Alle Kulturen
Kultur

Kiwi-Arten

Actinidia sp.
ATISS

Die Gattung Actinidia sp. (EPPO-Code: ATISS), im Erwerbsanbau vor allem durch die großfruchtige Kiwi (Actinidia deliciosa) und die frostharte Mini-Kiwi (Actinidia arguta) vertreten, gewinnt im mitteleuropäischen Obstbau zunehmend an Bedeutung. Während die klassische Kiwi primär in wintermilden Weinbauregionen oder unter geschützten Bedingungen gedeiht, eröffnet die Kiwibeere neue Möglichkeiten für den Freilandanbau in Deutschland. Als zweihäusige, stark wüchsige Kletterpflanzen stellen alle Kultur-Vertreter hohe Anforderungen an das Erziehungssystem und das Mikroklima.

Für einen erfolgreichen Erwerbsanbau ist die Etablierung stabiler Gerüstsysteme (meist T-Spalier oder Pergel) unerlässlich, um die schweren Fruchtruten zu tragen und eine effiziente mechanische Bewirtschaftung zu ermöglichen. Da die Kultur sehr spät im Herbst reift und im Frühjahr extrem spätfrostgefährdet ist, spielen die Standortwahl und die Installation von Frostschutzberegnungen eine entscheidende Rolle. Eine präzise Steuerung der Nährstoff- und Wasserzufuhr sichert nicht nur die Ertragsstabilität, sondern minimiert auch die Anfälligkeit gegenüber physiologischen Störungen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis Mai (Frühjahrspflanzung)
Erntefenster
Oktober bis November
Reihenabstand
4,0–4,5 m x 2,5–3,5 m
Typischer Ertrag
15–25 t/ha
Wärmesumme (GDD)
2100 °Cd (Basis 0 °C)
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Die Kultur stellt extrem hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und reagiert äußerst empfindlich auf Staunässe sowie Bodenverdichtungen, was schnell zu Wurzelfäule führt. Ein tiefgründiger, humusreicher und gut durchlüfteter Boden mit einem leicht sauren pH-Wert ist optimal für die Etablierung des flachen Wurzelsystems. Da die Kultur einen hohen Wasserbedarf besitzt, ist eine ganzjährige, tropfenweise Bewässerung in Kombination mit einer Mulchauflage im Pflanzstreifen zur Feuchtigkeitsregulierung Standard. Eine organische Düngung im Frühjahr fördert das Bodenleben, während chloridhaltige Düngemittel strikt vermieden werden müssen, da Actinidia-Arten extrem salzempfindlich sind. Regelmäßige Bodenanalysen sichern eine ausgewogene Zufuhr von Stickstoff und Kalium, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen vegetativem Wachstum und Fruchtansatz zu gewährleisten.

Schaderreger-Management

Im Pflanzenschutz steht die Prävention von bakteriellen und pilzlichen Schaderregern im Vordergrund, wobei das Bakterium Pseudomonas syringae pv. actinidiae (Psa) die größte Bedrohung darstellt. Hygienemaßnahmen beim Schnitt, die Desinfektion der Werkzeuge und die Vermeidung von Verletzungen sind die wichtigsten Säulen der Psa-Abwehr. Gegen pilzliche Erreger wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) an Blüten und Früchten helfen eine luftige Erziehungsform und ein konsequenter Sommerschnitt, die für eine schnelle Abtrocknung der Laubwand sorgen. Tierische Schädlinge wie Spinnmilben oder die Kirschessigfliege (insbesondere bei Actinidia arguta) erfordern ein engmaschiges Monitoring ab dem Fruchtansatz. Der gezielte Einsatz von nützlingsschonenden Pflanzenschutzmitteln und die Förderung von natürlichen Gegenspielern im Fahrgassengrünland runden das integrierte Management ab.

Sorten

Hayward

Spät (Anfang bis Mitte November)

Sehr hoch und regelmäßig (20–30 t/ha unter optimalen Bedingungen).

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Pseudomonas syringae pv. actinidiae, Spätfrost, Botrytis cinerea

Weltweiter Standard im Erwerbsanbau mit hervorragender Lagerfähigkeit und großen, gleichmäßigen Früchten. Benötigt zwingend eine Befruchtersorte wie 'Tomuri'.

Weiki

Mittelfrüh (September bis Oktober)

Hoch und früh einsetzend (bis zu 10–15 kg pro Pflanze).

Resistent gegen: Winterfrost, Kalktoleranz

Anfällig für: Kirschessigfliege, Spätfrost

Sehr frostharte Kiwibeere (Actinidia arguta), ideal für den mitteleuropäischen Freilandanbau. Hervorragend als Naschobst mit essbarer Schale, benötigt 'Weiki männlich' zur Befruchtung.

Ken's Red

Mitte September

Mittelhoch, neigt bei mangelnder Ausdünnung zur Alternanz.

Resistent gegen: Winterfrost

Anfällig für: Kirschessigfliege, Sonnenbrand, Spätfrost

Attraktive Sorte der Actinidia arguta mit rötlichem Fruchtfleisch und rötlicher Schale. Sehr beliebt im Direktvertrieb aufgrund des süßen, aromatischen Geschmacks.

Jenny

Spät (Oktober bis November)

Mittelmäßig, stark schwankend je nach Bestäubungsqualität.

Anfällig für: Pseudomonas syringae pv. actinidiae, Trockenstress, Kleinfrüchtigkeit

Selbstfruchtende Sorte der Actinidia deliciosa, die im Erwerbsanbau jedoch oft mit Befruchtern kombiniert wird, um die Fruchtgröße zu optimieren. Früchte sind deutlich kleiner als bei 'Hayward'.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Wie wird das Geschlechterverhältnis bei der Pflanzung von Actinidia-Arten im Erwerbsanbau optimal gestaltet?

Da die meisten kommerziellen Kultur-Vertreter zweihäusig (diözisch) sind, müssen männliche Spenderpflanzen strategisch im Quartier verteilt werden. Im Erwerbsanbau hat sich ein Verhältnis von 1:6 bis 1:8 (eine männliche Pflanze auf sechs bis acht weibliche Pflanzen) bewährt. Die Platzierung erfolgt meist so, dass die männlichen Pflanzen gleichmäßig in den Reihen verteilt sind, um eine optimale Wind- und Insektenbestäubung während der Blütezeit (BBCH-Stadium 60–69) zu gewährleisten.

Welche Bedeutung hat der Sommerschnitt für das Schaderreger-Management bei Kiwis?

Der Sommerschnitt ist eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen gegen Pilzerkrankungen wie Botrytis cinerea. Durch das Einkürzen der vegetativen Triebe auf etwa 4 bis 6 Blätter über der letzten Frucht wird die Laubwand effektiv ausgelichtet. Dies sorgt für eine schnelle Abtrocknung nach Niederschlägen, verbessert die Lichtdurchflutung für die Fruchtreife und erleichtert die Applikation von Pflanzenschutzmitteln, wodurch das Infektionsrisiko drastisch sinkt.

Wie lässt sich das Risiko von Pseudomonas syringae pv. actinidiae (Psa) beim Winterschnitt minimieren?

Der Winterschnitt sollte ausschließlich bei absolut trockener Witterung und idealerweise in der späten Ruhephase vor dem Saftanstieg durchgeführt werden. Um eine Übertragung des bakteriellen Schaderregers Psa zu verhindern, müssen die Schnittwerkzeuge nach jeder Pflanze mit Alkohol oder einer geeigneten Desinfektionslösung sterilisiert werden. Größere Schnittwunden sollten umgehend mit einem Wundverschlussmittel versiegelt werden, um Eintrittspforten für das Bakterium zu blockieren.

Warum ist die Installation einer Frostschutzberegnung bei Actinidia-Kulturen in Mitteleuropa fast unerwartet wichtig?

Obwohl die Pflanzen im Winterholz sehr frosthart sind (insbesondere Actinidia arguta bis unter -25 °C), treiben sie im Frühjahr sehr früh aus. Die jungen Triebe und Blütenknospen (BBCH-Stadium 10–55) sind extrem empfindlich und nehmen bereits bei Temperaturen ab -1,5 °C schweren Schaden. Eine Frostschutzberegnung schützt die empfindlichen Organe während kritischer Strahlungsfröste im April und Mai durch die Freisetzung von Erstarrungswärme.

Wie finde ich im Online-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen spezifische Schaderreger bei Kiwi-Arten?

Da Kiwi-Arten in Deutschland als Sonderkulturen mit geringem Umfang (Minor Crops) gelten, sind nur wenige Pflanzenschutzmittel regulär zugelassen. Nutzen Sie die Suchfunktion auf agronomy.farmable.tech, um gezielt nach Indikationen gemäß § 22 Abs. 2 PflSchG (Genehmigung im Einzelfall) oder Notfallzulassungen nach Art. 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 zu filtern. Achten Sie dabei stets auf die spezifischen Anwendungsbestimmungen und die einzuhaltende Wartezeit.