Schwarzer Holunder
Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra, EPPO-Code: SAMNI), regional auch als Fliederbeerbaum oder Holder bezeichnet, hat sich in Mitteleuropa von einer klassischen Wildkultur zu einer intensiv geführten Erwerbsobstkultur entwickelt. Die steigende Nachfrage nach den farbstoff- und vitaminreichen Beeren sowie den aromatischen Blüten für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie sichert der Kultur eine stabile wirtschaftliche Bedeutung. Im professionellen Anbau wird der Holunder meist als Strauch oder Halbstamm erzogen, um den Maschineneinsatz bei der Pflege und Ernte zu erleichtern.
Die Kultur stellt spezifische Ansprüche an Klima und Standort. Sie bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige und ausreichend feuchte Böden mit guter Wasserführung, da Staunässe die Wurzelgesundheit massiv beeinträchtigt. Aufgrund der frühen Blüte im Frühjahr sind spätfrostgefährdete Lagen für den Erwerbsanbau ungeeignet. Eine gezielte Sortenwahl und ein konsequenter jährlicher Schnitt sind entscheidend, um regelmäßige Erträge und eine hohe Fruchtqualität zu sichern.
Bodenmanagement
Der Schwarze Holunder besitzt ein flaches, weit verzweigtes Wurzelsystem und reagiert daher äußerst empfindlich auf Bodenverdichtungen sowie anhaltende Trockenheit. Eine regelmäßige Humuszufuhr durch organische Düngung oder das Belassen von Mulchstoffen in der Fahrgasse fördert die Bodenstruktur und sichert die Feuchtigkeitsversorgung. Da die Kultur einen hohen Stickstoff- und Kaliumbedarf aufweist, ist eine bodenanalytisch begleitete Düngung im zeitigen Frühjahr unerlässlich. Zur Unkrautregulierung im Unterstockbereich wird im Erwerbsanbau meist eine Kombination aus mechanischer Bearbeitung mit der Rollhacke und einer gezielten Begrünungseinsaat in den Fahrgassen praktiziert. Auf extrem leichten Standorten ist eine Tröpfchenbewässerung zur Absicherung des Fruchtansatzes und der Beerengröße dringend zu empfehlen.
Schaderreger-Management
Im professionellen Holunderanbau erfordert der Schutz vor Schaderregern eine vorausschauende Strategie, da die Zulassungssituation für Pflanzenschutzmittel in dieser Sonderkultur oft eingeschränkt ist. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehört die Doldenwelke (verursacht unter anderem durch Colletotrichum-Arten), welche durch vorbeugende, luftige Erziehungssysteme und einen konsequenten Auslichtungsschnitt minimiert werden muss. Tierische Schädlinge wie die Holunderblattlaus (Aphis sambuci) und die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) erfordern eine engmaschige Befallsüberwachung ab dem BBCH-Stadium 71. Gegen die Kirschessigfliege müssen kurz vor der Ernte kulturtechnische Maßnahmen wie eine schnelle, saubere Beerntung und gegebenenfalls der Einsatz zugelassener Pflanzenschutzmittel unter strikter Beachtung der Wartezeit kombiniert werden. Ein konsequenter Rückschnitt des zweijährigen Holzes direkt nach der Ernte mindert zudem das Überwinterungspotenzial vieler Schaderreger im Anlagenbestand.
Sorten
Haschberg
Mittelspät (Mitte bis Ende September)Sehr ertragreich und gleichmäßig reifend, die wichtigste Erwerbssorte in Mitteleuropa.
Resistent gegen: Spätfrost
Anfällig für: Doldenwelke, Holunderblattlaus
Große, schwere Dolden mit gleichmäßiger Reife der Einzelbeeren. Hervorragend für die Saftgewinnung geeignet.
Sampo
Mittelfrüh (Ende August bis Anfang September)Hoher Ertrag mit sehr großen Einzelbeeren, die sich leicht von den Stielen lösen.
Anfällig für: Doldenwelke, Wühlmäuse
Wächst stark aufrecht und bildet sehr lange Fruchtruten. Beliebt für die maschinelle Ernte.
Kosmos
Früh (Mitte bis Ende August)Gute, regelmäßige Erträge, reift deutlich vor Haschberg ab.
Anfällig für: Vogelfraß, Kirschessigfliege
Große Dolden mit hängendem Wuchs. Erleichtert die Staffelung der Erntezeitfenster im Betrieb.
Haidry
Mittelspät (September)Sehr ertragsstabile Selektion mit hohem Farbstoffgehalt.
Resistent gegen: Winterfrost
Anfällig für: Doldenwelke
Wird vor allem in spezialisierten Lagen Österreichs und Süddeutschlands angebaut. Zeigt eine gute Regenerationsfähigkeit nach Frost.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wird die Doldenwelke im Erwerbsanbau mechanisch reguliert?
Die Regulierung basiert primär auf vorbeugenden Kulturmaßnahmen. Durch einen konsequenten Auslichtungsschnitt im Spätwinter wird eine lockere, schnell abtrocknende Kronenstruktur geschaffen. Befallene Dolden und Triebspitzen müssen während der Vegetationsperiode umgehend aus der Anlage entfernt und vernichtet werden, um das Infektionspotenzial für das Folgejahr zu senken.
Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium für die Bekämpfung der Holunderblattlaus?
Eine Überwachung der Holunderblattlaus (Aphis sambuci) sollte bereits ab dem Knospenaufbruch (BBCH 09 bis 10) erfolgen. Erste Behandlungen mit nützlingsschonenden Pflanzenschutzmitteln sind meist vor der Blüte (bis BBCH 59) am effektivsten, da sich die Läusekolonien später in den dichten Dolden kaum noch direkt mit der Spritzbrühe erfassen lassen.
Wie lässt sich das Risiko von Kirschessigfliegen-Schäden beim Holunder minimieren?
Da der Holunder spät reift, fällt er in die Hauptpopulationsphase der Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Neben einer lückenlosen Bestandshygiene und kurzen Ernteintervallen hilft eine rasche Abkühlung des Ernteguts direkt nach dem Pflücken. Chemische Anwendungen müssen exakt auf die Reifephase abgestimmt und unter strenger Einhaltung der Wartezeiten durchgeführt werden.
Warum ist die Stickstoffdüngung beim Holunder zeitlich genau zu splitten?
Holunder benötigt für den starken jährlichen Triebzuwachs ausreichend Stickstoff. Eine erste Gabe erfolgt zum Austrieb (BBCH 10), eine zweite Gabe zur Blüte (BBCH 60). Eine zu späte Düngung nach Ende Juni verzögert den Abschluss des Triebwachstums, was die Frostempfindlichkeit des Holzes im kommenden Winter drastisch erhöht.
Wie finde ich im Online-Portal aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für Holunder?
Da Holunder artenrechtlich oft als Sonderkultur oder Strauchbeerenobst eingestuft wird, sind Zulassungen häufig über Indikationserweiterungen nach Artikel 51 EG-VO 1107/2009 geregelt. Nutzen Sie in unserem Portal die Filterfunktion für "Sonderkulturen" oder suchen Sie direkt nach dem EPPO-Code SAMNI, um alle aktuell in Deutschland zugelassenen Anwendungen und deren spezifische Wartezeiten einzusehen.