Ackerbohne
Die Ackerbohne (Vicia faba subsp. minor, EPPO-Code: VICFM), auch als Feldbohne oder Kleine Ackerbohne bezeichnet, ist eine der wertvollsten heimischen Körnerleguminosen im mitteleuropäischen Ackerbau. Als stickstoffsammelnde Kultur spielt sie eine Schlüsselrolle in erweiterten Fruchtfolgen, da sie durch die Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobium leguminosarum) den Boden mit Luftstickstoff anreichert und die Bodenstruktur nachhaltig verbessert.
Die Kultur stellt hohe Ansprüche an die Wasserversorgung, weshalb sie bevorzugt auf tiefgründigen, schweren Böden mit guter Wasserhaltekapazität angebaut wird. Aufgrund ihrer frühen Aussaat im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr nutzt sie die Winterfeuchtigkeit optimal aus. Die Ernte der proteinreichen Samen erfolgt im Spätsommer, wobei die Kultur sowohl als hochwertiges Futtermittel als auch zunehmend in der menschlichen Ernährung Verwendung findet.
Bodenmanagement
Die Ackerbohne benötigt tiefgründige, gut strukturierte Böden mit ausreichender Kalkversorgung, um eine optimale Knöllchenbildung zu gewährleisten. Ein pH-Wert unter 6,0 beeinträchtigt die Aktivität der Rhizobien erheblich und sollte vor dem Anbau durch Kalkung korrigiert werden. Aufgrund des hohen Wasserbedarfs während der Blüte und Hülsenfüllung sind Standorte mit guter Wasserhaltekapazität wie Lehm- und Tonböden ideal. Die Bodenbearbeitung sollte im Frühjahr möglichst bodenschonend und ohne tiefe Verdichtungen erfolgen, um das tiefe Pfahlwurzelsystem nicht einzuschränken. Da die Kultur ihren Stickstoffbedarf selbst deckt, ist eine N-Düngung nicht erforderlich; eine Grunddüngung mit Phosphor und Kalium sollte jedoch basierend auf Bodenanalysen durchgeführt werden.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei der Ackerbohne fokussiert sich stark auf die Überwachung von Schaderregern ab der Knospenbildung. Zu den bedeutendsten pilzlichen Schaderregern gehören Botrytis fabae (Schokoladenfleckigkeit) und Uromyces viciae-fabae (Ackerbohnenrost), deren Ausbreitung durch feucht-warme Witterung begünstigt wird und die bei starkem Befall gezielte Fungizidanwendungen erfordern. Unter den tierischen Schädlingen ist die Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum) als direkter Saugschädling und Vektor von Pflanzenviren von hoher wirtschaftlicher Relevanz, weshalb regelmäßige Bestandskontrollen ab BBCH 50 unerlässlich sind. Die Bekämpfung von Unkräutern wie Chenopodium album oder Elymus repens erfolgt im Vorauflauf chemisch oder mechanisch durch Striegeln und Hacken, wobei die Kultur im Jugendstadium sehr empfindlich auf Spätverunkrautung reagiert. Ein konsequenter Fruchtfolgewechsel von mindestens 4 bis 5 Jahren ist zwingend einzuhalten, um bodenbürtige Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum und Fußkrankheiten effektiv zu unterdrücken.
Sorten
Tiffany
mittelspäthoch bis sehr hoch
Resistent gegen: Ackerbohnenrost
Anfällig für: Schokoladenfleckigkeit
Vicinarme Sorte, besonders geeignet für die Geflügel- und Schweinefütterung sowie Humanernährung.
Fuego
mittelhoch
Anfällig für: Schokoladenfleckigkeit, Ackerbohnenrost
Langjährig bewährte, ertragsstabile Standardsorte mit gutem Wuchs und mittlerer Standfestigkeit.
Fanfare
mittelhoch bis sehr hoch
Anfällig für: Ackerbohnenrost
Großkörnige Sorte mit sehr guter Standfestigkeit und rascher Jugendentwicklung.
Allison
mittelspätsehr hoch
Resistent gegen: Ackerbohnenrost
Anfällig für: Bohnenblattlaus
Moderne, vicinarme Sorte mit exzellenter Standfestigkeit und hohem Proteinertrag.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Wie wird der optimale Zeitpunkt für eine Fungizidbehandlung gegen Schokoladenflecken (Botrytis fabae) bestimmt?
Die Überwachung beginnt ab Knospenbildung (BBCH 51–55). Eine Behandlung mit einem zugelassenen Pflanzenschutzmittel ist wirtschaftlich sinnvoll, wenn bei feucht-warmer Witterung erste rötlich-braune Punkte auf den unteren Blättern sichtbar werden und die Wetterprognose weiterhin Niederschläge ankündigt, da sich der Schaderreger bei über 90 % Luftfeuchtigkeit rasant ausbreitet.
Welche Rolle spielt die Bekämpfung der Erbsenblattlaus (Acyrthosiphon pisum) bei der Vermeidung von Viruserkrankungen?
Die Erbsenblattlaus überträgt Viren wie das Scharfe Adernmosaik-Virus (PEMV). Da eine direkte Virusbekämpfung unmöglich ist, muss der Vektor frühzeitig kontrolliert werden. Die Schadschwelle liegt bei etwa 10–15 % befallenen Pflanzen ab BBCH 50; bei Überschreitung ist eine gezielte Insektizidanwendung zur Verhinderung von Ertragsausfällen ratsam.
Warum ist die Einhaltung einer weiten Fruchtfolge bei Ackerbohnen so kritisch?
Ackerbohnen sind mit sich selbst und anderen Leguminosen unverträglich. Ein Anbauabstand von mindestens 4 bis 5 Jahren schützt vor der Anreicherung bodenbürtiger Schaderreger wie Sclerotinia sclerotiorum (Stängelfäule) und Fußkrankheiten (Fusarium spp.), die den Bestand vorzeitig zum Absterben bringen können.
Wie kann mechanische Unkrautregulierung erfolgreich in den Anbau integriert werden?
Aufgrund der tiefen Saatgutablage (6–8 cm) kann vor dem Auflaufen blindgestriegelt werden. Ab dem 2-Blatt-Stadium (BBCH 12) ist der Einsatz von Hackgeräten zwischen den Reihen möglich, bis der Reihenschluss (BBCH 39) erreicht ist. Dies reduziert den Besatz mit Chenopodium album und einjährigen Gräsern ohne Herbizideinsatz.
Wie finde ich auf agronomy.farmable.tech aktuell zugelassene Pflanzenschutzmittel für die Ackerbohne?
Nutzen Sie die Suchfunktion im Hub und filtern Sie nach der Kultur „Ackerbohne“ (Vicia faba subsp. minor) sowie dem spezifischen Schaderreger, beispielsweise „Botrytis fabae“. Das System listet Ihnen alle aktuell in Ihrer Region registrierten Pflanzenschutzmittel inklusive Aufwandmengen, Wartezeiten und Anwendungsbestimmungen auf.
Welche Bedeutung hat der Tanningehalt bei der Sortenwahl und Verwertung?
Tannine in den Samenschalen beeinträchtigen die Verdaulichkeit von Proteinen bei Nicht-Monogastriern. Für die Geflügel- und Schweinefütterung sowie für bestimmte Lebensmittelanwendungen werden daher tanninfreie (weißblühende) Sorten bevorzugt, während tanninhaltige (buntblühende) Sorten oft eine bessere Widerstandsfähigkeit gegen bodenbürtige Schaderreger im Jugendstadium aufweisen.