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Kultur

Weißer Meerkohl

Crambe maritima
CRMMA

Meerkohl (Crambe maritima, EPPO-Code: CRMMA), auch als Weißer Meerkohl bekannt, ist eine ausdauernde, salztolerante Kultur aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Historisch an den europäischen Küsten beheimatet, gewinnt diese Spezialität im exklusiven Gemüsebau zunehmend an Bedeutung. Genutzt werden vor allem die im zeitigen Frühjahr unter Lichtentzug gebleichten, zarten Blattstiele, die geschmacklich an Spargel und Brokkoli erinnern.

Die Kultur ist extrem winterhart und kann über mehrere Jahre am selben Standort verbleiben. Da es sich um eine Nischendisziplin handelt, erfordert der Anbau präzise pflanzenbauliche Kenntnisse, insbesondere beim Bleichprozess (Forcing) im Feld oder in Treibräumen. Die Etablierung erfolgt meist über Wurzelschnittlinge (Fechser), da die generative Vermehrung über Saatgut aufgrund von Keimhemmungen ungleichmäßig verläuft.

Aus phytosanitärer Sicht teilt Crambe maritima viele Schaderreger mit anderen Brassicaceen, zeigt sich jedoch insgesamt robuster. Dennoch können Pilzinfektionen wie Botrytis cinerea unter den feucht-warmen Bedingungen der Bleichabdeckungen erhebliche Schäden anrichten. Ein integriertes Pflanzenschutzmanagement ist daher für den wirtschaftlichen Erfolg unerlässlich.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
März bis April (Vorkultur) oder April bis Mai (Direktsaat)
Erntefenster
März bis Mai (Bleichphase ab dem 2. Standjahr)
Reihenabstand
60–80 cm
Typischer Ertrag
0,8–1,5 kg/m² (gebleichte Triebe)
Wärmesumme (GDD)
2500
Boden-pH
6,5–7,5

Bodenmanagement

Meerkohl bevorzugt tiefgründige, gut durchlässige und sandig-lehmige Böden mit einem hohen Humusgehalt, um Staunässe konsequent zu vermeiden. Als ursprüngliche Küstenkultur besitzt die Kultur eine ausgeprägte Salztoleranz, reagiert jedoch empfindlich auf Bodenverdichtungen, die das Wurzelwachstum hemmen. Vor der Pflanzung solltest du eine organische Grunddüngung mit reifem Kompost oder Stallmist einarbeiten, um die Nährstoffversorgung für die mehrjährige Standzeit zu sichern. Der optimale pH-Wert liegt im neutralen bis leicht alkalischen Bereich; saure Böden müssen im Vorfeld aufgekalkt werden, um das Risiko von Kohlhernie zu minimieren. Während der Hauptwachstumsphase im Sommer ist eine gleichmäßige Wasserversorgung wichtig, damit die Kultur kräftige Speicherwurzeln für den Austrieb im Folgejahr ausbilden kann.

Schaderreger-Management

Aufgrund der Verwandtschaft zu den Kohlgewächsen musst du auf typische Schaderreger der Brassicaceen achten, wobei Kohlhernie und die Kleine Kohlfliege die größten Risiken darstellen. Besonders kritisch ist der Befall mit Botrytis cinerea während der Bleichphase unter den Abdeckhauben, da das dort herrschende Mikroklima Pilzinfektionen stark begünstigt. Um Fäulnis vorzubeugen, müssen die Bleichtöpfe oder Folientunnel regelmäßig gelüftet und befallene Triebe sofort hygienisch entfernt werden. Da für diese Nischenkultur nur wenige Pflanzenschutzmittel regulär zugelassen sind, solltest du verstärkt auf vorbeugende Maßnahmen wie weite Fruchtfolgen zu anderen Kreuzblütlern und mechanische Unkrautregulierung setzen. Bei akutem Handlungsbedarf empfiehlt sich die Prüfung von Genehmigungen für Anwendungen im Rahmen der Lückenindikation.

Sorten

Lily White

Früh

Sehr ertragreich und bewährt für die Treiberei.

Anfällig für: Botrytis, Kohlhernie

Der absolute Standard im Erwerbsanbau. Zeichnet sich durch besonders gleichmäßige, reinweiße Triebe mit hervorragender Textur aus.

Angers

Mittelspät

Hoher Ertrag an Biomasse, ideal für den Freilandanbau.

Anfällig für: Botrytis

Traditionelle französische Selektion mit starkem Wuchs und breiten, kräftigen Blattstielen.

Ivory White

Früh bis mittel

Mittlerer bis hoher Ertrag von Premium-Qualität.

Anfällig für: Botrytis, Echter Mehltau

Sehr feine, elfenbeinfarbene Triebe mit mildem, nussigem Aroma. Weniger faserig als andere Herkünfte.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie funktioniert das Bleichen (Forcing) von Meerkohl im professionellen Anbau?

Das Bleichen erfolgt im zeitigen Frühjahr vor dem natürlichen Austrieb. Du stülpst lichtundurchlässige Bleichtöpfe, Eimer oder schwarze Thermofolien über die schlafenden Knospen im Feld. Durch den Lichtentzug bilden die Kulturen keine Chlorophyllpigmente, wodurch die Triebe zart, weiß und mild im Geschmack bleiben. Sobald die Triebe eine Länge von etwa 15–20 cm erreicht haben, schneidest du sie knapp über dem Boden ab.

Warum ist die Vermehrung über Wurzelschnittlinge (Fechser) der Aussaat vorzuziehen?

Saatgut von Crambe maritima besitzt eine harte Schale und keimt oft sehr ungleichmäßig über viele Wochen hinweg. Die Vermehrung über Wurzelschnittlinge (Fechser), die im Spätherbst von gesunden Mutterpflanzen geschnitten werden, garantiert einen homogenen Feldbestand und spart ein ganzes Anbaujahr. Diese ca. 10–15 cm langen Wurzelstücke treiben im Frühjahr zuverlässig aus und etablieren sich deutlich schneller als Sämlinge.

Wie viele Jahre kann eine Meerkohl-Anlage wirtschaftlich genutzt werden?

Eine gut gepflegte Anlage kann 5 bis 7 Jahre, manchmal sogar bis zu 10 Jahre wirtschaftlich genutzt werden. Im ersten Standjahr darfst du noch keine Ernte durchführen, damit die Kultur ausreichend Reservestoffe in der Pfahlwurzel einlagern kann. Ab dem zweiten Standjahr erfolgt eine kurze Erntephase, und ab dem dritten Jahr kannst du die volle Erntezeit von ca. 6–8 Wochen pro Frühjahr ausschöpfen.

Wie beuge ich Botrytis-Fäulnis während der Bleichphase unter den Abdeckungen vor?

Unter den Bleichhauben entsteht schnell ein feucht-warmes Mikroklima, das Botrytis cinerea begünstigt. Achte darauf, die Abdeckungen nur bei trockenem Wetter aufzusetzen und den Boden vorher von abgestorbenen Pflanzenresten des Vorjahres zu säubern. Eine mäßige Belüftung an frostfreien Tagen und das Vermeiden von Staunässe im Wurzelbereich sind die effektivsten vorbeugenden Maßnahmen, da chemische Pflanzenschutzmittel unter den Hauben kaum anwendbar sind.

Wo finde ich zugelassene Pflanzenschutzmittel für Meerkohl, da es sich um eine Nischenkultur handelt?

Da Meerkohl eine Sonderkultur ist, gibt es kaum direkt zugelassene Pflanzenschutzmittel. Du musst dich im nationalen Pflanzenschutzregister (z. B. beim BVL in Deutschland) nach Genehmigungen für Anwendungen im Rahmen der Lückenindikation nach Artikel 51 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 umsehen. Oft sind Mittel, die für andere Kohlgemüse zugelassen sind, über diese Sonderregelungen auch für Meerkohl nutzbar.