GOBBI GIB 4 LG
GOBBI GIB 4 LG ist ein hochspezialisierter Wachstumsregulator auf Basis von Gibberellinsäure (GA3), der gezielt im Weinbau eingesetzt wird. Als flüssiges Formulierungskonzentrat lässt sich das Pflanzenschutzmittel leicht dosieren und zeichnet sich durch eine hervorragende Pflanzenverträglichkeit aus. Es unterstützt Winzer dabei, die Struktur der Trauben optimal zu beeinflussen und so die Qualität des Lesegutes nachhaltig zu sichern.
Der primäre Einsatzzweck in der Kultur Weinrebe ist die Lockerung des Traubenstielgerüstes. Durch die gezielte Anwendung wird das Längenwachstum der Haupt- und Nebenachsen der Gescheine angeregt. Dies führt zu einer lockerbeerigeren Traubenstruktur, was wiederum das Risiko von Quetschungen der Beeren und die damit verbundene Anfälligkeit für Botrytis cinerea (Grauschimmel) drastisch reduziert.
GOBBI GIB 4 LG hat sich als unverzichtbares Werkzeug im modernen Qualitätsweinbau etabliert, insbesondere bei kompakt wachsenden Rebsorten. Die präzise Steuerung des Wachstums trägt maßgeblich zur Gesunderhaltung der Trauben bis zur Ernte bei und erleichtert zudem die spätere Lese.
Wirkstoffe
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Gibberellinsäure (GA3) ist ein natürlicherweise in Pflanzen vorkommendes Phytohormon, das eine Schlüsselrolle bei der Steuerung von Streckungswachstum und Zellteilung einnimmt. Nach der Aufnahme über die grünen Pflanzenteile stimuliert GOBBI GIB 4 LG die Dehnung der Zellen im Gewebe des Stielgerüstes (Rachis). Dies führt zu einer physischen Streckung der Traubenachse, bevor die Beeren ihre endgültige Größe erreichen. Durch diese künstlich induzierte Streckung entsteht mehr Raum zwischen den einzelnen Beeren. Die Beeren stehen dadurch weniger unter Druck, was die Entstehung von Mikrorissen in der Beerenhaut verhindert. Da diese Risse oft als Eintrittspforten für pilzliche Schaderreger dienen, entzieht die veränderte Morphologie Krankheiten wie der Sauerfäule und Botrytis die biologische Grundlage.
Resistenzmanagement
Da es sich bei Gibberellinsäure um einen pflanzeneigenen Wachstumsregulator und nicht um ein Fungizid oder Herbizid handelt, besteht kein Risiko einer klassischen Resistenzentwicklung im Sinne von HRAC, FRAC oder IRAC. Das primäre Ziel im Sinne eines nachhaltigen Managements ist die Vermeidung von physiologischem Stress für die Kultur. Um unerwünschte Nebenwirkungen wie eine verminderte Blütenknospenanlage im Folgejahr (Alternanz) zu verhindern, muss die Anwendung streng nach den empfohlenen BBCH-Stadien und unter Berücksichtigung der sortenspezifischen Empfindlichkeiten erfolgen.
Mischbarkeit & Tankmischung
GOBBI GIB 4 LG ist im Allgemeinen gut mit gängigen Pflanzenschutzmitteln mischbar, jedoch sollte die Kombination mit stark alkalischen Produkten vermieden werden, da ein hoher pH-Wert im Spritztank den Wirkstoff Gibberellinsäure rasch abbauen kann. Ein leicht saurer pH-Wert des Spritzwassers (pH 5,0 bis 6,5) optimiert die Stabilität und Aufnahme des Wirkstoffs. Die Zugabe von Netzmitteln kann die Benetzung der Gescheine verbessern, sollte aber vorab auf Verträglichkeit geprüft werden, um Blattschäden zu vermeiden. Mischungen mit anderen Wachstumsregulatoren oder Düngemitteln sollten unterlassen werden, um unvorhersehbare hormonelle Wechselwirkungen in der Kultur auszuschließen.
Sicherheit & Ökotoxikologie
Als natürlicher Pflanzeninhaltsstoff weist Gibberellinsäure ein günstiges ökotoxikologisches Profil auf. GOBBI GIB 4 LG ist als nicht bienengefährlich eingestuft und schont wichtige Nützlinge im Weinberg. Dennoch sind beim Ansetzen der Spritzbrühe und der Ausbringung die standardmäßigen persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) wie Schutzhandschuhe und Schutzbrille zu tragen, um Haut- und Augenkontakt zu vermeiden. Abdriftmindernde Düsen sollten verwendet werden, um die umliegenden Biotope und Gewässer zu schützen, auch wenn die direkten Risiken für aquatische Organismen als gering eingestuft werden.
Zugelassene Anwendungen
| Kultur | Ziel-Schaderreger | BBCH | Aufwand | Wartezeit |
|---|---|---|---|---|
| Weinrebe | Lockerung des Traubenstielgerüstes | 53–65 | 360 MILLILITER_PER_HECTARE | — |
Häufige Fragen
Warum ist der genaue Anwendungszeitpunkt bei GOBBI GIB 4 LG so kritisch?
Die Wirkung von Gibberellinsäure hängt stark vom physiologischen Zustand der Rebe ab. Eine Anwendung vor BBCH 53 zeigt oft keine ausreichende Wirkung auf das Stielgerüst, während eine zu späte Anwendung nach BBCH 65 zu Verrieselung (Abstoßen von Blüten) oder unerwünschten Verformungen der Gescheine führen kann. Das optimale Zeitfenster muss daher exakt abgepasst werden.
Wie beeinflusst die Rebsorte die Dosierung und Wirkung von GOBBI GIB 4 LG?
Rebsorten reagieren sehr unterschiedlich auf Gibberelline. Kompakte Sorten wie Spätburgunder, Grauburgunder oder Weißburgunder profitieren stark von der Lockerung, benötigen jedoch präzise, oft sortenspezifisch angepasste Aufwandmengen. Bei weniger kompakten Sorten ist eine Anwendung meist nicht notwendig oder kann sogar zu einer zu starken Ausdünnung führen.
Kann GOBBI GIB 4 LG zusammen mit Fungiziden ausgebracht werden?
Ja, eine Tankmischung mit vielen gängigen Weinbaufungiziden ist möglich. Wichtig ist dabei jedoch, dass der pH-Wert der Spritzbrühe im leicht sauren Bereich liegt, da alkalische Partner den Wirkstoff Gibberellinsäure inaktivieren. Vor der Mischung sollte stets eine Verträglichkeitsprobe durchgeführt werden.
Welche Rolle spielt die Witterung bei der Applikation von GOBBI GIB 4 LG?
Für eine optimale Aufnahme des Wirkstoffs sind milde Temperaturen (15 bis 25 °C) und eine hohe Luftfeuchtigkeit ideal, da dies die Antrocknungszeit verlängert und die Penetration durch die Kutikula erleichtert. Extrem heiße, trockene Bedingungen oder unmittelbar bevorstehender Regen mindern die Effizienz der Behandlung erheblich.
Hat die Anwendung von GOBBI GIB 4 LG Auswirkungen auf den Ertrag im Folgejahr?
Bei sachgemäßer Anwendung innerhalb der registrierten BBCH-Stadien und Aufwandmengen sind keine negativen Auswirkungen zu erwarten. Eine Überdosierung oder ein zu später Anwendungszeitpunkt kann jedoch die Differenzierung der Winterknospen stören, was im Folgejahr zu einem geringeren Austrieb und Ertragsausfall (Alternanz) führen kann.
Wie finde ich im Portal weitere zugelassene Produkte zur Traubenauflockerung?
Nutzen Sie die Filterfunktion in unserer Produktdatenbank auf agronomy.farmable.tech. Wählen Sie die Kultur 'Weinrebe' (Vitis vinifera) und filtern Sie nach dem Schaderreger bzw. dem Einsatzzweck 'Lockerung des Traubenstielgerüstes' oder nach der Wirkstoffklasse der Wachstumsregulatoren, um alle in Deutschland zugelassenen Alternativen anzuzeigen.