Markerbse
Die Markerbse (Pisum sativum subsp. sativum convar. medullare, EPPO-Code: PIBSM) ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Hülsenfrüchte im mitteleuropäischen Gemüsebau. Im Gegensatz zu Palerbsen zeichnet sie sich durch einen hohen Zuckergehalt im unreifen Samen aus, der bei der Reifung nur langsam in Stärke umgewandelt wird. Dies verleiht ihr den typisch süßen Geschmack und die charakteristische runzlige Form im trockenen Zustand. Die Kultur wird hauptsächlich für die Frostungs- und Konservenindustrie sowie für den Frischmarkt angebaut.
Für einen erfolgreichen Anbau benötigt diese Kultur ein ausgewogenes Klima und gut strukturierte Böden. Da die Keimung bereits bei niedrigen Bodentemperaturen ab etwa 4 bis 6 °C einsetzt, ist ein früher Aussaattermin im Frühjahr entscheidend, um die Winterfeuchtigkeit optimal zu nutzen und Hitzeperioden während der empfindlichen Blütephase zu vermeiden. Eine präzise Steuerung der Erntezeitpunkte ist unerlässlich, da das Zeitfenster für die optimale Verarbeitungsqualität extrem kurz ist.
Bodenmanagement
Für den Anbau dieser Kultur eignen sich besonders tiefgründige, humose Lehm- und Lößböden mit guter Wasserführung, da Staunässe unbedingt vermieden werden muss. Eine sorgfältige, krümelige Saatbettbereitung ist entscheidend, um einen gleichmäßigen Feldaufgang und damit eine homogene Abreife zu sichern. Da Erbsen als Leguminosen in Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobien) leben, ist eine zusätzliche Stickstoffdüngung in der Regel nicht erforderlich; eine moderate Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sollte jedoch auf Basis aktueller Bodenanalysen erfolgen. Achte auf eine weite Fruchtfolge von mindestens 6 bis 9 Jahren zu anderen Leguminosen, um bodenbürtige Schaderreger und Fußkrankheiten effektiv zu verhindern. Nach der Ernte hinterlässt die Kultur wertvollen Stickstoff im Boden, was sie zu einer hervorragenden Vorfrucht für anspruchsvolle Nachfolgekulturen macht.
Schaderreger-Management
Der Schutz vor Schaderregern erfordert eine integrierte Strategie, die bereits bei der Sortenwahl und der Saatgutqualität ansetzt. Gegen bodenbürtige Pilze wie die Fusarium-Welke oder die Brennfleckenkrankheit (Ascochyta) ist die Verwendung von zertifiziertem, gebeiztem Saatgut die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Während der Vegetationsperiode musst du die Bestände regelmäßig auf tierische Schädlinge wie den Erbsenwickler und die Erbsenblattlaus kontrollieren, da diese Viren übertragen und die Hülsenqualität massiv beeinträchtigen können. Bei Überschreitung der Schadschwellen ist der gezielte Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel erforderlich, wobei du besonders auf die Einhaltung der Wartezeit vor der Ernte achten musst. Auch der Falsche Mehltau kann in feuchten Jahren Ertragsverluste verursachen, weshalb eine luftige Bestandesstruktur und die Vermeidung von Spätberegnungen in der Blütezeit ratsam sind.
Sorten
Ambassador
MittelspätSehr hoch und zuverlässig
Resistent gegen: Fusarium-Welke, Echter Mehltau
Anfällig für: Falscher Mehltau
Sehr bewährte, ertragsstabile Standardsorte für die Industrie und den Frischmarkt. Zeichnet sich durch eine sehr gleichmäßige Abreife aus.
Avola
Sehr frühMittelhoch, aber sehr früh nutzbar
Resistent gegen: Fusarium-Welke
Anfällig für: Echter Mehltau, Brennfleckenkrankheit
Beliebte Sorte für den frühen Anbau. Liefert dunkelgrüne, feine Erbsen mit gutem Geschmack.
Somerwood
SpätSehr hoch, besonders im späten Segment
Resistent gegen: Echter Mehltau, Fusarium-Welke
Anfällig für: Falscher Mehltau
Großkörnige Sorte mit exzellenter Standfestigkeit und hoher Toleranz gegenüber ungünstigen Witterungsbedingungen.
Kelvedon Wonder
Früh bis mittelfrühKonstant mittel
Resistent gegen: Fusarium-Welke
Anfällig für: Echter Mehltau, Brennfleckenkrankheit
Traditionelle, sehr bekannte Sorte für den Erwerbsgartenbau und die Direktvermarktung. Hervorragendes Aroma.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie bestimmst du den optimalen Erntezeitpunkt für die industrielle Verarbeitung?
Der Erntezeitpunkt wird präzise mit einem Tenderometer bestimmt, das den mechanischen Widerstand der Erbsen beim Pressen misst. Für die Frostung wird meist ein Tenderometerwert (T-Wert) von 95 bis 105 angestrebt, während für Konserven Werte von 110 bis 120 üblich sind. Da der Wert an heißen Tagen um bis zu 10 Punkte pro Tag steigen kann, musst du die Reifeentwicklung ab dem BBCH-Stadium 75 täglich überwachen.
Warum ist die Einhaltung der Fruchtfolge bei dieser Kultur so streng zu handhaben?
Erbsen sind extrem selbstunverträglich. Wenn du die Anbaupause von mindestens 6 bis 9 Jahren nicht einhältst, reichern sich bodenbürtige Schaderreger wie Aphanomyces euteiches (Wurzelfäule) oder Fusarium-Arten im Boden an. Dies führt zur sogenannten Erbsenmüdigkeit, die zu totalen Ernteausfällen führen kann und chemisch nicht bekämpfbar ist.
Wie kannst du den Erbsenwickler ohne chemische Pflanzenschutzmittel regulieren?
Eine effektive vorbeugende Maßnahme ist die Nutzung von Pheromonfallen ab Beginn der Blüte (BBCH-Stadium 60), um den Zuflug der Falter zu überwachen. Zudem hilft ein möglichst früher Aussaattermin, da die Hülsen zum Zeitpunkt des Hauptfluges des Wicklers dann bereits voll entwickelt und für die Eiablage weniger attraktiv sind. Auch der Einsatz von Kulturschutznetzen im kleinflächigen Anbau ist hochwirksam.
Welche Rolle spielen Knöllchenbakterien und musst du das Saatgut impfen?
Die Symbiose mit Rhizobium leguminosarum sorgt dafür, dass die Kultur ihren Stickstoffbedarf selbst aus der Luft deckt. Auf Flächen, auf denen jahrelang keine Erbsen oder Wicken angebaut wurden, kann eine Saatgutimpfung mit speziellen Präparaten den Knöllchenansatz und damit den Ertrag deutlich verbessern. Du erkennst eine aktive Symbiose an der rosa Färbung im Inneren der Knöllchen bei der Wurzelkontrolle.
Wie reagiert die Kultur auf Trockenstress während der Blütephase?
Die Phase zwischen Knospenbildung (BBCH-Stadium 51) und Ende der Blüte (BBCH-Stadium 69) ist die kritischste Phase für die Wasserversorgung. Trockenstress in diesem Zeitraum führt zum Abwurf von Blüten und jungen Hülsen, was den Ertrag drastisch reduziert. Wenn du über eine Beregnungsanlage verfügst, solltest du in dieser Phase bei anhaltender Trockenheit unbedingt eine Zusatzwassergabe von 20 bis 30 mm einplanen.
Wo findest du aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger bei Erbsen?
Nutze hierfür die offizielle Online-Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oder das Pflanzenschutz-Informationssystem deines Bundeslandes. Achte bei der Suche gezielt auf die zugelassene Anwendung für 'Frischerbse ohne Hülse' oder 'Markerbse', da sich die Zulassungen und Wartezeiten von denen für Trockenerbsen unterscheiden.