Custodia
Custodia ist ein hochwirksames, systemisches Fungizid von ADAMA Deutschland GmbH, das speziell für den Schutz anspruchsvoller Kulturen wie Weinreben und Raps entwickelt wurde. Die flüssige Formulierung kombiniert zwei bewährte Wirkstoffklassen, um ein breites Wirkungsspektrum gegen ertragsmindernde Pilzkrankheiten abzudecken. Durch die ausgewogene Kombination bietet das Pflanzenschutzmittel sowohl vorbeugenden Schutz als auch heilende Eigenschaften.
Im Weinbau zeigt Custodia eine hervorragende Wirkung gegen den Echten Mehltau (Oidium), während es im Raps als verlässlicher Partner zur Bekämpfung der Weißstängeligkeit (Sclerotinia) eingesetzt wird. Diese Schaderreger können ohne gezielte Behandlung zu massiven Ertrags- und Qualitätsverlusten führen, weshalb der rechtzeitige Einsatz von Custodia eine tragende Säule im integrierten Pflanzenschutz darstellt.
Neben der direkten fungiziden Wirkung unterstützt das Produkt die Vitalität der Kulturen durch positive physiologische Effekte (Greening-Effekt). Dies führt zu einer verbesserten Stresstoleranz der Pflanzen gegenüber Trockenheit und Hitze, was sich positiv auf die Ertragsbildung und die Qualität des Ernteguts auswirkt.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die herausragende Wirksamkeit von Custodia basiert auf dem dualen Wirkungsmechanismus seiner beiden aktiven Komponenten. Azoxystrobin gehört zur Gruppe der Strobilurine (FRAC-Gruppe 11) und fungiert als Qo-Inhibitor (QoI). Es blockiert den Elektronentransport in den Mitochondrien der Pilzzellen, wodurch die Energieversorgung des Schaderregers zusammenbricht. Dieser Wirkstoff zeichnet sich durch starke protektive Eigenschaften aus, da er die Sporenkeimung und das frühe Myzelwachstum effektiv unterbindet. Tebuconazol, ein Wirkstoff aus der Gruppe der Triazole (FRAC-Gruppe 3), ergänzt diese Wirkung als Demethylierungs-Inhibitor (DMI) in der Sterol-Biosynthese. Er stört den Aufbau der pilzlichen Zellmembran und verleiht dem Produkt seine kurativen (heilenden) und eradikativen Fähigkeiten. Beide Wirkstoffe werden von den grünen Pflanzenteilen schnell aufgenommen und systemisch in der Kultur verteilt, wodurch auch Neuzuwachs zuverlässig geschützt wird.
Resistenzmanagement
Um einer Resistenzbildung der Schaderreger aktiv vorzubeugen, nutzt Custodia bereits die Kombination zweier unterschiedlicher Wirkstoffklassen (FRAC 11 und FRAC 3) mit verschiedenen Angriffspunkten. Dennoch sollte das Pflanzenschutzmittel stets im Rahmen einer vorausschauenden Spritzfolge eingesetzt werden. Es wird empfohlen, Custodia im Wechsel mit Fungiziden anzuwenden, die andere Wirkmechanismen aufweisen, und die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison gemäß den behördlichen Vorgaben strikt einzuhalten, um den Selektionsdruck zu minimieren.
Mischbarkeit & Tankmischung
Custodia zeichnet sich durch eine gute physikalische und biologische Mischbarkeit mit gängigen Insektiziden, Wachstumsreglern und Blattdüngern aus. Bei der Erstellung von Tankmischungen mit mehreren Komponenten oder Spezialformulierungen wird jedoch empfohlen, vorab eine Mischprobe in einem kleinen Gefäß durchzuführen. Für eine optimale Benetzung der Kulturen ist auf eine ausreichende Wassermenge und eine exakte Düseneinstellung zu achten, insbesondere bei dichten Laubwänden im Weinbau oder geschlossenen Rapsbeständen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Bei der Anwendung von Custodia sind die gesetzlich vorgeschriebenen PSA-Maßnahmen zum Anwenderschutz strikt einzuhalten, einschließlich des Tragens von Schutzanzug und Schutzhandschuhen bei der Handhabung des Konzentrats. Zum Schutz von Gewässern und aquatischen Organismen müssen die vorgegebenen Abdrift- und Abschwemmungsauflagen sowie die entsprechenden Pufferzonen zu Oberflächengewässern genau beachtet werden. Das Produkt ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich eingestuft, dennoch sollte der Einsatz zum Schutz von Bestäubern vorzugsweise außerhalb des täglichen Bienenflugs erfolgen.
Zugelassene Anwendungen
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für eine Behandlung gegen Weißstängeligkeit im Raps?
Die Bekämpfung von Sclerotinia sclerotiorum mit Custodia erfolgt optimalerweise präventiv während der Vollblüte des Rapses (BBCH-Stadium 63 bis 65). In dieser Phase fallen die ersten Blütenblätter ab und bleiben in den Blattachseln hängen, wo sie dem Pilz als ideale Nährstoffquelle für die Infektion dienen.
Wie unterstützt Custodia die Kultur über die reine Pilzbekämpfung hinaus?
Durch den enthaltenen Wirkstoff Azoxystrobin wird der physiologische Greening-Effekt angeregt. Die Kultur bleibt länger grün, optimiert ihre Photosyntheseleistung und kann Wasser sowie Nährstoffe auch unter moderatem Trockenstress effizienter nutzen, was die Ertragsstabilität fördert.
Darf Custodia bei hohen Temperaturen im Sommer gespritzt werden?
Es wird dringend empfohlen, Anwendungen mit Custodia nicht in der prallen Mittagssonne oder bei Temperaturen über 25 °C durchzuführen. Um Phytotoxizität zu vermeiden und eine optimale Wirkstoffaufnahme zu sichern, sollten die Behandlungen in den kühleren Morgen- oder Abendstunden erfolgen.
Wie viele Anwendungen von Custodia sind pro Saison in der jeweiligen Kultur zulässig?
Die genaue Anzahl der zugelassenen Anwendungen variiert je nach Kultur und ist den aktuellen Zulassungsbestimmungen des BVL zu entnehmen. Im Sinne des Resistenzmanagements sollte die maximale Anwendungszahl voll ausgeschöpft, aber keinesfalls überschritten werden, idealerweise im Wechsel mit anderen Wirkstoffklassen.
Welche Rolle spielt die Systemik von Custodia bei der Applikation?
Da beide Wirkstoffe systemische Eigenschaften besitzen, werden sie nach der Spritzung rasch in das Blattgewebe aufgenommen und akropetal (mit dem Saftstrom nach oben) verteilt. Dies schützt auch Pflanzenteile, die bei der Applikation nicht direkt vom Spritzstrahl getroffen wurden, sowie den Neuzuwachs für einen gewissen Zeitraum.