Alle Kulturen
Kultur

Kiefer

Pinus sp.
PIUSS

Die Gattung der Kiefern (Pinus sp., EPPO-Code: PIUSS) stellt eine der wirtschaftlich und ökologisch bedeutendsten Nadelholzkulturen in Mitteleuropa dar. Vor allem die Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris) prägt auf sandigen, nährstoffarmen Standorten weite Waldgebiete in Deutschland, insbesondere im nordostdeutschen Tiefland. Als Pionierbaumart zeichnet sich diese Kultur durch eine hohe Toleranz gegenüber Trockenheit und extremen Temperaturen aus, was sie im Zuge des Klimawandels zu einem wichtigen Baustein beim Waldumbau macht.

In der forstlichen Praxis und im Baumschulwesen erfordert die Anzucht von Kiefern eine präzise Abstimmung der Kulturmaßnahmen. Die Keimlingsphase und die ersten Standjahre im Freiland sind kritische Phasen, in denen die Kultur besonders empfindlich auf Spätfröste, Konkurrenzvegetation und spezifische Schaderreger reagiert. Eine fachgerechte Steuerung von Aussaat, Verschulung und Pflanzung legt das Fundament für stabile, ertragreiche Bestände und hochwertige Holzqualitäten.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Mai (Frühjahrspflanzung) oder September bis Oktober (Herbstpflanzung)
Erntefenster
Oktober bis April (Holzeinschlag nach 80–120 Jahren; im Baumschulbereich Verschulung nach 2–3 Jahren)
Reihenabstand
1,20–1,50 m
Typischer Ertrag
6–10 m³/ha/Jahr
Wärmesumme (GDD)
1450
Boden-pH
4,0–6,5

Bodenmanagement

Kiefern stellen geringe Ansprüche an die Nährstoffversorgung und gedeihen hervorragend auf sandigen, podsolierten Böden, die für anspruchsvollere Kulturen ungeeignet sind. Eine tiefe Durchwurzelung wird durch lockere, gut drainierte Substrate gefördert, während Staunässe und extreme Bodenverdichtungen unbedingt zu vermeiden sind, da sie die Mykorrhizabildung empfindlich stören. In Baumschulen ist eine gezielte Humuszufuhr und Gründüngung vor der Einsaat ratsam, um die biologische Aktivität des Bodens zu erhalten. Eine Kalkung ist in der Regel nur bei extrem niedrigen pH-Werten unter 3,5 erforderlich, da ein zu hoher pH-Wert das Risiko von Keimlingskrankheiten drastisch erhöht.

Schaderreger-Management

Der Schutz der Kultur erfordert eine kontinuierliche Überwachung auf forstlich relevante Schaderreger wie die Kiefernschütte (Lophodermium-Arten) und den Diplodia-Triebsterben-Erreger. Vorbeugende forsthygienische Maßnahmen, wie die Förderung von Mischbeständen und die Entnahme befallener Triebe, stehen im Vordergrund des integrierten Pflanzenschutzes. Gegen saugende und beißende Insekten, wie die Kiefernbuschhornblattwespe oder den Kiefernkulturrüssler, können bei Überschreitung der Schadschwellen gezielte Behandlungen mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln notwendig werden. Im Baumschulbereich ist zudem auf eine ausreichende Belüftung der Quartiere zu achten, um das Mikroklima für Pilzinfektionen ungünstig zu gestalten.

Sorten

Pinus sylvestris (Gemeine Kiefer)

Sehr langjährig (Umtriebszeit 100–140 Jahre)

Hohe Kernholzqualität bei spätem Einschlag.

Resistent gegen: Trockenheit, Frost

Anfällig für: Lophodermium seditiosum, Diplodia-Triebsterben, Hylobius abietis

Die wichtigste forstliche Kiefernart in Deutschland. Extrem anpassungsfähig, trockenheitstolerant und frosthart.

Pinus nigra (Schwarzkiefer)

Langjährig (Umtriebszeit 80–120 Jahre)

Hohe Biomasseleistung auf trockenen Kalkstandorten.

Resistent gegen: Kalkböden, Stadtklima, Immissionen

Anfällig für: Sphaeropsis sapinea, Cenangium ferruginosum

Besonders kalktolerant und widerstandsfähig gegen Industrieabgase und Stadtklima. Häufig im süddeutschen Raum gepflanzt.

Pinus mugo (Bergkiefer)

Langsam wachsend

Geringer Holzertrag, hoher ökologischer Schutzwert.

Resistent gegen: Schneedruck, Wind, Frost

Anfällig für: Kiefernnadelrost

Wichtig für Erosionsschutz und alpine Aufforstungen sowie als Ziergehölz in Baumschulen.

Pinus strobus (Weymouthskiefer)

Mittellang (Umtriebszeit 80–100 Jahre)

Sehr hoher Zuwachs in jungen Jahren.

Resistent gegen: Säureböden

Anfällig für: Cronartium ribicola, Borkenkäfer

Schnellwüchsige, fünfnadelige Kiefer mit weichem Holz, die jedoch stark durch den Strobenrost gefährdet ist.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Kiefernschütte (Lophodermium seditiosum) in Baumschulquartieren minimieren?

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die Einhaltung weiter Pflanzabstände zur optimalen Durchlüftung und schnellen Abtrocknung der Nadeln. Zudem sollten Kiefernbestände nicht in unmittelbarer Nähe von älteren, infizierten Windschutzstreifen angelegt werden. Bei feucht-warmer Witterung im Spätsommer (Hauptinfektionszeitraum) können gezielte Behandlungen mit zugelassenen Fungiziden ab dem BBCH-Stadium 13 bis 19 notwendig werden.

Welche Rolle spielt die Mykorrhiza-Symbiose bei der Etablierung von Pinus-Kulturen auf Erstaufforstungsflächen?

Kiefern sind obligate Mykorrhizapartner. Auf Flächen, die zuvor landwirtschaftlich genutzt wurden, fehlen die spezifischen Ektomykorrhizapilze oft völlig. Eine künstliche Beimpfung des Pflanzguts oder der Einsatz von verschulten Pflanzen mit gut ausgebildetem Mykorrhizapaket verbessert die Nährstoff- und Wasseraufnahme in der kritischen Anwuchsphase drastisch und senkt die Ausfallraten.

Wie wird der Kiefernkulturrüssler (Hylobius abietis) bei Neuanpflanzungen effektiv überwacht und reguliert?

Der Schädling wird vor allem auf frischen Kahlschlägen durch den Geruch von frischem Harz angelockt. Ein Monitoring erfolgt im Frühjahr mittels Fangknüppeln oder Rindenstücken. Als vorbeugende Maßnahme gilt das Einhalten einer Schlagruhe von 2–3 Jahren vor der Wiederaufforstung; bei akutem Befall können zugelassene Pflanzenschutzmittel im Tauchverfahren vor der Pflanzung oder als gezielte Spritzung eingesetzt werden.

Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium 30 bis 39 (Triebstreckung) für die mechanische Unkrautregulierung?

Während der Phase des aktiven Trieblängenwachstums ("Maiwuchs") sind die jungen Triebe extrem weich, wasserreich und mechanisch empfindlich. Jede mechanische Pflege mit Freischneidern oder Mulchern in dieser Phase muss mit äußerster Vorsicht erfolgen, da Verletzungen der Rinde Eintrittspforten für Schaderreger wie das Diplodia-Triebsterben öffnen.

Wie finde ich im Portal aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für forstliche Anwendungen bei Kiefern?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie gezielt nach der Kulturgruppe "Forstpflanzen" oder direkt nach "Kiefer" sowie dem spezifischen Schaderreger. Achten Sie dabei penibel auf die ausgewiesenen Anwendungsbestimmungen, da viele Zulassungen streng zwischen forstlichen Baumschulen, Christbaumkulturen und dem eigentlichen Waldbestand unterscheiden.