Berelex 40 SG
Berelex 40 SG von Sumitomo Chemical ist ein hochkonzentriertes, wasserlösliches Granulat (SG), das als Pflanzenwachstumsregulator im professionellen Wein- und Gemüsebau eingesetzt wird. Der Wirkstoff basiert auf Gibberellinsäure (GA3), einem natürlichen Pflanzenhormon, das gezielt physiologische Prozesse steuert. Im Weinbau dient das Pflanzenschutzmittel primär der Strukturverbesserung der Trauben, während es im Gemüsebau, beispielsweise bei Schnittlauch, das vegetative Wachstum gezielt anregt.
Die Formulierung als wasserlösliches Granulat garantiert eine schnelle und rückstandsfreie Löslichkeit im Spritztank sowie eine präzise Dosierbarkeit. Durch den gezielten Eingriff in den Hormonhaushalt der Kulturen ermöglicht Berelex 40 SG eine Steuerung der Ertrags- und Qualitätsmerkmale, die mit klassischen Pflanzenschutzmitteln nicht erreicht werden kann.
Zu den Hauptanwendungsgebieten gehören die Lockerung des Traubenstielgerüstes zur Vermeidung von Kompaktheit und Folgeinfektionen (wie Botrytis) im Weinbau sowie die Förderung des Trieblängenwachstums in ausgewählten Gemüsekulturen. Dies macht das Produkt zu einem unverzichtbaren Werkzeug für ein modernes, qualitätsorientiertes Kulturmanagement.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Gibberellinsäure (GA3) ist ein natürliches Phytohormon, das in Kulturen das Zellstreckungswachstum (Zellelongation) sowie die Zellteilung reguliert. Nach der Aufnahme über die grünen Pflanzenteile wird der Wirkstoff translokal transportiert und imitiert die pflanzeneigenen Wachstumssignale. Dies führt im Weinbau zu einer Streckung der Internodien des Stielgerüstes, wodurch die Traube lockerer strukturiert wird und die einzelnen Beeren mehr Platz zur Entwicklung haben. Im Gemüsebau stimuliert die exogene Zufuhr von Gibberellinsäure das Längenwachstum der Triebe und Blätter, was insbesondere bei Schnittlauch zu einem beschleunigten Aufwuchs und einer homogeneren Ernte führt. Da es sich um einen Wachstumsregulator und nicht um ein klassisches Fungizid oder Insektizid handelt, erfolgt keine Einstufung in die klassischen HRAC-, IRAC- oder FRAC-Klassen; die Wirkung basiert rein auf der Modulation der pflanzlichen Entwicklungsphysiologie.
Resistenzmanagement
Da es sich bei Gibberellinsäure um ein natürliches Pflanzenhormon handelt, besteht kein Risiko einer klassischen Resistenzentwicklung bei Schaderregern. Ein Resistenzmanagement im herkömmlichen Sinne ist daher nicht erforderlich. Um jedoch unerwünschte physiologische Effekte oder eine Schwächung der Kultur durch übermäßiges Wachstum zu vermeiden, müssen die vorgegebenen Aufwandmengen und das BBCH-Stadium exakt eingehalten werden. Der Einsatz sollte stets in ein ausgewogenes Kulturführungskonzept integriert werden, das auch eine bedarfsgerechte Nährstoff- und Wasserversorgung berücksichtigt.
Mischbarkeit & Tankmischung
Berelex 40 SG zeichnet sich durch eine gute physikalische Mischbarkeit aus. Dennoch wird empfohlen, Mischungen mit stark alkalischen Produkten oder kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden, da diese die Stabilität und Wirksamkeit der Gibberellinsäure beeinträchtigen können. Die Wasserqualität spielt eine entscheidende Rolle: Ein leicht saurer bis neutraler pH-Wert des Spritzwassers (pH 5,5 bis 6,5) optimiert die Aufnahme des Wirkstoffs. Bei Tankmischungen ist stets die Reihenfolge des Einmischens zu beachten, wobei Berelex 40 SG als SG-Formulierung zuerst vollständig im Tank gelöst werden sollte.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Als naturnaher Wirkstoff weist Gibberellinsäure ein günstiges ökotoxikologisches Profil auf. Berelex 40 SG ist als nicht bienengefährlich eingestuft (B4) und schont wichtige Nützlinge sowie Bodenorganismen wie Regenwürmer. Dennoch sind beim Umgang mit dem Konzentrat die üblichen persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) wie Schutzhandschuhe und Schutzbrille zu tragen, um Haut- und Augenkontakt zu vermeiden. Gewässerabstände und Anwendungsbestimmungen zum Schutz von Oberflächengewässern sind gemäß den nationalen Zulassungsauflagen (BVL) strikt einzuhalten.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Dendranthema x grandiflorum (Chrysanthemum-indicum-Hybriden) | Förderung des Trieblängenwachstums | 0–19 | 37.5 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Weinrebe | Lockerung des Traubenstielgerüstes | 62–68 | 50 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung im Weinbau zur Lockerung des Traubenstielgerüstes?
Der optimale Anwendungszeitpunkt liegt in den BBCH-Stadien der Blüte (meist BBCH 57 bis 68). Eine zu frühe oder zu späte Behandlung kann entweder zu einer unzureichenden Streckung oder zu unerwünschten Verrieselungseffekten führen. Die genaue Terminierung sollte sich nach der Rebsorte und den lokalen Witterungsbedingungen richten.
Wie beeinflusst die Temperatur die Wirkung von Berelex 40 SG nach der Applikation?
Da es sich um einen physiologischen Wirkstoff handelt, ist die Aufnahme und Wirkung stark temperaturabhängig. Optimale Bedingungen liegen bei milden Temperaturen zwischen 15 °C und 25 °C und hoher Luftfeuchtigkeit (z. B. in den Morgenstunden). Vermeiden Sie Anwendungen bei extremer Hitze oder starker Sonneneinstrahlung, da der Wirkstoff dann zu schnell eintrocknet und nicht ausreichend aufgenommen wird.
Warum ist die Regulierung des pH-Werts der Spritzbrühe bei diesem Produkt so wichtig?
Gibberellinsäure ist in alkalischem Milieu instabil und baut sich schnell ab. Um die volle biologische Wirksamkeit zu gewährleisten, sollte der pH-Wert des Spritzwassers im leicht sauren Bereich (pH 5,5 bis 6,5) liegen. Bei hartem oder alkalischem Wasser empfiehlt sich der Zusatz eines geeigneten pH-Puffers oder Säureregulators vor der Zugabe des Produkts.
Kann Berelex 40 SG auch zur Ertragssteigerung in anderen als den zugelassenen Kulturen eingesetzt werden?
Nein, in Deutschland darf das Pflanzenschutzmittel gemäß BVL-Zulassung ausschließlich in den registrierten Kulturen (wie Weinrebe und Schnittlauch) und für die spezifisch ausgewiesenen Zwecke angewendet werden. Jede Anwendung in anderen Kulturen ist rechtlich unzulässig und kann zudem unvorhersehbare phytotoxische Schäden verursachen.
Welche Rolle spielt die Wassermenge bei der Applikation von Berelex 40 SG?
Eine gleichmäßige und vollständige Benetzung der Zielflächen (z. B. der Gescheine im Weinbau) ist entscheidend, da Gibberellinsäure primär lokal wirkt und nur begrenzt in der Pflanze transportiert wird. Die Wassermenge sollte so gewählt werden, dass eine tropfnasse Benetzung erzielt wird, ohne dass die Spritzbrühe von den Pflanzenteilen abläuft.
Gibt es eine Wartezeit, die vor der Ernte eingehalten werden muss?
Die spezifische Wartezeit (Frist zwischen letzter Anwendung und Ernte) ist durch die Zulassungsbehörde (BVL) festgesetzt. Da die Behandlungen im Weinbau sehr früh in der Saison (während der Blüte) stattfinden, ist die Wartezeit in der Regel durch die verbleibende Vegetationszeit bis zur Ernte abgedeckt (oft als 'F' ausgewiesen).