Kapuzinerkresse
Die Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus, EPPO-Code: TOPMA) ist eine vielseitige, einjährige Kultur, die in Mitteleuropa sowohl als Arznei- und Gewürzkraft als auch im ökologischen Pflanzenbau als Fangpflanze geschätzt wird. Ursprünglich in Südamerika beheimatet, zeichnet sich die Kultur durch einen schnellen Wuchs, markante schildförmige Blätter und leuchtende Blüten aus. Alle oberirdischen Teile der Kultur sind essbar und weisen durch die enthaltenen Senfölglykoside einen charakteristisch scharfen, kresseähnlichen Geschmack auf.
Im professionellen Anbau wird Tropaeolum majus primär zur Gewinnung von Blättern und Blüten für den Frischemarkt (Gastronomie) oder zur pharmazeutischen Extraktion kultiviert. Die Kultur ist extrem frostempfindlich und stellt spezifische Anforderungen an die Nährstoffbilanz, da ein Überangebot an Stickstoff das vegetative Wachstum auf Kosten der Blütenbildung fördert. Durch ihre Attraktivität für bestimmte Schädlinge erfordert sie eine durchdachte Integrierte Pflanzenschutzstrategie.
Bodenmanagement
Die Kultur stellt mäßige Ansprüche an den Boden, bevorzugt jedoch gut durchlässige, sandig-lehmige Substrate mit einem ausgeglichenen Wasserhaushalt. Staunässe muss unbedingt vermieden werden, da sie schnell zu Wurzelfäule und Kümmerwuchs führt. Eine mechanische Unkrautregulierung durch Hacken ist in der frühen Entwicklungsphase bis zum Reihenschluss (BBCH-Stadium 31) wichtig, da die jungen Pflanzen anfangs konkurrenzschwach sind. Nach dem Reihenschluss unterdrückt die Kultur durch ihr dichtes Blattwerk den Unkrautwuchs meist selbstständig, was den Pflegeaufwand im späteren Verlauf erheblich reduziert.
Schaderreger-Management
Im Pflanzenschutz steht die Überwachung von Schädlingen wie dem Großen Kohlweißling, Erdflöhen und verschiedenen Blattlausarten im Vordergrund, da die Kultur eine starke Lockwirkung besitzt. Da die Ernteprodukte meist direkt verzehrt oder pharmazeutisch verarbeitet werden, ist der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel stark limitiert, weshalb biologische Präparate (z. B. Bacillus thuringiensis gegen Raupen) bevorzugt werden. Gegen pilzliche Schaderreger wie Echten Mehltau hilft vor allem eine weite Pflanzung, die für eine schnelle Abtrocknung des Bestandes sorgt. Regelmäßige Feldbegehungen ab dem BBCH-Stadium 15 ermöglichen es dir, erste Befallsherde frühzeitig mechanisch oder mit nützlingsschonenden Mitteln einzugrenzen.
Sorten
Empress of India
mittelfrühGleichmäßiger Ertrag an Blüten und kompakten Blättern.
Anfällig für: Blattläuse
Beliebte, kompakt wachsende Sorte mit tiefroten Blüten und kontrastierendem, dunkelgrünem Laub. Sehr gut für den Speiseblütenanbau geeignet.
Alaska
mittelfrühMäßiger bis guter Blattertrag, sehr hoher Zierwert.
Anfällig für: Echter Mehltau
Auffällige Sorte mit weiß-grün panaschierten Blättern. Wird aufgrund des hohen optischen Zierwerts häufig für dekorative Zwecke in der Gastronomie genutzt.
Jewel of Africa
spätSehr hohe Biomasseproduktion bei ausreichendem Standraum.
Anfällig für: Blattläuse, Schnecken
Stark rankende Sorte mit bunten Blüten. Hervorragend als Bodendecker oder für den vertikalen Anbau geeignet, benötigt jedoch viel Platz.
Whirlybird
frühHoher Blütenertrag bezogen auf die Einzelfläche durch dichten Stand.
Anfällig für: Echter Mehltau
Kompakter, nicht rankender Wuchs mit nach oben gerichteten Blüten, was die mechanische oder manuelle Ernte im Feld deutlich erleichtert.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kannst du die Kapuzinerkresse gezielt als Fangpflanze im integrierten Pflanzenschutz nutzen?
Da Tropaeolum majus eine extrem hohe Attraktivität auf Blattläuse und die Raupen des Kohlweißlings ausübt, kannst du sie strategisch als Ablenkungskultur am Rand von Kohl- oder Gemüsefeldern etablieren. Die Schaderreger sammeln sich bevorzugt auf der Kapuzinerkresse, was den Befallsdruck auf deine Hauptkultur mindert und dir die Möglichkeit gibt, Nützlinge gezielt zu fördern oder den Schadorganismus lokal begrenzt zu regulieren.
Welche Rolle spielen Senfölglykoside bei der Ernte und wie beeinflusst der Erntezeitpunkt deren Gehalt?
Die wertvollen Inhaltsstoffe, insbesondere das Glucotropaeolin, erreichen ihre höchste Konzentration in den Blättern kurz vor der Hauptblüte (BBCH-Stadium 39 bis 51). Wenn du die Kultur für pharmazeutische Zwecke oder als Gewürz anbaust, solltest du die Ernte in den kühlen Morgenstunden durchführen, da Hitze und direkte Sonneneinstrahlung nach dem Schnitt zu einem schnellen Abbau der flüchtigen Senföle führen.
Wie reagiert die Kultur auf Stickstoffgaben und worauf musst du bei der Düngung achten?
Eine hohe Stickstoffverfügbarkeit im Boden regt bei dieser Kultur ein massives Blatt- und Triebwachstum an, unterdrückt jedoch die Blütenbildung fast vollständig. Wenn dein primäres Ernteziel die Gewinnung von Blüten ist, solltest du auf eine zusätzliche Stickstoffdüngung verzichten und eher magere Standorte wählen; für die reine Blattnutzung ist eine moderate, organische Grunddüngung hingegen vorteilhaft.
Welche Besonderheiten gelten bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln für diese Kultur?
Da die Kapuzinerkresse im Erwerbsanbau als Nischenkultur eingestuft ist, gibt es nur sehr wenige direkt zugelassene Pflanzenschutzmittel. Du musst daher verstärkt auf Indikationszulassungen für Kräuter- oder Gemüsekulturen achten oder gegebenenfalls eine Genehmigung im Einzelfall nach § 22 Abs. 2 PflSchG (Lückenindikation) bei der zuständigen Behörde beantragen.
Wie lässt sich das Risiko von bodenbürtigen Krankheiten in der Fruchtfolge minimieren?
Um bodenbürtige Schaderreger wie Welkepilze (Fusarium spp.) oder Wurzelfäulen zu vermeiden, solltest du eine strikte Anbaupause von mindestens 3 bis 4 Jahren auf derselben Fläche einhalten. Zudem empfiehlt es sich, die Kultur nicht direkt nach oder neben anderen Kreuzblütlern anzubauen, um den Übertragungszyklus gemeinsamer Schaderreger effektiv zu unterbrechen.