Goji-Beeren (Lycium-Arten)
Die Goji-Beere, wissenschaftlich klassifiziert als Lycium sp. (EPPO-Code: LYUSS), gewinnt im mitteleuropäischen Erwerbsobstbau zunehmend an Bedeutung als Nischenkultur mit hohem gesundheitlichem Zusatznutzen. Die robusten, sommergrünen Sträucher aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) zeichnen sich durch eine hohe Frosthärte und Trockenheitstoleranz aus. Für einen wirtschaftlich erfolgreichen Anbau sind jedoch eine gezielte Sortenwahl und ein konsequentes Erziehungssystem unerlässlich, da die Kultur zu einem stark hängenden, unkontrollierten Wuchs neigt.
Im professionellen Anbau werden meist selektierte großfruchtige Sorten von Lycium barbarum kultiviert. Die Ernte erstreckt sich über einen längeren Zeitraum im Spätsommer und Herbst, da die Früchte folgernd reifen. Dies erfordert einen hohen Handarbeitsaufwand bei der Ernte, weshalb die Kultur vor allem für die Direktvermarktung oder spezialisierte Verarbeitungsbetriebe von Interesse ist. Ein besonderes Augenmerk muss auf den Pflanzenschutz gelegt werden, da die Kultur in feuchten Sommern stark anfällig für Pilzkrankheiten ist.
Bodenmanagement
Goji-Kulturen stellen vergleichsweise geringe Ansprüche an den Boden, bevorzugen jedoch gut durchlässige, sandig-lehmige Böden mit einem neutralen bis leicht alkalischen pH-Wert. Staunässe muss unbedingt vermieden werden, da sie rasch zu Wurzelfäule führt; eine leichte Hanglage oder der Anbau auf Dämmen ist daher auf schwereren Standorten dringend zu empfehlen. Die Stickstoffdüngung sollte sehr zurückhaltend erfolgen, da ein Übermaß an Stickstoff zu einem übermäßigen vegetativen Triebwachstum führt, was die Anfälligkeit für Schaderreger erhöht und den Fruchtansatz mindert. Eine moderate Grunddüngung mit Phosphor und Kalium im Frühjahr unterstützt die Holzreife und die Fruchtqualität. Eine regelmäßige mechanische Beikrautregulierung im Unterstockbereich ist besonders in den ersten Standjahren wichtig, um die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zu minimieren.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz bei *Lycium sp.* konzentriert sich primär auf die Vorbeugung und Bekämpfung von Pilzkrankheiten wie dem Echten Mehltau (*Arthrocladiella mougeotii*) und der Grauschimmelfäule (*Botrytis cinerea*). Ein luftiger Erziehungsschnitt, der eine schnelle Abtrocknung der Blätter und Früchte nach Niederschlägen ermöglicht, ist die wichtigste pflanzenbauliche Maßnahme zur Reduzierung des Infektionsdrucks. Beim Auftreten von Schaderregern müssen die für diese Kultur zugelassenen Pflanzenschutzmittel exakt nach den Vorgaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und unter Einhaltung der Wartezeiten angewendet werden. Neben Pilzen stellt die Goji-Gallmilbe (*Aceria kuko*) einen bedeutenden tierischen Schädling dar, dessen Befall durch die typische Gallenbildung auf den Blättern frühzeitig erkannt und durch den Rückschnitt befallener Triebe oder den gezielten Einsatz von zugelassenen Akariziden eingedämmt werden muss.
Sorten
Sweet Lifeberry
Früh bis mittelfrüh (ab August)Konstant hoher Ertrag ab dem zweiten Standjahr.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Echter Mehltau
Sehr süße, mittelgroße Früchte, ideal für den Frischverzehr. Wächst kompakt und ist gut für den Erwerbsanbau geeignet.
Big Lifeberry
Mittelfrüh bis spät (September bis Oktober)Sehr ertragreich, benötigt jedoch ein stabiles Gerüst.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Botrytis, Echter Mehltau
Besonders großfrüchtige Selektion, die sich hervorragend für die Trocknung eignet. Starker, überhängender Wuchs.
Turgidus
Mittelfrüh (ab Ende August)Zuverlässige Erträge auch auf kargen Standorten.
Resistent gegen: Trockenheit
Anfällig für: Echter Mehltau
Eine in Europa selektierte Sorte mit länglichen, hellroten Früchten und gutem, süß-herbem Geschmack.
No. 1
Früh (ab Anfang August)Früh einsetzender und sehr gleichmäßiger Ertrag.
Resistent gegen: Frost
Anfällig für: Fruchtfäule
Frühreifende Sorte mit kompaktem Wuchs und hohem Zuckergehalt. Sehr beliebt im Erwerbsanbau wegen der frühen Ernte.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie wird der Erziehungsschnitt bei Goji-Kulturen im Erwerbsanbau optimal durchgeführt?
Im professionellen Anbau hat sich die Erziehung am einstämmigen Spalier mit 3 bis 4 Hauptgerüsttrieben bewährt. Da Goji-Beeren primär am einjährigen Holz fruchten, müssen im Spätwinter (BBCH 00) die abgetragenen Ruten des Vorjahres konsequent zurückgeschnitten und neue einjährige Triebe eingekürzt werden, um die Verzweigung und den Neuaustrieb anzuregen.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung des Echten Mehltaus?
Erste vorbeugende Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln (z. B. auf Schwefelbasis) sollten bereits ab der Blattentwicklung (BBCH 10 bis 19) erfolgen, wenn feucht-warme Witterung droht. Eine kritische Phase ist die Blüte (BBCH 60 bis 69), in der chemische Behandlungen minimiert werden sollten, um Nützlinge zu schonen und Rückstände in den folgernd reifenden Früchten zu vermeiden.
Wie lässt sich die Goji-Gallmilbe (Aceria kuko) im integrierten Anbau regulieren?
Da die Gallmilbe tief im Gewebe der Blätter (Gallen) geschützt lebt, sind Kontaktpräparate im Sommer oft unzureichend. Die wichtigste Maßnahme ist das rigorose Herausschneiden und Vernichten befallener Triebspitzen beim ersten Auftreten im Frühjahr (BBCH 31 bis 39). Bei starkem Vorjahresbefall kann eine Austriebsspritzung mit Rapsöl-Präparaten vor dem Knospenaufbruch (BBCH 01 bis 03) erwogen werden.
Warum ist die folgernde Reife der Goji-Beere eine Herausforderung für das Erntemanagement?
Da an einem Trieb gleichzeitig Blüten, grüne Früchte und vollreife Beeren vorkommen, ist eine maschinelle Ernte für den Frischmarkt kaum möglich. Die Ernte muss im Abstand von 3 bis 5 Tagen manuell erfolgen, wobei nur voll ausgefärbte, weiche Beeren gepflückt werden, da unreife Früchte Bitterstoffe (Solanin) enthalten und nach der Ernte nicht nachreifen.
Wo finde ich aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Goji-Beeren in Deutschland?
Da Goji-Beeren rechtlich oft als Strauchbeerenobst eingestuft werden, gelten für sie spezifische Zulassungen oder Genehmigungen für Lückenindikationen nach § 22 Abs. 2 PflSchG. Aktuelle Zulassungsdatenbanken des BVL oder die Pflanzenschutzdienste der Bundesländer bieten hierzu tagesaktuelle Auskünfte über zugelassene Aufwandmengen und Wartezeiten.