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Kultur

Rot-Schwingel

Festuca rubra
FESRU

Der Rotschwingel (Festuca rubra, EPPO-Code: FESRU) ist eine vielseitige, ausdauernde Grasart, die in der mitteleuropäischen Landwirtschaft sowohl als wertvolle Futterpflanze im Dauergrünland als auch zur professionellen Saatguterzeugung eine bedeutende Rolle spielt. Dank seiner ausgeprägten Winterhärte, Trockenheitstoleranz und der Fähigkeit, dichte Narben zu bilden, ist diese Kultur zudem eine Schlüsselkomponente in Rasenmischungen für Sport-, Zier- und Landschaftsflächen. Innerhalb der Art wird funktionell zwischen horstbildenden Formen und solchen mit unterirdischen Ausläufern (Ausläufer-Rotschwingel) unterschieden.

Im professionellen Anbau stellt die Kultur moderate Ansprüche an den Standort, liefert jedoch auf gut drainierten, humosen Böden die stabilsten Erträge. Die langsame Jugendentwicklung erfordert ein sauberes Saatbett und eine konsequente Unkrautregulierung im Ansaatjahr. Aufgrund der feinen Samenstruktur und des langsamen Auflaufens ist eine präzise Tiefenablage bei der Aussaat entscheidend für einen homogenen Feldaufgang und einen dichten, konkurrenzstarken Bestand.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April oder August bis September
Erntefenster
Anfang Juli bis Ende Juli (Saatguternte)
Reihenabstand
12–25 cm (Drillsaat)
Typischer Ertrag
800–1200 kg/ha (Saatgutertrag)
Wärmesumme (GDD)
1300–1400 °C (Basis 0 °C)
Boden-pH
5,5–7,0

Bodenmanagement

Für eine erfolgreiche Etablierung der Kultur ist ein feinkrümeliges, gut rückverfestigtes Saatbett unerlässlich, da der feine Samen eine flache Ablagetiefe von maximal 1 bis 1,5 cm erfordert. Die Kultur bevorzugt mäßig trockene bis frische, sandige Lehme oder humose Sandböden mit einem pH-Wert im schwach sauren bis neutralen Bereich. Eine bedarfsgerechte Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sollte idealerweise vor der Saat in den Boden eingearbeitet werden. Im Frühjahr des Hauptnutzungsjahres ist eine moderate Stickstoffgabe zur Förderung des Schossens und der Bestockung entscheidend, wobei Überdüngung wegen der Lagergefahr vermieden werden muss. Nach der Ernte beziehungsweise dem letzten Schnitt fördert eine flache Bodenbearbeitung oder ein zeitnahes Abschlegeln der Stoppeln die Regeneration der Ausläufer und sichert die Ausdauer des Bestandes.

Schaderreger-Management

Aufgrund der langsamen Jugendentwicklung ist die Kultur im Ansaatjahr besonders anfällig für die Konkurrenz durch Unkräuter, weshalb mechanische Maßnahmen oder der gezielte Einsatz zugelassener Herbizide frühzeitig erfolgen sollten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Regulierung von Ungräsern wie der Gemeinen Quecke (Elymus repens), da deren Samen bei der Saatgutaufbereitung nur schwer vom Rotschwingel zu trennen sind. Gegen pilzliche Schaderreger wie Rostpilze (insbesondere Kronenrost) oder den Erreger der Typhaschimmel-Fäule im Winter helfen eine ausgewogene Stickstoffdüngung und die Wahl toleranter Sorten. Beim Auftreten von tierischen Schädlingen wie Thripsen oder Halmfliegen im Ährenstadium kann eine gezielte Behandlung mit zugelassenen Pflanzenschutzmitteln zur Sicherung der Keimfähigkeit des Saatguts notwendig werden. Die Einhaltung der vorgeschriebenen Wartezeit und die genaue Abstimmung auf das BBCH-Stadium sind dabei für den Behandlungserfolg maßgeblich.

Sorten

Gondolin

Mittelspät

Hoher Ertrag an Trockenmasse, sehr gute Regenerationsfähigkeit nach dem Schnitt.

Resistent gegen: Rost, Schneeschimmel

Anfällig für: Blattfleckenkrankheit

Sehr ausdauernde und winterharte Sorte, die sich hervorragend für den Einsatz im Dauergrünland und in Nachsaatmischungen eignet.

Maxima

Mittel

Stabiler, hoher Saatgutertrag und dichte Narbenbildung.

Resistent gegen: Rotfaden, Trockenheit

Anfällig für: Rost

Eine der am weitesten verbreiteten Sorten für Rasenmischungen und Futterbau, zeichnet sich durch schnelle Etablierung aus.

Roland

Früh bis mittel

Gleichmäßiger Ertrag im ersten und zweiten Nutzungsjahr.

Resistent gegen: Frost, Auswinterung

Anfällig für: Mehltau

Traditionelle deutsche Züchtung mit hervorragender Anpassung an raue Mittelgebirgslagen.

Calliope

Spät

Geringere Trockenmasse, aber exzellenter optischer Aspekt und hoher Zierwert.

Resistent gegen: Rotfaden, Blattfleckenkrankheit

Anfällig für: Trockenstress

Premium-Rasen-Sorte (Festuca rubra rubra) mit extrem feiner Blattstruktur und hoher Narbendichte.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich die Gemeine Quecke (Elymus repens) im Rotschwingel-Saatgutanbau effektiv regulieren?

Da eine mechanische Trennung der Samen von Rotschwingel und Quecke bei der Aufbereitung extrem schwierig ist, muss die Regulierung bereits auf der Fläche erfolgen. Neben einer sauberen Vorfruchtgestaltung ohne Queckenbesatz können im Vorauflauf oder gezielt im Nachauflauf selektive Graminizide eingesetzt werden, sofern eine entsprechende Zulassung für die Kultur vorliegt. Ein mechanisches Ausstechen von Einzelnestern ist bei geringem Besatz im Vermehrungsbestand oft die wirtschaftlichste Methode zur Sicherung der Saatgutreinheit.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Bekämpfung von Rostpilzen im Rotschwingel?

Die kritische Phase für Infektionen mit Kronen- oder Schwarzrost liegt zwischen dem Schossen (BBCH 31–39) und dem Beginn des Rispenschiebens (BBCH 51). Behandlungen mit zugelassenen Fungiziden sollten präventiv oder bei ersten Symptomen in diesem Zeitraum durchgeführt werden, um den Blattapparat gesund zu erhalten. Spätere Anwendungen nach der Blüte (ab BBCH 69) sind meist wirtschaftlich nicht mehr rentabel und bergen das Risiko von Rückständen im Erntegut.

Wie wirkt sich die Stickstoffdüngung auf das Lagerverhalten und den Saatgutertrag aus?

Rotschwingel reagiert empfindlich auf Überdüngung mit Stickstoff im Frühjahr. Eine zu hohe N-Gabe führt zu starkem vegetativen Wachstum, erhöht die Lagerneigung vor der Blüte (BBCH 61) und behindert dadurch die Bestäubung, was den Samenansatz drastisch reduziert. Die N-Düngung sollte daher auf zwei Gaben aufgeteilt werden: eine moderate Startgabe zu Vegetationsbeginn und eine zweite, kleinere Gabe zum Schossen, angepasst an die Bodenreserven.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den Drusch bei der Saatgutgewinnung?

Der optimale Erntezeitpunkt liegt in der Gelbreife (BBCH 87–89), wenn sich die Rispen braun färben und die Samen beim Ausstreichen leicht ausfallen. Da Rotschwingel zur vorzeitigen Samenausfallneigung neigt, wird in der Praxis häufig das zweistufige Ernteverfahren (Mähen auf Schwad mit anschließendem Drusch nach 3–5 Tagen Trocknung) angewendet, um Ernteverluste zu minimieren und eine gleichmäßige Kornfeuchte zu erzielen.

Wie finde ich im Agronomie-Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Schaderreger in Rotschwingel?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie gezielt nach der Kultur 'Rotschwingel' oder 'Festuca rubra' sowie dem gewünschten Schaderreger (z. B. Rostpilze oder einkeimblättrige Unkräuter). Achten Sie darauf, ob die Zulassung für die Nutzung als 'Futterbau' oder explizit für die 'Saatguterzeugung' gilt, da sich die zugelassenen Aufwandmengen, Anwendungsbestimmungen und Wartezeiten je nach Verwendungszweck erheblich unterscheiden können.