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FUNGURAN-OH 50 WP

BVL Zul.-Nr. 00A085-00

FUNGURAN-OH 50 WP ist ein bewährtes, kupferbasiertes Pflanzenschutzmittel zur gezielten Bekämpfung von Phytophthora infestans (Kraut- und Knollenfäule) in der Kultur Kartoffel. Als klassisches Spritzpulver (WP) formuliert, zeichnet sich das Produkt durch eine feine Partikelstruktur aus, die eine hervorragende Verteilung und Haftung auf den Blattoberflächen gewährleistet. Es nimmt sowohl im integrierten als auch im ökologischen Anbau eine Schlüsselrolle ein, da es als reines Kontaktfungizid einen zuverlässigen, vorbeugenden Schutzfilm aufbaut.

Die Formulierung basiert auf hochwertigem Kupferhydroxid, das sich durch eine kontinuierliche Freisetzung von wirksamen Kupfer-Ionen bei Feuchtigkeit auszeichnet. Dies macht FUNGURAN-OH 50 WP besonders effektiv in Perioden mit hohem Infektionsdruck, wenn feucht-warme Witterungsbedingungen die Ausbreitung des Schaderregers begünstigen. Durch die protektive Wirkung wird das Keimen der Sporen direkt auf der Blattoberfläche unterbunden, noch bevor der Pilz in das Pflanzengewebe eindringen kann.

Wirkstoffe

Kupferhydroxid
767.7 g/kg · Wirkstoff

Wirkungsweise

Der Wirkstoff Kupferhydroxid gehört laut FRAC-Klassifikation zur Gruppe M01 (anorganische Multisite-Kupferverbindungen). Nach der Applikation und bei Kontakt mit Feuchtigkeit (Tau, Regen) werden auf der Blattoberfläche kontinuierlich positiv geladene Kupfer-Ionen freigesetzt. Diese Ionen werden von den Sporen des Schaderregers passiv aufgenommen und akkumulieren im Inneren der Pilzzelle. Dort entfalten sie eine unspezifische, multisite-wirksame Toxizität: Sie denaturieren essentielle Proteine, blockieren wichtige Enzymsysteme und stören die Zellatmung sowie die Membranintegrität des Erregers. Da dieser biochemische Angriff an zahlreichen Stellen gleichzeitig erfolgt, wird die Sporenkeimung und die Schlauchbildung von Phytophthora infestans effektiv und irreversibel blockiert.

Resistenzmanagement

Aufgrund des unspezifischen Multisite-Wirkungsmechanismus (FRAC-Gruppe M01) besteht bei der Anwendung von FUNGURAN-OH 50 WP kein praktisches Risiko für eine Resistenzentwicklung des Schaderregers. Das Pflanzenschutzmittel eignet sich daher hervorragend als fester Baustein im Antiresistenzmanagement. Es sollte strategisch im Wechsel mit systemischen oder lokalsystemischen Fungiziden anderer Wirkstoffklassen eingesetzt werden, um deren Wirksamkeit langfristig zu sichern und den Selektionsdruck im Feld zu minimieren.

Mischbarkeit & Tankmischung

FUNGURAN-OH 50 WP ist im Allgemeinen gut mit vielen gängigen Pflanzenschutzmitteln mischbar. Bei Tankmischungen mit sauren Reaktionspartnern oder bestimmten Blattdüngern ist jedoch Vorsicht geboten, da ein niedriger pH-Wert der Spritzbrühe die Löslichkeit von Kupfer drastisch erhöhen und somit Phytotoxizität an der Kultur verursachen kann. Es wird empfohlen, stets eine ausreichende Wassermenge zu verwenden, die Spritze kontinuierlich zu rühren und vorab eine Mischungsprobe in einem kleinen Gefäß durchzuführen. Die Applikation sollte auf trockene Bestände erfolgen, um eine optimale Antrocknung des Spritzfilms zu gewährleisten.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit FUNGURAN-OH 50 WP ist die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung (PSA), einschließlich Schutzhandschuhen und Schutzanzug beim Ansetzen der Spritzbrühe, strikt einzuhalten. Da Kupfer im Boden akkumuliert und für aquatische Organismen sowie Regenwürmer bei übermäßiger Anreicherung toxisch sein kann, sind die gesetzlichen Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und die maximalen jährlichen Reinkupfer-Mengen pro Hektar genau zu beachten. Das Pflanzenschutzmittel ist bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
KartoffelPhytophthora infestans37–912 KILOGRAM_PER_HECTARE14T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für die erste Behandlung mit FUNGURAN-OH 50 WP in Kartoffeln?

Die erste Anwendung sollte streng vorbeugend (protektiv) erfolgen, sobald die regionalen Warndienste Infektionsgefahr melden oder spätestens ab dem BBCH-Stadium 37 (Reihenschluss der Kultur), noch bevor erste Symptome im Feld sichtbar sind.

Warum ist der pH-Wert des Spritzwassers bei der Anwendung von Kupferhydroxid so wichtig?

Ein zu saurer pH-Wert (unter 6,0 bis 6,5) im Tank führt dazu, dass sich das Kupferhydroxid zu schnell auflöst und schlagartig große Mengen an freien Kupfer-Ionen freigesetzt werden. Dies kann zu Verbrennungen (Phytotoxizität) an den Blättern der Kultur führen. Ideal ist ein neutraler bis leicht basischer pH-Wert der Spritzbrühe.

Kann FUNGURAN-OH 50 WP auch bei feuchtem Wetter oder kurz vor Regen appliziert werden?

Nein, für eine optimale Wirkung muss der Spritzfilm auf den Blättern vollständig angetrocknet sein, bevor Niederschläge einsetzen. Einmal angetrocknet, weist die Formulierung eine gute Regenbeständigkeit auf. Bei anhaltendem, starkem Regen wird der Schutzfilm jedoch allmählich abgewaschen und muss erneuert werden.

Wie lässt sich FUNGURAN-OH 50 WP sinnvoll in eine Spritzfolge integrieren?

In Phasen des starken Krautwachstums empfiehlt sich der Einsatz systemischer Fungizide, da diese den Neuzuwachs mitschützen. FUNGURAN-OH 50 WP kann hervorragend in der Phase des abgeschlossenen Wachstums oder zur Abschlussbehandlung eingesetzt werden, um auch die Knollen vor einer Sporeneinschwemmung zu schützen.

Gibt es eine gesetzliche Höchstmenge für Kupfer, die ich beim Einsatz dieses Produkts beachten muss?

Ja, in Deutschland und der EU gelten strenge Reinkupfer-Obergrenzen pro Hektar und Jahr (in der Regel maximal 4 kg Reinkupfer/ha/Jahr im mehrjährigen Schnitt). Da FUNGURAN-OH 50 WP einen hohen Kupferanteil besitzt, müssen alle kupferhaltigen Anwendungen auf derselben Fläche über das Jahr hinweg zusammengerechnet werden.