Vorratslagerndes Getreide
Vorratslagerndes Getreide, im internationalen EPPO-System unter dem Code YCEST geführt und wissenschaftlich als "cereals (stored)" bezeichnet, repräsentiert eine der kritischsten Phasen der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Nach der Ernte von Weizen, Gerste, Roggen oder Hafer verlagert sich der Fokus vom Feld auf die qualitätserhaltende Lagerung im Silo oder Flachlager. Hier gilt es, die geerntete Biomasse vor biologischem Verderb, Qualitätsverlusten und dem Befall durch spezialisierte Schaderreger zu schützen, um die Marktfähigkeit als Lebens- oder Futtermittel langfristig zu sichern.
Die Herausforderungen im Vorratsschutz sind vielfältig und stark von physikalischen Parametern wie Kornfeuchte und Lagertemperatur geprägt. Ein fehlerhaftes Lagermanagement begünstigt das Auftreten von Schadinsekten wie dem Kornkäfer, dem Getreideplattkäfer oder verschiedenen Mottenarten sowie die Entwicklung von Schimmelpilzen, die gefährliche Mykotoxine bilden können. Ein integriertes Lagerkonzept kombiniert daher präventive Hygienemaßnahmen, kontinuierliche Überwachung und gezielte physikalische oder chemische Pflanzenschutzmittel-Anwendungen.
Bodenmanagement
Für eine erfolgreiche Ernte und anschließende problemlose Lagerung beginnt das Management bereits auf dem Feld mit einer optimalen Bodenstruktur. Ein gut strukturiertes, humusreiches Bodengefüge fördert ein gleichmäßiges Abreifen der Kultur, was die Gefahr von ungleichmäßigen Kornfeuchten bei der Ernte minimiert. Durch eine gezielte Grundbodenbearbeitung und ein sorgfältig vorbereitetes Saatbett wird die Wasser- und Nährstoffaufnahme optimiert. Zudem reduziert eine ausgewogene Fruchtfolge den Druck durch bodenbürtige Schaderreger und Unkräuter, was indirekt die Kornqualität im Lager verbessert. Achte darauf, Verdichtungen im Unterboden zu vermeiden, um die Vitalität der Kultur bis zur Ernte zu sichern.
Schaderreger-Management
Das Schaderregermanagement im Vorratslager basiert primär auf vorbeugender Hygiene und der konsequenten Steuerung des Lagerklimas. Vor der Einlagerung musst du die Lagerzellen gründlich reinigen, von Staub befreien und gegebenenfalls mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Leerraumbehandlung desinfizieren. Die wichtigste physikalische Maßnahme ist die rasche Herunterkühlung des Getreides auf unter 12 bis 15 °C sowie die Trocknung auf eine sichere Kornfeuchte von unter 14 %. Durch diese Maßnahmen wird die Aktivität und Vermehrung von Vorratsschädlingen wie Käfern und Milben effektiv blockiert. Bei akutem Befall können gasförmige Pflanzenschutzmittel oder der Einsatz von Nützlingen wie der Lagererzwespe zur biologischen Regulierung herangezogen werden.
Sorten
Reform
mittelspätSehr hoher und stabiler Ertrag im gesamten Bundesgebiet.
Resistent gegen: Mehltau, Gelbrost
Anfällig für: Fusarium, Blattseptoria
Sehr weit verbreiteter, ertragsstabiler A-Weizen mit hervorragender Standfestigkeit und ausgeglichener Blattgesundheit.
Julius
spätKonstant hohe Erträge auch auf trockeneren Standorten.
Resistent gegen: Mehltau, Braunrost
Anfällig für: DTR, Ährenfusarium
Ein bewährter Qualitätsweizen mit sehr guter Winterhärte und hoher Fallzahlstabilität, was die Lagerfähigkeit positiv beeinflusst.
KWS Emerald
mittelfrühSpitzenerträge in den offiziellen Leistungsprüfungen.
Resistent gegen: Gelbrost, Mehltau
Anfällig für: Braunrost, Ährenfusarium
Ertragsstarker B-Weizen mit exzellenter Strohstabilität und sehr guter Kornqualität für die Futter- und Mahlgetreideproduktion.
Asory
mittelfrühSehr hohes Ertragspotenzial bei stabiler Proteinkonzentration.
Resistent gegen: Gelbrost, Mehltau, Halmbruch
Anfällig für: Braunrost
Beliebter A-Weizen mit sehr breiter Blattgesundheit und hoher Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Bodenverhältnisse.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Alle Anwendungen ansehenHäufige Fragen
Wie überwachst du die Temperatur im Getreidelager am effektivsten?
Nutze fest installierte Messlanzen oder digitale Temperatursensoren, die in verschiedenen Tiefen des Getreigestapels platziert werden. Ein plötzlicher Temperaturanstieg (sogenannte 'Hotspots') deutet fast immer auf beginnenden Insektenbefall oder Schimmelbildung hin. Kontrolliere die Werte in den ersten Wochen nach der Einlagerung mindestens wöchentlich, um rechtzeitig lüften oder umlagern zu können.
Welche Kornfeuchte ist für eine langfristige Lagerung zwingend erforderlich?
Für eine sichere Lagerung über mehrere Monate muss die Kornfeuchte konstant unter 14 % liegen. Liegt der Wert darüber, steigt das Risiko für Schimmelpilzentwicklung und Selbsterhitzung drastisch an. Bei einer geplanten Lagerdauer von über einem Jahr solltest du sogar eine Zielfeuchte von 13 % anstreben, um jegliche Aktivität von Schaderregern zu minimieren.
Wie kannst du Nützlinge im Vorratsschutz sinnvoll einsetzen?
Gegen den Kornkäfer und andere Rüsselkäfer kannst du die Lagererzwespe (Lariophagus distinguendus) ausbringen. Diese parasitiert die Larven der Schädlinge im Inneren des Korns und unterbricht so deren Entwicklungszyklus. Der Einsatz ist besonders im ökologischen Landbau oder als präventive Maßnahme in schwer zugänglichen Flachlagern und Ecken sehr erfolgreich.
Wann ist eine Begasung des Lagers unumgänglich und was musst du beachten?
Eine Begasung (z. B. mit Phosphorwasserstoff) wird notwendig, wenn ein aktiver Befall mit Vorratsschädlingen tief im Getreidestapel festgestellt wird, der mechanisch nicht mehr beherrschbar ist. Beachte, dass Begasungen nur von zertifizierten Fachkräften unter strengen Sicherheitsauflagen und in absolut gasdichten Silos oder unter speziellen Planen durchgeführt werden dürfen, um eine ausreichende Gaskonzentration zu gewährleisten.
Wie findest du zugelassene Pflanzenschutzmittel für den Vorratsschutz auf unserer Plattform?
Nutze die Such- und Filterfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtere gezielt nach der Kultur 'Vorratslagerndes Getreide' oder der Anwendung 'Leerraumbehandlung'. Achte dabei genau auf die spezifischen Zulassungsauflagen, Aufwandmengen und die vorgeschriebene Wartezeit vor der Weiterverarbeitung des Getreides.
Welche Rolle spielt die Reinigung des Getreides vor der Einlagerung?
Eine gründliche Vorreinigung entfernt Schmachtkorn, Unkrautsamen, Strohteile und Staub aus der Partie. Dieser sogenannte Besatz behindert die Luftzirkulation bei der Belüftung und bildet bevorzugte Nist- und Nahrungsquellen für Schaderreger. Durch sauberes Getreide senkst du den Kühlenergiebedarf und das Risiko von Schädlingsnestern erheblich.