Colletotrichum
Die Pilzgattung Colletotrichum (EPPO-Code: 1COLLG) umfasst eine Vielzahl ökonomisch bedeutender Schaderreger, die als Erreger der Anthraknose (Brennfleckenkrankheit) bekannt sind. Diese Pilze befallen ein breites Spektrum an Kulturen im Obst-, Gemüse- und Ackerbau. Besonders schwerwiegende Schäden verursachen sie an Erdbeeren (Fragaria x ananassa), Lupinen (Lupinus sp.) und verschiedenen Beerenobstarten wie Kulturheidelbeeren (Vaccinium corymbosum) oder Himbeeren (Rubus idaeus).
Die wirtschaftliche Relevanz von Colletotrichum ist enorm, da der Schaderreger sowohl Ertragsverluste auf dem Feld als auch erhebliche Qualitätsminderungen während der Lagerung und des Transports (Post-Harvest-Fäule) verursacht. Unter warm-feuchten Bedingungen kann sich die Infektion rasant ausbreiten und in anfälligen Kulturen zu Totalausfällen führen. Die Bekämpfung erfordert eine konsequente, integrierte Strategie, da latente Infektionen oft erst spät sichtbar werden.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert als Myzel oder Sklerotium in infizierten Pflanzenresten, im Boden oder an Unkräutern. Im Frühjahr, begünstigt durch steigende Temperaturen (optimal 20–25 °C) und anhaltende Blattnässe, werden Konidien gebildet, die primär durch Regenspritzer und Wind in der Kultur verbreitet werden. Nach der Keimung bildet der Pilz ein Appressorium aus, dringt direkt durch die Kutikula oder über Wunden in das Pflanzengewebe ein und etabliert eine biotrophe Phase, die später in eine nekrotrophe Phase übergeht. Während der Vegetationsperiode kommt es bei feucht-warmer Witterung zu mehreren aufeinanderfolgenden Infektionszyklen durch die Produktion von Sekundärkonidien in charakteristischen Schleimmassen (Acervuli).
Bonitur
Das Monitoring sollte frühzeitig ab dem Knospenaufbruch bzw. dem Beginn des vegetativen Wachstums (ab BBCH 10–13) intensiviert werden, insbesondere in feuchten Mikroklimaten. Bei Erdbeeren liegt der Fokus auf der Phase der Blütenbildung bis zur Fruchtreife (BBCH 55–89), da offene Blüten und reifende Früchte hochgradig anfällig sind. Eine feste Schadschwelle existiert meist nicht; stattdessen dienen Wetterdaten (Blattnässedauer von mehr als 12–15 Stunden bei Temperaturen über 15 °C) als Entscheidungshilfe für präventive Pflanzenschutzmaßnahmen. Regelmäßige visuelle Kontrollen auf dunkle, eingesunkene Läsionen an Stängeln, Blättern und Ausläufern sind für eine rechtzeitige Befallserkennung unerlässlich.
Symptome
Typisch für einen Befall durch Colletotrichum sind scharf abgegrenzte, eingesunkene, dunkelbraune bis schwarze Läsionen (Anthraknose-Symptome) an Stängeln, Blättern, Blüten und Früchten. Auf reifenden Früchten bilden sich kreisrunde, wässrige Flecken, die im weiteren Verlauf einsinken und bei feuchter Witterung einen lachsfarbenen bis orangefarbenen, schleimigen Sporenbelag (Acervuli) aufweisen. An Stängeln und Blattstielen führen die länglichen, nekrotischen Läsionen oft zum Welken und Absterben der darüber liegenden Pflanzenteile (Gürteleffekt). Bei Lupinen zeigt sich der Befall zudem durch eine charakteristische Krümmung der Stängel (Bischofsstab-Symptom).
Integriertes Management
Die Bekämpfung basiert auf einem integrierten Ansatz. Kulturtechnische Maßnahmen umfassen die Verwendung von zertifiziertem, gesundem Pflanzgut, weite Pflanzabstände zur Förderung einer schnellen Abtrocknung des Bestandes sowie die konsequente Beseitigung von Ernterückständen und infizierten Pflanzenteilen. Eine tropfende Bewässerung ist der Überkopfberegnung vorzuziehen, um die Blattnässedauer zu minimieren. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten präventiv vor Infektionsereignissen appliziert werden. Zur Vermeidung von Resistenzen ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten, wobei Behandlungen durch den Wechsel von Wirkstoffen aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen (z. B. Strobilurine/QoI, SDHI und Kontaktfungizide) zu alternieren sind.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie kann ich im Online-Portal gezielt zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Colletotrichum finden?
Nutzen Sie die Suchfunktion in unserer Pflanzenschutzmittel-Datenbank, indem Sie den Schaderreger 'Colletotrichum' oder die spezifische Kultur (z. B. Erdbeere) eingeben. Filtern Sie die Ergebnisse nach der Zulassungssituation in Ihrem Land, um die aktuell registrierten Anwendungen, Aufwandmengen und einzuhaltenden Wartezeiten einzusehen.
Warum sind latente Infektionen bei diesem Schaderreger so gefährlich für die Lagerung?
Der Pilz kann die grünen, unreifen Früchte infizieren, verbleibt dann jedoch in einer Ruhephase (Latenz), ohne sichtbare Symptome zu verursachen. Erst mit dem Einsetzen der Fruchtreife und dem damit verbundenen physiologischen Wandel bricht die Krankheit aus, was oft erst nach der Ernte im Lager oder im Verkaufsregal zu massiver Fäulnis führt.
Welche Rolle spielt die Stickstoffdüngung bei der Anfälligkeit der Kulturen?
Eine übermäßige, späte Stickstoffdüngung führt zu einem mastigen, weichen Pflanzengewebe und einem dichten Blätterdach. Dies verlängert die Abtrocknungszeit im Bestand und erleichtert es dem Pilz, die Kutikula zu durchdringen, was das Infektionsrisiko drastisch erhöht.
Wie lässt sich das Resistenzrisiko bei der chemischen Bekämpfung minimieren?
Da viele Colletotrichum-Arten ein hohes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen gegenüber Single-Site-Fungiziden (wie QoI oder SDHI) aufweisen, müssen diese Wirkstoffe stets im Wechsel oder in Tankmischung mit Multisite-Fungiziden (Kontaktmitteln) eingesetzt werden. Beachten Sie die maximalen Anwendungen pro Saison gemäß den FRAC-Vorgaben.
Welchen Einfluss hat die Tröpfchenbewässerung im Vergleich zur Überkopfberegnung auf das Befallsrisiko?
Da die Konidien des Pilzes primär durch Wasserspritzer (Splash-Dispersal) verbreitet werden und für die Keimung freies Wasser benötigen, minimiert eine Tröpfchenbewässerung das Risiko erheblich. Überkopfberegnung hingegen schafft ideale Infektionsbedingungen und verbreitet die Sporen aktiv im gesamten Bestand.
Ab welcher Temperatur wird der Schaderreger im Frühjahr aktiv?
Die Sporenkeimung und Infektion beginnen bereits ab etwa 10 °C, das Temperaturoptimum für eine schnelle epidemische Ausbreitung liegt jedoch zwischen 20 °C und 25 °C in Kombination mit einer Blattnässedauer von mindestens 12 Stunden.