Gemeine Quecke
Die Gemeine Quecke (Elymus repens, EPPO-Code: AGRRE), auch als Kriechquecke oder Ackerquecke bekannt, ist eines der wirtschaftlich bedeutendsten und hartnäckigsten einkeimblättrigen Unkräuter im europäischen Ackerbau. Als ausdauerndes, Ausläufer bildendes Süßgras tritt sie auf nahezu allen Bodenarten auf, bevorzugt jedoch nährstoffreiche, mittelschwere bis schwere Böden. Ihre enorme Konkurrenzkraft gegenüber landwirtschaftlichen Kulturen resultiert vor allem aus ihrem stark verzweigten Rhizomsystem, das den Kulturen Wasser, Nährstoffe und Licht entzieht.
Die wirtschaftliche Relevanz der Quecke ist extrem hoch. In Kulturen wie Winterraps, Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais kann ein starker Besatz zu erheblichen Ertragsverlusten und Ernteerschwerungen führen. Neben der direkten Konkurrenz scheidet Elymus repens über ihre Rhizome allelopathische Substanzen aus, die das Wachstum benachbarter Kulturen aktiv hemmen. Zudem dient sie als Wirtspflanze für verschiedene Schaderreger, wie beispielsweise den Mutterkornpilz (Claviceps purpurea) oder Getreidevirosen, was ihre phytosanitäre Bedeutung im Ackerbau zusätzlich verstärkt.
Biologie / Lebenszyklus
Die Gemeine Quecke ist eine ausdauernde Pflanze, die sich sowohl generativ über Samen als auch hocheffektiv vegetativ über unterirdische Rhizome (Kriechsprosse) vermehrt. Im zeitigen Frühjahr treiben die Rhizomknospen bereits bei niedrigen Bodentemperaturen ab etwa 2–4 °C aus und bilden rasch oberirdische Triebe. Die Hauptwachstumsphase der Rhizome liegt im Spätsommer nach der Ernte der Hauptkultur, wenn die Assimilate aus den Blättern wieder verstärkt in die unterirdischen Speicherorgane verlagert werden. Ein einzelnes Rhizomsegment kann pro Saison mehrere Meter neue Ausläufer bilden, wobei jedes abgetrennte Teilstück durch Bodenbearbeitung in der Lage ist, eine neue selbstständige Pflanze zu regenerieren.
Bonitur
Die Überwachung der Gemeinen Quecke sollte idealerweise bereits im Rahmen der Stoppelbearbeitung im Spätsommer sowie im zeitigen Frühjahr vor der Aussaat der Folgekulturen erfolgen. Eine gezielte Bonitur im Feld ist besonders in sensiblen Kulturen wie Zuckerrüben (BBCH 10–19) oder Kartoffeln (vor dem Reihenschluss, BBCH 30) ratsam, da hier spätere mechanische oder chemische Maßnahmen nur noch eingeschränkt möglich sind. Als wirtschaftliche Schadschwelle gilt im Getreide ein Richtwert von etwa 5–10 Trieben pro Quadratmeter, während in anspruchsvollen Reihenkulturen wie Zuckerrüben bereits bei ersten Nestern Handlungsbedarf besteht. Achte beim Scouting besonders auf verdichtete Vorgewende und Feldränder, von denen die Einwanderung in die Kultur meist ausgeht.
Integriertes Management
Ein erfolgreiches Management der Gemeinen Quecke erfordert eine konsequente, integrierte Strategie, die mechanische, pflanzenbauliche und chemische Maßnahmen kombiniert. Pflanzenbaulich helfen eine weite Fruchtfolge mit stark schattierenden Kulturen (z. B. Winterraps oder Zwischenfrüchte wie Senf) sowie eine gezielte Kalkung zur Strukturverbesserung. Mechanisch ist das 'Ausmagern' der Rhizome durch wiederholte, flache Bodenbearbeitung (z. B. mit Federzahnegge oder Schälpflug) direkt nach der Ernte besonders wirksam; hierbei werden die Rhizome an die Oberfläche transportiert, wo sie vertrocknen. Chemisch kommen im Nachauflauf der zweikeimblättrigen Kulturen selektive Graminizide (HRAC-Gruppe 1) zum Einsatz, während im Vorfeld oder auf der Stoppel glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel (HRAC-Gruppe 9) appliziert werden können. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, ist ein strikter Wirkstoffwechsel zwischen den HRAC-Klassen einzuhalten und die Aufwandmenge stets an die Triebdichte und das Entwicklungsstadium anzupassen.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie tief können die Rhizome der Gemeinen Quecke im Boden überleben?
Die aktiven Rhizome befinden sich meist in der Hauptbearbeitungsschicht zwischen 5 und 20 cm Tiefe. In sehr lockeren oder sandigen Böden können einzelne Ausläufer jedoch bis zu 40 cm tief vordringen. Ein tiefes Vergraben der Rhizome durch den Pflug (unter 25 cm) kann den Wiederaustrieb stark hemmen, birgt aber das Risiko, bei nachfolgenden Bearbeitungen vitale Teile wieder nach oben zu befördern.
Warum ist die mechanische Regulierung der Quecke direkt nach der Getreideernte so effektiv?
Nach der Ernte befindet sich die Quecke in einer aktiven Phase der Nährstoffeinlagerung in die Rhizome. Wenn du zu diesem Zeitpunkt eine flache Bodenbearbeitung durchführst, zerschneidest du die Rhizome. Die dadurch angeregten Knospen treiben neu aus (sogenannter Reiz-Austrieb) und verbrauchen ihre Reservestoffe. Ein anschließender zweiter Bearbeitungsgang oder eine gezielte Anwendung eines Pflanzenschutzmittels auf die jungen, 10–15 cm hohen Blätter vernichtet die geschwächte Pflanze besonders nachhaltig.
Welche Rolle spielen HRAC-Klassen beim chemischen Management der Quecke?
Für die selektive Behandlung in zweikeimblättrigen Kulturen (wie Raps oder Rüben) nutzt du meist Graminizide aus der HRAC-Gruppe 1 (ACCase-Hemmer). Da diese Wirkstoffe denselben Wirkungsmechanismus haben, besteht bei einseitiger Nutzung ein hohes Resistenzrisiko. Integriere daher immer mechanische Maßnahmen und wechsle, wo möglich, mit HRAC-Gruppe 9 (Glyphosat) auf der Stoppel oder in der Brache ab, um die Selektion resistenter Biotypen zu verhindern.
Kann ich die Gemeine Quecke allein durch das Mulchen oder Mähen kontrollieren?
Nein, reines Mähen oder Mulchen reicht nicht aus, um die Quecke dauerhaft zu regulieren. Da sich der Großteil der Biomasse und der Energiereserven unterirdisch in den Rhizomen befindet, regeneriert sich die Pflanze nach dem Schnitt extrem schnell. Häufiges Mähen kann zwar die Samenbildung verhindern und die Pflanze schwächen, führt aber ohne Bodenbearbeitung oder Herbizideinsatz nicht zu einer nachhaltigen Reduktion des Besatzes.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Quecke?
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Welches BBCH-Stadium der Quecke ist optimal für eine chemische Behandlung?
Für eine optimale systemische Wirkung muss die Quecke ausreichend Blattfläche gebildet haben, um den Wirkstoff aufzunehmen und in die Rhizome zu transportieren. Der beste Behandlungszeitpunkt liegt vor, wenn die Queckentriebe eine Höhe von 15–20 cm erreicht haben und etwa 3–5 entfaltete Blätter aufweisen (entspricht BBCH 13–15 der Quecke). Zu frühe Behandlungen führen oft zu unvollständiger Wirkung, da noch nicht alle Rhizomknospen aktiv ausgetrieben waren.