine Samenbildung.

Resistent gegen: Abgase, Streusalz, Trockenheit, Frost

Anfällig für: Staunässe

Männliche Selektion, die keine unangenehm riechenden Samen bildet. Wächst straff aufrecht und eignet sich hervorragend für Alleen und dichte Reihenpflanzungen.

Autumn Gold

Mittelspät

Hervorragende Blattqualität für die pharmazeutische Nutzung.

Resistent gegen: Immissionen, Frost, Wind

Anfällig für: Staunässe

Männliche Sorte mit besonders intensiver, goldgelber Herbstfärbung. Breit-pyramidaler Wuchs, sehr vital und regenerationsfähig nach Rückschnitt.

Tremonia

Mittel

Kompakter Wuchs, mittlere Blattextrakt-Ausbeute.

Resistent gegen: Frost, Stadtklima, Schnitt

Anfällig für: Staunässe

In Deutschland selektierte, säulenförmige Sorte. Ideal für schmale Pflanzstreifen und forstliche Versuchsflächen.

Fastigiata

Mittel

Gute Eignung zur mechanischen Blatternte durch straffen Wuchs.

Resistent gegen: Frost, Immissionen

Anfällig für: Staunässe, Verdichtete Böden

Klassische straff aufrechte Form mit dichter Verzweigung. Sehr bewährt im mitteleuropäischen Raum.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie unterscheidet man männliche und weibliche Kulturen im Feld und warum ist das wichtig?

Da Ginkgo zweihäusig ist, tragen nur weibliche Pflanzen ab einem Alter von ca. 20 Jahren Samen. Diese verströmen bei der Reife durch Buttersäure einen unangenehmen Geruch. Für den urbanen Raum und die reine Blatternte werden daher fast ausschließlich vegetativ vermehrte, männliche Klone gepflanzt, um Geruchsbelästigungen und unerwünschten Sämlingswuchs zu vermeiden.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die pharmazeutische Blatternte?

Die höchste Konzentration an wertbestimmenden Inhaltsstoffen (Ginkgolide und Flavonoide) wird kurz vor der herbstlichen Gelbfärbung erreicht, meist im BBCH-Stadium 91 bis 92 (Spätsommer bis Frühherbst). Sobald die Blätter vollständig gelb werden und die Seneszenz einsetzt, sinkt der Wirkstoffgehalt rapide, weshalb die Ernte exakt terminiert werden muss.

Welche Rolle spielen Mykorrhizapilze bei der Etablierung von Ginkgo-Kulturen?

Ginkgo geht eine obligatorische arbuskuläre Mykorrhiza (AM) ein. Bei Neuanpflanzungen auf intensiv vorgenutzten oder sterilisierten Böden kann eine Beimpfung mit AM-Pilzen das Wurzelwachstum, die Nährstoffaufnahme (insbesondere Phosphor) und die Trockenheitstoleranz in den kritischen ersten zwei Standjahren signifikant verbessern.

Wie wird der Rückschnitt in Plantagen zur Blattgewinnung durchgeführt?

In Produktionsplantagen wird die Kultur im Kurzumtrieb bewirtschaftet. Alle 2 bis 3 Jahre erfolgt im Spätwinter (BBCH 00) ein starker Rückschnitt (Auf-Stock-Setzen) auf eine Höhe von ca. 50–80 cm. Dies regt den Stockausschlag an und führt zu einer hohen Dichte an jungen, großblättrigen Trieben, die sich mechanisch leicht beernten lassen.

Gibt es in Deutschland zugelassene Pflanzenschutzmittel für Ginkgo biloba?

Da Ginkgo eine Nischenkultur (Minor Crop) darstellt, gibt es kaum speziell zugelassene Pflanzenschutzmittel. Indikationen müssen meist über Genehmigungen im Einzelfall nach § 22 Abs. 2 PflSchG (Lückenindikation) bei den zuständigen Landesämtern beantragt werden. Aufgrund der hohen natürlichen Widerstandsfähigkeit ist dies in der Praxis jedoch selten erforderlich.

Wie empfindlich reagiert die Kultur auf Spätfröste im Frühjahr?

Während das Holz im Winter Temperaturen von unter -30 °C problemlos übersteht, sind die frisch ausgetriebenen Blätter im Frühjahr (BBCH 10 bis 15) sehr frostempfindlich. Spätfröste können zum Absterben des ersten Austriebs führen. Die Kultur treibt danach zwar meist aus schlafenden Knospen wieder aus, dies verzögert jedoch die Entwicklung und reduziert den Jahresertrag an Blattmasse.