Alle Schaderreger
Kultur

Gemeine Quecke

Elymus repens
AGRRE

Die Gemeine Quecke (Elymus repens, EPPO-Code: AGRRE), auch als Kriechquecke bekannt, ist eines der wirtschaftlich bedeutendsten einkeimblättrigen Unkräuter im europäischen Acker- und Weinbau. Als ausdauerndes, extrem anpassungsfähiges Ungras konkurriert es stark mit den angebauten Kulturen um Wasser, Nährstoffe (insbesondere Stickstoff) und Licht.

Die enorme Konkurrenzkraft der Quecke resultiert vor allem aus ihrem weit verzweigten unterirdischen Rhizomsystem. Bereits geringe Besatzdichten können in sensiblen Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Winterraps zu erheblichen Ertragsverlusten und Ernteerschwerungen führen. Zudem scheidet die Quecke allelopathische Substanzen aus, die das Keim- und Jugendwachstum von Nachbarkulturen direkt hemmen.

Neben dem direkten Ertragsverlust fungiert Elymus repens als Wirt für verschiedene pilzliche Schaderreger (wie beispielsweise Mutterkorn oder Rostpilze) sowie für pflanzenparasitäre Nematoden, was das phytosanitäre Risiko in der Fruchtfolge zusätzlich erhöht.

Typ
Kultur
EPPO-Code
AGRRE
Wirte
10 Kulturen
Verbreitung
Die Gemeine Quecke ist in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel, insbesondere in ganz Europa, weit verbreitet und verursacht auf nahezu allen Bodenarten erhebliche wirtschaftliche Schäden im Acker- und Gemüsebau.

Biologie / Lebenszyklus

Die Gemeine Quecke ist ein ausdauerndes Rhizomunkraut, das sich sowohl vegetativ über unterirdische Ausläufer als auch generativ über Samen vermehrt. Im zeitigen Frühjahr treiben die Knospen der im Boden überwinterten Rhizome bereits bei niedrigen Temperaturen aus und bilden oberirdische Triebe. Ab dem späten Frühjahr bis in den Sommer hinein erfolgt die Blüte und anschließende Samenbildung, wobei eine Pflanze Hunderte von langlebigen Samen produzieren kann. Der Schwerpunkt der Ausbreitung liegt jedoch in der vegetativen Vermehrung: Durch Bodenbearbeitungswerkzeuge zerstückelte Rhizomglieder werden im Feld verteilt, treiben rasch wieder aus und bilden neue, dichte Nester. Im Herbst lagert die Pflanze Reservestoffe in die Rhizome ein, um die Frostperiode problemlos zu überstehen.

Bonitur

Die Überwachung der Quecke erfolgt primär durch visuelle Feldbegehungen im Spätsommer nach der Ernte der Vorfrucht sowie im zeitigen Frühjahr vor der Aussaat oder im frühen Jugendstadium der Kulturen (BBCH-Stadium 10–19). Eine gezielte Bonitur ist besonders in Hackfrüchten wie Kartoffeln oder Zuckerrüben wichtig, da hier spätere mechanische Maßnahmen erschwert sind. Schadschwellen sind stark kulturabhängig; während in konkurrenzstarken Getreidebeständen oft ein geringer Besatz toleriert werden kann, liegt die wirtschaftliche Schadensschwelle in sensiblen Kulturen wie Zuckerrüben oder Kartoffeln bereits bei wenigen Trieben pro Quadratmeter. Das Aufzeichnen von Befallsnestern im Feld ermöglicht eine teilflächenspezifische, gezielte Behandlung.

Integriertes Management

Ein integriertes Management von Elymus repens basiert auf einer Kombination aus mechanischen, pflanzenbaulichen und chemischen Maßnahmen. Mechanisch ist das sogenannte "Aushungern" oder "Ausbrennen" der Rhizome durch wiederholte, flache Bodenbearbeitung (z. B. mit Federzahnegge oder Grubber) nach der Ernte besonders effektiv, um die Rhizomstücke an die Bodenoberfläche zu transportieren, wo sie vertrocknen. Pflanzenbaulich helfen eine dichte, konkurrenzstarke Fruchtfolge (z. B. mit Zwischenfrüchten) und der Verzicht auf pfluglose Minimalbodenbearbeitung bei starkem Befall. Chemisch stehen hochwirksame Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, insbesondere systemische Herbizide auf der Stoppel oder selektive Graminizide (HRAC-Gruppe 1) in zweikeimblättrigen Kulturen sowie Sulfonylharnstoffe (HRAC-Gruppe 2) im Mais. Zur Vermeidung von Resistenzbildungen ist ein konsequenter Wirkstoffklassenwechsel (HRAC-Wechsel) zwingend einzuhalten.

Wirtspflanzen

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

Alle Anwendungen ansehen

Häufige Fragen

Warum führt eine einfache Scheibeneggen-Behandlung oft zu einer Vermehrung der Quecke?

Scheibeneggen zerschneiden die unterirdischen Rhizome der Quecke in kleine Stücke. Da fast jedes Rhizomsegment mit mindestens einem schlafenden Auge austriebsfähig ist, führt diese Zerstückelung ohne anschließende Austrocknung zu einer drastischen Erhöhung der Triebdichte und einer schnellen Ausbreitung im gesamten Feld.

Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine chemische Behandlung der Quecke auf der Stoppel?

Eine Applikation systemischer Pflanzenschutzmittel ist dann am erfolgreichsten, wenn die Quecke nach der Ernte wieder ausreichend Blattmasse gebildet hat (ca. 15–20 cm Wuchshöhe, meist 3–4 Laubblätter). Zu diesem Zeitpunkt findet ein aktiver Assimilattransport in die Rhizome statt, wodurch der Wirkstoff effektiv bis in die Wurzelspitzen transportiert wird.

Wie lässt sich eine Resistenzentwicklung bei der Bekämpfung von Quecken in Raps und Rüben verhindern?

In zweikeimblättrigen Kulturen werden meist ACCase-Hemmer (HRAC-Gruppe 1) eingesetzt. Um Resistenzen vorzubeugen, sollten diese Wirkstoffe nicht jährlich solo angewendet werden. Integrieren Sie mechanische Stoppelbearbeitung und wechseln Sie die Wirkstoffklassen ab, beispielsweise durch den Einsatz von ALS-Inhibitoren (HRAC-Gruppe 2) in anderen Gliedern der Fruchtfolge (z. B. im Mais).

Wie finde ich im Farmable-Hub zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen die Gemeine Quecke für meine spezifische Kultur?

Navigieren Sie im Hub zum Bereich "Pflanzenschutzmittel" und filtern Sie nach dem Schaderreger "Elymus repens" oder "Gemeine Quecke". Wählen Sie anschließend Ihre spezifische Kultur (z. B. Winterraps oder Kartoffel) aus, um alle aktuell für diese Anwendung zugelassenen Produkte inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten anzuzeigen.

Überstehen die Rhizome der Quecke auch strenge Frostperioden im Boden?

Ja, die Rhizome von Elymus repens sind extrem frosthart und können Temperaturen von bis zu -15 °C im Boden schadlos überstehen. Sie dienen der Pflanze als Speicherorgan, das im Frühjahr den schnellen Wiederaustrieb sichert, selbst wenn die oberirdischen Pflanzenteile im Winter komplett abgestorben sind.