Weinrebe
Der edle Weinstock (Vitis vinifera, EPPO-Code: VITVI) gehört zu den ältesten und wirtschaftlich bedeutendsten Kulturen weltweit und prägt seit Jahrtausenden die landwirtschaftliche Nutzung in den klimatisch begünstigten Regionen Mitteleuropas. Als mehrjährige Holzpflanze stellt die Kultur hohe Ansprüche an das Mikroklima, die Hanglage und die Bodenbeschaffenheit, um qualitativ hochwertige Erträge für die Weinbereitung oder den Tafeltraubenanbau zu liefern.
Die phänologische Entwicklung der Rebe wird maßgeblich durch die Temperatursummen im Frühjahr und Sommer gesteuert. Ein präzises Monitoring der BBCH-Stadien ist im modernen Weinbau unerlässlich, um weinbauliche Maßnahmen wie den Rebschnitt, die Laubarbeit und den gezielten, bedarfsgerechten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln optimal auf die Phänologie abzustimmen.
Bodenmanagement
Die Bodenpflege im Weinbau zielt auf den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, die Erosionsminderung und die Regulierung des Wasserhaushalts ab. In mitteleuropäischen Steillagen ist eine dauerhafte oder zeitweise Begrünung der Gassen etabliert, um Abschwemmungen zu verhindern und Humus aufzubauen. Eine mechanische Bodenbearbeitung erfolgt meist im Unterstockbereich, um die Konkurrenz durch Beikräuter zu minimieren. Die Düngung muss präzise auf Basis von Boden- und Blattanalysen erfolgen, wobei insbesondere auf eine ausgewogene Versorgung mit Stickstoff, Kalium und Magnesium zu achten ist. Eine übermäßige Stickstoffzufuhr ist zu vermeiden, da sie das vegetative Wachstum fördert und die Anfälligkeit für Schaderreger erhöht.
Schaderreger-Management
Der Pflanzenschutz in dieser Kultur erfordert eine strategische Kombination aus vorbeugenden kulturtechnischen Maßnahmen und dem gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Zu den wichtigsten pilzlichen Schaderregern gehören der Echte Mehltau und der Falsche Mehltau, deren Regulierung eine lückenlose Spritzfolge in den kritischen BBCH-Stadien erfordert. Gegen die Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea) helfen vor allem vorbeugende Maßnahmen wie eine gezielte Entblätterung der Traubenzone zur Förderung einer schnellen Abtrocknung. Tierische Schädlinge wie der Einbindige und Bekreuzte Traubenwickler werden häufig biologisch mittels Verwirrungstechnik reguliert. Alle Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln müssen unter strenger Beachtung der Wartezeiten und des Resistenzmanagements durchgeführt werden.
Sorten
Riesling
SpätMittel (ca. 70–90 hl/ha)
Resistent gegen: Winterfrost
Anfällig für: Echter Mehltau, Falscher Mehltau, Botrytis cinerea, Stiellähme
Die wichtigste weiße Rebsorte in Deutschland. Stellt hohe Ansprüche an die Lage, liefert feinfruchtige, säurereiche Weine mit exzellenter Lagerfähigkeit.
Spätburgunder
MittelspätMittel (ca. 60–80 hl/ha)
Anfällig für: Botrytis cinerea, Echter Mehltau, Falscher Mehltau, Kirschessigfliege
Bedeutendste rote Rebsorte in Deutschland (Pinot Noir). Bevorzugt kalkhaltige Böden und warme Lagen für dichte, komplexe Rotweine.
Müller-Thurgau
Früh bis mittelHoch (ca. 90–110 hl/ha)
Anfällig für: Falscher Mehltau, Echter Mehltau, Botrytis cinerea, Phomopsis
Auch als Rivaner bekannt. Liefert unkomplizierte, süffige Weine und stellt geringere Lageansprüche als der Riesling.
Grauburgunder
MittelspätMittel bis hoch (ca. 80–100 hl/ha)
Anfällig für: Botrytis cinerea, Echter Mehltau
Kräftige weiße Rebsorte (Pinot Gris), die dichte, extraktreiche Weine liefert. Sehr kompakte Traubenstruktur erhöht das Fäulnisrisiko.
Regent
Früh bis mittelMittel (ca. 75–95 hl/ha)
Resistent gegen: Echter Mehltau, Falscher Mehltau
Anfällig für: Botrytis cinerea, Schwarzfäule
Erfolgreiche rote PIWI-Sorte (pilzwiderstandsfähig) mit hoher Farbkraft, die einen deutlich reduzierten Pflanzenschutzaufwand ermöglicht.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie beeinflusst das BBCH-Stadium die Terminierung von Pflanzenschutzmaßnahmen gegen den Falschen Mehltau?
Die kritischste Phase für Infektionen durch den Falschen Mehltau (Plasmopara viticola) liegt zwischen dem Gescheinsaustritt (BBCH 53) und dem Traubenschluss (BBCH 79). In diesem Zeitraum müssen die Behandlungen in engen Abständen von meist 8 bis 12 Tagen erfolgen, da die jungen, rasch wachsenden Gescheine und Beeren extrem empfindlich sind und der Wirkstoffbelag durch den schnellen Zuwachs rasch verdünnt wird.
Welche Rolle spielt die Verwirrungstechnik im modernen Weinbau und wie wird sie angewendet?
Die Verwirrungstechnik ist eine biotechnische Methode zur Regulierung des Traubenwicklers (Lobesia botrana und Eupoecilia ambiguella). Vor dem Flug der ersten Faltergeneration (meist im April, BBCH 09–11) werden flächendeckend Pheromondispenser im Weinberg ausgehängt. Diese sättigen die Luft mit dem weiblichen Sexuallockstoff, sodass die Männchen die Weibchen nicht finden, was die Paarung und somit den nachfolgenden Raupenfraß effektiv verhindert.
Wie lässt sich das Risiko von Botrytis-Infektionen durch weinbauliche Maßnahmen vor der Ernte minimieren?
Neben dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist die mechanische oder manuelle Entblätterung der Traubenzone um die Blüte herum (BBCH 65–69) die wirksamste Maßnahme. Sie sorgt für eine schnelle Abtrocknung der Trauben nach Regenfällen und härtet die Beerenhaut ab. Zudem verringert das vorsichtige Halbieren von kompakten Trauben oder der Einsatz von Wachstumsregulatoren zur Lockerung des Traubengerüsts das gegenseitige Abquetschen der Beeren.
Warum ist die Wahl der Unterlage bei der Neuanlage einer Rebanlage von so zentraler Bedeutung?
Da europäische Rebsorten extrem anfällig für die Reblaus (Daktulosphaira vitifoliae) an den Wurzeln sind, müssen sie auf resistente amerikanische Unterlagen (z. B. SO4, 5 BB, Börner) gepropft werden. Die Wahl der Unterlage bestimmt zudem die Kalkverträglichkeit, die Wuchsstärke der Kultur, die Trockenheitsresistenz und die Anpassung an unterschiedliche Bodentypen des Standorts.
Wie wird eine Herbizidresistenz im Unterstockbereich von Weinbergen effektiv verhindert?
Um Resistenzen bei Unkräutern wie der Gemeinen Quecke (Elymus repens) zu vermeiden, sollte der chemische Herbizideinsatz im Unterstockbereich minimiert und durch mechanische Verfahren wie Rollhacken, Scheibenpflüge oder Fadenmäher ersetzt oder ergänzt werden. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist zwingend ein Wirkstoffklassenwechsel (HRAC-Gruppen) einzuhalten und die Anwendung auf das absolut notwendige Maß zu beschränken.
Wie finde ich im Portal zugelassene Pflanzenschutzmittel für spezifische Indikationen im Weinbau?
Nutzen Sie die Such- und Filterfunktion im Hub, um gezielt nach der Kultur "Weinrebe" (oder dem EPPO-Code VITVI) und dem entsprechenden Schaderreger (z. B. Botrytis cinerea) zu filtern. Das System listet Ihnen alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der zugelassenen Aufwandmengen, maximalen Anwendungen pro Saison, BBCH-Anwendungsfenster und der gesetzlichen Wartezeiten auf.