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OTHER · SIPCAM OXON S. P. A.

GRECALE

BVL Zul.-Nr. 007957-61

GRECALE ist ein hochwirksames, flüssiges Fungizid (Formulierungstyp: Suspensionskonzentrat, SC), das speziell für den professionellen Kartoffelanbau zur Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) entwickelt wurde. Durch die Kombination zweier komplementärer Wirkstoffe bietet das Pflanzenschutzmittel sowohl vorbeugenden Schutz als auch kurative Heileffekte in frühen Infektionsstadien. Dies macht es zu einem unverzichtbaren Baustein im modernen Antiresistenzmanagement.

Die Stärke von GRECALE liegt in seiner doppelten Barrierewirkung. Während die Kontaktkomponente einen stabilen Schutzfilm auf der Blattoberfläche bildet, dringt der lokalsystemische Partner rasch in das Blattgewebe ein. Dadurch wird die Kultur auch bei starkem Infektionsdruck und unbeständigem Wetter zuverlässig geschützt, da der Wirkstoff schnell regenfest ist.

Das Pflanzenschutzmittel ist für den Einsatz während der gesamten aktiven Wachstumsphase der Kartoffel registriert. Es schützt nicht nur das Laub, sondern mindert durch seine sporenabtötende Wirkung auch das Risiko einer Spätinfektion der Knollen bei der Ernte, was die Lagerstabilität der Erntegutpartien maßgeblich sichert.

Wirkstoffe

Cymoxanil
200 g/L · Wirkstoff
Fluazinam
300 g/L · Wirkstoff

Wirkungsweise

Die herausragende Wirkung von GRECALE basiert auf dem Zusammenspiel von Cymoxanil und Fluazinam. Cymoxanil (FRAC-Gruppe 27) ist ein lokalsystemischer Wirkstoff mit penetrierenden Eigenschaften. Er greift in die Synthese von Nukleinsäuren und Proteinen des Pilzes ein und stoppt das Myzelwachstum unmittelbar nach der Keimung. Aufgrund seiner schnellen Penetration entfaltet Cymoxanil eine kurative Wirkung, sofern die Behandlung innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der Infektion erfolgt. Fluazinam (FRAC-Gruppe 29) ergänzt dies als reines Kontaktfungizid mit breitem Wirkungsspektrum. Es blockiert die oxidative Phosphorylierung in den Mitochondrien des Schaderregers, wodurch die Energieproduktion (ATP-Synthese) der Pilzzellen zusammenbricht. Da Fluazinam an mehreren Stellen des Atmungsprozesses ansetzt (Multi-Site-Inhibitor), verhindert es effektiv die Sporenkeimung und die Appressorientubusbildung auf der Pflanzenoberfläche, was das Risiko von Resistenzbildungen extrem minimiert.

Resistenzmanagement

Um der Entstehung von Resistenzen bei Phytophthora infestans vorzubeugen, kombiniert GRECALE bereits werkseitig zwei unterschiedliche Wirkmechanismen (FRAC 27 und 29). Dennoch sollte das Pflanzenschutzmittel im Rahmen einer vorausschauenden Spritzfolge im Wechsel mit Fungiziden aus anderen Wirkstoffklassen eingesetzt werden. Die maximale Anzahl der Anwendungen pro Saison gemäß der BVL-Zulassung darf nicht überschritten werden, und Behandlungen sollten bevorzugt präventiv oder bei ersten Infektionswarnungen der Prognosemodelle durchgeführt werden.

Mischbarkeit & Tankmischung

GRECALE zeichnet sich durch eine gute physikalische Mischbarkeit mit gängigen Kartoffelfungiziden, Insektiziden (z. B. gegen den Kartoffelkäfer) und Blattdüngern aus. Bei Tankmischungen ist stets auf eine ausreichende Wasseraufwandmenge zu achten, um eine lückenlose Benetzung des dichten Kartoffellaubs zu gewährleisten. Vor dem Ansetzen größerer Mengen wird ein physischer Mischbarkeitstest im kleinen Maßstab empfohlen. Die Zugabe von Additiven ist in der Regel nicht erforderlich, da die Formulierung bereits für eine optimale Haftung und Regenfestigkeit optimiert ist.

Sicherheit & Ökotoxikologie

Beim Umgang mit GRECALE sind die gesetzlich vorgeschriebenen PSA-Maßnahmen (Schutzanzug, Schutzhandschuhe und Augenschutz beim Ansetzen der Spritzbrühe) strikt einzuhalten. Aufgrund des Wirkstoffs Fluazinam ist das Mittel als gewässergefährdend eingestuft. Es müssen strenge Abdriftminderungsauflagen und Abstandsregelungen zu Oberflächengewässern (BVL-Anwendungsbestimmungen) beachtet werden, um aquatische Organismen zu schützen. Für Honigbienen ist das Mittel bei sachgemäßer Anwendung als nicht bienengefährlich (B4) eingestuft, dennoch sollte ein direkter Kontakt mit blühenden Unkräutern im Bestand vermieden werden.

Zugelassene Anwendungen

KulturZiel-SchaderregerBBCHAufwandWartezeit
KartoffelKraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans)21–890.6 LITER_PER_HECTARE7T

Häufige Fragen

Wann ist der optimale Zeitpunkt für den ersten Einsatz von GRECALE in Kartoffeln?

Der erste Einsatz sollte idealerweise präventiv vor dem Reihenschluss (ab BBCH-Stadium 21) erfolgen, sobald die offiziellen Prognosemodelle ein Infektionsrisiko für Kraut- und Knollenfäule anzeigen. Die vorbeugende Behandlung stellt sicher, dass der schützende Wirkstofffilm von Fluazinam bereits auf den Blättern etabliert ist, bevor Sporen fliegen.

Wie wirkt sich Regen kurz nach der Applikation auf die Effektivität von GRECALE aus?

Dank der schnellen Penetration von Cymoxanil in das Blattgewebe und der hervorragenden Haftungseigenschaften von Fluazinam ist GRECALE bereits etwa 1 bis 2 Stunden nach dem Antrocknen des Spritzbelags regenfest. Ein moderater Niederschlag nach diesem Zeitraum beeinträchtigt die Schutzwirkung nicht maßgeblich.

Kann GRECALE auch bei bereits sichtbaren Symptomen der Kraut- und Knollenfäule eingesetzt werden?

Ja, dank der lokalsystemischen Komponente Cymoxanil besitzt GRECALE eine kurative Wirkung von bis zu 24–48 Stunden nach einer erfolgten Infektion. Bei starkem, sichtbarem Befall im Feld sollte das Mittel jedoch vorzugsweise in einer gezielten Stopp-Spritzung eingesetzt werden, um die Sporenbildung rasch zu unterbinden und eine weitere Ausbreitung zu stoppen.

Warum ist der Schutz vor Knollenfäule am Ende der Saison so wichtig und wie hilft GRECALE dabei?

Sporen von Phytophthora infestans können bei Regen vom Laub in den Boden gewaschen werden und dort die Knollen infizieren, was zu massiven Fäulnisverlusten im Lager führt. Fluazinam in GRECALE besitzt eine herausragende sporenabtötende (antisporulierende) Wirkung, die den Sporenflug zum Boden unterbindet und somit die Knollen in der späten BBCH-Phase (bis BBCH-Stadium 89) schützt.

Welche Rolle spielt GRECALE im Antiresistenzmanagement für Kartoffelanbauer?

Da GRECALE zwei Wirkstoffe mit völlig unterschiedlichen Wirkmechanismen kombiniert (Cymoxanil greift in die RNA-Synthese ein, während Fluazinam als Entkoppler der Zellatmung fungiert), wird das Risiko einer Resistenzselektion drastisch reduziert. Es eignet sich hervorragend als Wechselpartner zu rein systemischen Fungiziden.