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Kultur

Kapuzinerkresse

Tropaeolum majus
TOPMA

Die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus, EPPO-Code: TOPMA) ist eine vielseitig genutzte Kultur, die in Mitteleuropa sowohl als wertvolle Arzneipflanze für die pharmazeutische Industrie als auch im Spezialitätenanbau für die gehobene Gastronomie kultiviert wird. Botanisch gehört sie zu den Kapuzinerkressengewächsen und zeichnet sich durch einen krautigen, rasch wachsenden Habitus aus. Im professionellen Anbau steht die Gewinnung von Blättern, Blüten oder Samen im Vordergrund, die reich an Senfölglykosiden (Glucosinolaten) sind.

Für den landwirtschaftlichen Anbau ist die Kultur besonders wegen ihrer antibakteriellen und antiviralen Inhaltsstoffe von Interesse, die in pflanzlichen Arzneimitteln Verwendung finden. Da die Kultur extrem frostempfindlich ist, erfordert die Terminierung von Aussaat und Ernte im mitteleuropäischen Klima präzise agronomische Planung. Zudem stellt das dichte, bodennahe Blattwerk besondere Anforderungen an die Erntetechnik und das Feuchtigkeitsmanagement im Bestand.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Ende April bis Ende Mai (nach den Spätfrösten)
Erntefenster
Juni bis Oktober (fortlaufende Blatt- und Blütenernte; Samenreife ab September)
Reihenabstand
40–50 cm
Typischer Ertrag
15–25 t/ha Frischmasse (Kraut) oder 1,5–2,5 t/ha Samen
Wärmesumme (GDD)
1400–1500 GDD (Basis 0 °C)
Boden-pH
5,8–7,2

Bodenmanagement

Die Kultur bevorzugt mittelschwere, gut durchlässige Lehm- und Sandböden mit einer stabilen Humusversorgung. Eine übermäßige Stickstoffdüngung ist unbedingt zu vermeiden, da diese zu einem exzessiven vegetativen Wachstum auf Kosten der Blütenbildung führt und die Anfälligkeit für Schaderreger erhöht. Eine moderate Grunddüngung mit Phosphor und Kalium vor der Aussaat sichert die Standfestigkeit und Wurzelentwicklung. Staunässe muss durch eine sorgfältige Standortwahl oder mechanische Bodenlockerung ausgeschlossen werden, um Wurzelfäule zu verhindern. Ein feinkrümeliges Saatbett ist für den gleichmäßigen Feldaufgang der relativ großen Samen essenziell.

Schaderreger-Management

Im professionellen Anbau stellen vor allem Blattläuse (insbesondere die Schwarze Bohnenlaus) und Erdflohkäfer erhebliche Risiken dar, weshalb eine regelmäßige Befallskontrolle ab dem Auflaufen (BBCH 10) zwingend erforderlich ist. Gegen pilzliche Schaderreger wie Echten Mehltau oder Alternaria-Blattflecken hilft eine weite Reihenweite, die für ein schnelles Abtrocknen des Bestandes sorgt. Da für diese Sonderkultur nur sehr wenige chemische Pflanzenschutzmittel regulär zugelassen sind, müssen vorrangig vorbeugende Maßnahmen und biologische Anwendungen genutzt werden. Der Einsatz von Nützlingen sowie die mechanische Unkrautregulierung in der frühen Entwicklungsphase sichern den Ertrag ohne Rückstandsrisiken. Bei der Ernte für pharmazeutische Zwecke sind die gesetzlichen Wartezeiten der eingesetzten Pflanzenschutzmittel strikt einzuhalten.

Sorten

Kaiserin von Indien

mittelfrüh

Gute Blatt- und Blütenerträge bei hoher Homogenität.

Anfällig für: Blattläuse, Echter Mehltau

Kompakter, nicht-rankender Wuchs mit dunkelgrün-bläulichem Laub und scharlachroten Blüten. Besonders beliebt für den Frischmarkt (Blüten und Blätter).

Alaska

früh

Mäßiger, aber qualitativ hochwertiger Ertrag an Blüten.

Anfällig für: Erdflohkäfer

Kompakt wachsende Sorte mit charakteristisch weiß-grün panaschierten Blättern. Sehr dekorativ, ideal für die Direktvermarktung von Speiseblüten.

Jewel of Africa

spät

Sehr hoher Biomasseertrag bei später Ernte.

Anfällig für: Blattläuse, Schnecken

Stark rankende Sorte mit panaschiertem Laub und bunten Blüten. Erfordert Rankhilfen oder weite Reihenabstände im Feldanbau.

Milkmaid

mittelfrüh

Konstanter Blütenertrag über eine lange Ernteperiode.

Anfällig für: Echter Mehltau

Wüchsige Sorte mit cremeweißen bis hellgelben Blüten. Sehr beliebt in der Gastronomie wegen des feinen, leicht scharfen Geschmacks.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie beeinflusst die Stickstoffdüngung den Gehalt an pharmazeutisch relevanten Senfölen?

Eine übermäßige Stickstoffversorgung fördert primär das vegetative Wachstum und führt zu sehr großen, wasserreichen Blättern, was jedoch die Konzentration der wertvollen Senfölglykoside in der Trockenmasse verdünnt. Für den pharmazeutischen Anbau wird daher eine restriktive, bedarfsgerechte Stickstoffgabe empfohlen, um den Wirkstoffgehalt pro Gramm Erntegut zu maximieren.

Welches BBCH-Stadium markiert den optimalen Erntezeitpunkt für die Krautnutzung?

Der optimale Erntezeitpunkt für die Gewinnung von pharmazeutischem Kraut liegt in den BBCH-Stadien 51 bis 61 (Knospenentwicklung bis Beginn der Blüte). Zu diesem Zeitpunkt ist das Verhältnis von Blatt- zu Stängelmasse optimal und die Konzentration der aktiven Glucosinolate erreicht ihr Maximum, bevor sich die Nährstoffe in die Samen verlagern.

Welche mechanischen Verfahren eignen sich zur Unkrautregulierung in dieser Kultur?

Da die Samen relativ tief (ca. 2–3 cm) abgelegt werden, kann vor dem Auflaufen (bis BBCH 09) blindgestriegelt werden. Nach dem Auflaufen ist das maschinelle Hacken zwischen den Reihen bis zum Reihenschluss (ca. BBCH 35) die effektivste Methode. Sobald die Kultur den Boden vollständig bedeckt, unterdrückt sie Unkräuter durch ihr dichtes Blätterdach meist selbstständig.

Wie lässt sich das Risiko von Rückständen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln minimiert halten?

Da Kapuzinerkresse häufig direkt verzehrt oder pharmazeutisch extrahiert wird, gelten extrem strenge Rückstandshöchstmengen (MRLs). Agronomen sollten bevorzugt auf biologische Pflanzenschutzmittel, wie etwa Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis gegen Raupen, setzen und Behandlungen früh in der Vegetationsperiode abschließen, um die Wartezeit (PHI) sicher zu maximieren.

Warum ist die Kapuzinerkresse im integrierten Anbau als 'Ablenkungskultur' bekannt und was bedeutet das für den Reinanbau?

Aufgrund ihrer hohen Attraktivität für Schädlinge wie die Schwarze Bohnenlaus und den Großen Kohlweißling zieht die Kultur diese Schaderreger gezielt an. Im Erwerbsanbau von Gemüse kann sie als Randstreifen eingesetzt werden, um den Hauptbestand schädlingsfrei zu halten. Im Reinanbau der Kapuzinerkresse selbst erfordert diese Eigenschaft jedoch ein besonders intensives und frühzeitiges Schädlingsmonitoring.