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Kultur

Pelargonium-Arten

Pelargonium sp.
PELSS

Pelargonien (Gattung Pelargonium sp., EPPO-Code: PELSS), im deutschen Sprachraum umgangssprachlich meist als Geranien bezeichnet, gehören zu den wirtschaftlich bedeutendsten Zierpflanzen im europäischen Gartenbau. Die Kultur wird vorwiegend als einjährige Beet- und Balkonpflanze kultiviert, wobei die Produktion in spezialisierten Unterglasbetrieben stattfindet. Die Vermehrung erfolgt primär über Stecklinge, seltener über Aussaat, um eine hohe Homogenität und Farbreinheit für den Massenmarkt zu garantieren.

Für den professionellen Anbau sind insbesondere die Artengruppen Pelargonium zonale (Stehende Geranien) und Pelargonium peltatum (Hängende Geranien) sowie deren moderne interspezifische Hybriden von herausragender Bedeutung. Die Steuerung der Kultur erfolgt engmaschig über Temperatur, Licht und den gezielten Einsatz von Wachstumsregulatoren, um kompakte, reich blühende Ware für den Point of Sale (POS) im Frühjahr zu erzeugen. Aufgrund der hohen Intensität im Gewächshaus stellt die Kultur hohe Anforderungen an das Klimamanagement und die Betriebshygiene.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
Januar bis März (Stecklingsbewurzelung / Topfen)
Erntefenster
April bis Juni
Reihenabstand
20–30 cm (Topfabstand beim Rücken)
Typischer Ertrag
20–30 Verkaufsfähige Pflanzen/m²
Wärmesumme (GDD)
1450
Boden-pH
5,5–6,2

Bodenmanagement

Die Kultur von Pelargonien erfolgt im professionellen Erwerbsgartenbau fast ausschließlich in standardisierten Torf- oder torfreduzierten Substraten mit Tonanteil. Ein stabiler pH-Wert im Bereich von 5,5 bis 6,2 ist essenziell, um Spurenelementmängel, insbesondere Eisenmangel bei zu hohem pH-Wert, zu vermeiden. Die Bewässerung wird idealerweise über Ebbe-Flut-Systeme oder Tröpfchenbewässerung gesteuert, um die Blätter trocken zu halten und Pilzinfektionen vorzubeugen. Die Düngung erfolgt flüssig über das Gießwasser mit einem ausgewogenen N:K-Verhältnis (z. B. 1:1,5 bis 1:2 im Stadium der Blütenknospenbildung), wobei auf eine ausreichende Calcium- und Magnesiumversorgung zu achten ist. Regelmäßige EC-Wert-Messungen im Substrat sichern eine salzschonende, aber bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr ab.

Schaderreger-Management

Der integrierte Pflanzenschutz bei Pelargonien setzt primär auf strenge Betriebshygiene und Klimasteuerung zur Vermeidung von Feuchtespitzen. Pilzliche Schaderreger wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) und Puccinia pelargonii-zonalis (Pelargonienrost) werden durch gezieltes Lüften, Heizen und den präventiven Einsatz zugelassener Fungizide kontrolliert. Tierische Schädlinge wie Thripse, Weiße Fliege und Spinnmilben erfordern eine engmaschige Befallsüberwachung mittels Gelb- und Blautafeln. Der Einsatz von Nützlingen (z. B. Amblyseius-Raubmilben oder Encarsia formosa) ist im geschlossenen Unterglasanbau hochgradig etabliert und sollte bevorzugt vor chemischen Anwendungen integriert werden. Bei bakteriellen Infektionen durch Xanthomonas hilft nur die sofortige, konsequente Vernichtung befallener Partien.

Sorten

Calliope Dark Red

Mittelfrüh

Sehr hoher Marktanteil, exzellente Freilandleistung.

Resistent gegen: Hitzestress, Trockenheit

Anfällig für: Grauschimmel, Staunässe

Sehr wüchsige, hitzetolerante interspezifische Sorte mit intensiv dunkelroten Blüten und hervorragender Selbstreinigung.

Tango Velvet Red

Früh

Hohe Besatzdichte pro Quadratmeter Stellfläche möglich.

Resistent gegen: Windbruch

Anfällig für: Bakterienbrand, Pelargonienrost

Kompakt wachsende, dunkelgrün belaubte Sorte, ideal für die Kultur in 10,5 bis 12 cm Töpfen ohne übermäßigen Hemmstoffbedarf.

Ville de Paris Rot

Mittelfrüh

Standard im süddeutschen und alpinen Raum für Balkonkästen.

Resistent gegen: Regen, Wind

Anfällig für: Ödemkrankheit, Eisenmangel

Traditionelle, stark hängende Sorte mit einfacher Blüte, extrem reichblühend und regenunempfindlich.

Pac Flower Fairy White Splashed

Früh

Sehr gute Verkaufsqualität im Premiumsegment.

Resistent gegen: Mehltau

Anfällig für: Grauschimmel, Trauermücken

Auffällige zweifarbige Sorte der bekannten pac-Serie mit kompakter, runder Pflanzenstruktur.

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Bakterienbrand (Xanthomonas hortorum pv. pelargonii) im Betrieb minimieren?

Da keine chemischen Pflanzenschutzmittel gegen diesen bakteriellen Schaderreger zugelassen sind, steht die strikte Prophylaxe im Vordergrund. Verwenden Sie ausschließlich zertifiziertes, pathogenfreies Elite-Ausgangsmaterial von anerkannten Züchtern. Vermeiden Sie Überkopf-Bewässerung, da Spritzwasser die Bakterien rasch von Pflanze zu Pflanze überträgt. Arbeitsgeräte und Stellflächen müssen nach jedem Chargenwechsel konsequent desinfiziert werden; befallene Bestände sind sofort mitsamt Substrat und Topf über den Hausmüll zu entsorgen.

Welche Rolle spielen Wachstumsregulatoren (Hemmstoffe) bei der Kultursteuerung von Pelargonien?

Der Einsatz von Wachstumsregulatoren ist entscheidend, um kompakte, transportfähige und verkaufsstarke Kulturen zu erzielen. Die Anwendung erfolgt meist im BBCH-Stadium 15 bis 33 (Blattentwicklung bis Seitensprossbildung). Wirkstoffe wie Chlormequat (CCC) oder Paclobutrazol hemmen die Gibberellinsynthese und führen zu kürzeren Internodien und einer intensiveren Grünfärbung. Die Aufwandmenge muss präzise an die Sorte, die Lichtverhältnisse und die Temperatur angepasst werden, um Überstauchungen zu vermeiden.

Wie äußert sich die physiologische Ödemkrankheit und wie wird sie pflanzenbaulich gesteuert?

Ödeme zeigen sich als korkige, warzenartige Ausstülpungen an den Blattunterseiten, besonders bei Hängegeranien (Pelargonium peltatum). Sie entstehen, wenn bei warmem, feuchtem Substrat und kühler, feuchter Luft die Wasseraufnahme die Transpirationsleistung übersteigt (Zellruptur). Die Steuerung erfolgt rein kulturtechnisch: Reduzieren Sie die Wassergaben an trüben, kühlen Tagen, sorgen Sie für eine niedrige relative Luftfeuchte im Gewächshaus durch gezieltes Heizen und Lüften am Morgen und optimieren Sie die Kaliumversorgung.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung gegen Pelargonienrost (Puccinia pelargonii-zonalis)?

Präventive Behandlungen sind besonders in den warmen Frühlingsmonaten ab April wichtig, wenn die Temperaturen im Gewächshaus steigen und die Luftfeuchtigkeit nachts hoch ist. Sobald erste Pusteln auf den Blattunterseiten sichtbar werden, ist der Infektionsdruck bereits hoch. Nutzen Sie zugelassene, systemische Fungizide im Wechsel der Wirkstoffklassen (FRAC-Codes), um Resistenzen vorzubeugen, und achten Sie auf eine vollständige Benetzung der Blattunterseiten.

Wie finde ich im Farmable-Portal die aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel für Pelargonium-Arten?

Navigieren Sie im Portal zum Bereich 'Zugelassene Produkte' und filtern Sie nach der Kulturkategorie 'Zierpflanzen' (Untergruppe 'Pelargonium' oder allgemein 'Zierpflanzenbau unter Glas/Freiland'). Da viele Zulassungen über die Lückenindikation nach § 22 Abs. 2 PflSchG geregelt sind, sollten Sie gezielt nach den spezifischen Schaderregern (z. B. Thripse oder Grauschimmel) filtern, um die aktuell gültigen BVL-Zulassungsnummern, Aufwandmengen und Wartezeiten einzusehen.