Fencade
Fencade ist ein hochselektives, systemisches Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung von einjährigen einkeimblättrigen Schaderregern in Winterweichweizen und Wintertriticale. Das von Corteva Agriscience entwickelte Herbizid ist als wasserlösliches Granulat formuliert und kombiniert zwei leistungsstarke Wirkstoffe aus der Klasse der ALS-Inhibitoren mit einem hocheffizienten Safener. Dies garantiert eine hervorragende Kulturverträglichkeit bei gleichzeitig kompromissloser Wirkung gegen Ungräser.
Das Wirkungsspektrum von Fencade deckt die wirtschaftlich bedeutendsten und am schwersten zu bekämpfenden Schadgräser im deutschen Ackerbau ab. Dazu gehören insbesondere Acker-Fuchsschwanz, Weidelgras-Arten, Trespe-Arten, Flughafer-Arten und das Einjährige Rispengras. Nach der Anwendung wird das Mittel rasch über das Blattwerk sowie die Wurzeln aufgenommen und systemisch in der Kultur verteilt, was zu einem schnellen Wachstumsstopp der Zielorganismen führt.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Die biochemische Wirkung von Fencade basiert auf der Kombination der beiden Wirkstoffe Mesosulfuron und Pyroxsulam, die beide der HRAC-Gruppe 2 (Inhibitoren des Enzyms Acetolactat-Synthase, ALS) angehören. Durch die Blockade dieses Schlüsselenzyms wird die Biosynthese der essenziellen, verzweigtkettigen Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin in den Schadgräsern unterbunden. Dies führt zu einem sofortigen Wachstumsstopp der betroffenen Ungräser, gefolgt von Chlorosen und einem schrittweisen Absterben des Gewebes innerhalb weniger Wochen. Um die Kulturverträglichkeit in Winterweichweizen und Wintertriticale zu sichern, enthält Fencade den Safener Cloquintocet. Dieser Wirkstoff stimuliert selektiv den körpereigenen Abbau der herbiziden Wirkstoffe in den Kulturpflanzen durch eine beschleunigte Metabolisierung. In den Zielungräsern findet dieser Entgiftungsprozess hingegen nicht statt, sodass die selektive Herbizidwirkung voll erhalten bleibt.
Resistenzmanagement
Da beide herbiziden Wirkstoffe in Fencade der HRAC-Gruppe 2 angehören, ist ein konsequentes Resistenzmanagement zwingend erforderlich, insbesondere in Regionen mit bereits bekannten Resistenzen beim Acker-Fuchsschwanz oder den Weidelgras-Arten. Um der Selektion resistenter Biotypen vorzubeugen, sollte Fencade im Rahmen einer weiten Fruchtfolge eingesetzt und stets im Wechsel mit Herbiziden anderer Wirkmechanismen – wie etwa Bodenherbiziden aus den HRAC-Gruppen 15 oder 3 sowie Blattherbiziden der HRAC-Gruppe 1 – angewendet werden. Zudem unterstützen ackerbauliche Maßnahmen wie eine Pflugfurche oder eine spätere Aussaat den langfristigen Wirkstofferhalt.
Mischbarkeit & Tankmischung
Fencade zeichnet sich durch eine gute Mischbarkeit mit vielen gängigen Fungiziden und flüssigen Stickstoffdüngern (AHL) aus. Zur Optimierung der Benetzung und Wirkstoffaufnahme, insbesondere bei ungünstigen Witterungsbedingungen oder fortgeschrittenem Wachstumsstadium der Ungräser, wird dringend die Zugabe eines vom Hersteller empfohlenen, registrierten Netzmittels angeraten. Mischungen mit Wuchsstoff-Herbiziden sollten vermieden oder zeitlich versetzt ausgebracht werden, um antagonistische Effekte bei der Gräserwirkung zu verhindern. Bei der Zubereitung der Spritzbrühe ist auf eine ausreichende Wasserqualität und eine kontinuierliche Rührung zu achten.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Fencade sind die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsschutzmaßnahmen, einschließlich des Tragens von Schutzkleidung, Schutzhandschuhen und einer Schutzbrille bei der Anmischung, strikt einzuhalten. Aufgrund der hohen Aktivität der Wirkstoffe gegenüber aquatischen Organismen und terrestrischen Nichtzielpflanzen müssen die vom BVL vorgegebenen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen genau beachtet werden. Das Pflanzenschutzmittel ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, sollte jedoch zum Schutz von Bestäubern nicht in blühende Bestände oder auf blühende Unkräuter appliziert werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Wintertriticale | Weidelgras-Arten | 21–32 | 100 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Weidelgras-Arten | 21–32 | 100 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Wintertriticale | Acker-Fuchsschwanz, Trespe-Arten, Weidelgras-Arten | 21–32 | 100 GRAM_PER_HECTARE | — |
| Winterweichweizen | Acker-Fuchsschwanz, Trespe-Arten, Weidelgras-Arten | 21–32 | 100 GRAM_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Anwendungszeitpunkt für Fencade im Frühjahr?
Der beste Bekämpfungserfolg wird erzielt, wenn die Anwendung im zeitigen Frühjahr bei Vegetationsbeginn erfolgt (BBCH-Stadium 21 bis 25 der Kultur), sobald die Ungräser aktiv wachsen und sich im Stadium der Bestockung befinden. Warme, wüchsige Witterung mit ausreichender Luftfeuchtigkeit beschleunigt die Wirkstoffaufnahme und optimiert das Ergebnis.
Kann Fencade auch noch im späteren Schossen der Kultur eingesetzt werden?
Ja, die Zulassung erstreckt sich bis zum BBCH-Stadium 32 (2-Knoten-Stadium) der Kultur. Allerdings nimmt die Empfindlichkeit älterer Ungräser ab, weshalb späte Anwendungen primär zur Bekämpfung von spät auflaufendem Flughafer oder Trespen-Arten dienen sollten, während der Acker-Fuchsschwanz idealerweise deutlich früher behandelt wird.
Ist der Zusatz eines Netzmittels (Adjuvans) bei der Anwendung von Fencade zwingend erforderlich?
Ja, für eine sichere und maximale Wirkung gegen einkeimblättrige Schaderreger ist die Zugabe eines zugelassenen, nicht-ionischen Netzmittels oder eines additiven Öls dringend zu empfehlen. Das Adjuvans verbessert die Haftung der Spritzbrühe auf den oft wachsartigen Blättern der Schadgräser und beschleunigt das Eindringen der Wirkstoffe.
Welche Witterungsbedingungen müssen bei der Applikation von Fencade beachtet werden?
Die Temperaturen sollten zum Zeitpunkt der Spritzung und an den Folgetagen stabil über 5 °C liegen, um einen aktiven Stoffwechsel der Pflanzen zu gewährleisten. Vermeiden Sie Anwendungen bei Frostgefahr, extremer Trockenheit oder unmittelbar vor starken Regenfällen. Eine Regenfestigkeit wird in der Regel nach ca. 2 Stunden erreicht.
Gibt es Einschränkungen für die Nachfolgekultur nach dem Einsatz von Fencade?
Nach der regulären Ernte von mit Fencade behandeltem Winterweichweizen oder Wintertriticale können im Rahmen der normalen Fruchtfolge im Herbst problemlos Wintergetreide oder Winterraps angebaut werden. Bei einem vorzeitigen Umbruch der Kultur ist eine tiefe Bodenbearbeitung (Pflügen) ratsam, um eventuelle Wirkstoffrückstände im Boden zu verdünnen, bevor empfindliche Kulturen eingesät werden.
Wie verhalte ich mich, wenn der Verdacht auf eine ALS-Resistenz beim Acker-Fuchsschwanz besteht?
Bei begründetem Verdacht auf eine metabolische oder Target-Site-Resistenz gegen ALS-Hemmer sollte vor dem Einsatz ein Schnelltest durchgeführt werden. Bestätigt sich die Resistenz, ist von einer alleinigen Anwendung von Fencade abzusehen und stattdessen auf Wirkstoffe mit anderen Mechanismen (wie etwa HRAC 15 oder HRAC 1) auszuweichen.