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Kultur

Kiwi-Arten

Actinidia sp.
ATISS

Die Gattung der Kiwi-Arten (Actinidia sp., EPPO-Code: ATISS) gewinnt im mitteleuropäischen Erwerbsobstbau zunehmend an Bedeutung. Neben der klassischen, großfrüchtigen Kiwi (Actinidia deliciosa) rücken vor allem die frosthärteren Mini-Kiwis (Actinidia arguta) in den Fokus professioneller Betriebe. Diese Klettergehölze stellen hohe Ansprüche an das Mikroklima, benötigen stabile Rankgerüste und reagieren empfindlich auf Spätfröste im Frühjahr sowie auf Staunässe im Wurzelbereich.

Für einen erfolgreichen Anbau dieser Kultur sind eine präzise Standortwahl und ein ausgeklügeltes Kulturmanagement unerlässlich. Da die meisten Sorten zweihäusig (diözisch) sind, muss bei der Pflanzung ein ausgewogenes Verhältnis von männlichen Pollenspendern zu weiblichen Ertragspflanzen eingeplant werden. Eine ausreichende Wasserversorgung über eine Tröpfchenbewässerung sowie ein konsequenter Windschutz sind entscheidend, um mechanische Schäden an Trieben und Früchten zu minimieren.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Frühjahrspflanzung)
Erntefenster
September bis November
Reihenabstand
4,0–4,5 m x 2,5–3,5 m
Typischer Ertrag
12–25 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2400–2600 °C (Basis 0 °C)
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Kiwi-Arten bevorzugen tiefgründige, humusreiche und gut durchlüftete Böden mit einem leicht sauren bis neutralen pH-Wert. Da die Kultur extrem empfindlich auf Staunässe reagiert, ist eine ausreichende Drainage oder das Aufpflanzen auf Dämmen auf schwereren Böden dringend zu empfehlen. Eine regelmäßige Zufuhr von organischem Material fördert das Bodenleben und stabilisiert den Wasserhaushalt, was aufgrund des flachen Wurzelsystems besonders wichtig ist. Zur Vermeidung von Eisenchlorosen, die auf kalkreichen Böden rasch auftreten, solltest du den pH-Wert engmaschig überwachen und gegebenenfalls mit physiologisch sauer wirkenden Düngern gegensteuern. Eine flächige Mulchauflage im Traufenbereich schützt die empfindlichen Feinwurzeln vor dem Austrocknen und unterdrückt gleichzeitig unerwünschten Beiwuchs.

Schaderreger-Management

Der Pflanzenschutz bei Kiwi-Arten konzentriert sich primär auf die Vorbeugung bakterieller und pilzlicher Schaderreger. Die gefährlichste bakterielle Erkrankung ist der Kiwi-Bakterienbrand (Pseudomonas syringae pv. actinidiae), dessen Ausbreitung du durch konsequente Hygiene beim Schnitt und den Einsatz kupferhaltiger Pflanzenschutzmittel in Infektionsphasen minimieren musst. Gegen Fruchtfäulen wie Botrytis cinerea helfen eine luftige Erziehungsform und ein gezieltes Laubwandmanagement, um ein schnelles Abtrocknen der Kultur zu gewährleisten. Tierische Schädlinge wie die Kirschessigfliege bei Mini-Kiwis oder Schildläuse erfordern eine regelmäßige Befallsüberwachung ab dem Fruchtansatz. Achte bei allen Maßnahmen auf die exakte Einhaltung der Wartezeit und stimme die Anwendungen präzise auf die jeweiligen BBCH-Stadien ab.

Sorten

Hayward

Spät (Ende Oktober bis November)

Sehr hoch und regelmäßig bei ausreichender Bestäubung.

Anfällig für: Pseudomonas syringae, Botrytis cinerea, Winterfrost

Die weltweit und auch in geschützten deutschen Lagen wichtigste weibliche Hauptsorte mit großen, gut lagerfähigen Früchten.

Weiki

Mittelfrüh (September bis Oktober)

Hoch und regelmäßig, Früchte sind schalenlos genießbar.

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Spätfrost

Sehr frostharte bayerische Züchtung (Weihenstephan), hervorragend für den mitteleuropäischen Freilandanbau geeignet. Zweihäusig, benötigt Befruchter.

Jenny

Spät (Oktober)

Mittelhoch, Früchte sind deutlich kleiner als bei 'Hayward'.

Anfällig für: Pseudomonas syringae, Kalkchlorose

Selbstfruchtbare Sorte, die im Erwerbsanbau oft als Ergänzung oder in Direktvermarkter-Anlagen ohne separaten Pollenspender gepflanzt wird.

Ken's Red

Mittelfrüh (September)

Mittelhoch, folgernde Reife erfordert mehrere Pflückdurchgänge.

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Spätfrost, Kirschessigfliege

Attraktive Mini-Kiwi mit rötlichem Fruchtfleisch und roter Schale, sehr beliebt im Nischenanbau und der Direktvermarktung.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie stellst du eine ausreichende Bestäubung in deiner Kiwi-Anlage sicher?

Da die meisten Kiwi-Kulturen zweihäusig sind, musst du im Verhältnis von etwa 1:6 bis 1:8 weibliche zu männlichen Pflanzen setzen. Platziere die männlichen Pollenspender windaufwärts und setze Hummeln oder Solitärbienen ein, da Honigbienen die Kiwiblüten wegen des mangelnden Nektars oft meiden.

Welchen Einfluss hat der Sommerschnitt auf die Fruchtqualität?

Durch den Sommerschnitt im Juli und August entfernst du überschüssige Wasserschosse und leitest Licht in das Innere des Traggerüsts. Dies fördert nicht nur die Ausfärbung und Zuckerbildung der Früchte, sondern beschleunigt auch das Abtrocknen der Laubwand, was den Infektionsdruck durch pilzliche Schaderreger deutlich senkt.

Wie schützt du junge Kiwi-Kulturen vor Frostschäden im Winter?

In den ersten drei Standjahren ist die Rinde im bodennahen Bereich besonders frostempfindlich. Du solltest den Stammfuß im Spätherbst mit Vlies, Schilfmatten oder Erde anhäufeln, um Frostrisse zu verhindern, die später als Eintrittspforten für den gefährlichen Bakterienbrand dienen können.

Woran erkennst du den optimalen Erntezeitpunkt bei großfrüchtigen Kiwis?

Verlasse dich nicht nur auf das äußere Erscheinungsbild. Du solltest den Zuckergehalt der Früchte mit einem Refraktometer messen; für eine gute Lagerfähigkeit und Nachreife ist ein Mindestwert von 6,2 bis 6,5 °Brix bei der Ernte zwingend erforderlich.

Wie findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger an Kiwis?

Da Kiwis in Deutschland als Lückenindikation (Sonderkultur) gelten, sind nur wenige Pflanzenschutzmittel regulär zugelassen. Nutze die Suchfunktion in unserem Hub, um gezielt nach aktuellen Genehmigungen nach § 22 Abs. 2 PflSchG oder Artikeln zur Notfallzulassung für Actinidia-Arten zu filtern.