Bokator
Bokator ist ein hochwirksames, flüssiges Herbizid (Suspensionskonzentrat, SC), das speziell für den Einsatz im Vorauflaufverfahren entwickelt wurde. Mit der bewährten Wirkstoffkombination aus Aclonifen und Diflufenican bietet dieses Pflanzenschutzmittel eine breite und nachhaltige Wirkung gegen wirtschaftlich bedeutende Unkräuter und Ungräser. Es ist in wichtigen landwirtschaftlichen Kulturen wie Kartoffeln (SOLTU) und Sonnenblumen (HELAN) zugelassen.
Das Wirkungsspektrum umfasst einjährige zweikeimblättrige Unkräuter sowie die Hühnerhirse. Durch die Kombination zweier komplementärer Wirkstoffe wird eine hervorragende Bodenwirkung erzielt, die auflaufende Schaderreger bereits im Keimblattstadium erfasst. Dies sichert den Kulturen einen unkrautfreien Start und minimiert die frühe Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die biologische Aktivität von Bokator basiert auf zwei unterschiedlichen Wirkungsmechanismen. Aclonifen gehört zur HRAC-Gruppe 14 (E) und wirkt als Protoporphyrinogen-Oxidase-Inhibitor (PPO). Es wird hauptsächlich über die Keimblätter und den Spross der keimenden Unkräuter aufgenommen. Unter Lichteinfluss führt dies zu einer schnellen Zerstörung der Zellmembranen, was sich in typischen Chlorosen und Nekrosen äußert. Diflufenican ergänzt diese Wirkung als Inhibitor der Phytoen-Desaturase (PDS, HRAC-Gruppe 12 / F1). Dieser Wirkstoff stört die Biosynthese von Carotinoiden, die für den Schutz des Chlorophylls vor Photooxidation essenziell sind. Die Kombination beider Wirkstoffe führt zu einem synergistischen Bleicheffekt (Bleaching) und sorgt für eine langanhaltende Depotwirkung auf der Bodenoberfläche, da beide Substanzen eine geringe Mobilität im Boden aufweisen.
Resistenzmanagement
Um einer Resistenzbildung wirksam vorzubeugen, nutzt Bokator die Kombination zweier unterschiedlicher HRAC-Klassen (Gruppe 14 und 12). Für ein nachhaltiges Resistenzmanagement sollte dieses Pflanzenschutzmittel im Rahmen einer weiten Fruchtfolge eingesetzt werden, bei der Wirkstoffe mit anderen Wirkungsmechanismen in den Folgekulturen abgewechselt werden. Ein wiederholter, alleiniger Einsatz von PPO- oder PDS-Inhibitoren auf derselben Fläche ist zu vermeiden, um die Selektion resistenter Biotypen, insbesondere bei der Hühnerhirse, zu verhindern.
Mischbarkeit & Tankmischung
Bokator zeichnet sich durch eine gute physikalische Mischbarkeit mit gängigen Vorauflaufherbiziden und Bodenhilfsstoffen aus. Bei Tankmischungen ist auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge (mindestens 200 bis 400 l/ha) zu achten, um einen gleichmäßigen Spritzfilm auf dem gut abgesetzten, feinkrümeligen Saatbett zu erzielen. Die Zugabe von speziellen Bodenhaftmitteln kann die Verteilung und Stabilität des Herbizidfilms auf der Bodenoberfläche bei Trockenheit verbessern. Vor der großflächigen Anwendung wird stets ein Mischungstest in einem kleineren Gefäß empfohlen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Bokator ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzanzug und Schutzhandschuhen, zu tragen. Da die Wirkstoffe Aclonifen und Diflufenican eine hohe Toxizität gegenüber aquatischen Organismen aufweisen, sind die gesetzlichen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und die Vorgaben zur Abdriftminderung strikt einzuhalten. Das Mittel ist als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zur Schonung von Nützlingen und zur Vermeidung von Abschwemmungen nicht auf hängigem Gelände unmittelbar vor Starkregenereignissen appliziert werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Kartoffel | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Hühnerhirse | 0–8 | 1.9 LITER_PER_HECTARE | — |
| Sonnenblume | Einjährige zweikeimblättrige Unkräuter, Hühnerhirse | 0–8 | 1.9 LITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Welcher Anwendungszeitpunkt ist für Bokator in Kartoffeln optimal?
Die Behandlung sollte unbedingt im frühen Vorauflauf (BBCH-Stadium 00 bis 08) erfolgen, idealerweise direkt nach dem Dammaufbau und dem Absetzen der Erde. Zu diesem Zeitpunkt ist der Boden feucht genug, damit sich der Herbizidfilm optimal auf der Bodenoberfläche absetzen kann, bevor die Kartoffeln auflaufen.
Wie beeinflusst die Bodenfeuchtigkeit die Wirkung von Bokator?
Als typisches Bodenherbizid benötigt Bokator für eine optimale Aktivierung eine gewisse Grundfeuchtigkeit des Bodens. Bei extremer Trockenheit kann die Wirkung verzögert einsetzen; ein feinkrümeliges, klumpenfreies Saatbett hilft jedoch, den Wirkstofffilm stabil zu halten, bis Niederschläge die Wirkstoffe aktivieren.
Kann Bokator auch im Nachauflauf der Kulturen eingesetzt werden?
Nein, Bokator ist streng für den Vorauflauf registriert (BBCH 0 bis 8). Eine spätere Anwendung nach dem Durchstoßen der Kulturen kann zu erheblichen Phytotox-Schäden (Chlorosen und Wachstumsdepressionen) an den Kartoffel- oder Sonnenblumenblättern führen.
Welche Rolle spielt die Bodenbeschaffenheit bei der Anwendung von Bokator?
Da die Wirkstoffe stark an Bodenteilchen adsorbiert werden, ist auf sehr humosen Böden mit einer leichten Wirkungsabschwächung zu rechnen. Auf extrem leichten, sandigen Böden sollte auf eine gleichmäßige Saattiefe geachtet werden, um Auswaschungen in die Keimzone der Kultur zu verhindern.
Wie verhält sich Bokator bezüglich des Nachbaus von Folgekulturen?
Nach dem regulären Einsatz von Bokator und der Ernte der Hauptkulturen können im Rahmen der normalen Fruchtfolge Wintergetreidearten nach einer wendenden Bodenbearbeitung (Pflügen) sicher angebaut werden. Bei vorzeitigem Umbruch der Kultur ist eine tiefe Bodenbearbeitung zwingend erforderlich, um Wirkstoffkonzentrationen in der Keimzone der Folgekultur zu verdünnen.