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Kultur

Kartoffel

Solanum tuberosum
SOLTU

Die Kartoffel (Solanum tuberosum), im internationalen Handelsverkehr unter dem EPPO-Code SOLTU geführt, gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten landwirtschaftlichen Kulturen in Mitteleuropa. Als Nachtschattengewächs stellt sie hohe Ansprüche an den Boden, die Nährstoffversorgung und das Management im Feld. Die Ertragsbildung hängt stark von einer optimalen Keimung, einer gleichmäßigen Wasserversorgung während der Knollenbildung und einem gezielten Schutz vor Schaderregern ab.

In der landwirtschaftlichen Praxis erfordert diese Kultur eine präzise Führung. Von der Pflanzgutvorbereitung über das Dammmanagement bis hin zur Krautminderung vor der Ernte müssen alle Arbeitsschritte exakt auf die jeweilige Sorte und die Witterungsverhältnisse abgestimmt sein. Ein tiefes Verständnis der BBCH-Entwicklungsstadien hilft dir dabei, den optimalen Zeitpunkt für pflanzenbauliche Maßnahmen und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu bestimmen.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
April bis Anfang Mai
Erntefenster
Juli bis Oktober (je nach Reifegruppe)
Reihenabstand
75 cm oder 90 cm
Typischer Ertrag
35–55 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1950 °C
Boden-pH
5,5–6,5

Bodenmanagement

Eine erfolgreiche Bodenbewirtschaftung bei dieser Kultur beginnt mit einer tiefen, schattenfreien Lockerung im Herbst, um Verdichtungen im Unterboden konsequent zu vermeiden. Im Frühjahr ist ein strukturreiches, gut abgetrocknetes Pflanzbett entscheidend, das eine rasche Erwärmung und eine gleichmäßige Dammbildung ermöglicht. Der Dammaufbau schützt die heranwachsenden Knollen vor Ergrünen und sichert das notwendige Porenvolumen für den Gasaustausch. Eine gezielte organische Düngung, beispielsweise durch Gründüngung oder Stallmist im Vorfeld, fördert das Bodenleben und verbessert die Wasserhaltefähigkeit nachhaltig. Achte darauf, die Bodenfeuchtigkeit insbesondere ab dem Knollenansatz (BBCH 40) durch Beregnung stabil zu halten, um Schorfbefall zu minimieren und ein gleichmäßiges Knollenwachstum zu sichern.

Schaderreger-Management

Das Management von Schaderregern in dieser Kultur erfordert eine vorausschauende Strategie, die auf Fruchtfolge, Sortenwahl und gezieltem Pflanzenschutz basiert. Die Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) stellt die größte Bedrohung dar und verlangt ab dem Reihenschluss eine kontinuierliche Überwachung sowie vorbeugende Anwendungen von Fungiziden. Gegen bodenbürtige Pilze wie Rhizoctonia solani hilft neben einer Beizung des Pflanzguts vor allem das Pflanzen in ausreichend erwärmten Boden (ab 8 °C). Beim Auftreten des Kartoffelkäfers (Leptinotarsa decemlineata) ist der optimale Behandlungszeitpunkt beim Schlupf der ersten Larvenstadien zu wählen, um Resistenzen vorzubeugen. Zudem sichert eine konsequente Unkrautregulierung im Vor- und frühen Nachauflauf die Kultur vor starker Konkurrenz durch Melde oder Hühnerhirse.

Sorten

Belana

Früh

Sehr hoher Marktwarenertrag mit hervorragender Sortierung.

Resistent gegen: Nematoden Ro1, Nematoden Ro4, Kartoffelschorf

Anfällig für: Rhizoctonia solani

Beliebte festkochende Speisekartoffel mit exzellenter Lagerfähigkeit und stabiler Schalenqualität.

Agria

Mittelfrüh

Sehr ertragreich mit hohem Anteil an Übergrößen.

Resistent gegen: Nematoden Ro1, Nematoden Ro2

Anfällig für: Krautfäule, Kartoffelschorf, Eisenfleckigkeit

Die Standard-Sorte für die Pommes-Frites-Herstellung und den Püree-Bereich, benötigt gleichmäßige Wasserversorgung.

Laura

Mittelfrüh

Konstant hoher Ertrag mit gleichmäßiger Knollenform.

Resistent gegen: Nematoden Ro1, Nematoden Ro5, Kartoffelvirus Y

Anfällig für: Rhizoctonia solani, Krautfäule

Rotschalige, vorwiegend festkochende Sorte mit tiefgelbem Fleisch und exzellentem Geschmack.

Linda

Mittelfrüh

Mittlerer bis guter Ertrag bei hoher Marktwarensortierung.

Resistent gegen: Kartoffelvirus Y

Anfällig für: Krautfäule, Kartoffelschorf, Nematoden

Traditionelle, festkochende Premium-Speisekartoffel mit herausragendem Aroma, die eine sorgfältige Handhabung erfordert.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie kannst du das Risiko von Rhizoctonia solani beim Pflanzen minimieren?

Um einen Befall mit Rhizoctonia solani zu verhindern, solltest du das Pflanzgut erst bei Bodentemperaturen ab mindestens 8 °C in ein gut abgetrocknetes Pflanzbett legen. Ein flaches Pflanzen beschleunigt den Auflauf, wodurch die empfindlichen Keime der Kultur dem Pilz im Boden weniger lang ausgesetzt sind. Zusätzlich empfiehlt sich eine professionelle Knollenbeizung direkt beim Legen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Behandlung gegen den Kartoffelkäfer?

Du solltest die Bestände ab dem Auflaufen regelmäßig kontrollieren. Eine Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel ist dann am effektivsten, wenn sich die Population im Stadium der jungen L1- bis L2-Larven befindet. Achte darauf, Wirkstoffklassen zu rotieren, um der Entstehung von Resistenzen gezielt entgegenzuwirken.

Wie stimmst du die Beregnung optimal auf die Knollenentwicklung ab?

Die kritischste Phase für Wassermangel beginnt mit dem Knollenansatz (BBCH 40). Wenn du in dieser Phase beregnest, förderst du nicht nur den Ertrag, sondern senkst auch aktiv das Risiko für Kartoffelschorf. Halte den Boden in den Dämmen gleichmäßig feucht, vermeide jedoch Staunässe, um Fäulnisbakterien keine Angriffsfläche zu bieten.

Welche Rolle spielt die Krautminderung kurz vor der Ernte?

Die Krautminderung (chemisch oder mechanisch) stoppt das Knollenwachstum und leitet die Reifephase ein. Sie sorgt dafür, dass die Knollen eine feste Schale ausbilden, was sie unempfindlicher gegen mechanische Beschädigungen bei der Ernte macht. Zudem verhinderst du damit, dass Sporen der Krautfäule vom Laub auf die Knollen gespült werden.

Wie findest du im Farmable-System die passenden Pflanzenschutzmittel für diese Kultur?

Nutze dafür einfach die integrierte Produktsuche in unserem Hub. Filtere dort gezielt nach der Kultur "Kartoffel" und dem gewünschten Schaderreger (wie z. B. Phytophthora infestans), um alle aktuell in deinem Land zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen und Wartezeiten aufzurufen.

Warum ist die Fruchtfolgegestaltung bei dieser Kultur so entscheidend?

Da viele Schaderreger wie Nematoden oder Colletotrichum coccodes jahrelang im Boden überdauern können, solltest du eine Anbaupause von mindestens drei, besser vier Jahren einhalten. Gute Vorfrüchte sind Getreidearten oder humusmehrende Zwischenfrüchte, die den Boden lockern und den Unkrautdruck im Vorfeld reduzieren.