Colletotrichum
Die Pilzgattung Colletotrichum (EPPO-Code: 1COLLG) umfasst eine Vielzahl wirtschaftlich bedeutender Schaderreger, die weltweit als Erreger von Anthraknose (Brennfleckenkrankheit) bekannt sind. Diese Pilze befallen ein breites Spektrum an Kulturen, darunter Sonderkulturen wie Erdbeeren (Fragaria x ananassa), Heidelbeeren (Vaccinium corymbosum) und Himbeeren (Rubus idaeus), aber auch Ackerkulturen wie Lupinen (Lupinus sp.) und Sojabohnen (Glycine max).
Die wirtschaftliche Relevanz ist enorm, da der Schaderreger sowohl Blätter, Stängel als auch Früchte infizieren kann. Ein Befall führt oft zu drastischen Ertragseinbußen und Qualitätsverlusten, insbesondere bei reifenden Früchten, die für den Frischmarkt bestimmt sind. Unter feucht-warmen Bedingungen kann sich die Krankheit rasant ausbreiten und ganze Bestände vernichten.
In Mitteleuropa tritt Colletotrichum regelmäßig auf, wobei das Infektionsrisiko durch den Trend zu geschütztem Anbau und veränderten Klimabedingungen mit häufigeren Starkregenereignissen im Sommer weiter zunimmt.
Biologie / Lebenszyklus
Der Schaderreger überwintert als Myzel oder Sklerotien in infizierten Pflanzenresten, im Boden oder auf Unkräutern im Umfeld der Kultur. Im Frühjahr, bei steigenden Temperaturen und anhaltender Feuchtigkeit, werden Konidien (Sporen) gebildet, die primär durch Regenspritzer, Wind oder Arbeitsgeräte im Bestand verbreitet werden. Nach der Keimung dringt der Pilz direkt durch die Kutikula oder über Wunden in das Pflanzengewebe ein. Während der Vegetationsperiode kommt es bei feucht-warmer Witterung zu mehreren sekundären Infektionszyklen, bei denen massenhaft neue Sporen in charakteristischen, schleimigen Lagern (Acervuli) auf den infizierten Pflanzenteilen freigesetzt werden.
Bonitur
Ein systematisches Monitoring sollte bereits ab dem Austrieb (BBCH 10–13) beginnen, insbesondere in anfälligen Kulturen wie Erdbeeren oder Lupinen. Achte bei der Feldbegehung besonders auf erste nekrotische Flecken an Blättern und Stängeln. Ab der Blüte (BBCH 61) bis zur Fruchtreife (BBCH 85) ist eine engmaschige Kontrolle der Blütenstände und grünen Früchte unerlässlich, da hier die Infektionen oft latent vorliegen und erst bei der Reife sichtbar werden. Da es keine starren Schadschwellen gibt, dient die Befallsprognose meist wetterbasierten Modellen, die Blattnässedauer und Temperatur (optimal sind 18–25 °C) kombinieren, um den optimalen Behandlungszeitpunkt zu bestimmen.
Symptome
Die Symptome variieren je nach Kultur, zeigen jedoch typische Anthraknose-Merkmale. An Blättern und Stängeln entstehen scharf abgegrenzte, eingesunkene, braune bis schwarze Flecken (Brennflecken), die sich strecken können und oft zum Absterben der darüber liegenden Pflanzenteile führen. An den Früchten (z. B. bei Erdbeeren oder Heidelbeeren) zeigen sich kreisrunde, tief eingesunkene, lederartige Faulstellen. Unter feuchten Bedingungen bildet sich auf diesen Läsionen ein charakteristischer, lachsfarbener bis orangefarbener Sporenschleim. Bei Lupinen führt der Befall zu einer typischen Krümmung der Stängel (S-Form) mit tiefen Rissen.
Integriertes Management
Die Bekämpfung erfordert eine integrierte Strategie. Kulturtechnische Maßnahmen stehen im Vordergrund: Verwende ausschließlich zertifiziertes, gesundes Pflanzgut und wähle widerstandsfähige Sorten. Vermeide Überkopfberegnung, um die Blattnässedauer zu minimieren, und sorge für eine weite, luftige Pflanzung, die ein schnelles Abtrocknen der Kulturen begünstigt. Befallene Pflanzenreste müssen konsequent aus dem Bestand entfernt und vernichtet werden. Chemische Pflanzenschutzmittel sollten vorbeugend oder bei ersten Infektionsbedingungen eingesetzt werden. Um Resistenzen vorzubeugen, ist ein striktes Wirkstoffmanagement gemäß den FRAC-Richtlinien einzuhalten; wechsle systematisch zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen (z. B. Strobilurine, SDHI und Kontaktfungizide) und halte dich an die maximal zulässige Anzahl an Anwendungen pro Saison.
Wirtspflanzen
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie unterscheide ich eine latente Colletotrichum-Infektion von anderen Fruchtfäulen vor der Ernte?
Eine latente Infektion ist im grünen Fruchtstadium oft völlig symptomlos. Du kannst einen Schnelltest durchführen, indem du grüne Früchte pflückst, sie feucht bei Raumtemperatur inkubierst und nach wenigen Tagen auf den typischen lachsfarbenen Sporenschleim kontrollierst. Dies hilft dir, das Risiko vor der Haupternte einzuschätzen.
Welche Rolle spielen Unkräuter bei der Übertragung von Colletotrichum in Erdbeerkulturen?
Viele weit verbreitete Unkräuter dienen dem Schaderreger als symptomlose Zwischenwirte. Wenn du die Beikrautregulierung im und um den Bestand vernachlässigst, schaffst du ein dauerhaftes Infektionsreservoir, von dem aus die Sporen immer wieder in deine Kultur getragen werden können.
Wie integriere ich biologische Pflanzenschutzmittel sinnvoll in den Spritzplan?
Biologische Pflanzenschutzmittel (z. B. auf Basis von Bacillus subtilis oder Hefen) eignen sich hervorragend für Anwendungen in der späten Phase vor der Ernte (BBCH 81–89). Da sie oft keine oder sehr kurze Wartezeiten haben, kannst du so die Kultur bis zur Ernte schützen, ohne Rückstandshöchstmengen zu überschreiten.
Warum ist die Tröpfchenbewässerung der Überkopfberegnung bei Colletotrichum-Druck vorzuziehen?
Die Sporen von Colletotrichum verbreiten sich primär über Wasserspritzer (sogenanntes "Splash-Dispersal"). Eine Überkopfberegnung verteilt den Schaderreger aktiv im gesamten Bestand und verlängert die Blattnässedauer, was die Keimung der Sporen massiv begünstigt. Tröpfchenbewässerung hält das Laub trocken und unterbricht diesen Infektionsweg.
Wie finde ich im Hub registrierte Pflanzenschutzmittel gegen Colletotrichum für meine spezifische Kultur?
Nutze die Filterfunktion in unserem Pflanzenschutz-Hub. Wähle dort deine spezifische Kultur (z. B. Erdbeere oder Lupine) und filtere nach dem Schaderreger "Colletotrichum" oder "Anthraknose", um alle aktuell zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmenge, Wartezeit und maximaler Anzahl der Anwendungen auf einen Blick zu sehen.