Ackerbohne
Die Ackerbohne (Vicia faba subsp. minor, EPPO-Code: `VICFM`), auch als Feldbohne oder Kleine Ackerbohne bekannt, ist eine der wertvollsten heimischen Körnerleguminosen im mitteleuropäischen Ackerbau. Als stickstofffixierende Kultur leistet sie einen hervorragenden Beitrag zur Fruchtfolgegestaltung und Bodenverbesserung, da sie über Symbiose mit Knöllchenbakterien Luftstickstoff bindet und somit nachfolgenden Kulturen zur Verfügung stellt.
Für einen erfolgreichen Anbau benötigt die Kultur tiefgründige, wasserhaltende Böden mit einer gesicherten Wasserversorgung, insbesondere während der Blüte und Hülsenfüllung. Aufgrund ihrer frühen Aussaat im Frühjahr nutzt sie die Winterfeuchtigkeit optimal aus. Sie stellt jedoch hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und reagiert empfindlich auf Trockenstress und Staunässe.
Bodenmanagement
Die Ackerbohne stellt hohe Ansprüche an die Bodenstruktur und bevorzugt mittelschwere bis schwere, tiefgründige Böden mit guter Wasserhaltefähigkeit. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung im Herbst oder eine bodenschonende Frühjahrssaat ist entscheidend, um Verdichtungen zu vermeiden, da die Pfahlwurzel empfindlich auf Sperrschichten reagiert. Ein optimaler pH-Wert im neutralen Bereich (6,2 bis 7,0) sichert die Aktivität der Knöllchenbakterien (*Rhizobium leguminosarum*), die für die Stickstofffixierung essenziell sind. Eine Kalkung vor dem Anbau kann auf sauren Standorten den Ertrag deutlich stabilisieren. Achte darauf, dass das Saatbett tief genug gelockert ist, da die Saattiefe für eine gute Verankerung und Wasserversorgung bei 6 bis 10 cm liegen sollte.
Schaderreger-Management
Der integrierte Pflanzenschutz bei der Ackerbohne erfordert eine genaue Beobachtung von Schaderregern ab dem Auflaufen. Gegen Unkräuter und Ungräser wie *Elymus repens* oder *Poa annua* stehen mechanische Verfahren wie Striegeln und Hacken sowie gezielte chemische Pflanzenschutzmittel im Vorauflauf zur Verfügung. Ein kritisches Augenmerk musst du auf pilzliche Schaderreger wie *Botrytis fabae* (Schokoladenfleckenkrankheit) und *Uromyces sp.* (Ackerbohnenrost) legen, die insbesondere in feuchten Jahren ertragsentscheidend sein können. Zudem ist die Erbsenblattlaus (*Acyrthosiphon pisum*) als direkter Schädling und Vektor für Pflanzenviren regelmäßig zu kontrollieren, um rechtzeitig eine gezielte Behandlung einzuleiten. Eine weite Fruchtfolge von mindestens 4 bis 5 Jahren ist zur Vorbeugung von bodenbürtigen Krankheiten wie *Sclerotinia sclerotiorum* zwingend einzuhalten.
Sorten
Tiffany
mittelspätSehr hoher Kornertrag und überdurchschnittlicher Rohproteingehalt.
Resistent gegen: Ackerbohnenrost
Anfällig für: Botrytis fabae
Eine sehr beliebte, tanninarme Sorte, die sich hervorragend für die Geflügel- und Schweinefütterung eignet.
Fuego
mittelKonstant hohe Erträge auf fast allen Standorten im Bundesgebiet.
Anfällig für: Botrytis fabae, Lagerung
Langjährig bewährte, gerbstoffreiche Standardsorte mit sehr ausgeglichenen agronomischen Eigenschaften.
Fanfare
mittelSehr hohes Ertragspotenzial, besonders auf besseren Böden.
Resistent gegen: Lagerung
Anfällig für: Ackerbohnenrost
Gerbstoffreiche Sorte mit exzellenter Jugendentwicklung und sehr guter Standfestigkeit.
Allison
mittelspätSpitzenerträge im Kornbereich bei gleichzeitig sehr hohem Proteinertrag.
Anfällig für: Botrytis fabae
Moderne, leistungsstarke Sorte mit hoher Proteinkonzentration für die Humanernährung und Futtermischungen.
Wichtige Schaderreger
Zugelassene Pflanzenschutzmittel
Häufige Fragen
Warum muss die Ackerbohne so tief gesät werden?
Eine Saattiefe von 6 bis 10 cm ist für diese Kultur entscheidend. Sie schützt die keimenden Samen vor Spätfrösten sowie Vogelfraß (insbesondere durch Krähen) und sichert den Anschluss an das kapillare Bodenwasser, was für die quellungsintensive Keimung der großen Samen unerlässlich ist. Zudem sorgt die tiefe Wurzelverankerung für eine bessere Standfestigkeit im späteren Wachstumsverlauf.
Wann solltest du das Saatgut mit Knöllchenbakterien impfen?
Eine Impfung mit *Rhizobium leguminosarum* ist dringend empfohlen, wenn auf der betroffenen Fläche seit mehr als zehn Jahren keine Ackerbohnen oder Erbsen mehr angebaut wurden. Auf Standorten mit regelmäßigem Leguminosenanbau sind meist genügend natürliche Bakterienstämme im Boden vorhanden, doch eine zusätzliche Impfung kann die Stickstofffixierung und somit den Ertrag auf Grenzstandorten absichern.
Wie ermittelst du die Schadschwelle für die Erbsenblattlaus?
Kontrolliere deine Kultur ab Beginn der Knospenbildung (BBCH-Stadium 51) regelmäßig. Die Schadschwelle ist erreicht, wenn etwa 10 bis 15 % der Pflanzen dicht mit Kolonien der Erbsenblattlaus (*Acyrthosiphon pisum*) besiedelt sind oder erste nesterweise Ausbreitungen sichtbar werden. Eine rechtzeitige Behandlung schützt nicht nur vor Saugschäden, sondern verhindert auch die Übertragung von ertragsmindernden Viren.
Wie findest du die passenden zugelassenen Pflanzenschutzmittel für deine Ackerbohnen?
Nutze hierzu die Suchmaske in unserem Agronomie-Hub. Filtere gezielt nach der Kultur 'Ackerbohne' und dem jeweiligen Schaderreger, um alle aktuell in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive ihrer Aufwandmengen, Wartezeiten und spezifischen Anwendungsbestimmungen (wie z. B. Bienenschutzauflagen) aufzurufen.
Woran erkennst du einen Befall mit der Schokoladenfleckenkrankheit und wie reagierst du?
Achte auf kleine, rotbraune bis schokoladenbraune Flecken mit rötlichem Rand auf den Blättern. Bei feucht-warmer Witterung fließen diese Flecken schnell zusammen und führen zum Absterben des Blattgewebes. Sobald du erste Symptome ab der Blüte feststellst und die Wetterprognose feucht bleibt, solltest du eine Fungizidbehandlung einplanen, um massiven Blattverlust zu verhindern.
Welche Vorteile bietet dir der Gemengeanbau mit Getreide?
Der Anbau im Gemenge (z. B. mit Hafer oder Sommergerste) verbessert die Standfestigkeit der Ackerbohne erheblich und unterdrückt Unkräuter natürlicherweise durch den schnelleren Bodenschluss. Zudem mindert der Mischungspartner dein Ertragsrisiko bei extremen Witterungsverhältnissen, da das Getreide eventuelle Ausfälle der Bohne teilweise kompensieren kann.