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Kultur

Weißer Meerkohl

Crambe maritima
CRMMA

Meerkohl (Crambe maritima, EPPO-Code: `CRMMA`) ist eine ausdauernde, tiefwurzelnde Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), die traditionell an den Küsten West- und Nordeuropas heimisch ist. In der landwirtschaftlichen Nischenproduktion wird die Kultur vor allem wegen ihrer zarten, im Frühjahr gebleichten Blattstiele geschätzt, die geschmacklich an Spargel und Kohl erinnern. Da es sich um eine mehrjährige Kultur handelt, erfordert der Anbau eine langfristige Flächennutzung und eine sorgfältige Etablierung im ersten Standjahr.

Die Kultur zeichnet sich durch eine hohe Toleranz gegenüber Salz- und Windbelastungen aus, weshalb sie sich hervorragend für küstennahe Standorte eignet. Im professionellen Anbau wird Meerkohl meist über Wurzelschnittlinge (Fechser) oder Aussaat vermehrt, wobei die Ernte der gebleichten Triebe erst ab dem zweiten oder dritten Standjahr erfolgt, um die Vitalität der Bestände nicht zu gefährden.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Aussaat) oder November bis März (Pflanzung von Fechsern)
Erntefenster
März bis Mai
Reihenabstand
60–80 cm
Typischer Ertrag
3,0–5,0 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1800–1900 °C
Boden-pH
6,5–7,5

Bodenmanagement

Meerkohl bevorzugt tiefgründige, gut durchlässige und nährstoffreiche Sand- oder sandige Lehmböden mit einer guten Kalkversorgung. Da die Kultur sehr tief wurzelt, sind verdichtete Unterböden unbedingt zu vermeiden, weshalb vor der Anlage des Beetes eine tiefe Bodenlockerung durchgeführt werden sollte. Eine organische Grunddüngung mit gut verrottetem Stallmist oder Kompost im Herbst fördert die Bodenstruktur und sichert die kontinuierliche Nährstoffverfügbarkeit. Aufgrund der natürlichen Anpassung an maritime Standorte reagiert die Kultur positiv auf moderate Natriumchlorid-Gaben, was in der Praxis durch gezielte Düngung genutzt werden kann. Während der Hauptwachstumsphase im Sommer ist auf eine gleichmäßige Wasserversorgung zu achten, um die Ausbildung kräftiger Speicherwurzeln für das Folgejahr zu unterstützen.

Schaderreger-Management

Als Kreuzblütler teilt der Meerkohl das Schaderreger-Spektrum mit anderen Kohlarten, weshalb weite Fruchtfolgen zu anderen Brassicaceen zwingend einzuhalten sind. Zu den wichtigsten tierischen Schädlingen gehören der Erdfloh, die Kohlfliege sowie die Kohlschabe, die insbesondere in der Etablierungsphase der Jungpflanzen überwacht werden müssen. Pilzliche Schaderreger wie Botrytis cinerea (Grauschimmel) können bei feucht-warmer Witterung die dichten Blattrosetten oder die gebleichten Triebe unter den Abdeckungen infizieren. Ein vorbeugender Pflanzenschutz basiert auf einer weiten Standraumzumessung zur schnellen Abtrocknung der Bestände sowie dem konsequenten Entfernen von Pflanzenresten nach der Ernte. Da für diese Nischenkultur nur wenige Pflanzenschutzmittel offiziell zugelassen sind, müssen Erzeuger verstärkt auf mechanische Unkrautregulierung und biologische Maßnahmen setzen.

Sorten

Lily White

Früh bis Mittelfrüh

Sehr ertragreich und bewährt für die Treiberei.

Anfällig für: Botrytis cinerea

Die am weitesten verbreitete Sorte im professionellen Anbau. Zeichnet sich durch besonders gleichmäßige, rein weiße Triebe aus, die beim Bleichen kaum Bitterstoffe entwickeln.

Angers

Mittelfrüh

Hohes Ertragspotenzial ab dem dritten Standjahr.

Anfällig für: Kohlhernie

Eine traditionelle, sehr wüchsige Selektion mit breiten Blättern und kräftigen Trieben. Hervorragend geeignet für den mehrjährigen Freilandanbau.

Ivory White

Früh

Gute Früherträge unter Vlies oder Folie.

Anfällig für: Botrytis cinerea, Staunässe

Frühe Sorte mit elfenbeinfarbenen Trieben und feinem, nussigem Aroma. Benötigt einen sehr gut drainierten Standort.

Red-tipped

Spät

Konstanter, aber etwas späterer Ertrag.

Resistent gegen: Frost

Robuste Landsorte mit rötlich überhauchten Blattspitzen vor dem Bleichen. Sehr winterhart und widerstandsfähig gegen raue Witterung.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie wird der Bleichprozess (Forcing) im professionellen Meerkohlanbau zeitlich gesteuert?

Der Bleichprozess beginnt im Spätwinter (meist ab Februar), indem lichtundurchlässige Bleichtöpfe, schwarze Eimer oder spezielle lichtdichte Folientunnel über die schlafenden Knospen gestülpt werden. Die Ernte erfolgt, sobald die Triebe eine Länge von 15–25 cm erreicht haben, noch bevor sich die Blätter entfalten. Nach der Ernte im Mai müssen die Abdeckungen sofort entfernt werden, damit die Kultur über den Sommer hinweg durch Photosynthese neue Reservestoffe in den Wurzeln einlagern kann.

Welche Fruchtfolge-Einschränkungen müssen beim Anbau von Meerkohl beachtet werden?

Da Crambe maritima zur Familie der Brassicaceae gehört, muss eine strikte Anbaupause von mindestens 4–5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern (wie Raps, Kohl oder Senf) eingehalten werden. Dies ist entscheidend, um die Verschleppung von bodenbürtigen Schaderregern wie der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) zu verhindern, die einmal im Boden etabliert, den mehrjährigen Anbau unmöglich macht.

Wie finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel für Meerkohl, da es sich um eine Nischenkultur handelt?

Da Meerkohl als Lückenindikation (Minor Use) eingestuft ist, sind nur sehr wenige Pflanzenschutzmittel direkt zugelassen. Nutzen Sie die Datenbank des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oder suchen Sie in unserem Hub gezielt nach Anwendungen mit dem Filter für Sonderkulturen oder Artikel-51-Genehmigungen (Notfallzulassungen), um aktuelle Indikationen für Crambe maritima einzusehen.

Warum ist die Regulierung von Grauschimmel (Botrytis cinerea) während des Bleichens besonders kritisch?

Unter den Bleichabdeckungen herrscht ein feucht-warmes Mikroklima mit stehender Luft, was die Infektion durch Botrytis cinerea massiv begünstigt. Da infizierte Triebe unverkäuflich sind, müssen die Abdeckungen regelmäßig gelüftet und Kondenswasserbildung minimiert werden. Eine vorbeugende Hygiene, wie das Entfernen aller abgestorbenen Blätter des Vorjahres vor dem Abdecken, ist die effektivste Gegenmaßnahme.

Welche Rolle spielt das BBCH-Stadium bei der Stickstoffdüngung von Meerkohl?

Die Hauptstickstoffgabe sollte nicht im frühen Frühjahr zum Austrieb (BBCH 0–1) erfolgen, da dies die Gewebequalität der gebleichten Triebe schwächt, sondern direkt nach dem Ende der Erntezeit (BBCH 4), wenn die Abdeckungen entfernt werden. In dieser Phase benötigt die Kultur ausreichend Nährstoffe, um eine kräftige Blattrosette aufzubauen und die Speicherorgane für das nächste Jahr zu füllen.