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Kultur

Kartoffel

Solanum tuberosum
SOLTU

Die Kartoffel (Solanum tuberosum, EPPO-Code: SOLTU) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten landwirtschaftlichen Kulturen in Mitteleuropa. Als Nachtschattengewächs stellt diese Kultur hohe Ansprüche an die Bodenstruktur sowie die Nährstoffversorgung, liefert dafür jedoch sehr hohe Erträge an stärkereichen Knollen. Die Kultur wird pflanzenbaulich in verschiedene Reifegruppen unterteilt – von sehr frühen Sorten für den direkten Verzehr im Frühsommer bis hin zu späten Sorten für die industrielle Stärkegewinnung oder Veredelung.

Der Anbau erfordert ein hohes pflanzenbauliches Geschick, insbesondere bei der Pflanzbettbereitung und dem Dammaufbau, um ein ungestörtes Knollenwachstum zu gewährleisten. Aufgrund der vegetativen Vermehrung über Pflanzgut ist die Gesunderhaltung der Bestände von zentraler Bedeutung. Hierbei spielen sowohl die Bekämpfung von Viruserkrankungen im Vermehrungsanbau als auch der Schutz vor pilzlichen Schaderregern im Konsumanbau eine entscheidende Rolle.

Aussaat-/Pflanzzeitraum
April bis Mai
Erntefenster
Juni bis Oktober
Reihenabstand
75 cm
Typischer Ertrag
35–50 t/ha
Wärmesumme (GDD)
1700–1900 °C
Boden-pH
5,0–6,5

Bodenmanagement

Kartoffeln bevorzugen tiefgründige, gut durchlüftete und steinarme Böden ohne Verdichtungen, um Deformationen der Knollen und Staunässe zu vermeiden. Ein optimaler pH-Wert liegt im leicht sauren Bereich von 5,0 bis 6,5, da höhere pH-Werte das Risiko für Kartoffelschorf signifikant steigern. Die mechanische Bodenbearbeitung beginnt meist im Herbst mit einer tiefen Lockerung, gefolgt von einer präzisen Dammbildung im Frühjahr, die für eine gleichmäßige Erwärmung des Bodens sorgt. Eine ausgewogene Düngung, insbesondere mit Kalium zur Förderung der Stärkeeinlagerung und Verbesserung der Blaufleckigkeitstoleranz, ist für den Ertrag und die Qualität essenziell. Organische Düngung sollte idealerweise zur Vorfrucht oder sehr frühzeitig im Frühjahr erfolgen, um die Stickstofffreisetzung mit dem maximalen Bedarf der Kultur abzustimmen.

Schaderreger-Management

Das integrierte Pflanzenschutzmanagement in dieser Kultur erfordert eine kontinuierliche Überwachung der Bestände ab dem Auflaufen. Der bedeutendste pilzliche Schaderreger ist die Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans), deren Bekämpfung eine vorausschauende Strategie mit gezielten Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln basierend auf Prognosemodellen verlangt. Gegen den Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) und virusübertragende Blattläuse müssen Behandlungen exakt nach dem Überschreiten von Schadschwellen ausgerichtet werden, um Resistenzbildungen zu verhindern. Zudem ist die Bekämpfung von bodenbürtigen Pilzen wie Rhizoctonia solani bereits bei der Pflanzgutbeizung zu berücksichtigen. Ein konsequentes Feldhygiene- und Fruchtfolgemanagement mit mindestens vierjährigen Anbaupausen ist die Basis, um den Druck durch Nematoden und andere bodenbürtige Schaderreger nachhaltig zu minimieren.

Sorten

Agria

mittelfrüh bis mittelspät

Sehr hoher Ertrag mit hohem Anteil an großfallenden Knollen.

Resistent gegen: Kartoffelnematoden, Krebs

Anfällig für: Krautfäule, Schorf, Eisenfleckigkeit

Sehr beliebte, ertragreiche Sorte für die Pommes-Frites-Herstellung und den Frischverzehr (vorwiegend festkochend bis mehlig).

Belana

früh

Konstant hoher Ertrag mit sehr homogener Sortierung.

Resistent gegen: Kartoffelnematoden, Schwarzfleckigkeit, Rhizoctonia

Anfällig für: Krautfäule, Eisenfleckigkeit

Hervorragende Speisekartoffel (festkochend) mit exzellenter Lagerfähigkeit und schöner gelber Fleischfarbe.

Laura

mittelfrüh

Guter bis sehr guter Ertrag bei gleichmäßiger Knollenentwicklung.

Resistent gegen: Kartoffelnematoden, Y-Virus, Schorf

Anfällig für: Rhizoctonia, Blattrollvirus

Rotschalige, vorwiegend festkochende Speisekartoffel mit tiefgelbem Fleisch und exzellentem Geschmack.

Linda

mittelfrüh

Mittlerer Ertrag, reagiert stark auf Trockenstress.

Resistent gegen: Knollenfäule

Anfällig für: Krautfäule, Kartoffelschorf, Y-Virus

Traditionelle, festkochende Premium-Speisesorte mit ausgeprägtem Aroma, die eine treue Verbrauchernachfrage genießt.

Wichtige Schaderreger

Zugelassene Pflanzenschutzmittel

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Häufige Fragen

Wie lässt sich das Risiko von Krautfäule-Resistenzen bei häufigen Fungizidanwendungen minimieren?

Um Resistenzen gegen Phytophthora infestans vorzubeugen, müssen Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen (FRAC-Klassen) konsequent abgewechselt oder als fertige Kombinationspräparate eingesetzt werden. Systemische Wirkstoffe sollten primär in der Phase des schnellen Krautwachstums (BBCH-Stadium 30 bis 55) genutzt werden, während Kontaktfungizide vor allem zu Beginn und in der Abschlussphase zur Verhinderung der Knolleninfektion eingesetzt werden.

Welche Bedeutung hat das BBCH-Stadium 40 für die Bewässerungssteuerung?

Das BBCH-Stadium 40 markiert den Beginn der Knollenbildung (Tuberisation). Ab diesem Zeitpunkt bis zum Ende des Knollenwachstums (BBCH-Stadium 70+) ist eine gleichmäßige Wasserversorgung kritisch, da Wassermangel in dieser Phase zu erheblichen Ertragseinbußen, vermehrtem Schorfbefall und Wachstumsrissen bei späterer Beregnung führt.

Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Kartoffelkäfer?

Nutzen Sie die Suchfunktion im Pflanzenschutz-Hub und filtern Sie nach der Kultur 'Kartoffel' und dem Schaderreger 'Kartoffelkäfer' (Leptinotarsa decemlineata). Achten Sie bei der Auswahl der Insektizide auf die angegebenen BBCH-Anwendungsfenster und die Resistenzgruppen (IRAC), um einen konsequenten Wirkstoffwechsel einzuhalten.

Warum ist die Krautminderung (Sikkation) vor der Ernte pflanzenbaulich notwendig?

Die Sikkation (chemisch oder mechanisch) leitet die Reifephase ein, fördert die Schalenfestigkeit der Knollen und erleichtert die mechanische Ernte. Zudem verhindert das rasche Absterben des Krauts das Übertreten von Pilzsporen (insbesondere Phytophthora) vom Laub auf die Knollen während des Rodevorgangs, was die Lagerstabilität drastisch erhöht.

Welche Rolle spielt die Bodentemperatur beim Legen der Kartoffeln im Frühjahr?

Das Legen sollte erst bei einer konstanten Bodentemperatur von mindestens 8 °C (bei vorgekeimtem Pflanzgut reichen bereits 6 °C) in 10 cm Tiefe erfolgen. Zu kalter Boden verzögert das Auflaufen erheblich, was die jungen Triebe extrem anfällig für den bodenbürtigen Schaderreger Rhizoctonia solani (Stängelkrebs) macht.