Kornblume
Die Kornblume (Centaurea cyanus), im EPPO-System unter dem Code CENCY geführt, hat sich von einem klassischen Ackerbegleitkraut zu einer wertvollen Nischenkultur im Arznei- und Gewürzpflanzenanbau sowie im Zierpflanzenbau entwickelt. Hauptsächlich werden die intensiv blauen Randblüten für Teemischungen, kosmetische Präparate oder als essbare Dekoration kultiviert. Darüber hinaus gewinnt die Vermehrung von zertifiziertem Regio-Saatgut für Blühstreifen und Biodiversitätsflächen zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung.
Als ein- bis zweijährige Kultur zeichnet sich Centaurea cyanus durch eine hohe Anpassungsfähigkeit aus. Sie kann sowohl als winterannuelle Kultur im Herbst als auch als sommerannuelle Kultur im zeitigen Frühjahr ausgesät werden. Für einen erfolgreichen Anbau sind ein gleichmäßiger Feldaufgang und eine gezielte Unkrautregulierung in der Jugendentwicklung entscheidend, da die Kultur in den ersten BBCH-Stadien konkurrenzschwach ist.
Bodenmanagement
Die Kultur bevorzugt gut durchlässige, sandige Lehme bis mittelschwere Böden mit einem neutralen bis schwach sauren pH-Wert. Eine sorgfältige Saatbettbereitung ist unerlässlich, um einen feinkrümeligen und rückverfestigten Horizont für die flache Saat (ca. 1–2 cm Saattiefe) zu schaffen. Staunässe muss unbedingt vermieden werden, da dies die Ausbreitung von bodenbürtigen Schaderregern begünstigt. Die Stickstoffdüngung sollte moderat erfolgen (ca. 40–60 kg N/ha), da ein Überangebot an Stickstoff zu mastigem Wachstum, verminderter Standfestigkeit und einer erhöhten Anfälligkeit für Pilzkrankheiten führt. Eine harmonische Versorgung mit Kalium und Phosphor unterstützt hingegen die Blütenbildung und die Standfestigkeit der Stängel.
Schaderreger-Management
Im professionellen Anbau von Centaurea cyanus stellen pilzliche Schaderreger wie Echter Mehltau (Erysiphe spp.), Falscher Mehltau (Bremia lactucae) und Rostpilze (Puccinia spp.) die größten Herausforderungen dar. Ein vorbeugendes Management durch weite Fruchtfolgen, angepasste Reihenabstände zur besseren Durchlüftung des Bestandes und eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung ist essenziell. Da die Zulassungssituation für chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel in dieser Sonderkultur stark eingeschränkt ist, müssen häufig Genehmigungen nach § 22 Abs. 2 PflSchG (Lückenindikation) genutzt werden. Gegen tierische Schädlinge wie Blattläuse, die insbesondere als Vektoren für Viruserkrankungen eine Rolle spielen, können bei Überschreiten der Schadschwellen nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel oder biologische Verfahren eingesetzt werden. Zudem ist eine konsequente Unkrautregulierung im frühen BBCH-Stadium 10–14 durch mechanisches Hacken oder Striegeln unerlässlich, um die Konkurrenz um Licht und Nährstoffe zu minimieren.
Sorten
Blue Boy
mittelfrühHoher Ertrag an intensiv blauen Blütenblättern; sehr beliebt für die Trocknung.
Anfällig für: Echter Mehltau, Blattläuse
Traditionelle, starkwüchsige Sorte mit guter Standfestigkeit. Erreicht Wuchshöhen von bis zu 80–90 cm.
Florist Blue
frühSehr gleichmäßiger Blütenertrag, ideal für den Frischblumen-Schnitt.
Anfällig für: Echter Mehltau, Falscher Mehltau
Selektierte Sorte mit besonders straffem, aufrechtem Wuchs und langen, stabilen Stielen.
Black Ball
mittelfrühGute Erträge an dunklen, fast schwarzen Blütenblättern für Spezialmischungen.
Anfällig für: Echter Mehltau, Rostpilze
Sondersorte für optische Akzente in Teemischungen und der Floristik. Wuchshöhe ca. 70–80 cm.
Schneemann
mittelspätMäßiger bis guter Ertrag an reinweißen Blütenblättern.
Anfällig für: Echter Mehltau, Falscher Mehltau, Blattläuse
Wird hauptsächlich als Kontrastkomponente in Teemischungen oder für dekorative Zwecke angebaut.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie unterscheidet sich die Erntetechnik bei der Nutzung als Teedroge im Vergleich zur Saatgutvermehrung?
Für die Gewinnung hochwertiger Teedrogen (Blütenblätter) erfolgt die Ernte meist manuell oder mit speziellen, schonenden Pflückmaschinen im BBCH-Stadium 61–65, wenn die Blüten voll geöffnet, aber noch frisch sind. Bei der Saatgutvermehrung hingegen wartet man das BBCH-Stadium 89 ab (Vollreife der Achänen) und erntet den gesamten Bestand mit einem herkömmlichen, fein eingestellten Mähdrescher bei reduzierter Windzufuhr, um die leichten Samen nicht wegzublasen.
Welche rechtlichen Besonderheiten müssen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Kornblumen-Kultur beachtet werden?
Da die Kornblume als Sonderkultur gilt, gibt es nur sehr wenige regulär zugelassene Pflanzenschutzmittel. Anbauer müssen in Deutschland häufig Anträge auf Genehmigung im Einzelfall gemäß § 22 Abs. 2 PflSchG (Lückenindikation) stellen. Zudem ist bei der Ernte von Blütenblättern für den Lebensmittelbereich (Tee) streng auf die Einhaltung der Rückstandshöchstmengen (MRL) und die spezifischen Wartezeiten zu achten.
Warum ist eine Herbstaussaat (Winteranbau) der Frühjahrsaussaat bei der Kornblume oft überlegen?
Die Kornblume ist frosthart und profitiert als winterannuelle Kultur von der Winterfeuchtigkeit. Eine Aussaat im September/Oktober führt zu einer kräftigeren Rosettenbildung im Herbst, einer früheren Blüte im Folgejahr (oft schon ab Ende Mai) und meist zu deutlich höheren Blüten- und Samenerträgen im Vergleich zur Frühjahrsaussaat, die stärker unter Frühjahrstrockenheit leiden kann.
Wie kann das Risiko von Echtem Mehltau im professionellen Anbau ohne chemische Pflanzenschutzmittel minimiert werden?
Neben der Wahl eines luftigen Standorts und weiten Reihenabständen (mindestens 30 cm) zur schnellen Abtrocknung des Bestandes ist die Vermeidung von Spätstickstoffgaben entscheidend. Zudem können vorbeugende Anwendungen von Pflanzenstärkungsmitteln auf Basis von Schachtelhalmextrakt oder sauren Tonerden sowie der Einsatz von nützlichen Mikroorganismen (z. B. Bacillus amyloliquefaciens) das Infektionsrisiko deutlich senken.
Wie finde ich im agronomy.farmable.tech Hub registrierte Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion im Pflanzenschutzmittel-Hub und filtern Sie nach der Kulturgruppe 'Arznei- und Gewürzkräuter' oder suchen Sie gezielt nach Indikationen für 'Zierpflanzen', da viele Zulassungen für Kornblumen über diese übergeordneten Kategorien oder über Lückenindikationen (§ 22 PflSchG) geregelt sind. Achten Sie darauf, ob die Zulassung explizit für die Blütennutzung oder nur für die Saatguterzeugung gilt.
Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium 51–55 für die Ertragssicherung?
In dieser Phase der Knospenentwicklung entscheidet sich die spätere Blütenanzahl. Trockenstress in diesem Zeitraum reduziert die Blütenbildung drastisch. Wenn eine Beregnungsinfrastruktur vorhanden ist, sollte bei anhaltender Trockenheit in diesen BBCH-Stadien gezielt bewässert werden, um den Knospenansatz und somit den Ertrag an Blütenblättern zu sichern.