Flusha
Flusha ist ein selektives, systemisches Nachauflauf-Herbizid zur gezielten Bekämpfung von einjährigen und mehrjährigen einkeimblättrigen Unkräutern (Ungräsern) in ausgewählten zweikeimblättrigen Kulturen. Das Pflanzenschutzmittel ist in Deutschland unter der Zulassungsnummer 008670-60 registriert und zeichnet sich durch seine hohe Selektivität und schnelle systemische Verteilung in den Schadpflanzen aus. Es wird vorwiegend als Emulsionskonzentrat formuliert, was eine optimale Benetzung der Blattoberflächen gewährleistet.
Die Zulassung umfasst wichtige landwirtschaftliche Kulturen wie Winterraps sowie verschiedene Leguminosen, darunter Ackerbohnen, Futtererbsen und Buschbohnen. Flusha bietet Landwirten eine flexible Lösung, um aggressive Konkurrenzgräser in der kritischen Etablierungsphase der Kultur effektiv auszuschalten und somit das Ertragspotenzial abzusichern.
Durch die schnelle Aufnahme über die Blätter und den anschließenden Transport in die aktiven Wachstumszonen der Ungräser stoppt das Mittel die Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe unmittelbar nach der Behandlung, selbst bei schwierigen Witterungsbedingungen im Nachauflauf.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der in Flusha enthaltene Wirkstoff Fluazifop-P gehört zur chemischen Gruppe der Aryloxyphenoxypropionate (bekannt als "Fops") und ist als ACCase-Hemmer in die HRAC-Gruppe 1 (ehemals Gruppe A) eingestuft. Der Wirkungsmechanismus basiert auf der Blockade des Enzyms Acetyl-CoA-Carboxylase, welches eine Schlüsselrolle bei der Fettsäuresynthese in einkeimblättrigen Pflanzen spielt. Da zweikeimblättrige Kulturen eine andere Enzymstruktur besitzen, bleibt die Hauptkultur von dieser Wirkung völlig unberührt. Nach der Applikation dringt der Wirkstoff rasch in das Blattgewebe ein und wird systemisch sowohl akropetal als auch basipetal in die Bildungsgewebe (Meristeme) der Ungräser transportiert. Dort führt die Unterbindung der Fettsäuresynthese zum Zusammenbruch der Zellmembranen. Das Wachstum der Schaderreger stoppt innerhalb weniger Tage; die jüngsten Blätter verfärben sich nekrotisch, und die gesamte Gras Pflanze stirbt schließlich mitsamt ihren Wurzelorganen vollständig ab.
Resistenzmanagement
Aufgrund des spezifischen Wirkungsmechanismus der HRAC-Gruppe 1 besteht bei einjährigen Ungräsern (insbesondere bei Ackerfuchsschwanz und Weidelgras-Arten) ein hohes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen. Um die langfristige Wirksamkeit von Flusha zu sichern, muss das Pflanzenschutzmittel in ein integriertes Gesamtkonzept eingebunden werden. Dies umfasst den konsequenten Wechsel mit Herbiziden anderer Wirkstoffklassen (wie HRAC-Gruppe 3, 15 oder 0) in der Fruchtfolge sowie pflanzenbauliche Maßnahmen wie eine abwechslungsreiche Fruchtfolge, mechanische Bodenbearbeitung und die Förderung der Konkurrenzkraft der Kultur.
Mischbarkeit & Tankmischung
Flusha ist mit vielen gängigen Fungiziden und Insektiziden mischbar. Bei geplanten Tankmischungen mit Herbiziden gegen zweikeimblättrige Unkräuter (insbesondere Sulfonylharnstoffen oder Wuchsstoffen) kann es jedoch zu antagonistischen Effekten kommen, welche die Gräserwirkung von Fluazifop-P reduzieren. Um eine optimale Wirkung abzusichern, wird empfohlen, Flusha entweder solo oder mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 3 bis 5 Tagen zu Dikotylen-Herbiziden auszubringen. Für eine gute Benetzung sollte stets auf eine ausreichende Wassermenge von 200 bis 400 l/ha geachtet werden.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Beim Umgang mit Flusha sind die gesetzlich vorgeschriebenen PSA-Maßnahmen (persönliche Schutzausrüstung) wie Schutzhandschuhe und Schutzanzug bei der Handhabung des Konzentrats strikt einzuhalten. Zum Schutz von Gewässerorganismen und Nichtzielpflanzen sind die in der Zulassung definierten Abstandsauflagen (Abdrifterminderungsklassen) zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen genauestens zu beachten. Das Pflanzenschutzmittel ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte ein direkter Kontakt mit blühenden Pflanzen vermieden werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Stangenbohne | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Buschbohne | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter | 11–59 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Buschbohne | Einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ackerbohne | Einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stangenbohne | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Winterraps | Einkeimblättrige Unkräuter | 11–59 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stangenbohne | Einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Ackerbohne | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Stangenbohne | Einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 3 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Erbse | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erbse | Einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 3 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erbse | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 2 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Buschbohne | Einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 3 LITER_PER_HECTARE | 42T |
| Buschbohne | Einjährige einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 2 LITER_PER_HECTARE | — |
| Erbse | Einkeimblättrige Unkräuter | 11–51 | 3 LITER_PER_HECTARE | 42T |
Häufige Fragen
Wann ist der optimale Zeitpunkt für die Anwendung von Flusha gegen Ausfallgetreide?
Der beste Anwendungszeitpunkt liegt im frühen Nachauflauf der Ungräser, idealerweise wenn diese sich im 2-Blatt- bis Bestockungsstadium befinden. Zu diesem Zeitpunkt wachsen die Schadpflanzen aktiv, was eine maximale Aufnahme und Systemik des Wirkstoffs Fluazifop-P garantiert.
Wie beeinflusst die Witterung die Wirksamkeit von Flusha?
Warme Temperaturen (über 10 °C) und eine hohe Luftfeuchtigkeit fördern den Stoffwechsel der Ungräser und beschleunigen die Wirkstoffaufnahme. Bei extremer Trockenheit, Frostgefahr oder starker Hitze sollte die Behandlung verschoben werden, da gestresste Pflanzen eine dickere Wachsschicht ausbilden und den Wirkstoff schlechter transportieren.
Ist Flusha nach der Anwendung regenfest?
Ja, Flusha zeichnet sich durch eine schnelle Regenfestigkeit aus. Bereits etwa 1 bis 2 Stunden nach der Applikation ist der Wirkstoff so weit in das Blattgewebe eingedrungen, dass nachfolgende Niederschläge die Herbizidwirkung nicht mehr negativ beeinflussen.
Warum sollte Flusha nicht direkt mit Wuchsstoff-Herbiziden gemischt werden?
Mischungen mit Wuchsstoffen oder bestimmten Sulfonylharnstoffen können einen physiologischen Antagonismus hervorrufen. Dies führt dazu, dass die Gräserwirkung von Flusha deutlich abfällt. Ein Sicherheitsabstand von mehreren Tagen zwischen den Behandlungen verhindert diesen Effekt zuverlässig.
Wie lange dauert es, bis sichtbare Symptome an den behandelten Ungräsern auftreten?
Da es sich um einen systemischen Wachstumshemmer handelt, setzt die Wirkung langsam ein. Ein Wachstumsstopp erfolgt zwar sofort, sichtbare Symptome wie Vergilbungen der Herzblätter zeigen sich jedoch meist erst nach 10 bis 14 Tagen, gefolgt vom vollständigen Absterben der Pflanze.
Gibt es Einschränkungen für nachfolgende Kulturen in der Fruchtfolge?
Da der Wirkstoff Fluazifop-P im Boden relativ rasch biologisch abgebaut wird, bestehen bei normalem Kulturwechsel im Rahmen der üblichen Fruchtfolge keine Einschränkungen für nachfolgende zweikeimblättrige Kulturen. Bei vorzeitigem Umbruch der Kultur ist eine tiefe Bodenbearbeitung ratsam.