Aligal 2
Aligal 2 von Air Liquide ist ein hochspezialisiertes Pflanzenschutzmittel auf Basis von Kohlendioxid (999 g/kg), das primär im Vorratsschutz sowie zur Behandlung leerer Räume und Silos eingesetzt wird. Als verflüssigtes Gas unter Druck konzipiert, dient es der rückstandsfreien und biologisch verträglichen Bekämpfung von Schaderregern in gelagerten pflanzlichen Produkten. Es bietet eine hervorragende Alternative zu chemisch-synthetischen Begasungsmitteln.
Das Wirkungsspektrum umfasst ein breites Spektrum an vorratsschädlichen Insekten und Milben in allen Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Puppe, Adultus). Da Kohlendioxid rückstandsfrei flüchtig ist, eignet sich Aligal 2 besonders für sensible Bereiche wie die Verarbeitung von Bio-Erzeugnissen, Getreidelager und die Lebensmittelindustrie, wo chemische Rückstände strikt vermieden werden müssen.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die Wirkung von Aligal 2 basiert auf einem rein physikalisch-biochemischen Prinzip. Durch das Einbringen von Kohlendioxid in den Behandlungsraum wird der Luftsauerstoff verdrängt. Dieser akute Sauerstoffentzug (Anoxie) führt bei den Zielorganismen (Insekten und Milben) zu einer Unterbrechung der Zellatmung und schlussendlich zum Erstickungstod. Zusätzlich dringt das Gas aufgrund seines hohen Diffusionsvermögens tief in die Zwischenräume des Lagergutes sowie in Ritzen und Spalten von Gebäuden ein. Dadurch werden auch versteckt lebende Stadien der Schaderreger zuverlässig erfasst. Da es sich um einen physikalischen Wirkungsmechanismus handelt, gibt es keine spezifische HRAC/IRAC-Klassifizierung im klassischen Sinne, was das Mittel zu einem wertvollen Werkzeug im modernen Vorratsschutz macht.
Resistenzmanagement
Aufgrund des rein physikalischen Wirkungsmechanismus durch Sauerstoffentzug ist eine Resistenzentwicklung bei Schaderregern gegen Kohlendioxid praktisch ausgeschlossen. Aligal 2 eignet sich daher hervorragend für den Einsatz in integrierten Vorratsschutzkonzepten (IPM). Um den Bekämpfungserfolg langfristig zu sichern und Sekundärinfektionen zu vermeiden, sollte die Anwendung stets mit gründlichen Hygienemaßnahmen im Lager (wie einer mechanischen Reinigung vor der Einlagerung) und einer kontinuierlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsüberwachung kombiniert werden.
Mischbarkeit & Tankmischung
Da Aligal 2 als reines Gas in geschlossenen Systemen oder Begasungskammern angewendet wird, sind klassische Tankmischungen mit flüssigen Pflanzenschutzmitteln oder die Zugabe von Additiven weder möglich noch zulässig. Die Anwendung erfolgt stets als Solobehandlung. Für eine optimale Wirkung ist eine ausreichende Gasdichtigkeit des Behandlungsraumes (Silo, Kammer oder unter gasdichten Planen) zwingend erforderlich, um die notwendige Gaskonzentration über den gesamten Behandlungszeitraum stabil zu halten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Aligal 2 steht der Anwenderschutz im Vordergrund, da hohe Kohlendioxidkonzentrationen in der Luft für den Menschen lebensgefährlich sein können. Das Betreten behandelter Räume ist nur mit umluftunabhängigem Atemschutzgerät gestattet, und vor der Wiederbetretung muss eine gründliche Belüftung sowie eine Freigabemessung der CO2-Konzentration erfolgen. Da die Anwendung ausschließlich in geschlossenen Räumen stattfindet, besteht bei sachgemäßer Anwendung kein Risiko für Nichtzielorganismen wie Bienen, Regenwürmer oder aquatische Ökosysteme im Freiland.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Fetthaltige Samen | Milben | — | 800 LITER_PER_1000_LITER_WATER | — |
| Fetthaltige Samen | Insekten | — | 800 LITER_PER_1000_LITER_WATER | — |
| Vorratslagerndes Getreide | Insekten | — | 800 LITER_PER_1000_LITER_WATER | — |
| Vorratslagerndes Getreide | Milben | — | 800 LITER_PER_1000_LITER_WATER | — |
Häufige Fragen
Wie lange muss die Mindesteinwirkzeit bei einer Behandlung mit Aligal 2 sein?
Die erforderliche Einwirkzeit hängt stark von der Temperatur des Lagergutes und der Zielart ab. Da Insekten bei niedrigeren Temperaturen einen verlangsamten Stoffwechsel haben, verlängert sich die Behandlungsdauer bei Kälte deutlich. In der Praxis sind oft mehrere Tage bis Wochen notwendig, um auch die widerstandsfähigen Eistadien sicher abzutöten.
Kann Aligal 2 auch in nicht vollständig gasdichten Silos angewendet werden?
Nein, eine hohe Gasdichtigkeit des Behandlungsraums ist essenziell für den Bekämpfungserfolg. Entweicht das Gas vorzeitig, sinkt die CO2-Konzentration unter den kritischen Schwellenwert, wodurch Schaderreger (insbesondere Eier und Puppen) überleben können. Bei undichten Silos muss das Lagergut vor der Begasung unter speziellen, gasdichten Folien eingehaust werden.
Welche Rolle spielt die Temperatur des Lagerguts bei der CO2-Begasung?
Die Temperatur ist ein entscheidender Faktor für die Wirksamkeit. Bei Temperaturen unter 15 °C verlangsamt sich der Stoffwechsel der Schädlinge, was die Abtötungszeit verlängert. Unterhalb von 10 °C wird eine Begasung mit CO2 zunehmend ineffizient, weshalb Behandlungen idealerweise bei wärmeren Lagertemperaturen durchgeführt werden sollten.
Gibt es Einschränkungen bezüglich der Keimfähigkeit von Saatgut nach der Behandlung?
Bei sachgemäßer Anwendung von Aligal 2 unter Einhaltung der empfohlenen Einwirkzeiten und Feuchtigkeitsgrenzen des Getreides wird die Keimfähigkeit von Saatgut in der Regel nicht beeinträchtigt. Dies macht das Verfahren besonders attraktiv für die Behandlung von Vermehrungsmaterial.
Wie wird sichergestellt, dass nach der Begasung keine Gefahr für Mitarbeiter besteht?
Nach Abschluss der Einwirkzeit muss der Raum intensiv belüftet werden. Ein Betreten ohne Atemschutz ist erst dann zulässig, wenn durch eine qualifizierte Messung (CO2-Warngerät) nachgewiesen wurde, dass die Gaskonzentration wieder auf das Niveau der natürlichen Umgebungsluft abgesunken ist.
Ist Aligal 2 für die Behandlung von Bio-Produkten zugelassen?
Ja, da Kohlendioxid ein natürlicher Bestandteil der Luft ist und keinerlei chemische Rückstände auf dem Erntegut hinterlässt, ist die CO2-Begasung ein im ökologischen Landbau weit verbreitetes und anerkanntes Verfahren zur Schädlingsregulierung im Vorratsschutz.