Maisstoppel
Die Maisstoppel (wissenschaftlich klassifiziert unter dem EPPO-Code YSTZE, englisch: stubble (maize)) stellt die verbleibenden Pflanzenrückstände nach der Ernte von Körner- oder Silomais dar. Agronomisch ist diese Phase von herausragender Bedeutung für die Feldhygiene und den integrierten Pflanzenschutz im mitteleuropäischen Ackerbau. Da Mais eine enorme Biomasse bildet, verbleiben nach der Ernte beträchtliche Mengen an ligninreichen Stängeln und Wurzelstöcken auf dem Feld, deren sachgerechtes Management entscheidend für den Erfolg der Folgekulturen ist.
Die konsequente Bearbeitung der Maisstoppeln ist die wichtigste Maßnahme zur Unterbrechung des Entwicklungszyklus von bedeutenden Schaderregern. Unbearbeitete Stoppeln dienen dem Maiszünsler als primäres Überwinterungsquartier und bieten pathogenen Pilzen, insbesondere Fusarium-Arten, optimale Bedingungen zum Überdauern. Eine mechanische Zerkleinerung direkt nach der Ernte beschleunigt den mikrobiellen Abbau des Pflanzenmaterials im Boden und entzieht den Schaderregern die Lebensgrundlage.
Bodenmanagement
Die Bodenbearbeitung nach der Maisernte zielt primär auf eine schnelle Rotte der Maisstoppeln ab. Unmittelbar nach dem Drusch oder der Silierung sollten die Stoppeln tief am Boden abgeschlagen oder gemulcht werden, um die feste Stängelbasis aufzureißen. Eine flache, scheibeneggenbasierte Einarbeitung fördert den Bodenkontakt und regt die Aktivität bodenbürtiger Saprophyten an. Auf erosionsgefährdeten Standorten ist eine mulchsaatverträgliche, flache Einmischung der Rückstände zu bevorzugen, während auf schweren Böden oft eine Pflugfurche zur sauberen Vergrabung genutzt wird. Ziel ist stets ein rascher Ligninabbau, um den Nährstoffkreislauf zu schließen und das Saatbett für die Folgekultur optimal vorzubereiten.
Schaderreger-Management
Das Management von Schaderregern in der Maisstoppel ist ein Eckpfeiler des integrierten Pflanzenschutzes. Durch das bodennahe Mulchen werden die Überwinterungshöhlen des Maiszünslers in den Stängelgliedern mechanisch zerstört, was die Larvenmortalität drastisch erhöht. Gleichzeitig reduziert der rasche Abbau des Gewebes das Inokulum von Fusarium-Arten, wodurch das Risiko für Mykotoxinbelastungen in einer nachfolgenden Weizenkultur minimiert wird. Chemische Pflanzenschutzmittel kommen direkt auf der Stoppel selten zum Einsatz; der Fokus liegt auf mechanischen und kulturtechnischen Maßnahmen. Eine weite Fruchtfolge und die gezielte Förderung von natürlichen Gegenspielern wie Laufkäfern unterstützen diese biologisch-mechanische Regulation nachhaltig.
Sorten
KWS Figaro
Mittelfrüh (S 250 / K 240)Sehr hoher Gesamttrockenmasse- und Kornertrag.
Resistent gegen: Stängelfäule, Lagerung
Anfällig für: Helminthosporium-Blattflecken
Zeigt eine gute Restpflanzengesundheit, was die Stoppelqualität nach der Ernte positiv beeinflusst.
Pioneer P8834
Mittelfrüh (K 250)Spitzenerträge im Körnermaissegment.
Resistent gegen: Maisbeulenbrand, Stängelfäule
Anfällig für: Fusarium-Kolbenfäule
Hinterlässt nach der Körnermaisernte große Mengen an ligninreichen Stoppel- und Strohresten, die intensiv gemulcht werden müssen.
LG 31256
Mittelfrüh (S 250)Hervorragende Energieerträge pro Hektar.
Resistent gegen: Kälte, Stängelfäule
Anfällig für: Maiszünsler
Aufgrund der hohen Restpflanzenmasse ist eine sorgfältige Stoppelbearbeitung zur Zünslerprävention unerlässlich.
DKC 3327
Früh bis mittelfrüh (K 230 / S 240)Konstant hohe Korn- und Siloerträge auch auf trockeneren Standorten.
Resistent gegen: Lagerung, Fusarium
Anfällig für: Maisbeulenbrand
Die robuste Stängelstruktur erfordert schwere Mulchwerkzeuge für eine vollständige Zerkleinerung.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Warum ist das bodennahe Mulchen der Maisstoppeln so wichtig für die Bekämpfung des Maiszünslers?
Die Larven des Maiszünslers wandern im Herbst im Stängel nach unten und überwintern im untersten Stängelglied direkt über oder knapp unter der Erdoberfläche. Wenn die Maisstoppeln nicht tief genug (ideal unter 5 cm Höhe) abgeschlagen oder gemulcht werden, bleiben diese Überwinterungsräume intakt. Das mechanische Aufschlitzen und Zerkleinern zerstört die Larven direkt oder setzt sie Frost und natürlichen Feinden aus.
Welche Rolle spielen Maisstoppeln bei der Infektion von nachfolgendem Winterweizen mit Fusarium?
Fusarium-Pilze überdauern saprophytisch auf den verbleibenden Maisstoppeln und Ernterückständen. Wird nach Körnermais ohne wendende Bodenbearbeitung Winterweizen gesät, infizieren die Sporen im Frühjahr die Weizenblüte, was zu Ährenfusariose und hohen Mykotoxingehalten (DON) im Erntegut führt. Eine gründliche Zerkleinerung und flache Einarbeitung der Stoppeln beschleunigt deren Abbau und senkt das Infektionsrisiko drastisch.
Wie beeinflusst die Wahl des Ernteverfahrens (Silomais vs. Körnermais) die Stoppelbearbeitung?
Bei Silomais wird fast die gesamte oberirdische Biomasse geerntet, sodass nur kurze Stoppeln verbleiben, die jedoch aufgrund des niedrigen Schnitts oft schwerer zu mulchen sind. Bei Körnermais verbleibt das gesamte Maisstroh auf dem Feld. Dies erfordert ein intensives zweistufiges Management: Zuerst das Zerkleinern des Strohs und der Stoppeln, gefolgt von einer flachen Einarbeitung, um die enorme Strohmenge gleichmäßig im Boden zu verteilen.
Kann man Maisstoppeln auch chemisch behandeln, um den Abbau zu beschleunigen?
Es gibt keine direkt zugelassenen chemischen Pflanzenschutzmittel zur Beschleunigung des Stoppelabbaus. Gelegentlich werden jedoch physiologische Hilfsstoffe oder flüssige Stickstoffdünger (wie AHL) in geringen Mengen appliziert, um das weite C/N-Verhältnis des Maisstrohs auszugleichen und die Aktivität der Bodenmikroben anzuregen. Die mechanische Zerkleinerung bleibt jedoch die unverzichtbare Basis.
Wie finde ich im Portal registrierte Pflanzenschutzmittel für Anwendungen auf Maisstoppelfeldern?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Maisstoppel' (EPPO: YSTZE) oder nach der Indikation 'Stoppelbehandlung'. Dort finden Sie alle aktuell vom BVL zugelassenen Pflanzenschutzmittel, insbesondere Herbizide zur Bekämpfung von Ausfallmais und Unkräutern vor der Folgesaat, inklusive der spezifischen Aufwandmengen und Wartezeiten.